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Oberland am Rennsteig

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Wappen Deutschlandkarte
Bild:Sin escudo.svg
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Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Sonneberg
Koordinaten: Koordinaten: 50° 27′ N, 11° 12′ O50° 27′ N, 11° 12′ O
Höhe: 580 m ü. NN
Fläche: 39,27 km²
Einwohner: 2506 (29. Juni 2006)
Bevölkerungsdichte: 64 Einwohner je km²
Postleitzahl: 96523
Vorwahl: 036762
Kfz-Kennzeichen: SON
Gemeindeschlüssel: 16 0 72 022
Gemeindegliederung: 7 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Schulplatz 2
96523 Oberland am Rennsteig
Webpräsenz:
Bürgermeister: Wolfgang Wiegand (CDU)

Oberland am Rennsteig ist eine Gemeinde in Thüringen im Landkreis Sonneberg.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Gemeinde Oberland am Rennsteig liegt im Thüringer Schiefergebirge und berührt im Norden den Rennsteig. Der Schiefer enthält zahlreiche Fossilien. Unter anderem findet man Trilobiten. Reste von Schiefergruben findet man zum Beispiel am Pechgraben. Die Gebirgstäler entstanden im Bereich eines Streifens geomorphologisch wenig widerstandsfähiger Gesteine aus dem Silur und Devon. Die Gemeinde ist nicht in sich geschlossen, sie hat eine relativ große Ausdehnung, sie besteht aus einer Gruppe früher selbstständiger Gemeinden bzw. Orte.

Nachbargemeinden

Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Piesau - Gräfenthal - Tettau - Judenbach - Sonneberg - Steinach - Lauscha

Gemeindegliederung

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen:

  • Blechhammer (im Steinachtal)
  • Eschenthal
  • Haselbach, Sitz der Gemeindeverwaltung
  • Hasenthal
  • Hüttengrund (im Steinachtal)
  • Spechtsbrunn (am Rennsteig)


Geschichte

Die Gemeinde besteht seit dem 1. Januar 1997.

Ortsteil Haselbach

Bild:Haselbacher Dorfkapelle.jpg
Haselbacher Dorfkapelle, ca. 1940, im Hintergrund Dorfkino und Gaststätte
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Thüringerwald-Ziege, im Dialekt: Hebbele

Im Rögitztal errichteten im Dreißigjährigen Krieg geflüchtete Menschen ein Haus, das Anwesen wurde nach dem in die Rögitz einmündenden Bach Haselbach genannt. Später, im 18. Jahrhundert entstand das eigentliche Dorf. Die Bewohner lebten in ärmlichen Verhältnissen von Landwirtschaft und Holzarbeit. Später gab es zeitweilig in der Nähe eine Eisenhütte. In nahegelegenen Schieferbergbau wurden Griffelschiefer abgebaut. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts stellten die Dorfbewohner auch Spielwaren her. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hielt die Glasindustrie Einzug. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurde Weihnachtsbaumschmuck, insbesondere Christbaumkugeln, hergestellt, hauptsächlich in Heimarbeit. 1895 wurde ein Glaswerk errichtet.

Nach dem zweiten Weltkrieg fand Bergbau statt, davon zeugt noch am Waldrand eine Halde der Wismut.

Durch die Abgase der Industiebetriebe gab es in den Wäldern Rauchschäden. Man versuchte dem durch Pflanzen von anderen Bäumen, wie Roteiche, Lärche und der rauchhärteren Omorikafichte entgegenzuwirken. Die landwirtschaftliche Nutzung bestand hauptsächlich in der Nutzung der Gebirgswiesen als Grün- und Weideland.

Haselbach lag während der Teilung Deutschlands im Grenzgebiet der DDR. Zeitweise lag es in der Sperrzone und konnte nur mit besonderen Ausweisen betreten werden. Nachdem es in den 1970er Jahren aus der Sperrzone ausgegliedert wurde, blieb ein Teil des Waldes innerhalb der Sperrzone.

Viele Dorfbewohner hielten neben ihrer Arbeit auch Tiere. Bis in die 1970er Jahre waren Ziegen (eine braun-weiß-gescheckte Variante, die Thüringerwald-Ziege) und Kaninchen verbreitet. Fast jeder Haushalt betrieb Kaninchenzucht.

Haselbach hatte bis zum Beginn der 1970er Jahre ein eigenes Kino, das später als Sporthalle genutzt wurde.

Eine eigene Dorfblaskapelle spielte Ständchen.

Jährlich fand die Haselbacher Kärwa statt.

Haselbach hatte bis kurz nach der Wiedervereinigung eine achtklassige Schule mit zwei Schulgebäuden. Die Schüler der höheren Klassen besuchten großenteils die Schule in Steinach.

Bis kurz nach der Wiedervereinigung gab es bei Haselbach ein Kinderferienlager.

Nach der Wiedervereinigung wurden eine Reihe der Waldwege erneuert. Anstelle des Waldbodens erhielten sie Asphalt oder Splitbeläge. Diese dienen hauptsächlich der Holzwirtschaft.

Hohenofen

Hohenofen liegt unmittelbar nördlich von Haselbach und wurde 1922 zu Haselbach eingemeindet und kam dann mit Haselbach zu der neuen Gemeinde „Oberland am Rennsteig“.

Im 19. Jahrhundert lebten die Einwohner von Hohenofen vorrangig von der Griffelmacherei.

Hohenofen hatte im 19. Jahrhundert eine Glashütte, die Tafelglas und später Hohlglas herstellte.

Es kann nur von einer ehemaligen Gemeinde Hohenofen gesprochen werden.Die Bezeichnung als Ortsteil Hohenofen (von Haselbach) ist f a l s c h. Heute gibt es nur noch eine Hohenofener Straße. Wie schon angegeben wurde die ehemalige selbständige Gemeinde Hohenofen (Krs.Saalfeld) im Jahre 1922 mit der Gemeinde Haselbach (Krs.Sonneberg) vereinigt.

Ortsteil Blechhammer (im Steinachtal)

Blechhammer liegt an der Straße zwischen Haselbach und Sonneberg im Steinachtal. Blechhammer liegt im Gebiet der 1848 gebildeten Gemeinde Hüttengrund. Ursprünglich gab es dort einen Oberhammer und etwa 300 m entfernt einen Unterhammer, beide arbeiteten als Blechhämmer, was schließlich dem Ort gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Namen gab. Allerdings stellten beide Hämmer den Betrieb bereits vorher in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein, der Oberhammer 1840 und der Unterhammer 1860. Beide Anlagen wurden als Sägewerke für Holz fortgeführt. Etwa 300 m unterhalb vom Unterhammer wurde von 1836 bis 1840 unter der technischen Leitung von Joseph Chillingworth, der aus Redditch stammte, ein Eisenwalzwerk, die Bernhardshütte, errichtet, die eine theoretische Kapazität von 120 000 Zentnern Eisen im Jahr hatte, allerdings wegen begrenzter Ressourcen an Eisenerz nur etwa bis 20 000 Zentner herstellen konnte. Das Werk entwickelte sich zeitweise zum größten Industrieunternehmen im Sonneberger Land. Später stellte die Bernhardshütte zunächst Glas und später Sanitärporzellan her. In der DDR-Zeit gab es in Blechhammer einen Betriebsteil des VEB Stern-Radio Sonneberg.

Die Georgshütte entstand 1858 im Ölsetal als Nebenwerk zur Bernhardshütte, da aber später der Absatz stockte, beschloss die zugehörige Aktiengesellschaft 1864 die Auflösung, diese wurde 1883 zu Ende geführt.

Eschenthal

Eschenthal war eine Häusergruppe und lag im obersten Teil vom Hüttengrund, der aber niemals zur Gemeinde des gleichen Namens gehörte. In der Nähe, ebenfalls im obersten Teil vom Hüttengrund, befand sich das 1661 errichtete Eisenwerk Friedrichsthal. 1902 schlossen sich Friedrichsthal, Eschenthal, Georgshütte und die Obere Bollersmühle zur neuen Gemeinde Eschenthal zusammen.

Hasenthal

Die Besiedlung Hasenthals begann mit großer Sicherheit um das Jahr 1400. Die ersten Siedler waren Köhler, deren Holzkohle aus Buchenholz zur Gewinnung von Roheisen und Kupfer mehr und mehr gefragt war. Der Ortsname Hasenthal soll nach einem ehemaligen Hochofenbesitzer Hase entstanden sein. Diese Deutung lässt sich urkundlich nicht nachweisen. Die urkundliche Ersterwähnung existiert seit dem 29. August 1488 im Staatsarchiv Weimar. Eine genaue Darstellung über unseren Heimatort finden wir in der „Beschreibung des Herzoglich Sachsen-Saalfeldischen Amtes Gräfenthal, Anno 1790“ des damaligen Coburg-Saalfeldischen Rates und Amtmannes Joharm Gottfried Göbel:

Das Amtsdorf Hasenthal stößt an keine andere Dorfflur an, sondern ist rings-um von herrschaftlichen Waldungen umgeben. Es ist im Osten vom Spechtstein, im Süden vom Hofberg, im Westen vom Limberg und im Norden von den Oelsethälern umschlossen. Das Dorf besteht aus 121/2 Bauerngütern. 12 Klein-häuslern, 20 ledigen Wiesen und 20 ledigen Aeckern. Es hat 16 Güter-Besitzer, 12 Kleinhäusler und 3 Mietbewohner. Die Einwohnerzahl beträgt 166 Seelen, nämlich 34 Ehepaare, 3 Witwer. 7 Witwen, 19 Burschen und 11 Mädchen über 14 Jahren, 27 Kinder männlichen und 31 weiblichen Geschlechts.

Während der Zeit der Sperrzone in der DDR durften Besucher von Haselbach nicht ohne Sondergenehmigung nach Hasenthal.

Spechtsbrunn

Spechtsbrunn entstand bereits um 1300. Der Ortsname ist nicht auf einen Specht sondern auf eine sumpfige, morastige Stelle, die mit Reisigbündeln (Specke) und einem Knüppeldamm passierbar gemacht wurde, zurückzuführen.

Es ist einer der ältesten Orte in der Rennsteigregion. Die urkundliche Ersterwähnung war im Jahre 1414 mit dem Erwerb der Gräfenthaler Wälder durch die Grafen von Orlamünde. 1438 werden die Reichserbmarschälle von Pappenheim mit der Adelsherrschaft Gräfenthal belehnt.

Der Ort liegt an der Alten Heer- und Handelsstraße. Die Einwohner hatten im Mittelalter besondere Rechte, aber auch Pflichten, für einen „reibungslosen Verkehr“ auf der Straße zu sorgen. Sie hatten das Privileg, Strauchdiebe ohne Gerichtsurteil zu hängen oder ihnen Asyl zu gewähren. Kriegsdienst musste nur in soweit geleistet werden, als dass die Männer abends wieder zuhause sein konnten. Dafür hatten sie für Ordnung auf der Handelsstraße zu sorgen und Vorspanndienste zu leisten. Das erklärt auch die hohe Zahl an Ochsen, die stets in Spechtsbrunn gehalten wurde. Durch die Anbindung an die Heer- und Handelsstraße kam es zu einer schnellen Entwicklung Spechtsbrunns.

1525 führt Sebastian von Pappenheim die Reformation in der Herrschaft Gräfenthal ein. Somit gehört Spechtsbrunn mit zu den ersten evangelisch- lutherischen Orten Deutschlands.

Im 19. Jahrhundert waren die Spechtsbrunner ziemlich bemittelt. Sie verdienten ihren Lebensunterhalt mit Viehzucht und Viehhandel, als Fuhrleute oder als Griffelmacher.

Der Bergbau in der Umgebung bestand aus der Gewinnung von Griffelschiefer und der Herstellung von Schiefergriffeln im Hausgewerbe und später industriemäßig in einer modernen Großhütte auf der Grube „Brand“ (bis 1930). Heute liegt Spechtsbrunn an der Thüringisch- Fränkischen Schieferstraße.

Im Jahre 1912 wurde eine Porzellanfabrik gegründet, die bis 1990 existierte. Heute hat Spechtsbrunn das größte Gewerbegebiet in Oberland am Rennsteig. Mehrere Industriezweige konnten sich hier ansiedeln.

Wichtig für Spechtsbrunn ist auch der Tourismus. Mehrere Gaststätten und Pensionen, sowie Privatvermietungen sind zu finden.

Sehenswert ist die Dorfkirche ( 1746/1747) mit reicher Bemalung ( Thüringer Bauernbarock) und wertvoller Orgel des Herstellers Sauer ( Frankfurt/Oder). Herzog Georg II. nannte die Spechtsbrunner Kirche die schönste Dorfkirche seines Sachsen- Meiningen Landes.

Auch ein Besuch des Naturparkinformationszentrums auf der „ Kalten Küche“ lohnt sich. Hier kreuzen sich der sagenumwogene Rennsteig und die Alte Heer- und Handelsstraße.

Der Name „Kalte Küche“ entstand aus den Begriffen „ Calde“ ( Grenze) und „Kuche“ ( Kapelle) - also „ Kapelle an der Grenze“. Denn bis zur Reformationszeit stand hier eine Wegekapelle, welche von einem Einsiedler- Mönch betreut wurde.


Spechtsbrunn, 1414 gegründet, ist eine der ältesten Siedlungen der Gegend. Es bildete 1721 mit einer eigenen Pfarrei den Mittelpunkt einer Reihe kleiner Wohnplätze.


Politik

Gemeinderat

Der Rat der Gemeinde Oberland am Rennsteig besteht aus 14 Ratsfrauen und Ratsherren.

(Stand: Kommunalwahl am 27. Juni 2004)

Kulinarische Spezialitäten

  • Thüringer Klöße (Grüne Klöße)
  • Grieß-und-Stärkeklöße (aus gekochten Kartoffeln, mit Grieß und Kartoffelstärke)
  • Kaninchenbraten (Hosenküh) - fast jeder Haushalt hielt Kaninchen
  • Thüringer Rostbratwürste
  • Thüringer Rostbrätl
  • Sauerkraut, welches mit geriebenen rohen Kartoffeln angedickt wird,
  • Verschiedenartige „Brüh“ und „Zamet“. „Brüh“ ist eine Art Suppe, die aus Fleischbrühe und Waldpilzen oder Gemüse (aber ohne Kartoffeln) zubereitet wird und mit Zamet serviert wird, zum Beispiel Schwammebrüh = Pilzsuppe aus Waldpilzen, Porrees-Brüh (Porreesuppe), Bannebrüh (eine Art Bohnensuppe). „Zamet“ ist eine spezielle Art Kartoffelbrei, der aus Kartoffeln, Kartoffelstärke und Milch zubereitet wird
  • Öwaschicharuhm un Mahlpflöck (Kohlrabisuppe mit Mehlklößen)
  • Schnibbl-Supp (eine Gemüsesuppe aus geschnippeltem frischen Gemüse)
  • Spint (eine Art Schlachteplatte aus Kesselfleisch, Wellfleisch, Schnitzfleisch)
  • Flache runde Pfannkuchen (Pfaakuchn) mit dickem Rand ohne Füllung
  • Hirschhornkuchen (ein flacher Kuchen mit Hirschhornsalz gebacken, mit Schokoladenüberzug)

Wirtschaft und Infrastruktur

In den Orten der Gemeinde waren vor allem die Waldwirtschaft und später die Glasindustrie beheimatet. Heute gibt es in einigen Orten Fremdenverkehr. In Hüttengrund befinden sich große Schiefersteinbrüche.

Straßen gibt es nach Steinach, Sonneberg, Lichte und Gräfenthal.

Sonstiges

In Haselbach wird die itzgründische Mundart gesprochen.

Feuersalamander und Molche waren in den 1960er Jahren noch häufig und kommen jetzt selten vor.

Es gibt relativ große Gebiete mit Heidelbeeren und Himbeeren. Die Himbeerblätter wurden in der DDR-Zeit in den Ferien von Schülern für Tee gesammelt. Auf den Gebirgswiesen wachsen seltene Pflanzenarten.

Literatur

  • Zwischen Rennsteig und Sonneberg, AKADEMIE-VERLAG Berlin, 1983, Reihe Werte unserer Heimat, Heimatkundliche Bestandsaufnahme in der Deutschen Demokratischen Republik, Band 39, Lizenznummer 202 200/153/83, ohne ISBN
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