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Protocol for SYnchronous Conferencing

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PSYC (Protocol for SYnchronous Conferencing) ist ein erweiterbares offenes Netzwerkprotokoll für Messaging und dezentrale meist text-basierte Konferenzschaltungen (auch Chats oder Chatsysteme genannt). Somit ist PSYC artverwandt mit dem Internet Relay Chat und dem Extensible Messaging and Presence Protocol (XMPP/Jabber).

Es entstand einst mit der Zielsetzung, die Leistungsgrenzen von IRC-Netzwerken zu überwinden, hat sich aber weiterentwickelt zur Übertragung unterschiedlicher Inhalte und auf andere Einsatzzwecke, in denen eine effiziente Verteilung an mehrere Teilnehmer gefragt ist. PSYC hat eine zu XMPP ähnliche dezentrale Struktur, bietet darüberhinaus aber dem IRC entlehnte Multicast-Verteilungsstrategien, weswegen Nachrichten an mehrere Teilnehmer effizienter zugestellt werden. Dies findet in Chaträumen Anwendung, aber auch im Falle von Änderungen der Presence (Im Instant Messaging übliche Bekundung der eigenen Anwesenheitsform an alle Bekannten) sowie bei der Verteilung von abonnierten Nachrichtentickerdiensten.

PSYC hat dadurch klare Stärken im Interserver-Bereich, also im Betrieb einer potentiell globalen Kommunikationsinfrastruktur, dafür hinkt es im Umgang mit Clients arg hinterher. XMPP hat in der Hinsicht eindeutig mehr zu bieten. Ein weiterer Nachteil an PSYC ist, dass es trotz seines Alters sich immernoch laufend dramatisch verändert und weiterentwickelt, und jede Dokumentation stets veraltet ist. Andere Protokolle bieten Dank Standardisierung mehr Planungssicherheit.

Es empfiehlt sich PSYC als Hybrid im XMPP-Netz einzusetzen mit Unterstützung für IRC - und XMPP-Clients, um alle drei Technologien optimal auszunutzen.

Inhaltsverzeichnis

Schnittstellen und Protokolle

Bestehende Kommunikationssysteme können relativ leicht in das PSYC-Netzwerk eingebunden werden, da die PSYC-Infrastruktur seinen Empfängern einfache feste Adressen zuweist. Eine Nachricht einem oder mehreren menschlichen Empfängern zu senden beispielsweise, egal ob diese online sind und woher, reduziert sich darauf, einige Zeilen Text in eine fest adressierbare TCP-Verbindung zu schicken, oder, sofern Vertrauen gegeben ist, als UDP-Paket zu versenden.

Adressierung statt Datenbanken

Der Grundgedanke ist es, eine IRC-artige Datenbank über die Anwesenheit von Personen und Existenz von Konferenzen gar nicht erst aufzubauen, sondern ganz wie im Web den Ressourcen und Personen URI-konforme Locators zuzuweisen, weswegen auch Adressen im XMPP-Netzwerk erreicht werden können.

Conference Control

Eine weitere Eigenschaft von PSYC ist dessen minimalistisches Konferenzsteuerungsprotokoll, welches die Steuerungslogik und Politik von Chaträumen frei programmierbar macht (Wer darf hinein? Wer darf nur zuhören? usw.). Zugleich kann die Zustellung der Nachrichten durch Multicast-Protokolle optimiert werden. Der Server trägt nicht die Last der eigentlichen Kommunikation, es sei denn, man möchte es so.

Dezentrale Selbstbestimmung

Das PSYC-Netz ähnelt eher dem Web als einem IRC-Netzwerk: Auf jedem Rechner im Internet kann vom Besitzer/Administrator ein eigener, gleichgestellter PSYC-Server betrieben werden – ohne Hierarchien, ohne besondere Berechtigungen für Administratoren, außer dem Recht, zu entscheiden, welche Räume und Personen man hostet. Missbraucht ein Administrator seine Macht, wechseln seine Benutzer einfach auf einen anderen PSYC-Server. Somit gibt es einen direkten Wettbewerb, und als Administrator ist man gut beraten, sich zu benehmen.

Soziales Netzwerk

Neuerdings wird PSYC auch dahingehend erweitert, als soziale Software zu funktionieren, mit web-basierten Profilen und dergleichen mehr. Der Unterschied zu den proprietären Anbietern liegt darin, dass man mit dem dezentralen PSYC selbst die Kontrolle über seine Daten behält. Hiermit ist PSYC vermutlich das erste privatsphärenfreundliche dezentrale soziale Netzwerk.

Weitere Eigenschaften

  • Die Syntax ist nicht XML sondern eher an RFC 822 angelehnt.
  • Vertrauensmetrik: Du vertraust Anna, also vertraue ich Anna auch ein bisschen.
  • Friendcasting: Nachrichten an den Freundeskreis oder Freundesfreundeskreis schicken.
  • Event Notification: E-Mail-Empfang, Änderungen im Wiki, Software Check-Ins, Betriebssystemsmeldungen an die betroffenen Personen weiterverteilen.
  • Strategien zur SPAM-Vermeidung (geplant).
  • Dezentrale Identifizierung: Ähnlich zu OpenID, aber mit einem sauberen Protokoll.

Geschichte und Software

PSYC wurde 1995 erstmals theoretisch niedergeschrieben. Die Software-Implementierung ist seit 2005 einsatzbereit, wobei die „unvollständigen“ Versionen seit 1997 produktiv im Einsatz waren. Die Referenzsoftware für PSYC ist der PSYCED, welcher zusätzlich zu PSYC auch Jabber, IRC, Telnet, HTTP, SMTP, WAP und die Kommunikation mit Applets beherrscht. Weitere relevante Implementationen sind die Firefox-Erweiterung PsycZilla, sowie der in Perl realisierte psycion Client und viele in perlpsyc mitgelieferte kleine Applikationen.

Obwohl PSYC im Laufe der Jahre von T-Online, Gruner + Jahr, MTV und politik-digital für zeitweilige Hochlastchats eingesetzt wurde, fristet das Protokoll in der freien Welt ein Nischendasein für einige hundert Anhänger (Stand 2006).

Weblinks

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