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Bad Hindelang

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Wappen Deutschlandkarte
Bild:Bad Hindelang Wappen.png
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Oberallgäu
Koordinaten: Koordinaten: 47° 30′ N, 10° 22′ O47° 30′ N, 10° 22′ O
Höhe: 825 m ü. NN
Fläche: 137,02 km²
Einwohner: 4901 (30. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 36 Einwohner je km²
Postleitzahl: 87541
Vorwahl: 08324
Kfz-Kennzeichen: OA
Gemeindeschlüssel: 09 7 80 123
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktstraße 9
87541 Bad Hindelang
Bürgermeister: Roman Haug
Bild:Hindelang-1900.jpg
Hindelang um 1900
Bild:BadHindelang1.jpg
Blick über Bad Hindelang, im Vordergrund der Ortsteil Bad Oberdorf mit der Kirche Unserer Lieben Frau im Ostrachtal und St. Jodokus
Bild:Oberjoch.JPG
Blick vom Iseler (1.876 m) auf den Bad Hindelanger Ortsteil Oberjoch, das höchstgelegene Dorf Deutschlands

Bad Hindelang ist ein Markt im schwäbischen Landkreis Oberallgäu.


Inhaltsverzeichnis

Geografie

Der heilklimatische Kneippkurort liegt im Ostrachtal am nördlichen Rand der Kalkalpen an der historischen Salzstraße, welche heute als Bundesstraße B 308 über Oberjoch nach Österreich führt. Der Oberjochpass gilt mit 107 Kurven als die kurvenreichste Straße Deutschlands.

Mehr als 80% des Gemeindegebiets sind Landschafts- oder sogar Naturschutzgebiet.

Ortsteile

Der Markt besteht aus den folgenden Ortsteilen:

  • Bad Hindelang (825 m) mit dem Weiler Gailenberg (900 m)
  • Vorderhindelang (832 m) mit den Weilern Reckenberg, Riedle, Liebenstein und Groß
  • Bad Oberdorf (822 m) hat wegen seines Schwefelmoorbades bereits lange vor dem Hauptort Bad Hindelang den Titel des Bades durch Prinzregent Luitpold von Bayern zugesprochen bekommen (1900).

Das Gemeindegebiet erstreckt sich in einer Höhenlage von 780 m (Ostrachbrücke bei Reckenberg) bis auf 2593 m (Hochvogel).

Geschichte

Ob bereits zur Römerzeit eine Straße über den Jochpass und durch das Ostrachtal führte, ist fraglich. Sicher ist, dass 1540 die Grafen Montfort den Saumpfad über das Joch als Straße ausbauen ließen. Jahrhunderte lang wurde auf dieser Route Salz aus Tirol in Richtung Bodensee transportiert. 1150 wird ein Oggoz von Hundilanc genannt. Das Rittergeschlecht von Hundilanc wird in den folgenden Jahren bis 1402 in verschiedenen Urkunden erwähnt. 1377 wird Hindelang der Pfarrei Sonthofen zugewiesen, bevor es 1435 zur eigenen Pfarrei erhoben wird. Bereits 1429 verlieh der Augsburger Bischof dem Ort das Marktrecht. 1529 gründeten die Fugger einen Stutenhof im Tal. Nach den Rittern von Heimenhofen und den Grafen von Montfort waren die Fürstbischöfe von Augsburg Besitzer des Gebietes. Bei der Säkularisation im Jahre 1803 fiel Hindelang an das Königreich Bayern. Im hinteren Ostrachtal wurde im 16. Jahrhundert Eisenerz gefördert und es entstanden Hammerschmieden, in denen tausende von Hellebarden und Spießen u. a. für die Heere Kaiser Maximilians hergestellt wurden. Im Dreißigjährigen Krieg fielen nahezu 1.000 Personen, das war die Hälfte der damaligen Bewohner, der Pest zum Opfer. 1796 haben kaiserliche Truppen am Jochpass erfolgreich den napoleonischen Truppen den Übergang nach Tirol verwehrt. 1823 kam der Salztransport über das Joch zum Erliegen. In den Jahren 1895–1898 wurde die neue Jochpass-Straße gebaut. 1900 verlieh Prinzregent Luitpold dem Ortsteil Oberdorf den Titel „Bad“. 1905 wurde die Kraftpostlinie eröffnet, die Hindelang mit dem Bahnhof Sonthofen verband. 1924 verwüstete ein Hochwasser des Wildbachs den Ortsteil Bad Oberdorf. In den 30er Jahren wurde die neue Jochpassstraße saniert (zu erkennen an dem an einer Steinwand neben der Straße eingemeißelten Ritterkreuz im oberen Drittel der Strecke, Richtung Oberjoch). Sie diente später Wehrmachtsverbänden als Marschroute zur Front in Italien und Österreich.

1965 wurde Hindelang das Prädikat "Heilklimatischer und Kneippkurort" verliehen. 2002 schließlich wurde Hindelang zu "Bad Hindelang".

Bundesweite Aufmerksamkeit erlangte Bad Hindelang am 11. März 2004 durch eine Erwähnung vom damaligen Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) im Deutschen Bundestag. Er sagte in Anspielung auf den Militäreinsatz in Afghanistan, Deutschland werde nicht nur am Hindukusch, sondern natürlich auch in Hindelang verteidigt.

Politik

Bürgermeister

  • 1900-1919 Josef Anton Blanz
  • 1920-1933 Michael Haas
  • 1933-1939 Anton Schmid
  • 1939-1945 Karl Blanz
  • 1945-1947 Max Zillibiller, CSU
  • 1947-1948 Xaver Blenk
  • 1948-1960 Alois Haug
  • 1960-1984 Georg Scholl, CSU
  • 1984-heute: Roman Haug, Freie Wähler


Persönlichkeiten

  • Kurfürst Clemens Wenzeslaus (1739-1812), Fürstbischof von Augsburg, nahm gerne im Schloss in Hindelang seinen Sommeraufenthalt.
  • Die Künstlerbrüder Franz Xaver Eberhard (1767-1836) und Johann Conrad Eberhard (1768-1859) aus Hindelang haben in Hindelang und im weiteren Umkreis zahlreiche bildhauerische Arbeiten hinterlassen.
  • Prinzregent Luitpold von Bayern (1821-1912) kam während mehr als fünfzig Jahren ins Ostrachtal zur Jagd.
  • Die Grafen Fugger erwarben 1529 größeren Besitz im Ostrachtal und begründeten hier eine Pferdezucht (Stutenhof).
  • Maria Antonie (Toni) Gaßner-Wechs (1900-1956) und ihr Mann Josef Gaßner (1898–1954) verfassten zahlreiche Gedichte und Texte sowie mehrere Bühnenstücke, großenteils in der alemannischen Mundart des Ostrachtales.
  • Thomas Wechs (1893-1970) hat im Bistum Augsburg zahlreiche moderne Kirchenbauten erstellt, so auch die Kirche Unserer lieben Frau im Ostrachtal und St. Jodokus in seinem Geburtsort Bad Oberdorf. Nach ihm ist ein Architekturpreis benannt.
  • Karl Hafner (1894–1971) vertonte mehr als 300 Mundartgedichte des Ehepaares Gaßner sowie von Eugenie Scholl-Rohrmoser. Sie sind zu wahren Volksliedern geworden und werden heute in vielen Allgäuer Orten gesungen. 1960 ernannte ihn die Gemeinde zum Ehrenbürger.
  • Maria Blanz (1912-1995), Kunstmalerin in Bad Hindelang. Studium 1939 an einer privaten Kunstschule in München, daran anschließend Studium an der Kunstakademie von 1943 bis 1946. Nach der Rückkehr in die Heimat malte sie Landschadten in Öl und Aquarell. Ebenso Portraits, Blumen-, Tierbilder und Stilleben. (aus Ulrich Scholl, Aus der Geschichte des Ostrachtales, 1986, Hindelang)
  • Michael Bredl (1916-1999) war ab 1957 Lehrer an der Volksschule Hindelang. Die Volksmusik erfuhr von ihm wichtige Impulse. Das Alphornblasen wurde von ihm im Allgäu wiederbelebt.
  • Hans-Peter Lanig, geb. 1935, und seine Schwester Evi waren in den 1950er Jahren berühmte Skiläufer. Hans-Peter gewann bei den Olympischen Winterspielen 1960 in Squaw Valley die Silbermedaille.
  • Anton Morent (1924-2006), Busunternehmer, Mentor des Tourismus im Oberallgäu und Träger des Bundesverdienstkreuzes.
  • Sepp Rist (1900-1980) war ein Filmschauspieler, der in zahlreichen Bergfilmen und Heimatfilmen mitwirkte.

Sehenswürdigkeiten

  • Kirche Unserer lieben Frau im Ostrachtal und St. Jodokus
  • Heimatmuseum in der Oberen Mühle im Ortsteil Bad Oberdorf
  • Friedenshistorisches Museum im Ortsteil Bad Oberdorf
  • Kutschenmuseum Hinterstein
  • Rathaus - ehemaliges Jagdschloss: erbaut 1660 vom Augsburger Fürstbischof Sigismund Franz, Erzherzog von Tirol, als Jagdschloss. Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Augsburg bis 1805. Nach der Säkularisation ging das Schloss in Staatsbesitz über, diente dann einige Jahre in privatem Besitz als Gasthaus ("zum Hasen") und Schulhaus, bis es schließlich zum Rathaus der Marktgemeinde ausgebaut wurde. Sehenswert ist die ehemalige Hauskapelle der Fürstbischöfe mit frühbarocken Gewölbestukkaturen und einem grünglasierten Rokoko-Kachelofen.
  • Hammerschmieden im Ostrachtal - Nachdem die Grafen von Montfort Anfang des 16. Jahrhunderts die Bergwerksregalien verliehen bekommen hatten, eröffneten sie mehrere Erzgruben im Hintersteiner Tal im heutigen Gemeindegebiet von Bad Hindelang. In der Schmelzhütte zwischen Hinterstein und Oberdorf wurde das gewonnene Erz verhüttet. Es entstand eine beachtliche „Rüstungsindustrie“: Aus Aufzeichnungen in Innsbruck geht hervor, dass z. B. in den Jahren 1520–1524 nahezu 20.000 Landsknecht-Spieße aus den Hindelanger Waffenschmieden für die Heere Kaiser Maximilians geliefert wurden. Drei dieser alten Hammerschmieden existieren heute noch. Heute werden hier friedlichere Gerätschaften produziert, u. a. die begehrten schmiedeeisernen Bratpfannen.


Bergwanderwege

Weblinks

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