Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Offener Unterricht

Aus Kefk.

Wechseln zu: Navigation, Suche

Offener Unterricht ist eine Organisationsform des Unterrichts, die offenes Lernen ermöglicht.

Inhaltsverzeichnis


In der Erziehungswissenschaft gibt es keine einheitliche Definition. Meist soll mit der Bezeichnung offener Unterricht darauf hingewiesen werden, dass die jeweils in redestehende Unterrichtsform offener als Frontalunterricht ist.

Deshalb wird hier die weitestgehende Form von offenem Unterricht zugrunde gelegt.

Allgemeines

Offener Unterricht unterscheidet sich von anderen Unterrichtsformen dadurch, dass:

  • die individuellen fachlichen und überfachlichen Lerninteressen der Kinder das Lerngeschehen bestimmen, und darüber hinaus auch
  • das soziale Geschehen und
  • die über die Lerngruppe/Klasse hinausgehenden Interaktionen - auch die außerschulischen -

von den Kindern selbst geregelt werden.

Kernelement des offenen Unterrichts sind die Individuen in der Lerngruppe und die Interessen dieser lernenden Individuen. Die Einteilung des Unterrichts nach Fächern ist ebensowenig notwendig wie die Festlegung eines Kanons von Inhalten und steht dem offenen Unterricht entgegen.

Offener Unterricht benötigt die volle Unterstützung des Lehrers, sonst kann sich die gewünschte Offenheit nicht entwickeln. Im Laufe der Zeit stabilisiert sich die Lerngruppe und wird in ihren Entscheidungen vom Lehrer unabhängig. Der Offene Unterricht als Organisationsform benötigt allerdings in jeder Phase diese volle Unterstützung durch die beteiligten Erwachsenen (Lehrer, Schuladministration und -organisation, Eltern).

Inzwischen liegen auch vielfältige positive Erfahrungen aus der Unterrichtspraxis vor. Pädagogen, die das Konzept begründet und verbreitet haben, sind vor allem Hans Brügelmann, Falko Peschel, Jörg Ramseger und Wulf Wallrabenstein.

Folgerungen in der Praxis

Für den Ablauf des Schulalltages hat die Vertauschung der organisationsleitenden Prinzipien von Fachdidaktik gegen Interessen des Individuums weitreichende Folgen:

organisatorisch

Die lernenden Individuen bestimmen selbst:
zeitlich: wann sie an einem Thema arbeiten
räumlich: wo sie an einem Thema arbeiten
kooperativ: mit wem sie an einem Thema arbeiten

methodisch

Die lernenden Individuen bestimmen selbst:
Wie sie ihr Thema bearbeiten
Welchen methodischen Zugang zum Thema sie wählen

inhaltlich

Die lernenden Individuen bestimmen selbst:
An was sie arbeiten/an welchem Thema sie arbeiten

sozial

Die lernenden Individuen bestimmen selbst:
über die Regeln und den Ablauf des Klassenlebens
über die Konsequenzen, die sich in Problemfällen ergeben

persönlich

Die lernenden Individuen bestimmen selbst:
Welche Werte und Prioritäten sie für ihr Leben wählen

Formen

Übliche Formen dieses offenen Unterrichts sind

Unter bestimmten Umständen kann der im Folgenden genannte Unterricht eine Arbeitsform des offenen Unterrichts sein, nämlich dann, wenn der Schüler selbstständig und selbstverantwortlich an seinen selbstgewählten Arbeitsvorhaben arbeiten kann. Er kann aber genausogut ein geschlossener (lehrer-, material- oder themenzentrierter) Unterricht sein.

Die folgende Methode (LdL) ist insofern offen, als die Materialien durch die Lehrwerke in der Regel vorgegeben sind, aber die Art der Wissensvermittlung (Sozialformen, Lehr- und Lerntechniken) von allein von den Schülern verantwortet wird. Im fortgeschrittenen Unterricht können die Inhalte von den Schülern gewählt oder sogar selbst zum Zwecke der Vermittlung im Unterricht erstellt werden.

Die beiden folgenden Unterrichtsformen werden oft dem offenen Unterricht zugerechnet. Tatsächlich beschränkt sich die Offenheit dieses Unterrichts darauf, an vorgeschriebenen Stationen vorgegebene Aufgaben zu erledigen, bestenfalls 'frei' zwischen verschiedenen Aufgaben auszuwählen, bzw. beim materialgeleiteten Unterricht 'frei' zwischen vorgegebenen Materialien auszuwählen.

Es findet sich immer wieder die Vermischung des radikal "Offenen Unterrichts" nach Peschel und oft reformpädagogisch orientierter Unterricht verschiedener Richtungen, der zwar auch für sich in Anspruch nimmt, "offen" zu sein, aber inhaltlich die "Offenheit" ganz anders - nämlich viel eingeschränkter - bestimmt.

Querverbindungen

Offener Unterricht ist die Methode der konstruktivistischen Didaktik. Vor allem bei dieser Form ist es dem Lehrenden möglich, dem Schüler die Möglichkeit zu geben, subjektiv sinnhafte Themen auszuwählen und zu bearbeiten.

Offener Unterricht, unter Einbindung von Informationstechnologie, ermöglicht die speziell für die Schulausbildung vom MIT Media Lab konzipierte Children's Machine.

Siehe auch

Offenes Lernen, Konstruktivistische Didaktik, Handlungsorientierter Unterricht, Falko Peschel, Hans Brügelmann

Literatur

  • Peschel, F.: Offener Unterricht - Idee, Realität, Perspektive und ein praxiserprobtes Konzept zur Diskussion. Band I: Allgemeindidaktische Überlegungen. Band II: Fachdidaktische Überlegungen. Schneider Verlag Hohengehren: Baltmannsweiler 2002.
  • Peschel, F.: "Offener Unterricht in der Evaluation Teil I" Schneider Verlag Hohengehren: Baltmannsweiler 2006 2. Auflage.
  • Peschel, F.: "Offener Unterricht in der Evaluation Teil II" Schneider Verlag Hohengehren: Baltmannsweiler 2006 2. Auflage.
  • Brügelmann, H.: Schule verstehen und gestalten – Perspektiven der Forschung auf Probleme von Erziehung und Unterricht. Libelle: CH-Lengwil 2005

auch offener Unterricht, aber als allgemeiner Begriff (offenere Unterrichtsformen):

  • Bannach, Michael: Selbstbestimmtes Lernen. Freie Arbeit an selbst gewählten Themen. Baltmannsweiler, 2002 - ISBN 3-89676-525-6
  • Bannach, M./ Sebold, L./ Wehmeyer, B. (Hrsg.): Wege zur Öffnung des Unterrichts. Oldenbourg Verlag: München 1997 (ISBN 3-48698-749-6)
  • Jürgens, Eiko: Die `neue` Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht- Theorie, Praxis und Forschungslage, Academia Verlag, Sankt Augustin, 6., unveränderte Auflage, 2004 (ISBN 3-89665-323-7)

Weblinks

auch offener Unterricht, aber als allgemeiner Begriff (offenere Unterrichtsformen):

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Offener_Unterricht, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge
Andere Sprachen