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Nomade
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Als Nomaden (v. griech. νομάς - nomás „mit Herden herumziehend“; νομoς - nomos bedeutet ursprünglich „Weideland“; siehe auch Nomos) werden Menschen und Gesellschaften bezeichnet, die aus kulturellen, ökonomischen oder weltanschaulichen Gründen ein nicht sesshaftes Lebenskonzept wählen, sich in ihrer Wirtschaftsweise aber deutlich von nichtsesshaften Wildbeuterkulturen unterscheiden. Besonders Viehzucht, Jagd und Fischfang – siehe auch Seenomaden – bedingen nomadische Lebensformen. Heute kommen Lebensstilgründe hinzu.
Dieser Artikel gibt eine Übersicht über die geographische Verbreitung des Phänomens. Traditionelle nomadische Lebensformen im einzelnen werden im Artikel Nomadismus behandelt. Neue Formen des Nomadentums in der globalisierten Welt behandelt der nun folgende Artikel.
Inhaltsverzeichnis |
Nomadische Gesellschaften
Zu den nomadischen bzw. teilweise nomadisch lebenden Gesellschaften zählen in der Ethnologie folgende:
Afrika
Amerika
- Innu - sind die Ureinwohner von Québec und Labrador.
- Haush - ursprünglich waren sie auf ganz Feuerland vertreten.
- Kawesqar - in den Wasserkanälen an der Westküste von Patagonien.
- Selk'nam - im Zentrum und Nordwesten der Hauptinsel Feuerlands.
- Yámana - siedelten als Seenomaden entlang des Beagle Kanal.
Asien
- Alanen (Teilstamm der Sarmaten, historisch)
- Burjaten (Mongolen), Burjatien, Russland
- Changpa (Jammu und Kashmir)
- Gashghai (Iran)
- Kara-Kitaier
- Lulen
- Merkiten
- Mlabri (Bergregion von Thailand)
- Mongolen
- Nenzen Tundra bei Dudinka (69° 29' N, 86° 17' O), Autonomer Kreis Taimyr, Russland
- Reiternomaden in der zentralasiatisch-sibirischen Steppe bei Kysyl (51° 42' N, 94° 23' O), Tuwa, Russland
- Seenomaden (z. B. Moken, Orang Laut)
- Tanguten
- Tibeter
- insbesondere Turkvölker
Europa
Australien
Arktis
- Inuit auch Eskimos genannt
- Nenzen: das Nomadenvolk der Nenzen lebt mitten in der sibirischen Tundra, wo sie mit ihren Zelten und Rentieren in kleinen Gruppen leben.
Historische Nomadenvölker
Renaissance des Nomadismus
Nomadische Lebensweisen werden Anfang des 21. Jahrhunderts im Kontext von Globalisierung und Digitalisierung der Lebens- und Arbeitswelt neu betrachtet. Das Nomadentum avanciert zu einer gleichberechtigten Lebensform neben der Sesshaftigkeit. Dabei wählen vor allem gut ausgebildete „Trendsetter“ diese Arbeits- und Lebensform bewusst, während schlechter ausgebildete Arbeitnehmer in diese Rolle eher hineingedrängt werden. Besonders in westlichen Industrieländern wird von Führungskräften, aber auch von einfachen Arbeitern ein immer höheres Maß an Flexibilität und Mobilität erwartet. Damit sind viele Vorteile (z. B. Freiheit, Lebenssinn, Selbständigkeit) aber auch Nachteile (Entgrenzung, Unsicherheit, Instabilität, Verlust sozialer Bindungen) verbunden. Insgesamt werden seit der Industrialisierung immer mehr und immer öfter Funktionen aus Familie und Privathaushalt herausgelöst, was nicht selten zu Tendenzen zu einem innerstädtischem Nomadentum führt.
Als Beispiel seien einerseits Manager, Popstars oder Politiker genannt, die von einem Termin zum anderen jetten und dabei einen erheblichen Teil ihrer Nächte in Hotels verbringen, andererseits, am anderen Ende der Gesellschaft, Menschen, die aus wirtschaftlicher Not in Obdachlosigkeit geraten, die Sesshaftigkeit ungewollt verlieren. Allerdings gibt es auch Menschen, die aus Lebensstilgründen einen nicht-sesshafte Lebensform wählen. Besonders infolge der 68er- und der Hippie-Bewegungen traten und treten solche nonkonformistischen Lebensformen vermehrt auf, wenn auch nur bei einem marginalen Teil der Bevölkerung. Beispiel: Wagenburgen oder, bereits in den 1920iger Jahren, die Bewegung der Berber („Generalstreik ein Leben lang!“)
Eine Sonderform des modernen Freizeit-Nomadentums sind Camping- und Survival-Urlaub.
Eine Reihe gegenwärtiger Lebensformen weisen in traditionell-nomadische Traditionen zurück, der Anteil der traditionell-nomadischen Lebensweise in den Industrieländern geht jedoch stark zurück. Einerseits seien hier Schausteller und Zirkus-Familien zu erwähnen, andererseits bestehen noch ethnische Gruppen mit nomadischer Lebensform als Minderheiten in der sesshaften Bevölkerung. Viele dieser traditionellen nomadischen Gesellschaften sind heute in ihrer Existenz (oder zumindest in ihrer Lebensweise) bedroht, da sie ihre Landnutzungsrechte nur schlecht gegen ihre sesshaften Nachbarn durchsetzen können. Beispiel: Roma, Sinti und Jenische. Mit den Beziehungen zwischen Nomaden und Sesshaften in Geschichte und Gegenwart beschäftigt sich seit 2001 ein eigener Sonderforschungsbereich an den Universitäten Halle und Leipzig.
Das Thema wird u. a. in verschiedenen Büchern (z. B. Englisch: „Jobnomaden“ oder Richter: „Lebenspraktikanten“) aufgegriffen und bei Unternehmensberatungen in das thematische Portfolio aufgenommen.
Literatur
- Andreas Gruschke: Nomade, bleib bei deinen Zelten. Nomadische Lebenswelten im heutigen Tibet, in: Das neue China, 32. Jg., Nr. 2 (Juni 2005), S. 17–21.
- Gundula Englisch: Jobnomaden. Wie wir arbeiten, leben und lieben werden., Frankfurt: Campus 2001.
Siehe auch
Weblinks
- Differenz und Integration: Sonderforschungsbereich an den Universitäten Halle-Wittenberg und Leipzig, der sich mit den Beziehungen zwischen Nomaden und Sesshaften in Geschichte und Gegenwart befasst.
- Frühe Reiternomaden der eurasischen Steppen: Bibliographische Notizen mit Ausblick auf die früh- und hochmittelalterliche Zeit und Angaben zur Geschichte der Forschung. Zusammengestellt für Studienzwecke von Markus Mode
- Homes for Nomads: Eine im Aufbau befindliche Plattform für moderne Nomaden im Rahmen der Selbst-Orga-Wiki.
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