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Nordwestpassage
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Die Nordwestpassage ist ein Seeweg im Nordpolarmeer (und seinen Randmeeren sowie den dazugehörenden Meeresstraßen) nördlich von Amerika, der den Atlantik mit dem Pazifik durch den kanadisch-arktischen Archipel verbindet. Die Nordwestpassage ist ca. 5.780 km lang.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Nachdem Magellan die Seeroute um Südamerika herum nach Asien entdeckte, überlegten Forscher, ob es im Norden Amerikas auch eine Route geben könne. Mehr als 400 Jahre lang wurde die Nordwestpassage von den seefahrenden Nationen gesucht.
Den Anfang machte eine dänische Expedition unter Leitung des aus Hildesheim stammenden Didrik Pining (eventuell in Begleitung des Portugiesen João Vaz Corte-Real), die im Jahr 1473 in die Gewässer um Grönland und vielleicht auch Neufundland vorstieß. Um 1480 begannen die Portugiesen mit Fischerei-Unternehmungen in den Gewässern um Neufundland, denen um 1500 Basken und Bretonen folgten. Zwischen 1492 und 1495 fuhr João Fernandes („O Labrador“) mit Pedro de Barcellos zwischen Neufundland, dem nach ihm benannten Labrador und Grönland. Schrittweise tasteten sich dann Expeditionen zu Land und zu Wasser immer weiter nach Nordwesten in das eisige Inselgewirr des Nordpolarmeeres vor.
Der englische Seefahrer Martin Frobisher unternahm zwischen 1576 und 1578 drei Reisen auf der Suche nach der Nordwestpassage, 1631 suchte Luke Fox nach einer Passage durch die Hudson Bay.
Die Suche nach einer Passage begründete auch James Cooks letzte Pazifikreise, 1776-79, wobei seine Vorstöße dabei an der Beringstraße wegen einbrechendem Winter abgebrochen werden mussten. Nach Cooks Tod bei einem Handgemenge im Sommerhalt auf Hawaii übernahm Lt. Charles Clerke das Kommando der Expedition. Vom russischen Ausgangshafen Petropawlowsk-Kamtschatski aus brach man erneut auf, scheiterte aber auf 70° 33' N am Packeis, das noch stärker schien als im Vorjahr.
Tragische Berühmtheit erlangte John Franklin, dessen verschollene dritte Expedition von 1845 zu mehrjährigen Rettungsexpeditionen führte. Im Verlauf dieser Rettungsaktionen wurde von Robert McClure schließlich das letzte Teilstück der Nordwestpassage zwischen Banks- und Melville-Insel entdeckt, wobei er jedoch einen Großteil der Strecke nur per Schlitten zurücklegen konnte.
Die erstmalige komplette Durchfahrt gelang Roald Amundsen 1903/06 über die südliche Route durch die Victoria-Straße auf seinem kleinen Schiff Gjoa, allerdings mit zwei Überwinterungen - er hatte jedoch auch einen ganzen Sommer mit den Inuit in der Umgebung der heutigen Siedlung Gjoa Haven (in der Sprache der Inuit: Uqsuqtuuq) auf King-William-Insel verbracht, um sich deren Arktiserfahrung anzueignen.
1944 durchquerte H. A. Larsen den Seeweg erstmals ohne Überwinterung.
Als erster Tanker bewältigte das zum Eisbrecher umgebaute US-amerikanische Schiff Manhattan die Nordwestpassage von West nach Ost in wenig mehr als vier Wochen. Die Fahrt, die am 15. September 1969 erfolgreich endete, sollte die Wirtschaftlichkeit von Öltransporten durch das nördliche Eismeer demonstrieren. Schlussendlich erwiesen sich zum damaligen Zeitpunkt die Instandhaltungskosten auf Grund der Schäden durch das Eis als zu groß für einen wirtschaftlichen Betrieb.
Das erste Kreuzfahrtschiff, das 1985 die Nordwestpassage mit Passagieren an Bord bewältigte, war die World Discoverer.
Arved Fuchs durchsegelte 1993 mit seinem Expeditionsschiff, der Dagmar Aaen, die Nordwestpassage in Ost-West-Richtung und 2003/2004 noch einmal in West-Ost-Richtung[1].
Bedeutung
Der Seeweg zwischen Europa und Asien (Brest - Tokio) verkürzt sich gegenüber der alternativen Route durch den Suezkanal um etwa 6.000 km. Aufgrund der klimatischen Bedingungen ist die Nordwestpassage jedoch nur schwer nutzbar. Wegen der Globalen Erwärmung ist die Nordwestpassage immer besser und länger befahrbar, Fortschritte im Bau Arktis-geeigneter Tanker (nicht Eisbrecher) kommen hinzu. Die wirtschaftliche Erschließung der Nordwestpassage wird derzeit (2007) intensiv vorbereitet. Geplant ist die Schaffung einer Service- und Sicherheits-Infrastruktur für den Tankerverkehr. Auch der Ausbau der zentral gelegenen Inuit-Siedlung Qausuittuq (Resolute Bay) zum Tiefwasserhafen wird erwogen.
Touristik
Auf russischen Eisbrechern können ca. 100 Fahrgäste die Nordwestpassage binnen 12 Tagen durchfahren. Diese Expeditionskreuzfahrten werden von Quark Expeditions organisiert.
Politik
Der Besitz der Nordwestpassage ist umstritten. Kanada beansprucht die Passage für sich, die USA sehen sie als internationales Gewässer an.
Im Jahr 1985 durchfuhr der amerikanische Eisbrecher Polar Sea die Passage ohne Genehmigung von Kanada. Kanada protestierte heftig. Daraufhin vereinbarten Kanada und die USA 1988 in einem Kooperationsabkommen (Arctic Co-operation Agreement), dass die USA fortan Genehmigungen von Kanada einholen werde, Kanada sie jedoch nicht verweigern dürfe. Die Frage, ob die Passage ein internationales Gewässer ist, wurde dabei nicht geklärt.
2005 veröffentlichte die United States Navy Bilder, die das Atom-U-Boot USS Charlotte beim Auftauchen am Nordpol zeigten. Kanada bezichtigte die USA daraufhin, ohne Ankündigung seine arktischen Gewässer benutzt zu haben.
Im Wahlkampf 2006 versprach Premierminister Stephen Harper, die kanadischen Gebietsansprüche zu verteidigen. Seitdem wurden mehrere Patrouillen, die sich aus regulären Streitkräften und Canadian Rangers zusammensetzten, in den nördlichen Gebieten Kanadas durchgeführt. Die kanadische Marine schickte 2006 zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder Eisbrecher in die Nordwestpassage.
Siehe auch:
Weblinks
- Th. Bujack: Die Entdeckung der Nordwestpassage auf der Nordlandseite (private Seite)
Literatur
- Amundsen, Roald: Die Nordwest-Passage – Meine Polarfahrt auf der Gjöa 1903 bis 1907; nebst einem Anhang von Godfred Hansen. München: Langen, 1908. (Wieder aufgelegt bei Edition Erdmann, Stuttgart, Wien 2001)
- Bauer, Barbara: Freezing purgatory – Eine Analyse des Alltagslebens auf den Reisen zur Auffindung der verschollenen Arktisexpedition von Sir John Franklin (1848 - 1859) anhand von veröffentlichten und unveröffentlichten Reiseberichten. 2002.
- Dietrich, William: Northwest Passage – The great Columbia river. Seattle, Wash. [u.a.], Univ. of Washington Press, 1996. ISBN 0-295-97546-6
- Fuchs, Arved: Nordwestpassage – Der Mythos eines Seeweges. Bielefeld: Delius & Klasing, 2005. ISBN 3-7688-1675-3
- Geiger, John & Beattie, Owen: Totenstille – Das tragische Schicksal der Knight-Expedition von 1719. Köln: vgs , 1993. ISBN 3-8025-2231-1
- Voyages to Hudson Bay in search of a northwest passage: 1741 - 1747. London. (Works / Hakluyt Society)
- Milger, Peter: Nordwestpassage – Der kurze aber tödliche Seeweg nach China oder die Gesellschaft der Abenteurer. vgs, 1994. ISBN 3-8025-2295-8
- Elliot-Meisel, Elizabeth B.: Arctic diplomacy – Canada and the United States in the Northwest passage. New York, Vienna [u.a.]: Lang, 1998. ISBN 0-8204-3826-X
- Kurt Lütgen: Das Rätsel Nordwestpassage 1967 (Deutscher Jugendbuchpreis 1967)
- Rudy Wiebe: Land jenseits der Stimmen. Eichborn, Frankfurt 2001 (englisches Original 1994 mit bedeutendstem Literaturpreis Kanadas, dem Governor General´s Award for Fiction, ausgezeichnet)
Quellen
Fussnoten
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