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Nord-Ostsee-Kanal

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Kanalschleusen in Kiel-Holtenau
Bild:Nord-ostsee-kanal-schleusenstrasse.JPG
Blick von der Brücke der Schleusenstrasse Richtung Kieler Förde in Holtenau
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Die Rader Hochbrücke (nach dem Ort Rade ) bei Rendsburg führt die Autobahn 7/Europastrasse 45 über den Nord-Ostsee-Kanal
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Schleusen bei Brunsbüttel
Bild:Kanalfaehren breiholz.jpg
Die Kanalfähren bei Breiholz
Bild:Karte Nord-Ostsee-Kanals MKL1888.png
Historische Karte des Nordostseekanals
Bild:Wd b179.JPG
Drehbrücke in Rendsburg (1895)
Bild:AIDAcara on Kiel Canal.jpg
Aus der Distanz sieht es oft aus, als würde ein Schiff auf der Weide stehen

Der Nord-Ostsee-Kanal (NOK, engl. Kiel Canal) verbindet als meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt die Nordsee mit der Ostsee und erspart Schiffen damit den längeren Weg um das Skagerrak an der Nordspitze Dänemarks. Der knapp 99 Kilometer lange Kanal durchquert Schleswig-Holstein von der Elbemündung an der Nordsee und der Kieler Förde an der Ostsee. Die heutige Bundeswasserstraße wurde 1895 als Kaiser-Wilhelm-Kanal eröffnet und hieß so bis 1948.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Kanal gehört zu den spiegelgleichen Seekanälen und wird an beiden Enden durch Schleusen gegen die wechselnden Wasserstände (verursacht durch Gezeiten oder Windstau) der Nordsee und der Ostsee abgeschlossen. Die Endpunkte befinden sich in Brunsbüttel an der Elbe und in Kiel, Stadtteil Kiel-Holtenau in der Kieler Förde. Sie liegen 98,637 Kilometer auseinander. Dabei durchquert der Kanal mehrere Landschaftszonen Schleswig-Holsteins. Zunächst durchquert er die Marsch und durchschneidet dann einen Geestrücken. Bis Rendsburg orientiert sich der Kanal an der Eiderniederung und erreicht dann das östliche Hügelland. Wichtigste Hafenstadt im Verlauf des Kanals ist Rendsburg. Nordöstlich von Rendsburg verläuft der Kanal eine Weile lang durch das alte Flussbett der Eider. Zwischen Rendsburg und Kiel bildet der Kanal die Grenze zwischen den Landesteilen (Süd-) Schleswig und Holstein.

Acht Straßen und vier Eisenbahnlinien überqueren den Nord-Ostsee-Kanal auf insgesamt zehn Brücken, dreizehn Fahrzeug- und eine Personenfähre ermöglichen den Transport auf die andere Seite, und bei Rendsburg existieren ein Straßen- und ein Fußgängertunnel. Eine Sehenswürdigkeit ist dabei die in Rendsburg befindliche Eisenbahnhochbrücke mit der darunter hängenden Schwebefähre. Die Durchfahrtshöhe der Brücken für die Schifffahrt beträgt 40 Meter.

Geschichte

Erste Pläne für einen Kanal quer durch das heutige Schleswig-Holstein reichen wahrscheinlich bis in das 7. Jahrhundert zurück. Von der damals blühenden Handelsstadt Haithabu an der Schlei waren zwischen der Ostsee und der Nordsee nur 16 km Landweg zu überbrücken, denn die hier fließende Treene mündet über die Eider in die Nordsee. Die Waren und auch die leichten Schiffe der Wikinger wurden über diese Landbrücke von Ochsen getragen bzw. gezogen. (siehe Ochsenweg)

Durch die spätere Verlagerung des Handels in Schleswig-Holstein nach Lübeck wurde dieser Plan jedoch obsolet. Es entstanden der Stecknitz- und der Alster-Beste-Kanal, die jedoch nicht für Seeschiffe bestimmt waren.

Der direkte Vorläufer des Nord-Ostsee-Kanals war der Eiderkanal, den der dänische König Christian VII. von 1777 bis 1784 errichten ließ. Er begann in Kiel und mündete bei Rendsburg in die Eider, von wo aus er bis zur Eidermündung in Tönning floss. Jedoch dauerte eine Fahrt durch Kanal und Eider noch drei bis vier Tage.

1864, zu Beginn des deutsch-dänischen Krieges erteilte der preußische Kanzler Otto von Bismarck den Auftrag, Ermittlungen über eine Verbindung zwischen Nord- und Ostsee anzustellen, „welche alle Kriegs- Handels- und Dampfschiffe gut passieren können“. Der deutschen Flotte sollte die Möglichkeit gegeben werden, „jederzeit von der Ostsee in die Nordsee zu gelangen, ohne unter dänischen Kanonen passieren zu müssen“. Damit wurde der zunächst vorrangig militärisch-strategische Charakter des Kanalprojekts deutlich angesprochen. Die Generäle Moltke und Albrecht von Roon sprachen sich allerdings gegen das von Bismarck forcierte Kanalprojekt aus. Generalstabschef Helmuth Karl Bernhard von Moltke verfasste sogar ein Pamphlet: „Rede gegen den Kanalbau“.

1873 schien das Kanalprojekt gescheitert. Aber Bismarck fand Alliierte. 1878 legten der Hamburger Reeder Hermann Dahlström, auch "Kanalström" genannt, und der Wasserbauinspektor Boden einen Plan für einen Kanal vor, der weitgehend entlang der heutigen Streckenführung von Kiel-Holtenau nach Brunsbüttel führen sollte. Bismarck gelang es in der Folge, Kaiser Wilhelm I: für den Kanalbau zu gewinnen, und 1883 erließ der Kaiser den Auftrag, Beratungen über einen Bau des Kanals anzustellen, und zwar ausdrücklich „mit den für die Flotte notwendigen Ausmaßen“. 1886 billigte der Reichstag ein entsprechendes Gesetz und am 3. Juni 1887 erfolgte die Grundsteinlegung durch Kaiser Wilhelm I. in Kiel-Holtenau, leitender Ingenieur war ein Herr Otto Baensch aus Zeitz (Sachsen-Anhalt).

Nach acht Jahren Bauzeit konnte Kaiser Wilhelm II. den damals noch Kaiser-Wilhelm-Kanal genannten Wasserweg am 21. Juni 1895 eröffnen. Der Bau kostete 156 Mio. Goldmark, bis zu 8.900 Arbeiter hatten ca. 80 Mio. m³ Erdreich bewegt. Ungewöhnlich für ein Projekt in dieser Größenordnung, überschritt der Kanalbau damit nicht die ursprünglich eingeplanten Kosten. Der Kanal war zu diesem Zeitpunkt 67 m breit und 9 m tief. Zur Finanzierung wurde von Kaiser Wilhelm II. 1902 die Schaumweinsteuer eingeführt.

Durch die technische Fortentwicklung und die Einführung von Großkampfschiffen in der deutschen Marine reichte der Kanal allerdings schon bald nicht mehr aus, um diesen die Passage zu ermöglichen. Von 1907 bis 1914 wurde der Kanal das erste Mal ausgebaut. Die Breite wurde auf 102 m erhöht und die Tiefe auf 11 m. Außerdem wurden sowohl in Kiel als auch in Brunsbüttel je zwei neue Schleusen gebaut. Diese sind mit 310 m mal 42 m deutlich größer als die alten mit 125 m mal 22 m. Der Ausbau kostete 242 Mio. Goldmark und war damit deutlich teurer als der ursprüngliche Bau.

Durch den Versailler Vertrag wird der Kanal 1918 internationalisiert. 1948 wird der Kanal in Nord-Ostsee-Kanal umbenannt. Seit 1965 wird der Kanal zum zweiten Mal erweitert. Zum Schutz der Böschung wird die Breite bis zum Kanalkilometer 87 auf 162 Meter erweitert. Dies ist bis heute nicht abgeschlossen, die Gesamtkosten werden auf 485 Mio. Euro geschätzt. Zurzeit laufen Detailplanungen der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord für die Anpassung der Oststrecke des Nord-Ostsee-Kanals. 2004 passierten ca. 41.000 Schiffe mit ungefähr 80 Mio. Tonnen Ladung den Kanal; 2006 stieg diese Zahl auf etwa 43.000 Fahrzeuge. Am 7. Oktober 2006 wurde das neu elektronische Verkehrslenkungsystem, in das 13,5 Mio. Euro investiert wurden, eingeweiht. Es hat eine Zentralisierung der Leitstelle in Brunsbüttel zur Folge.

Technische Daten

Abmessungen

Länge 98,637 km
Breite im Wasserspiegel 162 m (teilweise noch 102,5 m)
Breite in der Sohle 90 m (teilweise noch 44 m)
Wassertiefe 11 m

Schleusen

Alte Schleusen
Nutzlänge 125 m
Nutzbreite 22 m
Drempeltiefe in Brunsbüttel NN − 10,20 m
in Kiel-Holtenau NN − 9,80 m
Stemmtore je Kammer 2 Ebbe- und 2 Fluttore
Füllung durch 2 Seitenkanäle mit je 12 Stichkanälen
Schleusungszeit 30 Minuten
Neue Schleusen
Nutzlänge 310 m
Nutzbreite 42 m
Drempeltiefe NN − 14,0 m
Schiebetore je Kammer 3 Tore
das Mitteltor − zugleich Reservetor − ermöglicht in einer
verkürzten Kammer eine schnellere Schleusung
Füllung in Brunsbüttel durch Torumläufe
in Holtenau durch 2 Seitenkanäle mit je 29 Stichkanälen
Schleusungszeit 45 Minuten

Verkehrsvorschriften

Da der Kanal Seeschifffahrtsstraße ist und von sehr vielen Schiffen der unterschiedlichsten Größenklassen befahren wird, gelten auf ihm sehr umfangreiche Verkehrsvorschriften [1]. Es gibt spezielle Regeln für das Begegnen und Überholen: In Abhängigkeit von Länge, Breite und Tiefgang werden die Schiffe in sechs Verkehrsgruppen unterteilt. Das Begegnen ist nur in den Weichen für alle Schiffe zulässig; sonst richtet sich die Zulässigkeit einer Begegnung nach der Summe der Verkehrsgruppen. Die Höchstgeschwindigkeit für Schiffe der Verkehrsgruppe 6 liegt bei 12 km/h (6,5 kn) und für alle übrigen Schiffe bei 15 km/h (8,1 kn). Eine Fahrt durch den Kanal dauert 6 bis 8 Stunden. Die Regelung des Verkehrsablaufes auf dem Nord-Ostsee-Kanal wird als Verkehrslenkung bezeichnet.

Maximale Schiffsabmessungen
Länge Breite Höhe (über Wasserspiegel) Tiefgang
235 m 32,5 m 40 m 9,50 m (wenn Länge unter 160 m)

Touristik

Bild:Levensauer Hochbrücke (um 1900).jpg
Levensauer Hochbrücke (um 1900)

Der befestigte Betriebsweg am Kanal ist für Fußgänger und Radfahrer freigegeben und ermöglicht beidseitig nahezu auf voller Länge steigungsfreie Radtouren in nächster Nähe zu den Schiffen. Das Übersetzen auf die jeweils andere Kanalseite mit einer der zahlreichen Fähren ist kostenlos. Dies hatte bereits Kaiser Wilhelm in einer Anordnung verfügen lassen, um eine größere Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen, da die künstliche Wasserstraße ältere Verkehrswege durchschneidet.

Die Radwege am Nord-Ostsee-Kanal sind Teil der im Mai 2004 eröffneten Deutschen Fährstraße, einer rund 250 Kilometer langen Ferienstraße, die von Bremervörde an der Oste bis Kiel führt.

Jeweils ein Rastplatz bei der Autobahnbrücke der A 23 (nordwärts, vor dem Kanal) sowie zwischen den Anschlussstellen 8 und 9 der A 7 ermöglicht einen Ausblick auf den Kanal.

Die besten Fotos von Traumschiffen und Frachtern schießt man gewöhnlich am Aussichtspunkt an der Grünentaler Hochbrücke (Kanalkilometer 31,11).

Brücken und Tunnel

Der Kanal wird in Rendsburg von einem Straßen- und einem Fußgängertunnel gequert. Außerdem gibt es zehn Brücken, dies sind

Literatur

  • Waldemar Jensen: Der Nord-Ostsee-Kanal − Eine Dokumentation zur 75-jährigen Wiederkehr der Eröffnung. Wachholtz, Neumünster 1970.
  • Stefan von der Ahe: Nord-Ostsee-Kanal by bike. Radreise Verlag, ISBN 978-3-939636-05-2 (CD-ROM mit vielen Bildern)
  • Karl Ernst Kaminski: Die Geschichte des Kaiser-Wilhelm-Kanals 1887–1914. Rundschau KG, Itzehoe 1980.
  • Gerd Peters: Der Nord-Ostsee-Kanal. Koehler, Hamburg 1995. ISBN 3-7822-0626-6
  • Rainer Lagoni: Nord-Ostsee-Kanal 1895–1995: Festschrift. Wachholtz, Neumünster 1995. ISBN 3-529-05319-8
  • Walter Schulz: Der Nord-Ostsee-Kanal, eine Fotochronik der Baugeschichte. Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens, Heide 1986, 1995 (4. Aufl.). ISBN 3-8042-0373-6
  • Heiner Helms, Hans-Joachim Schröder, Alexander Tesár: Brücken über den Nord-Ostsee-Kanal - Faszination der Brückenbaukunst im Laufe der Zeit. Nieswand, Kiel 1995. ISBN 3-926048-83-2
  • Rudolf Horstmann: Von der Ostsee bis zur Elbe, eine Wanderung entlang des Nord-Ostsee-Kanals. Wachholtz, Neumünster 1990. ISBN 3-529-06200-6
  • Martin Becker: Kulturlandschaft Nord-Ostsee-Kanal. Bildband. Wachholtz, Neumünster 2003, 2005 (2. Aufl.). ISBN 3-529-02527-5
  • Regina Nitsch: Nord-Ostsee-Kanal. Radwandern an der Straße der Traumschiffe. Service, Hamdorf 2004, 2006. ISBN 3-9809420-0-7

Weblinks

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pms:Canal ëd Kiel
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