Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Patio
Aus Kefk.
Als Patio werden im Spanischen die Innenhöfe im Zentrum eines Stadthauses bezeichnet. Der Innenhof an sich hat seinen Ursprung in der mediterranen Tradition. Sie gelten aber auch als Vorläufer der altägyptischen Tempelarchitektur, in der der Innenhof die Bedeutung einer Reinigungsstätte hatte, die dem eigentlichen Kultraum vorgelagert war. Innenhofanlagen im Bereich der Profanarchitektur sind im gesamten Mittelmeerraum zu finden. In Italien zum Beispiel wurden sie vorzugsweise für große, außerhalb der Stadt liegende Paläste verwendet, wogegen in Andalusien selbst das ärmlichste Haus seinen patio hat. Die typische Form des katalanischen pati wäre zwischen beiden Beispielen einzuordnen er ist normalerweise Teil der von der reicheren, häufig adligen Bevölkerung errichteten Stadtpaläste und hat seinen Ursprung in der Romanik.
Historische Patios gelten beispielsweise in Palma auf Mallorca als wichtigstes Kulturerbe der Stadt, und etliche Anlagen stehen daher unter Denkmalschutz. Auch in Andalusien sind Patios weit verbreitet. Dort verfügen die meisten älteren Häuser über kleine Innenhöfe. Vor allem Córdoba ist berühmt für Anzahl und Schönheit seiner in der Regel eher kleinen Patios. Hier wird jedes Jahr in einem Wettbewerb der schönste Patio gekürt. Auch auf den Kanarischen Inseln sind Innenhöfe in historischen Häuser häufig zu finden.
Die Patios sind klassische Bauelemente der historischen Stadtpaläste (Palacios) in Südeuropa. Sie sind Zeugnisse sowohl von Reichtum als auch der gesellschaftlichen Bedeutung ihrer Erbauer bzw. Besitzer. Sie waren als häusliche Mittel- und Treffpunkte eng mit dem wirtschaftlichen und sozialen Leben verknüpft.
Bauweise
Um einen Patio gruppieren sich die einzelnen Bauteile der Palacios. Zur Galerie im ersten Stock führt meist eine geschwungene und verzierte Treppe. In den ganz alten Palästen waren die Treppen noch direkt an den Hauswänden angebracht. Später, in der Renaissance und vor allem im Barock, baute man prächtige Freitreppen, auf die die Besitzer besonders stolz waren. Beispiele für solche Treppen findet man in Palma auf der Balearen-Insel Mallorca.
Unabdingbar für die Innenhöfe sind auch Brunnen. Zusätzlich gab es auch die Forderung, dass mindestens 25 Reiter samt ihren Pferden bequem im Innenhof Platz finden mussten. Dies ist ein Erbe aus ritterlichem Zeitgeist. Fackeln, die den Hof erhellten, mussten demnach so angebracht sein, dass man hoch zu Ross darunter her reiten konnte.
Viel wichtiger aber war der Patio als Empfangsraum für die Land-Arbeiter des Besitzers. Dazu gab es Stühle und Bänke entlang der Wände, auf denen die Bauern saßen und mit ihrem Arbeitgeber verhandelten. Dieser hatte meist ein Büro rechts neben dem Haupteingang, das ebenfalls über eine kleine Treppe zu erreichen war. In den Patios traf, symbolisch betrachtet, das Land auf die Stadt.
In der ersten Etage der Stadtpaläste, der so genannten Planta Noble, wohnte die oft vielköpfige Familie. "Familien hatten oft vier bis sechs Kinder, der älteste Sohn lebte meist mit seiner Familie im Haus. Wenn man noch Gesinde und Personal hinzu rechnet, wohnten leicht bis zu 30 Personen in einem Palast." Im zweiten Stock über der Planta Noble wohnte in der Regel das Gesinde. Und darüber befand sich nach italienischem Muster noch ein Halbstock, das als Lagerraum diente. Die Landwirtschaftsprodukte wurden häufig jedoch auch direkt im Patio gelagert, bevor sie entweder exportiert oder verkauft wurden.
Auffallend sind auf Mallorca als Stilbesonderheit die vom italienischen Vorbild völlig abweichenden mallorquinischen Halb– oder Korbbögen. Diese Form ergab sich aus dem für die Konstruktion verwendeten Material, dem Sandstein aus Santanyí. Diesem Baumaterial, dem auch die Kathedrale viel von ihrer Schönheit zu verdanken hat, ließ sich nicht zu den italienischen Renaissance-Bögen zwingen, sondern nur zu in der Höhe abgeflachten Bögen verarbeiten.
Die Fassaden sind durchweg schlicht, gelegentlich mit einer Loggia, wie beim Palacio Solleric oder beim Consulado del Mar versehen. Schlicht sind auch die Portale, die metallene, manchmal vergoldete Türklopfer aufweisen. Deren Formen wurden ebenfalls aus Italien importiert. Die arabische Bezeichnung aldaba für die Türklopfer weist allerdings darauf hin, dass diese Art von Klingelknopf schon bei den Arabern Sitte war.
Tourismus
Die Innenhöfe im Zentrum von Palma sind nur zeitlich beschränkt zu besichtigen und geöffnet. Geführte Rundgänge werden auch in deutscher Sprache angeboten. In den Tourismusinformationsbüros gibt es Boschüren, in denen alle 57 Patios mit einer kleinen Beschreibung aufgeführt sind.
In Córdoba findet seit 1993 jedes Jahr im Mai ein Wettbewerb der schönsten Patios statt (Concurso de Patios Cordobeses). Zu diesem Anlass sind Dutzende private, sonst nicht zugängliche Patios offen für Einheimische und Touristen.
