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Nordschleifen-Rundenzeiten
Aus Kefk.
Die Rundenzeiten bzw. Durchschnittsgeschwindigkeiten auf der Nordschleife des Nürburgrings finden in den letzten Jahren wieder verstärkt Beachtung, durch Testfahrten der Presse, Mitteilungen von Herstellern und diverse Rekordfahrten.
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Geschichte
Bereits in den 1930er Jahren wurden publikumswirksame Rekorde aufgestellt und gebrochen. Insbesondere die symbolträchtige Unterbietung von vollen Minuten, die zuvor als unerreichbare „Mauern“ galten, brachte den Fahrern Ruhm und Ehre ein. So bewältigte Bernd Rosemeyer auf Auto Union 1936 als erster die 22.810 Meter unter 10 Minuten. Hermann Lang setzte 1939 auf einem Mercedes „Silberpfeil“ mit 9:43,1 eine Marke, die trotz Umbauten der Strecke erst 1954 durch Juan Manuel Fangio verbessert werden konnte. Die 9 Minuten wurden erstmals 1961 durch Phil Hill unterboten. Bei den Tourenwagen fuhr erstmals Hubert Hahne, im Eifer des Gefechts gegen Konkurrenz von Alfa Romeo, 1966 mit einem BMW 1800 unter 10 Minuten oder im Schnitt schneller als 137 km/h, was von BMW werbewirksam vermarktet wurde.
Die neue Brems-Schikane Hohenrain verlängerte die Nordschleife 1967 auf 22.835 Meter. Die 8-Minuten-Mauer wurde durch Jim Clark verfehlt, beim verregneten Großen Preis von Deutschland 1968 sowieso. Durch die neuen Heckflügel war absehbar, dass 1969 die meisten Piloten die Marke „knacken“ würden. Jacky Ickx erwies sich letztendlich als der schnellste dabei und gewann dazu noch das Rennen.
Durch Umbauarbeiten 1970/71 wurde die Nordschleife sicherer, aber auch deutlich schneller, ebenso wie die nun über Slicks und bessere Aerodynamik verfügenden Rennfahrzeuge. Die 7-Minuten-Marke rückte bald in greifbare Nähe, aber nur Niki Lauda auf Ferrari gelang es im Training 1975 als erstem und einzigem, diese mit 6:58,4 zu unterbieten. Den absoluten Rundenrekord, der nur in einem Rennen aufgestellt werden kann, erzielte jedoch sein Teamkollege Clay Regazzoni mit 7:06,4 min oder einem Schnitt von 192,8 km/h auf der engen und unebenen Rennstrecke.
Im darauffolgenden Jahr bremsten kleine Regeländerungen die F1 ein, die nach 1976 nicht mehr zur Nordschleife zurückkehrte. Andere Rennkategorien wie Sportwagen, Tourenwagen und Formel 2 fuhren noch bis 1982 auf der ursprünglichen 22.835 Meter langen Nordschleife, und Fahrer wie Klaus Ludwig, Manfred Winkelhock und Klaus Niedzwiedz kamen dem Rundenrekord trotz ganz anderer Fahrzeuge sehr nahe, konnten diesen aber nicht brechen.
Stefan Bellof näherte sich dem Rekord bei seinem ersten Nordschleifen-Einsatz auf einem Formel 2 mit BMW-Motor nach 7:06,51 min in der zweiten Rennrunde des Eifelrennens, schied aber danach aus.
Umbau
Während der Umbauarbeiten wurde die Nordschleife 1983 auf die heutigen 20.832 Meter verkürzt, dabei entfielen die beiden langen Geraden am Start/Zielbereich und die Südkehre. Mit einer engen Rechtskurve nach der Hohenrain-Schikane wurde nun direkt auf die kurze Gerade Richtung Hatzenbach nach der früheren Nordkurve eingebogen. Eine dort aufgebaute Boxenanlage ermöglichte weiterhin die Durchführung von Rennen.
Der Vergleich mit früheren, nunmehr „ewigen“ Rundenrekorden kann fortan nur noch grob über die Durchschnittsgeschwindigkeiten gezogen werden, oder durch den Vergleich von ähnlichen Fahrer/Fahrzeug-Kombinationen vor und nach dem Umbau. So brauchte etwa Tom Walkinshaw auf Jaguar XJS beim Großen Preis der Tourenwagen 1982 noch knapp über 9 Minuten, während nach dem Umbau die 8 Minuten zumindest im Training mit 7:56 unterboten wurden. Der Schnitt stieg dabei von 151 auf 155 km/h, was teils durch den Umbau bedingt sein mag, teils durch technischen Fortschritt.
Am 28. Mai 1983 fuhr Stefan Bellof im Werks-Porsche 956 C die einzige Nordschleifen-Runde mit einem Schnitt von über 200 km/h, genau genommen sogar über 202 km/h bzw. in 6:11,13 Minuten. Teamkollege Jochen Mass war mit 6:16,85 gute vier Sekunden langsamer und blieb knapp unter der 200er-Marke. Ein offizieller Rundenrekord kann jedoch nur im Rennen selber aufgestellt werden – hier erzielte Bellof am 29. Mai 1983 eine Zeit von 6:25,91 bevor sein Wagen am Pflanzgarten Unterluft bekam und sich überschlug.
Damit lag er über dem 1975er Rekord-Schnitt von Clay Regazzoni im Formel 1, den auch noch Christian Danner im Eifelrennen der Formel 2 mit 6:28,03 noch übertreffen konnte.
Nach der Eröffnung der GP-Strecke 1984 fuhren die Profi-Rennserien nur noch dort. Die Nordschleife wurde jedoch weiterhin durch Veranstaltungen für Amateure benutzt, insbesondere 24-Stunden-Rennen, VLN und CHC.
Motorrad
Den absoluten Motorrad-Rekord stellte Marco Lucchinelli 1980 auf seiner Suzuki 500 auf, mit 8:22 bzw. einem Schnitt von ca. 163 km/h. Etwas langsamer, mit knapp unter 160 km/h, war Helmut Dähne bei der offiziell schnellsten Motorrad-Runde auf der 20,8-km-Variante der Nordschleife am 22. Mai 1993 unterwegs: Die 7:49,71 min mit seiner straßenzugelassenen Honda RC30 werden ewiger Rekord bleiben, da die sogenannten Zuverlässigkeitsfahrten im Jahr darauf aus Sicherheitsgründen eingestellt wurden, somit keinerlei Motorrad-Wettbewerbe mehr auf der Nordschleife stattfinden.
Tourenwagen-Rennen
Der Langstrecken-Rennbetrieb für Tourenwagen geht jedoch weiter, wobei allerdings beim 24h-Rennen und in der VLN diverse Streckenvarianten ohne und mit diversen Ausbaustufen der GP-Strecke befahren wurden. Es gibt Streckenlängen von 20,8 km über 20,9, 22,8, 23,8, 24,4, 25 bis knapp 26 km Länge, so dass die Zeiten und auch Durchschnittsgeschwindigkeiten nur schwer vergleichbar sind. Von 1988 bis 1993 fuhr auch die DTM auf der Nordschleife und steigerte in dieser Zeit die Geschwindigkeiten beträchtlich.
Seit der VLN-Reglementsänderung von 1999 können wieder deutlich schnellere Fahrzeuge eingesetzt werden, die Schnitte von über 170 km/h erzielen. So erreichte Uwe Alzen in einem Alzen-Porsche 996 Bi-Turbo in der Saison 2005 einen Schnitt von ca. 180 km/h, was auf der reinen Nordschleife einer Zeit von deutlich unter 7 Minuten entspricht. Der Rundenrekord des CHC wurde von ihm schon 2003 mit 7:04 aufgestellt.
Rennfahrzeuge in der VLN usw. können zwar echte profillose Rennreifen einsetzen und müssen nicht StVZO-konform sein, unterliegen jedoch anderen regelbedingten Beschränkungen, insbesondere einer Leistungsbeschränkung per Hubraum, Ladedruck oder Luftmengenbegrenzer, einer auf der Nordschleife besonders niedrigen Lärmbegrenzung und müssen in der größten Klasse bis 6200ccm ein Mindestgewicht von 1350kg aufweisen, bis 4000ccm noch 1250kg. Damit müssen z. B. Porsche 996 und DTM-Rennwagen Ballast einladen. Straßenfahrzeuge dagegen dürfen deutlich leichter sein und müssen zudem keinen mehrstündigen Wettbewerb durchstehen.
Straßenfahrzeuge
Im Rahmen der Gleichmäßigkeitsprüfungen GLP auf der Nordschleife müssen Rundenzeiten im Rahmen von 15:00 bis 10:00 Minuten gefahren werden, was Schnitten von 80 bis 120 km/h entspricht. Ersteres ist mit einem Kleinwagen mit relativ normaler Fahrweise erreichbar, für letzteres muss schon Streckenkenntnis vorhanden sein und ein flottes Fahrzeug engagiert bewegt werden. Jedoch schaffte Sabine Schmitz die Runde in einem Ford Transit Diesel in 10:08.
Auch bei straßenzugelassenen Fahrzeugen wird seit einigen Jahren versucht, durch schnelle Rundenzeiten (oder zumindest Testfahrten) auf der Nordschleife auf die sportliche Qualitäten des Produktes hinzuweisen. Noch Mitte der 1990er Jahren war das Unterbieten der 8-Minuten-Grenze nur wenigen Straßenfahrzeugen vorbehalten, wobei zudem Profi-Rennfahrer am Steuer nötig waren. Der Sportwagenhersteller Porsche reklamierte 1999 eine von Walter Röhrl gefahrene 7:56 für das im selben Jahr erschienene und 265 kW starke, sportliche 911er Modell Porsche 996 GT3.[1]und[2] Beim sogenannten Supertest der Zeitschrift sport auto ist seit 1997 die Nordschleifenrunde der wichtigste Bestandteil, zumal diese fast immer vom gleichen Fahrer absolviert wird, Chefredakteur Horst von Saurma. Jedoch kann hier im Rahmen der sogenannten Industrietestfahrten ein ca. 200 m langer Bereich nicht mit voller Geschwindigkeit befahren werden, so dass schon vorher gestoppt wird und somit die Zeiten um einige Sekunden zu gering angegeben werden.
Mit von diversen Tunern gestellten leistungstarken Porsche Turbo wurden mehrfach Zeiten im Bereich von 7:40 erzielt, was als das Limit für straßenbereifte Autos angesehen wurde. Den enormen Aufwand, der dabei betrieben wird, verdeutlicht die Tatsache, dass vorher das Reifenprofil auf das Mindestmaß abgeschliffen wird, um maximalen Grip zu erhalten. Ab 2001 hielten lange Zeit Wolfgang Kaufmann und ein Gemballa-Porsche den Rekord mit 7:32,52 Min. Ein erfahrener Profi wie Roland Asch verunfallte gar beim Versuch, diese Rekordmarke zu unterbieten.
Mit 7:32,34 Minuten (Durchschnittsgeschwindigkeit: 164 km/h) wurde mit dem Supersportwagen Porsche Carrera GT am 21. September 2004 im Rahmen des sport auto-Supertest der Rekord knapp unterboten. Schon am 24. Oktober 2004 jedoch wurden mit 7:18,01 Min neue Maßstäbe gesetzt, von Michael Düchting in einem Donkervoort RS. Dieses extrem leichtgewichtige Fahrzeug mit freistehenden Vorderrädern, das auf dem Lotus Seven der 1950er-Jahre basiert, kann eine deutsche Straßenzulassung aufweisen, was angesichts der großen Flügel und anderer Rennwagen-Technik auf Verwunderung stößt.
Zudem wurden mit sogenannten Sportreifen straßenzugelassene Reifen verwendet, die jedoch üblicherweise nur für Wettbewerbszwecke (Rallye, Slalom) an DMSB-lizenzierte Motorsportler abgegeben wurden. Sie weisen zwar den gesetzlich geforderten Negativprofilanteil von 17% auf, sind aber wie Rennreifen im Verschleiß und insbesondere der Haftung bei Nässe herkömmlichen sportlichen Reifen deutlich unterlegen. Beim BMW M3 CSL wurde mit Hilfe dieser Bereifung mit 7:56 eine um ca. 20 Sekunden bessere Rundenzeit erzielt.
Mit einem Porsche 996 GT2 von EDO-Competition, der trotz Renntechnik eine offizielle Straßenzulassung aufweist, wurde mit Hilfe von solchen Pirelli-Reifen sowie eines Gewindefahrwerks von Patrick Simon am 4. August 2005 eine Zeit von 7:15,63 erzielt.
Am 28. September 2005 fuhr Michael Vergers auf einem Radical SR8 mit einem 2,6 Liter V8-Motor von Powertec mit 360 PS bei einem Gewicht von nur 600 kg eine Runde mit 6:56,01. Da dieser flache offene Sportwagen eine britische, aber keine deutsche Strassenzulassung hat, ist diese Zeit wohl noch nicht als Rekord für straßenzugelassene Fahrzeuge anzusehen, obwohl der SR8 mit straßenzugelassenen Sportreifen ausgestattet war (Dunlop Direzza D02G, Vorderachse 195/65 R 15, Hinterachse 225/45 R 16). Andererseits wird auch die Auffassung vertreten, dass durch die britische Zulassung eine EU-weite Straßenzulassung bestünde. Nach Aussage des Teams von Vergers hätte die Runde mit Slicks noch etwa 30 Sekunden schneller gefahren werden können, womit man in den Bereich der Renn-Rekorde von 1983 käme.
Übersichtskarte
Quellen
- ↑ Porsche 944-Fans: Rundenzeiten Nürburgring Nordschleife (20,8 km) Auf: www.944-fans.de. 14. Dezember 2006 21:00 Uhr
- ↑ Gert Hack: „Sports-Wear“ - Fahrbericht: Porsche 911 GT3. In: „auto, motor und sport“, Heft 11, 19. Mai 1999, S. 35.
Weblinks
- Umfassende Übersicht der Rundenzeiten auf den verschiedenen Streckenvarianten
- Beschreibung der Ideallinie laut Zeitschrift „sport auto“ 2001/2002 (Im PDF-Format)
- Beschreibung der Ideal-Linie für Motorräder
- WMV-Video: Eine Runde Nordschleife, gefahren von Patrick Simon im Edo-Porsche GT2 R
- Sabine Schmitz im Ford Transit Folge von Top Gear auf YouTube
- Diverse Videos von Fahrten über die Nordschleife
- Rundenzeiten der von sport auto getesteten Fahrzeuge mit Straßenzulassung in der englischen Wikipedia
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