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Patriziat (Nürnberg)

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Bild:Bildnis der Elsbeth Tucher 2.png
Bildnis der Elsbeth Tucher von Albrecht Dürer, Lindenholz 29,1 x 23,3 cm, datiert 1499 (Staatliche Museen Kassel, Galerie Alte Meister)

Von 1427 bis zur französischen Besetzung 1806 wurde Nürnberg vom Magistrat regiert, der sich in den „Inneren Rat“ und den „Großen Rat“ gliederte. Dabei stellte der innere Rat, in dem nur patrizische Familien, das Patriziat der Stadt, vertreten waren, das eigentliche Machtzentrum und den Inhaber der Souveränität dar. Der Stadtstaat Nürnberg selbst bezeichnete sich - wie auch andere Reichsstädte - als „Republik“. Neben der Anlehnung an das römische Vorbild meint der Begriff hier auch den Gegensatz zu den ansonsten üblichen monarchischen Regierungsformen. „Republik“ darf aber nicht mit „Demokratie“ gleichgesetzt werden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ursprung

Die für den Rat berechtigten Familien, die sich (ebenfalls nach römischem Vorbild) Patrizier nannten, waren die politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich führenden Familien in der Reichstadt. Sie stammten überwiegend aus der Ministerialität. Nach dem Untergang des Stauferreiches zogen die meisten der Reichsministerialenfamilien, wie zum Beispiel die Pfinzing, Stromer, Haller, Muffel oder Groß aus dem Reichsland (Terra Imperii) in die Stadt.

Stadtadel

Zwischen dem Landadel und dem Stadtadel gab es anfangs keine Unterschiede, doch seit etwa der Mitte des 14. Jahrhunderts gingen die Wege auseinander. Der neue Stadtadel gelangte durch Handel (Fernhandel), Finanzgeschäfte und durch gewinnreiche Beteiligungen an Montanunternehmen, insbesondere in der Oberpfalz, in der Regel zu großem Reichtum. Vom Landadel wurde ihnen die Stifts- und die Turnierfähigkeit verweigert, weshalb die Söhne der Patrizier das sogenannte „Gesellenstechen“ durchführten und das Patriziat damit begann, eigene Standesklöster zu stiften. Viele Patrizierfamilien ließen sich vom Kaiser die Adelsqualität durch kaiserliche Adels- oder Wappenbriefe bestätigen, die häufig mit Wappenbesserungen verbunden waren. Andere Familien fügten, um zu demonstrieren, dass sie sich adelig fühlten, ihrem ursprünglichen Familiennamen einen Zusatz mit „von“ und den Namen zugekaufter Landsitze an. In den meisten Fällen wurde dieser Zusatz später vom Kaiser auch als Adelsprädikat anerkannt.

Kooptation

Durch das Aussterben vieler stadtadeliger Familien im Laufe des späten Mittelalters, war man gezwungen, den Rat durch Kooptation neuer ehrbarer Familien zu ergänzen. Im 15. Jahrhundert fanden zweiundzwanzig neue Familien den Aufstieg ins Patriziat, darunter die Kreß, Rieter und die Harsdörffer. Aus dem Handwerksstand schafften nur die Fütterer, über Finanzgeschäfte und das Verlagswesen, die Aufnahme in den Inneren Rat. Vielfach wurde Geschlechter, die aus oberdeutschen Städten zugezogen waren, wie etwa die Welser aus Augsburg, die Ehinger aus Ulm sowie die Imhoff und Paumgartner aus Lauingen, in den Rat kooptiert. Der Kreis der ratsfähigen Familien wurde, mit dem Erlass des Tanzstatuts von 1521, endgültig festgeschrieben und das Patriziat von zweiundvierzig Familien schloss sich kastenartig ab. Nach diesem Erlass bestimmte das Geblütsprinzip der „genießenden Familie“ die Nürnberger Gesellschaft und Politik, denn nur diese zweiundvierzig Familien waren ratsfähig. Von 1536 bis 1729 wurden nur noch die Schlüsselfelder kooptiert und den Oelhafen und Scheurl die Gerichtsfähigkeit zuerkannt. Aufgrund des Aussterbens einiger Familien mussten im 18. Jahrhundert zunächst sechs und dann nochmals drei Familien kooptiert werden, da nicht mehr alle Ämter und Deputationen besetzt werden konnten.

Nobiles Norimbergenses

Die reichen Patrizier, auch als Nobiles Norimbergenses bezeichnet, hoben sich durch die Kleiderordnungen als erster Stand deutlich hervor. Ein von Rat erlassenes Modediktat regelte Form, Qualität und Ausschmückung dessen, was die Vertreter des ersten Standes, zur Aufrechterhaltung der Ständeordnung, tragen sollen. Sie zogen sich mehr und mehr von den Handelsgeschäften zurück, erwarben ausgedehnte Landgüter, pflegten auf ihren prunkvoll ausgestatteten Herrensitzen demonstrativ den adeligen Lebensstil und versuchten ihre kaufmännische Vergangenheit zu verdrängen. Sie vernachlässigten darüber aber vor allem die wirtschaftlichen Belange der ihnen anvertrauten Stadt und trugen mit ihrer Prunksucht maßgeblich zur immer weiter zunehmenden Verschuldung Nürnbergs bei. Auch nach dem Dreißigjährigen Krieg hatten sie keine Lehren gezogen und gaben, aus Prestigegründen, das Geld mit vollen Händen aus.

Erstmals etwas bekannt wurden diese Missstände 1696 durch den vordersten Losunger Paul Albrecht Rieter von Kornburg. Er versuchte diesen Fehlern entgegenzuwirken und die Finanzen neu zu ordnen (Abbau der Staatsverschuldung), drang jedoch beim Rat nicht durch. Aus Protest legte er sein Amt nieder und zog sich nach Kornburg zurück.

Ritterschaft

Obwohl neununddreißig Patrizierfamilien die Eigenherrschaft über rund 3.000 bäuerliche Hintersassen besaßen, wurde ihnen vom Ritteradel, vereint in der Reichsritterschaft, die Ebenbürtigkeit abgesprochen, mit Ausnahme der Rieter von Kornburg. Als der Streit um die Gleichrangigkeit, die Titulatur und Anrede im Jahre 1654 eskalierte, wandte sich das Patriziat an den Kaiser.

In den Privilegien von 1696 und 1697 bestätigte Kaiser Leopold den patrizischen Familien ihren alten Adel und das Recht, neue Familien aufzunehmen. Er stellte fest, dass sie lange „ehe sie sich in die Stadt begeben, in einem adeligen und Rittermäßigen Stand“ gelebt hätten, wären zu Turnieren zugelassen gewesen, zu Rittern geschlagen und in adelige Stifte und Ritterorden aufgenommen worden, enthielten sich aller Handelsgeschäfte und anderer bürgerlicher Gewerbe, und ihnen wäre die Regierung einer volkreichen Stadt anvertraut. Dem Rat wurde korporativ (als Stand) das Prädikat „Edel“ zugestanden und den drei Vordersten Ratsherren seit 1721 der Titel „Wirklicher Geheimer Rat des Kaisers“ verliehen. Der Reichsritterschaft gegenüber mussten die Ansprüche auf Ebenbürtigkeit und die Titulatur „Edel“ erst noch durchgesetzt werden. Mehrere patrizische Familien, wie die Geuder, Kreß, Welser, Tucher, Imhoff und Holzschuher, konnten in den folgenden Jahrzehnten, durch den Erwerb von Rittergütern, ihre Immatrikulation bei der Reichsritterschaft in Franken erreichen. Es galt nur für das Nürnberger Patriziat, dass der Ratssitz in der Stadt und die Mitgliedschaft bei der freien Reichsritterschaft in einer Person vereinigt werden konnte. Um beim Kanton ein Amt übernehmen, mussten die Patrizier ihr Bürgerrecht aufgeben. Gleichrangigkeit und Gleichwertigkeit mit der freien Reichsritterschaft hatten die ratsfähigen Familien zweifellos in kaiserlichen und fürstlichen Verwaltungsdiensten und beim Militärdienst erlangt. Sie stiegen im Offizierskorps des Fränkischen Reichskreises und im kaiserlichen Heer bis in die höchsten Ränge auf.

Die Stadt Nürnberg wurde 1753, durch die Rieterstiftung, Mitglied der Reichsritterschaft!

Ende des Patriziats

Nach Ende der reichsstädtischen Zeit, wurde der Rat der Stadt entmachtet, die Ebenbürtigkeit des alten Patriziats wurde jedoch auch vom Königreich Bayern anerkannt und von den fünfundzwanzig beim Übergang an Bayern noch existierenden Patriziergeschlechtern wurden die, nach dem Tanzstatut, alten Familien in die Freiherrenklasse immatrikuliert. Die erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts kooptierten Familien wurden dagegen nur in die Klasse der einfachen Adeligen aufgenommen.

Patrizierfamilien

In Klammer angegeben ist erstens das Jahr, seit dem die jeweilige Familie das Recht hatte, Mitglieder in den „Rat der Stadt“ zu schicken, zweitens das Jahr, in dem ihr Zusatz als Adelstitel anerkannt wurde, (falls bekannt), drittens das Jahr des Jahr, in dem das Geschlecht erloschen oder ausgewandert ist.

Existent

Abgewandert

  • Hegner von Altenweiher (1441/ - / um 1600 abgewandert nach Böhmen (Kostrzan) und Ungarn (Versecz)

Erloschen

  • Pfinzing von Henfenfeld (1274/ - / † 1764)
  • Katerpeck (1318/ - / † (1395)
  • Küdorfer (1318/ - / † 1598)
  • Muffel von Eschenau (1318/ - / † 1784)
  • Behaim von Schwarzbach und Kirchensittenbach (1319/1681/ † 1942)
  • Groß (1319/ - / † 1589)
  • Koler von Neunhof (1319/ - / † 1688)
  • Schopper (1319/ - / † 16. Jh. / oder abgewandert)
  • Vorchtel (1319/ - / † 1515)
  • Eisvogel (1332/ - / † 1627)
  • Nützel von Sündersbühl (1319/ - / † (1747)
  • Ortlieb (1332/ - / † 1478)
  • Weigel (1332/ - / † 1430)
  • Maurer (Meurl) (1342/ - / † um 16. Jh.)
  • Tetzel von Kirchensittenbach (1343/ - / † 1736)
  • Groland von Oedenberg (1346/ - / † 1720)
  • Mendel (Mentelein) (1354/ - / † 1631)
  • Derrer/Dörrer von der Unterbürg (1355/ - / † 1706)
  • Schürstab (1355/ - / † 1743)
  • Ammann (1357/ - / † 1483)
  • Haid (auch: Heyden/Haiden/Heiden) (1357/ - / † 17. Jhdt.)
  • Neumarkter ( - / - / † 1361)
  • Flexdorfer (1380/ - / † 1449)
  • Pirckheimer (1386/ - / † 1530)
  • Graser (1395/ - / † 1470)
  • Pömer von Diepoltsdorf (1395/1697/ † 1814)
  • Paumgartner von Holnstein und Grünsberg (1396/ - / † 1726)
  • Rummel von Zant und Lonnerstadt (1402/ - / † 1807)
  • Zollner vom Brand (1402/ ? / † 1776)
  • Valzner (1402/ ? / † 1423)
  • Zingel (1435/ - / † 1539)
  • Rieter von Kornburg und Kalbensteinberg (1437/ 1447 / † 1753)
  • Kammermeister (1443/ - / † 1741)
  • Reich(Reichel) (1447/ - / † 1578)
  • Hirschvogel (1450/ - / † 1550)
  • Meichsner (1453/ - / † 17 Jh.)
  • Starck von Röckenhof (1453/ - / † 1715)
  • Prünsterer (1455/ - / † um 1500)
  • Topler (1475/ - / † 1687)
  • Wolff von Wolffsthal (1499/1706, † 1717)
  • Fütterer (1501/ - / † 1586)
  • Schlüsselfelder von Kirchensittenbach (1536/ - / † 1709)
  • Peßler (1729/ - / † 1786)
  • Thill (Hack von Suhl) (1729/ - / † 1771)
  • Waldstromer von Reichelsdorf (1729/1551/ † 1844)
  • von Woelckern (1788/1728 † 1905)
  • Peller von Schoppershof (1788/1585/ † 1870)
  • Dietherr von Anwanden ( - / - / † 1819)

Literatur

  • Gerhard Hirschmann: Die Familie Muffel im Mittelalter. Ein Beitrag zur Geschichte des Nürnberger Patriziates, seiner Entstehung und seines Besitzes. Erlangen, Phil. F., Diss. v. 31. Dez. 1948, o. O., 1948, 220 gez. Bl., [Maschinenschrift]
  • Julie Meyer: Die Entstehung des Patriziats in Nürnberg. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN), Band 27, 1928, S. 1-96 - online
  • Eugen Kusch: Nürnberg. Lebensbild einer Stadt. Nürnberg: Verlag Nürnberger Presse Druckhaus Nürnberg, 1950, VIII, 424 S., mit 162 Abb.; 3. Auflage in Zusammenarbeit mit Werner Schultheiß vom Verf. überarb. u. erw., 1958, 444 Seiten; 5., durchges. und aktualisierte Auflage mit einem neuen Kapitel „1945 – 1989“ von Christian Köster, 1989, 485 Seiten, ISBN 3-920701-79-8
  • Christoph von Imhoff (Hrsg.): Berühmte Nürnberger aus neun Jahrhunderten. Nürnberg: Hofmann, 1984, 425 S., ISBN 3-87191-088-0; 2., erg. u. erw. Auflage, 1989, 459 S.; Neuauflage: Edelmann GmbH Buchhandlung, Oktober 2000
  • Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2. verb. Auflage. Nürnberg: Verlag W. Tümmels, 2000, 1247 S., ISBN 3-921590-69-8 - auch online - Darin: Walter Bauernfeind: Alte Genannte, S. 62; Rudolf Endres: Patriziat, S. 808

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