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Dominique Aury

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Dominique Aury (* 23. September 1907, Rochefort-sur-Mer, Charente-Maritime, Frankreich; † 27. April 1998, Corbeil-Essonnes, Île-de-France; eigentlich Anne Desclos) war eine französische Autorin, die vor allem durch den 1954 erschienen erotischen Roman „Geschichte der O“ bekannt wurde, den sie unter dem Pseudonym Pauline Réage veröffentlichte.

Inhaltsverzeichnis

Studium und Beruf

Sie wuchs auf bei ihrer Großmutter in der Bretagne. Nach dem Besuch des Lycée Fénelon in Paris studierte sie Anglistik an der Sorbonne. Durch ihren Vater bekannt gemacht mit Jean Paulhan, damals Chefredakteur der Nouvelle Revue français (NRF) begann sie dort als Verlagssekretärin und Journalistin zu arbeiten. Ihre Artikel erschienen unter dem Pseudonym Dominique Aury.

Sie arbeitete zusammen mit Jean Paulhan und Marcel Arland ungefähr 25 Jahre lang für die NRF, zuletzt als Chefredakteurin, und im Lektorat des renommierten Verlags Gallimard. Sie übersetzte zahlreiche englische Autoren ins Französische, darunter Evelyn Waugh, T.S. Eliot und F. Scott Fitzgerald und war darüber hinaus eine respektierte Literaturkritikerin, Jury-Mitglied bei bekannten Literaturpreisen und erhielt den Orden der Ehrenlegion.

Jean Paulhan

Während der deutschen Besatzung kam es zu einer Affäre mit ihrem Vorgesetzten Jean Paulhan, der etwa 20 Jahre älter als sie war. Sie verliebt sich sehr heftig in ihn:

Ich war wahnsinnig in ihn verliebt. Es gab für mich niemanden außer ihm. Ich lebte mit ihm 15 Jahre, 11 Jahre, ich weiß nicht mehr genau. Er war der letzte Abschnitt meines Lebendigseins, meines Lebens als lebendiger Mensch. Danach war ich keiner mehr. Ich schloss mit allem ab. (Dominique Aury)[1]

Nachdem gegen Ende der 40er Jahre das Verhältnis zu Paulhan sich abzukühlen schien, außerdem angestachelt durch eine chauvinistische Bemerkung Paulhans, dass keine Frau einen erotischen Roman schreiben könne, begann sie nachts im Bett die Geschichte der O aufzuschreiben, die unter dem Pseudonym „Pauline Réage“ bei dem jungen Verleger Jean-Jacques Pauvert erschien.

Die „Geschichte der O“ und die Folgen

Das Buch erregte ungeheures Aufsehen, wurde ein Bestseller in Frankreich und zeitweise der meistverkaufte französische Roman außerhalb Frankreichs. Über den pseudonymen Autor gab es vielfältige Spekulationen. Dass es das Werk einer Frau sein könnte, wurde heftig bestritten, schon gar nicht wurde die intellektuelle, betont zurückhaltend auftretende Dominique Aury als Autorin in Betracht gezogen.

Gegen den Verleger wurde mehrfach Anklage erhoben, das Verfahren wurde jedoch 1959 niedergeschlagen. Gleichwohl blieb das Buch bis 1967 in Frankreich indiziert. 1969 erschien unter dem Titel Retour à Roissy (Rückkehr nach Roissy) eine Fortsetzung, die aber laut der Biografie von Angie David nicht von Dominique Aury verfasst worden ist.

Auch nachdem 1975 Régine Deforges ein auf einem Interview mit der unbekannten Autorin basierendes Buch erschienen war, blieb Dominique Aurys Pseudonym gewahrt. Erst 1994 wurde sie von John de St. Jorre im Rahmen der Recherche für ein Buch über den Gründer des Verlages Olympia Press als Autorin der Geschichte der O identifiziert. Nachdem ein Interview mit ihr im New Yorker erschienen war, bekannte sie sich schließlich öffentlich zu ihrem Werk.

Werke

  • Histoire d'O Pauvert, Paris 1954 (deutsche EA: Geschichte der O Melzer, Darmstadt 1967. BPjS-Index E 1942 Nr. 211 vom 9. November 67)
  • Retour à Roissy 1967 (deutsche EA: Rückkehr nach Roissy, Melzer, Darmstadt 1969. Indiziert wurde nicht die EA, sondern entsprechend dem Bundesanzeiger Nr. 94 v. 22. Mai 1982 die Ausgabe als rororo-Tb. 4172)

Fußnoten

  1. L'Ecrivain d'O / Geschichte der O, Dokumentation, Arte, 28.8.1906, 61 min.

Literatur

  • Angie David: Dominique Aury : La vie secrète de l'auteur d'Histoire d'O Editions Léo Scheer, 2006, 560 S., ISBN 2-7561-0030-7 (Französische Biografie)
  • Régine Deforges: O m'a dit (deutsch: Die 'O' hat mir erzählt. Hintergründe eines Bestsellers. charon, 2000, ISBN 3931406253)
  • John de St. Jorre: Good Ship Venus - Erotic Voyage of the Olympia Press. Hutchinson, 1994. 288 S., ISBN 0091778743 (enthält ein Interview mit Dominique Aury)

Weblinks


Wikipedia
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