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Nuri Bilge Ceylan

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Nuri Bilge Ceylan (* 1959 in Istanbul) ist ein türkischer Filmregisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent und Fotograf.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Ausbildung und erste Regiearbeiten

Nuri Bilge Ceylan wurde in Istanbul geboren und zog im Alter von zwei Jahren in die Provinz Çanakkale, in die Westtürkei, ehe er mit zehn Jahren wieder in seine Geburtsstadt zurückkehrte[1]. Ceylan studierte an der Bosporus-Universität Elektrotechnik und entschloss sich nach einer Reise zum Himalaya eine Militärlaufbahn einzuschlagen. Anderthalb Jahre diente er in einem Armeekorps in Anatolien und vertrieb sich die Zeit mit lesen. Zu seiner Lektüre gehörte auch die Autobiografie von Roman Polański, die ihn nach dem Lesen dazu antrieb, eine Zukunft als Filmemacher anzustreben. Ceylan studierte später in Istanbul und London Filmwissenschaft und feierte 1995 sein Debüt als Regisseur mit dem Kurzfilm Koza, der 1995 im Wettbewerb bei den Filmfestspielen von Cannes um die Goldene Palme konkurrierte.

Drei Jahre nach Kozan realisierte Nuri Bilge Ceylan den autobiografisch gefärbten Film Stadt. Das Drama, der erste Teil seiner Trilogie über die Unterschiede zwischen Land- und Großstadtleben[2] erzählt, aus der Sicht eines Kindes, den Alltag und das Erwachsenwerden in der türkischen Provinz. Schon mit seinem ersten Langspielfilm war Ceylan Erfolg bei Kritikern beschieden und Stadt wurde unter anderem auf der Berlinale 1998, dem Tokyo International Film Festival und dem Filmfestival von Istanbul preisgekrönt. Daran anknüpfen konnte der türkische Filmemacher ein Jahr später mit Bedrängnis im Mai, in dem er den jungen Muzaffer (gespielt von Muzaffer Özdemir), das Alter Ego von Ceylan, in den Mittelpunkt rückt. Muzaffer kehrt nach Anatolien in seine Heimatstadt zurück, um ein Filmprojekt mit seinen Familienmitgliedern zu realisieren. Dort wird der Filmemacher auch mit den Problemen von Eltern und Verwandten konfrontiert: sein Cousin träumt von einer Zukunft in Istanbul, während Muzaffers Vater droht, ein Stück Wald an das Katasteramt zu verlieren. Der stark autobiografisch gefärbte Film (Vater und Mutter werden zudem den Eltern des Regisseurs gespielt) wurde von der tageszeitung wegen seiner fast buddhistischen Ruhe und der ungewohnten Schnitttechnik gelobt[3], während die New York Times das Werk mit den Arbeiten Abbas Kiarostamis verglich[4]. Bedrängnis im Mai errang eine Reihe von internationalen Film- und Festivalpreisen, darunter den FIPRESCI-Preis bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises 2000 und die Auszeichnungen der Filmfestivals von Angers, Ankara, Antalya, Bergamo und Istanbul.

Erfolg mit Uzak – Weit

Der Durchbruch als Regisseur ebnete Ceylan, 2002 die erneute Zusammenarbeit mit Muzaffer Özdemir und Mehmet Emin Toprak an dem Drama Uzak – Weit (2002), dem letzten Teil seiner Trilogie. Hier agiert Özdemir abermals als „zweites ich des Regisseurs“, als ambitionierter Fotograf Mahmut, der seinen Lebensunterhalt mit Werbefotos für Kataloge verdient. Der Besuch eines jungen Verwandten (gespielt von Mehmet Emin Toprak) aus der Provinz bringt jedoch Mahmuts kleine Welt aus dem Gleichgewicht und stürzt ihn in eine existenzielle Krise gestürzt. Dieser versucht im jugendlichen Eifer vergeblich in der türkischen Großstadt eine Arbeit zu finden, um seine zurückgebliebene Familie zu ernähren. Uzak – Weit feierte seine Premiere in der Türkei Ende des Jahres 2002 und war fast fünf Monate später im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes vertreten, wo er in der Gunst der Kritiker stand. Zwar musste sich Nuri Bilge Ceylan Film im Wettbewerb um die Goldene Palme dem Drama Elephant des US-Amerikaners Gus Van Sant geschlagen geben, wurde aber mit der zweitwichtigsten Auszeichnung, dem Großen Preis der Jury belohnt. Hauptdarsteller Muzaffer Özdemir erhielt für den Part des ungehobelten und egoisten Mahmut gemeinsam mit dem 2002 verstorbenen Mehmet Emin Toprak als erste und bislang einzige türkische Akteure den Preis für den besten Schauspieler des Filmfestivals. 2004 wurde die Produktion als offizieller türkischer Beitrag für eine Nominierung bei der 76. Oscarverleihung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgewählt, gehörte aber nicht zu den später fünf nominierten Filmen. Auch in Deutschland, wo der Film erst drei Jahre nach seiner Entstehung veröffentlicht wurde, erhielt Uzak – Weit positive Kritiken. Kälte herrsche zwischen den Figuren, so die Süddeutsche Zeitung, die den Film mit Werken von Andrei Tarkowski[5] verglich, während die tageszeitung auf das 35-mm-Breitwandformat, die langsamen Schwenks und die elliptisch gebaute Montage hinwies. Diese würde ein Zeit- und Raumgefühl schaffen, das über die enge Sicht der Antihelden hinausweise[6].

Durch die Erfolge Nuri Bilge Ceylans, seines befreundeten Kollegen Zeki Demirkubuz (Yazgi, 2001) und Reha Erdem (Bes vakit, 2006) wird mittlerweile von einer Renaissance des türkischen Kinos gesprochen, obwohl Ceylan dies verneint und die steigende Popularität türkischer Künstler mit der Nobelpreisauszeichnung Orhan Pamuks begründet[1]. 2006 war der Regisseur mit Iklimler erneut im Wettbewerb der 59. Filmfestspiele von Cannes vertreten. Hier trat der Türke nicht nur als Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent in Erscheinung, sondern feierte auch sein Schauspieldebüt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Ebru gibt er der erstarrten Ehe des Unidozenten Isa und der Fernsehproduzentin Bahar ein Gesicht, die dem westlichen Lebensstil fröhnen. Die New York Times lobte Ceylan als guten Schauspieler und als Filmemacher, der sich in der Darstellung der Ehe an den französischen und italienischen Film und dem modernen Autorenkino, im Besonderen dem von Michelangelo Antonioni, orientiere. Seine persönlichen Filme seien jedoch umgänglicher, würden aber der Filmsprache nichts neues hinzufügen[7]. Iklimler brachte Ceylan 2006 den FIPRESCI-Preis in Cannes und die Regieauszeichnung beim Filmfestival von Antalya ein. Trotz des Lobes will er nicht mehr als Schauspieler vor der Kamera agieren und lehnte auch ein Angebot seines bekannten Landsmannes Yilmaz Güney höflich ab, der ihn als Akteur für einen seiner Filme hatte gewinnen wollen[1].

Neben der Filmemacherei tritt Ceylan auch erfolgreich als Fotograf in Erscheinung. Seine Bilder wurden unter anderem in Istanbul, Thessaloniki, Granada und im Londoner National Theatre ausgestellt. 2005 war Ceylan Jurymitglied des 42. Filmfestivals von Antalya, die Ahmet Ulucays Tragikomödie Schiffe aus Wassermelonen zum besten Film wählte.

Filmografie

  • 1995: Koza (Kurzfilm)
  • 1998: Stadt (Kasaba)
  • 1999: Bedrängnis im Mai (Mayis sikintisi)
  • 2002: Uzak – Weit (Uzak)
  • 2006: Iklimler

Auszeichnungen

Premiers Plans – Festival d'Angers

  • 2001: Europäischer Jurypreis für Bedrängnis im Mai

Ankara Uluslararasi Film Festivali

  • 2000: Bester Film für Bedrängnis im Mai

Antalya Altýn Portakal Film Festivali

  • 1999: Beste Regie für Bedrängnis im Mai
  • 2002: Bester Film, Beste Regie und Bestes Drehbuch für Uzak – Weit
  • 2006: Beste Regie für Iklimler

Internationale Filmfestspiele Berlin

Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente

  • 2001: Beste Regie, nominiert in der Kategorie Bester Film für Bedrängnis im Mai

Internationale Filmfestspiele von Cannes

Chicago International Film Festival

  • 2003: Spezialpreis der Jury für Uzak – Weit

Europäischer Filmpreis

  • 2000: FIPRESCI-Preis für Bedrängnis im Mai
  • 2003: nominiert in der Kategorie Beste Regie für Uzak – Weit

International Istanbul Film Festival

  • 1998: FIPRESCI-Preis für Stadt
  • 2000: Bester Film, Publikumspreis, Goldene Tulpe und FIPRESCI-Preis für Bedrängnis im Mai
  • 2003: Bester Film, Beste Regie und FIPRESCI-Preis für Uzak – Weit
  • 2006: nominiert in der Kategorie Bester Film für Iklimler

Festival Internacional de Cine Contemporáno de la Ciudad de México

  • 2004: Beste Regie für Uzak – Weit

Festival International Cinéma Méditerranéen Montpellier

  • 2003: Bester Film für Uzak – Weit

San Sebastián International Film Festival

  • 2003: FIPRESCI-Preis für Uzak – Weit

Tokyo International Film Festival

  • 1998: Silver Award für Bedrängnis im Mai

Weblinks

Fußnoten

  1. . a b c vgl. Romney, Jonathan: The action man. In: ABC Magazine, 11. Februar 2007, ABC, S. 4
  2. vgl. Gottes Würfel : frisches Filmmern. In: die tageszeitung, 3. Februar 2005, Kultur, S. 5
  3. vgl. Winkler, Thomas: Das Glück liegt in der Ruhe. In: die tageszeitung, 19. Februar 2000, S. 29
  4. vgl. Mitchell, Elvis: Not Exactly Felix and Oscar, but an Odd Couple All the Same. In: New York Times, 15. Oktober 2003
  5. vgl. Wolken, die nicht weiterziehen. In: Süddeutsche Zeitung, 5. März 2005, Feuilleton, S. 19
  6. vgl. Lenssen, Claudia: Wortlose Männer. In: die tageszeitung, 3. Februar 2005, Kultur, S. 16
  7. vgl. Dargis, Manohla: The Spaces Between People, Even Lovers, in Images of Deceptive Simplicity. In: New York Times, 27. Oktober 2006
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