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Otto Antonius
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Otto Antonius (* 21. Mai 1885 in Wien; † 9. April 1945 in Wien) war der Leiter des Tiergartens Schönbrunn in Wien, Zoologe, Paläontologe und Mitbegründer der modernen Tiergartenbiologie.
Inhaltsverzeichnis |
Leben und Werdegang
Geboren wurde Otto Antonius als Sohn eines aus Siebenbürgen stammenden evangelischen Pfarrers und ältestes von fünf Kindern. Benannt wurde er nach dem deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck.
Er absolvierte das humanistische Gymnasium in Wien und begann darauf sein Studium in Naturwissenschaften, insbesondere Zoologie und Paläontologie, an der philosophischen Fakultät der Universität Wien. Während seiner Studienzeit schloss Antonius sich der betont deutsch-nationalen Studentenorganisation an, der Burschenschaft „Silesia“, welche einen Zusammenschluss an ein Großdeutsches Reich anstrebte und welcher auch sein Vater und seine drei Brüder angehörten.
Im Jahre 1910 promovierte er zum Dr. phil. und assistierte nach seinem Abschluss als wissenschaftliche Hilfskraft an der Lehrkanzel für Paläobiologie bei Professor Othenio Abel. Bis 1918 leistete Antonius als Oberleutnant und Verbindungsoffizier Kriegsdienst im 1. Weltkrieg. Dafür wurde er mit dem Eisernen Kreuz, dem Eisernen Halbmond und der Silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.
Ab 1919 nahm er seine Assistententätigkeit wieder auf und habilitierte sich 1919 an der Universität bei Othenio Abel, sowie 1921 an der Hochschule für Bodenkultur bei Leopold Adametz.
1922 heiratete er Margarethe von Tunner. Aus dieser Ehe entstammen seine beiden Töchter. Antonius schied am 9. April 1945 gemeinsam mit seiner Frau freiwillig aus dem Leben.
Tiergartendirektor in Schönbrunn
Ab 1. Dezember 1923 begann er seine reguläre Tätigkeit im Tiergarten Schönbrunn. Mit dem 1. April 1924 fing er seine Arbeit als wissenschaftlicher Leiter an und schließlich ab 1. Dezember 1925 wird er der Paläontologe und Fachmann für zoologische Haustierforschung, sowie allein verantwortlicher Leiter.
Im März 1934 wird er offiziell vom Dienst enthoben, mit dem Vorwurf aktives Mitglied der, damals in Österreich verbotenen, NSDAP zu sein. Antonius bestritt seine Mitgliedschaft und prozessierte erfolgreich gegen seine Amtsenthebung. Am 4. Januar 1937 trat er sein Amt wieder an.
Seine Verdienste für Schönbrunn waren von großer Wichtigkeit für dessen Bestehen. Vor dem Ersten Weltkrieg zählte der Tiergarten zu den schönsten und größten der Welt, aber durch Versorgungsengpässe während des Krieges sank der Tierbestand drastisch um beinahe 85%, worauf dieser im Herbst 1921 kurz vor der Auflösung stand. Antonius hatte bereits 1918 ein Exposee zum Wiederaufbau verfasst, da damals schon Sanierungsarbeiten, sowie eine Modernisierung der technisch veralteten Tierhäuser durchgeführt werden mussten.
So konnten durch Spenden der Wiener Bevölkerung, privater Förderer, der „Hilfsaktion für den Ausbau des Schönbrunner Tiergartens“ und die Tiertransporte des Bankiers Alfred Weidholz der Tierbestand wieder aufgefüllt werden, bestehende Tierhäuser saniert und Neubauprojekte, wie die Greifvogel-Voliere, die als ein europaweit vorbildhaftes Bauwerk galt, oder das Affenhaus, realisiert werden.
Auch führte Antonius neue Medien wie 1934 die Dioramenschau ein. Die Dioramen zeigten Landschaften und Tiere aus der Vorzeit Österreichs. Gemalt wurde diese von dem Akademischen Maler Franz Roubal. Die Dioramenschau erwies sich allerdings nicht als Erfolg. Heute sind nur noch Fotographien dieser erhalten. Die Dioramen selbst wurden im 2. Weltkrieg durch Bomben zerstört.
1938 bis 1945 trat er auch das Amt des Vizepräsidenten des „Internationalen Verbandes der Direktoren Zoologischer Gärten“ an. Ebenso war er auch Mitglied der „Zoological Society of London“. Neben seiner Tätigkeit als Zooleiter war Antonius auch als Hochschullehrer tätig. Hierfür wurde ihm im Jahre 1931 der Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors verliehen.
Tiergartenbiologie
Otto Antonius gilt zusammen mit Heini Hediger und Karl Max Schneider als Mitbegründer der modernen Tiergartenbiologie. Er erarbeitete wesentliche und noch heute geltende Grundsätze derselben.
So gehörte er zu den wissenschaftlichen Autoren die am häufigsten in der Zeitschrift Der Zoologische Garten publizierten. Auch war er ferner Mitherausgeber der Zeitschrift für Tierpsychologie.
Ebenso änderte er die Zielsetzung der Tiergärten. So sollte der Zoo auch ein Ort experimenteller Tier- und Züchtungsforschung sein und der Klärung von Vererbungsfragen dienen, ebenso tierpsychologischen Beobachtungen, aber auch den Abstammungsfragen der Haustiere von Wildtieren.
Die wissenschaftlichen Aufgaben die der Zoo nun übernahm waren in diesem Ausmaß neu, weshalb man hier auch von der Hochphase der Wissenschaft im Zoo spricht. So wurde unter seiner Leitung die Menagerie Schönbrunn im Jahre 1926 offiziell in Tiergarten Schönbrunn umbenannt.
Antonius verstand die Wildtierhaltung auch als tierpsychologisches Experiment, bei dem man das artspezifische und differenzierte Verhalten der Wildtiere studieren konnte. Durch vergleichende Studien lieferte er damit erste Beiträge in der Ethologie und entwickelte sich später zu einem der ersten Hippologen und Pferdekenner.
Ferner lieferte er auch wissenschaftliche Versuche zu Fütterung und Akklimatisation.
Als Zoologe befasste er sich auch mit den Disziplinen Genetik und Tierzuchtlehre. So richtete er sein Interesse auch auf Kreuzungsstudien, zur Klärung phylogenetischer Fragen, sowie Rückzüchtungsversuchen zur Klärung der Abstammung der Haustiere. In seinem 1922 erschienen Buch Grundzüge der Stammesgeschichte der Haustiere befasste er sich mit der Domestikationsforschung als einem neuen Gebiet der Tierzucht. Darin sind zoologische und historische Methoden der Haustierforschung aufgelistet, sowie ihr exaktes Aussehen über Knochenbau bis Fellfarbe. Einige geglückte Rückzüchtungen wurden im Münchner und Berliner Zoo ausgestellt, da man sie irrtümlicherweise für urtümliche Dokumente hielt. Die Rückzüchtungen waren allerdings durch viele ideelle Elemente miteinander verbunden, weshalb sich keine weiteren Zoodirektoren an den Züchtungen und aufwendigen Kreuzungsexperimenten beteiligten.
Naturschutz als Artenschutz
Die Notwendigkeit und Wichtigkeit des Artenschutzes erkannte Antonius sehr früh und versuchte seinen Zeitgenossen die weltweite Bedrohung der heimischen und exotischen Wildtierarten zu verdeutlichen.
Unter seiner Leitung nahm der Tiergarten Schönbrunn am ersten europäischen Artenschutzprogramm zur Erhaltung des Wisents teil. Durch kontrollierte Zucht in besonders geeigneten und bewachten Arealen konnten gute Erfolge erzielt werden, so dass es seither für verschiedenste vom Aussterben bedrohte Tierarten übernommen wurde.
Ebenso leistete er Aufklärungsarbeit mit seinem Buch Gefangene Tiere um zu zeigen, dass Tiere im Zoo nicht in schlechteren Bedingungen leben als Tiere in Freiheit, denn beide würden dieselben Beziehungen zu ihrem Umfeld entwickeln. Oft zitierte er Alfred Brehm, dass ein guter Käfig eine Wohnung, ein schlechter wie ein Kerker für das Tier sein kann. Hier zeigt sich bereits das moderne Konzept der Raumqualität, weshalb er die Gehegeanlagen für die Tiere auch funktionell und artgemäß plante.
Werke
- Grundzüge einer Stammesgeschichte der Haustiere. Jena, 1922.
- Gefangene Tiere. Salzburg, 1933.
- Equus Abeli nov. spec.. Wien-Leipzig, 1913.
- Die Tigerpferde. Frankfurt/M., 1951.
Weblinks
- Literatur von und über Otto Antonius im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Antonius, Otto |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Zoologe und Paläontologe |
| GEBURTSDATUM | 21. Mai 1885 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 9. April 1945 |
| STERBEORT | Wien |
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