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Ohrdruf
Aus Kefk.
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
| Bild:Wappen Ohrdruf.png |
| |
| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Thüringen | |
| Landkreis: | Gotha | |
| Koordinaten: | Koordinaten: 50° 50′ N, 10° 44′ O50° 50′ N, 10° 44′ O | |
| Höhe: | 375 m ü. NN | |
| Fläche: | 39,75 km² | |
| Einwohner: | 6029 (29. Juni 2006) | |
| Bevölkerungsdichte: | 152 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 99885 | |
| Vorwahl: | 03624 | |
| Kfz-Kennzeichen: | GTH | |
| Gemeindeschlüssel: | 16 0 67 053 | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Marktplatz 1 99885 Ohrdruf | |
| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeisterin: | Marion Hopf (parteilos) | |
Ohrdruf ist eine Kleinstadt im thüringischen Landkreis Gotha. Sie liegt auf 375 m ü. NN (Rathaus) am Nordrand des Thüringer Waldes in der Mitte der Ohrdrufer Platte.
Die Stadt ist vor allem als Wohnort Johann Sebastian Bachs bekannt. Außerdem liegt bei ihr der größte Truppenübungsplatz Thüringens. Sehenswert sind einige historische Gebäude der Altstadt wie z.B. das Schloss Ehrenstein. Ohrdruf ist erfüllende Gemeinde für die umliegenden Orte Luisenthal, Wölfis, Crawinkel und Gräfenhain sowie Zentrum des südlichen Teils des Landkreises Gotha.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie
Ohrdruf liegt auf der sogenannten Ohrdrufer Platte, einer Kalksteinformation, die sich nördlich an den Thüringer Wald anschließt. Die Umgebung Ohrdrufs ist nahezu völlig flach, die Berge des Thüringer Waldes beginnen etwa zwei Kilometer südlich der Stadt jedoch sehr „plötzlich“. Die sonst vorhandene Übergangszone aus Hügeln zwischen Flachland und Thüringer Wald fehlt hier.
Ohrdruf liegt an der Ohra, einem Nebenfluss der Gera von dem sich auch der Name ableitet. „Ohr“ kommt von Ohra, „druf“ bedeutet im Thüringer Dialekt soviel wie „auf“. Auf der Ohra - Ohrdruf.
Geschichte
723 und 724 begann in Ohrdruf Bonifatius mit der Gründung der Zelle St. Michael seine Mission in Thüringen. Die Zelle gehörte um 800 dem Kloster Hersfeld.
Im 10. Jh. war Ohrdruf mit seinem Petristift Aufenthaltsort von Kaiser Otto I.. Aus dem Besitz der Grafen von Käfernburg-Schwarzburg gelangte Ohrdruf 1342 an die Grafen von Gleichen, stand seit dem Spätmittelalter aber unter der Lehns- und Landesherrschaft der Wettiner. 1344 wurde das Chorherrenstift nach Gotha verlegt. 1348 wurden Ohrdruf die Stadtrechte verliehen. Seit 1356 wurde Ohrdruf von Ratsmeistern verwaltet. Von 1463 bis zur Reformation gab es ein Karmeliterkloster.
1599 verlegten die Grafen von Gleichen ihren Wohnsitz nach Ohrdruf in das neuerbaute Schloss Ehrenstein. Gleichzeitig wurde die Stadt ummauert und ein Gymnasium eröffnet. Als die Grafen von Gleichen 1631 ausstarben, fiel die Stadt und sechs Dörfer, die meisten in der Umgebung, als Obergrafschaft Gleichen in Folge eines Erbvertrags an die Linie Neuenstein der Fürsten von Hohenlohe. Sie unterhielten in Ohrdruf bis 1848 eine Kanzlei und Konsistorium. Die Landeshoheit blieb zunächst gemeinschaftlicher Besitz des Gesamthauses Sachsen-Weimar und gelangte 1657 in den alleinigen Besitz der Linie Sachsen-Gotha.
Die Bewohner lebten von von Landwirtschaft, Wollweberei, Frachtfuhren, Holz- und Getreidehandel. Zwei Kupferhämmer stammten aus dem 15. und 17. Jahrhundert, ein Eisenwerk erzeugte Sicheln und Krauthobel, es gab zwei Papiermühlen und viele Peitschenstielmacher in einer eigenen Innung. Seit 1837 entstanden Fabriken für Porzellan, Spielwaren, Knöpfe, Lederwaren und Glasinstrumente.
Seit 1876 verbindet die Stadt eine Bahnlinie mit Gotha und seit 1892 auch mit Gräfenroda.
Bis 1918 gehörte Ohrdruf zum Herzogtum Sachsen-Gotha - bis 1826 Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg, anschließend Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha und von 1918 - nach dem Ende der Monarchie - bis 1922 zum Freistaat bzw. Gebiet Gotha. Nach Abtretung der Patrimonialgerichtsbarkeit durch die Hohenlohes 1848 wurde der Kanzleibezirk Ohrdruf der Obergrafschaft Gleichen aufgehoben und für dessen um Ohrdruf gelegenen Orte das staatliche Justizamt Ohrdruf gebildet. Dessen Verwaltungsbefugnisse gingen 1858 im Zuge der im Herzogtum Gotha durchgeführten Verwaltungsreform an das neugegründete Landratsamt Ohrdruf über, welches bis 1922 bestand. Das Landratsamt Ohrdruf war verhältnismäßig groß und erreichte die Dimensionen eines heutigen Landkreises. Es erstreckte sich von Wechmar im Norden bis nach Zella-Mehlis und Manebach im Süden und von Tambach-Dietharz im Westen bis nach Gossel im Osten. Mit dem thüringischen Kreiseinteilungsgesetz von 1922 wurde der überwiegende Teil des Landratsamtsbezirks dem Landkreis Gotha, der östliche Teil dagegen dem Landkreis Arnstadt zugeordnet. Zella-Mehlis im Süden wurde kreisfrei. Angrenzende Staaten am Amtsgebiet waren damals (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Preußen mit Mühlberg-Landratsamt Erfurt, ab 1932 Landratsamt Weißensee) - Schwarzburg-Sondershausen mit dem Amt Arnstadt - Schwarzburg-Rudolstadt mit Angelroda - Schwarzburg-Sondershausen mit der Enklave Geschwenda - Sachsen-Weimar-Eisenach mit dem Amt Ilmenau - Preußen mit dem Landkreis Schleusingen - Hessen-Kassel mit der Herrschaft Schmalkalden.
Seit 1871 wurde ein Gebiet zwischen Ohrdruf, Jonastal und Bittstädt bereits als Manövergelände genutzt, so dass 1906 die Einrichtung eines offiziellen Truppenübungsplatzes vom Reichstag beschlossen und ab 1908 mit dem Ausbau des Geländes begonnen wurde. Der Platz ist mittlerweile im Besitz des Bundes (Bundeswehr).
Siehe auch: Truppenübungsplatz/Kriegsgefangenlager Ohrdruf
Gegen Ende 1944 wurde in Ohrdruf das Zwangsarbeitslager „Ohrdruf-Nord“, eine Außenstelle des KZ Buchenwald, eingerichtet. Die Häftlinge wurden für den Bau umfangreicher unterirdischer Tunnel- und Bunkeranlagen eingesetzt. Im März 1945 hatte das Lager 11.700 Häftlinge. Am 2. April 1945 musste der größte Teil der Häftlinge unter SS-Bewachung 51 Kilometer nach Buchenwald marschieren. Die Anzahl der Häftlinge, die während des Marsches zusammenbrachen und starben bzw. von des SS-Bewachern erschossen wurden, kann nur geschätzt werden. Das Lager wurde am 4. April 1945 von den Amerikanern befreit. Das Zwangsarbeitslager Ohrdruf wurde auch von General Eisenhower besichtigt[1], der dann darauf bestand, dass sowohl seine Truppen wie die Zivilbevölkerung diesen Ort der Nazi-Verbrechen in den nächsten Tagen betrachten mussten.
Im Juli 1945 übergaben die Amerikaner das Gebiet der sowjetischen Armee.
Wappen
Blasonierung: „Der Erzengel Michael als Kniefigur in Silber auf blauem Grund mit erhobenem Schwert in der rechten und einer Waage in der linken Hand. Waage, Schwert und Gürtel sind goldfarben.“
Siegel mit der Figur des Erzengels Michael als Seelenwäger erscheinen erst nach der Einführung der Reformation. Das Wappenbild erinnert an den Ursprung des Ortes als Einsiedelei St. Michael.
Entwicklung der Einwohnerzahl:
Politik
Ohrdruf ist erfüllende Gemeinde für die umliegenden Orte Crawinkel, Wölfis, Luisenthal und Gräfenhain.
Stadtrat
Bei der Kommunalwahl vom 27. Juni 2004 hat die WfO (Wählergemeinschaft für Ohrdruf) mit acht Sitzen die meisten Mandate erhalten. Der Stadtrat setzt sich wie folgt zusammen:
Die Wahlbeteiligung lag bei 42,1 %.
Städtepartnerschaften
Ohrdruf unterhält eine Städtepartnerschaft mit dem hessischen Wolfhagen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
In Ohrdruf befindet sich das Schloss Ehrenstein aus den Jahren 1550 bis 1590. Der Renaissancebau war einst Residenz der Grafen von Gleichen.
Südlich der Stadt liegt das technische Museum Tobiashammer.
Bildung
In Ohrdruf gibt es vier Schulen:
- Carl Eduard Meinung Grundschule
- Michaelis Regelschule
- Gymnasium Gleichense
- Berufsschule
Wirtschaft und Infrastruktur
Seit 2002 ist der Zwiebackhersteller Brandt in Ohrdruf angesiedelt, wo große Teile der Produktion erfolgen. Außerdem gibt es in Ohrdruf ein Warenverteilungszentrum des Otto-Versands sowie eine Fabrik des Süßwarenherstellers Storck.
Verkehr
Ohrdruf liegt am Schnittpunkt der B88 Ilmenau - Eisenach und der B247 Gotha - Suhl. Die nächsten Autobahnen sind die etwa zwölf Kilometer nördlich verlaufende A4 mit der Anschlussstelle Gotha und die südöstlich verlaufende Bundesautobahn A 71, Anschlussstelle Gräfenroda
Im Jahr 1876 erhielt die damals 5.000 Einwohner zählende Stadt einen Bahnanschluss an der Ohratalbahn, deren betrieblicher Mittelpunkt sie immer war und ist.
Persönlichkeiten
- Wigbert (* um 670 in England; † 747 in Fritzlar), christlicher Missionar, Abt des Klosters Ohrdruf
- Bonifatius (* 672/673 in Crediton/England; † 5. Juni 754 bei Pokkum/Friesland), christlicher Missionar, gründete in Ohrdruf das erste nachweisbare Kloster Thüringens mit einer Klosterschule und der Klosterkirche St. Michaelis.
- Johann Sebastian Bach (* 21. März 1685 in Eisenach; † 28. Juli 1750 in Leipzig), deutscher Komponist, lebte, nachdem seine Eltern verstorben waren, zwischen 1695 und 1700 bei seinem Bruder Johann Christoph Bach in Ohrdruf und besuchte dort das Lyzeum illustre Ohrdruviense
- Johann Bernhard Bach (* 24. November 1700 in Ohrdruf; † 12. Juni 1743 in Ohrdruf), deutscher Komponist und Organist
- Georg Anton Benda (* 30. Juni 1722 in Stare Benatky/Böhmen; † 6. November 1795 in Bad Köstritz), deutsch-böhmischer Komponist, lebte einige Jahre in Ohrdruf
- Johann Friedrich Krügelstein (* 1738 in Gotha; + 1813 in Ohrdruf), Landmedicus, und Bürgermeister in Ohrdruf, Verfasser mehrerer wissenschaftlicher Werke
- Johann Gottfried Eichhorn (* 16. Oktober 1752 in Dörrenzimmern; † 25. Juni 1827 in Göttingen), deutscher Historiker, arbeitete einige Jahre als Rektor des Lyzeums in Ohrdruf
- Franz Christian Karl Krügelstein (* 1779; + 1864), vierter Sohn vom J.F. Krügelstein, studierte in Jena und Würzburg Medizin, erwarb 1808 den Dr. Grad. Veröffentlichte 74 medizinische Abhandlungen und war eine Autorität auf dem Gebiet der Gerichtsmedizin
- Wilhelm Adolph von Trützschler (* 20. Februar 1818 in Gotha, + 14. August 1849 Mannheim), Mitglied des sächsischen Landtages und Abgeordneter für die deutsche Nationalversammlung in Frankfurt am Main.
- Hermann Kirchner (* 23. Januar 1861 in Wölfis, † 29. Dezember 1929 in Breslau), deutscher Komponist von Volksliedern
- Maximilian von Weichs (* 12. November 1881 in Dessau; † 27. September 1954 in Bonn), deutscher General, arbeitete in den 1920er-Jahren an der Infanterieschule Ohrdruf
- Hermann von Oppeln-Bronikowski (02. Januar 1899; + 19.09.1966), Deutscher General, wurde 1924 als Aufsichtsoffizier und Ausbilder an die zur Infanterieschule Ohrdruf gehörige Reitanstalt versetzt.
- Willy Marschler (* 12. August 1893 in Liegnitz; † 1951), NS-Politiker, 1931-1932 Bürgermeister von Ohrdruf
- Hermann Brill (* 9. Februar 1895 in Gräfenroda; † 22. Juni 1959 in Wiesbaden), deutscher Politiker (SPD), ging von 1901 bis 1909 in Ohrdruf zur Schule
- Fritz Walter (* 30. August 1896 in Ohrdruf; † 1. April 1977); deutscher Politiker (FDP), MdB, MdL (für Hessen)
- Dieter Göhring (* 1935), deutscher Gewichtheber, wuchs in Ohrdruf auf, begann hier auch das Gewichtheben
- Linda Feller (*23. September 1966 in Ohrdruf), deutsche Countrysängerin
Literaturauswahl
- Böttcher, Julius: Die Geschichte Ohrdrufs, 4 Bde., Ohrdruf 1955/1960.
- Cramer, Peter: Das alte Ohrdruf in Bildern, Ohrdruf 1992.
- Ellrich, Hartmut: Leben und Wohnen zwischen Ohra und Apfelstädt, Erfurt 2005, ISBN 3-89702-799-2 (Sutton Verlag)
- Krügelstein, Friedrich : Nachrichten von der Stadt Ohrdruf und deren nächsten Umgegend. Bad Langensalza, Reprint 1844/2002, ISBN 3-934748-09-0 (Verlag Rockstuhl)
- Ständer, Manfred: Die Stadt Ohrdruf und die Gemeinden Crawinkel, Gräfenhain, Luisenthal und Wölfis, Horb/Neckar 1997 ISBN 3-89570-290-0
- Ständer, Manfred: Verheerende Brände und andere Katastrophen in der Stadt Ohrdruf und deren näheren Umgebung, Ohrdruf 2001.
- Ständer, Manfred & Schmidt, Peter: 100 Jahre Truppenübungsplatz Ohrdruf, Horb/Neckar 2006 ISBN 3-86595-107-4
Quellennachweise, Fußnoten
- ↑ Amerikanisches Kriegsinformationsamt im Auftrag des Oberbefehlshabers der Alliierten Streitkräfte: KZ - Bildbericht aus fünf Konzentrationslagern Entstanden ca. nach April 1945. Rekonstruktion durch VVN-BdA NRW 2006 (PDF-Datei)
Weblinks
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