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Noam Chomsky

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   Noam Chomsky

Avram Noam Chomsky [ˈævɹəm ˈnoʊəm ˈtʃɑːmskɪ] (* 7. Dezember 1928 in Philadelphia, Pennsylvania, USA) ist Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Er entwickelte die nach ihm benannte Chomsky-Hierarchie, seine Beiträge zur allgemeinen Sprachwissenschaft förderten den Niedergang des Behaviorismus und den Aufstieg der Kognitionswissenschaft. Neben seiner linguistischen Arbeit gilt Chomsky als einer der bedeutendsten linken politischen Intellektuellen Nordamerikas und ist als scharfer Kritiker der US-amerikanischen Außen- und Wirtschaftspolitik bekannt. Er ist Anhänger des Anarchosyndikalismus und Mitglied der Industrial Workers of the World.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Chomsky wurde am 7. Dezember 1928 in Philadelphia (Pennsylvania, USA) als Sohn des jüdischen Gelehrten William Chomsky und Elsie Chomsky (Geburtsname Simonofsky) geboren. Im Jahr 1945 begann er, an der University of Pennsylvania Philosophie und Linguistik zu studieren. Zu seinen Lehrern zählten der Sprachwissenschaftler Zellig Harris und der Philosoph Nelson Goodman. Chomskys anarchistische Überzeugungen bildeten sich schon in den 1940er Jahren heraus. Von großer Bedeutung war dabei die Auseinandersetzung mit den anarchistischen Experimenten während des Spanischen Bürgerkriegs. Chomsky hatte in dieser Zeit auch Kontakte zu zionistischen Organisationen.

Anfang der 1950er Jahre studierte er einige Jahre an der Harvard University, bis er 1955 an der Universität von Pennsylvania in Linguistik promovierte. In seiner Doktorarbeit The Logical Structure of Linguistic Theory begann er bereits damit, einige der Ideen zu entwickeln, die er 1957 in seinem Buch Syntactic Structures, einem der bekanntesten Werke der Linguistik, ausarbeitete.

Nach der Verleihung der Doktorwürde lehrte Chomsky zunächst als Assistenzprofessor, seit 1961 als ordentlicher Professor für Linguistik und Philosophie am Massachusetts Institute of Technology. In den 1960er Jahren wurden seine revolutionären linguistischen Arbeiten weltweit anerkannt, seither gilt er als einer der wichtigsten Theoretiker auf diesem Gebiet.

Akademisches Wirken

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    Noam Chomsky (2003)

Noam Chomsky hat die Darstellung natürlicher Sprachen formalisiert: Die Neuerung war, die einzelsprachlichen Ausdrücke mit Hilfe einer Metasprache rekursiv zu definieren. Die aus der Metasprache abgeleiteten Klassen von Grammatiken können in eine Hierarchie eingeteilt werden, die heute Chomsky-Hierarchie genannt wird. Seine Arbeit stellt einen Meilenstein für die Linguistik dar.

Formale Sprachen und die Chomsky-Hierarchie spielen auch in der Informatik eine wichtige Rolle, insbesondere in der Komplexitätstheorie und im Compilerbau. Moderne Forscher wie Steven Pinker bauen auf Chomskys Methodik auf.

Zusammen mit den Arbeiten Alan Turings begründen sie einen eigenen Bereich in der Mathematik und machen strukturelle Bereiche und Formalismen natürlicher Sprachen einer mathematischen Betrachtung zugänglich, unter anderem mit dem Ergebnis, dass maschinelle Übersetzungen prinzipiell möglich sind.

Die mathematische Formalisierung hat unter anderem das Forschungsgebiet der Computerlinguistik hervorgebracht, in dem versucht wird natürliche Sprache mit mathematischen Mitteln zu beschreiben. Chomskys Theorien selbst gelangten dabei aber schnell in die Kritik, nachdem bewiesen wurde, dass die generative Transformationsgrammatik Turing-vollständig und damit kognitiv nicht verarbeitbar ist. Als Reaktion beschränkte Chomsky daraufhin die Eigenschaften seiner Grammatik durch sog. Barriers. Diese und spätere Grammatiktheorien, wie Government and Binding und Minimalistisches Programm sind allerdings nicht mathematisch formalisiert und spielen damit für die Computerlinguistik nur noch eine untergeordnete Rolle neben unifikationsbasierten Grammatiken wie LFG und HPSG.

Noam Chomsky ist seit 1965 ein führender linker Kritiker der US-amerikanischen Außenpolitik. Seine Vorträge werden nicht nur in Büchern, sondern einige auch auf CDs veröffentlicht, die beispielsweise auf dem Label Alternative Tentacles von Jello Biafra erscheinen.

Zusammen mit Edward S. Herman hat Chomsky im Propagandamodell zu erklären versucht, wie Massenmedien im kapitalistischen Umfeld die Berichterstattung so gestalten, dass die Interessen der Regierung und der Oberschicht gewahrt bleiben.

Beiträge zur Linguistik

Chomskys erstes Buch Syntactic Structures ist ein gekürzter, umgearbeiteter Auszug aus seiner weit umfänglicheren Doktorarbeit Logical Structure of Linguistic Theory, in der er die Transformationsgrammatik einführte. Die Theorie nimmt Äußerungen (Worte, Phrasen, Sätze) und setzt sie mit „Oberflächenstrukturen“ in Zusammenhang, die selbst wieder mit abstrakteren Tiefenstrukturen korrespondieren. (Eine steife und klare Unterscheidung zwischen Oberflächen- und Tiefenstrukturen wird heute in gegenwärtigen Versionen der Theorie nicht mehr vorgenommen.) Umformungsregeln bestimmen zusammen mit den Regeln für die Struktur von Phrasen und anderen Strukturprinzipien sowohl die Erzeugung als auch die Interpretation von Äußerungen. Mit einem begrenzten Instrumentarium von grammatikalischen Regeln und einer endlichen Anzahl von Wörtern kann eine unbegrenzte Menge von Sätzen gebildet werden, darunter solche, die noch nie zuvor gesagt wurden. Die Fähigkeit, unsere Äußerungen auf diese Weise zu strukturieren, ist angeboren und somit ein Teil des genetischen Programms des Menschen. Dieses wird Universalgrammatik genannt. Wir sind uns dieser Strukturprinzipien im Allgemeinen genauso wenig bewusst, wie wir es uns der meisten unserer biologischen und kognitiven Eigenschaften sind.

Chomskys linguistische Theorien durchliefen verschiedene Stadien, die in der Fachliteratur üblicherweise nach den paradigmasetzenden Veröffentlichungen Chomskys benannt werden:

Aktuelle Theorien Chomskys (seit dem MP Anfang der 1990er Jahre) stellen strenge Anforderungen an die Universalgrammatik. Grammatikalischen Prinzipien unterliegende Sprachen sind festgelegt und angeboren, der Unterschied zwischen den Weltsprachen kann durch das Setzen von Parametern im Gehirn charakterisiert werden, was oft mit Schaltern verglichen wird (beispielsweise der prodrop-Parameter, der anzeigt, ob ein explizites Subjekt wie im Englischen oder Deutschen immer benötigt wird -prodrop, oder es wie im Spanischen oder Italienischen auch wegfallen kann +prodrop). In Abhängigkeit von diesen Parametern weisen Sprachen grammatische Eigenschaften auf, die nicht mehr zusätzlich gelernt werden müssen. Ein Kind, das eine Sprache lernt, müsse nur die notwendigen lexikalischen Einheiten (Wörter) und Morpheme erwerben und die Parameter auf passende Werte festlegen, was bereits anhand weniger Beispiele erfolgen könne.

Chomskys Herangehensweise ist durch mehrere Beobachtungen motiviert. Ihn erstaunte zunächst das Tempo, mit dem Kinder Sprachen lernen. Weiterhin stellte er fest, dass Kinder auf der ganzen Welt auf eine ähnliche Weise sprechen lernen. Schließlich bemerkte er, dass Kinder bestimmte typische Fehler machen, wenn sie ihre erste Sprache erlernen, wohingegen andere offensichtlich logische Fehler nicht auftreten.

Chomskys Ideen hatten einen starken Einfluss auf die Untersuchung des kindlichen Spracherwerbs. Die meisten in diesem Bereich arbeitenden Wissenschaftler lehnen Chomskys Theorien jedoch ab und bevorzugen Emergenz- oder Konnektionismustheorien, die auf allgemeinen Verarbeitungsmechanismen im Gehirn aufbauen. Letztlich bleiben aber praktisch alle linguistischen Theorien kontrovers, und so wird auch die Untersuchung des Spracherwerbs aus der Chomsky'schen Perspektive fortgeführt.

Jüngst ist die Theorie auch wieder in die Kritik gekommen, da es Anzeichen gibt, dass in steinzeitlichen Jäger- und Sammler-Kulturen es noch keine vollentwickelte Universalgrammatik gab, was auch mit einem eingeschränkten kognitiven Weltverständnis dieser primitiven oder frühen Populationen zusammenhängt (Fehlen eines Zeitbegriffs - keine oder rudimentäre Tempora, prinzipielles Fehlen von mathematischen Fähigkeiten - keine Zahlwörter, keine Fähigkeit zu Rekursion - keine Nebensätze, kaum oder geringe Kulturleistungen - keine künstlerischen Darstellungen). Diese Frage wird z.Zt. intensiv untersucht.

Generative Grammatik

Chomskys Herangehensweise an die Syntax, oft generative Grammatik genannt, wurde, obwohl sie sehr verbreitet ist, durch viele - insbesondere durch außerhalb der USA arbeitende - Forscher, in Frage gestellt. Chomskys syntaktische Analysen sind oft hochgradig abstrakt. Sie beruhen auf der sorgfältigen Untersuchung der Grenze zwischen grammatikalischen und ungrammatikalischen Mustern in konkreten Sprachen (vergleiche den so genannten pathologischen Fall, der in der Mathematik eine ähnlich bedeutende Rolle spielt). Derartige grammatikalische Entscheidungen können genau genommen jedoch nur durch Muttersprachler getroffen werden. Deshalb konzentrieren sich Linguisten meist auf die eigene Muttersprache beziehungsweise Sprachen, die sie fließend beherrschen, für gewöhnlich englisch, französisch, deutsch, holländisch, italienisch, japanisch oder eine der chinesischen Sprachen. Manchmal scheitert eine Analyse der generativen Grammatik, wenn sie auf eine Sprache angewandt wird, die zuvor nicht studiert wurde. Wenn neue Sprachen erforscht werden, führt dies meist zu zahlreichen Korrekturen am Konzept der generativen Grammatik. Die Anforderungen, die an sprachliche Universalien (Aussagen, die auf alle Sprachen zutreffen) gestellt werden, wurden im Lauf der Zeit stetig mehr. Kaynes Vorschlag aus den 1990er Jahren beispielsweise, dass alle Sprachen über eine zugrunde liegende Subjekt-Verb-Objekt-Ordnung verfügen, wäre in den 1960er Jahren nicht plausibel gewesen. Eine der Hauptmotivationen für eine alternative Auffassung, dem funktional-typologischen Verständnis oder der Sprachtypologie (die oft mit Joseph Greenberg in Verbindung gebracht wird), ist es, Hypothesen der sprachlichen Universalien auf dem Studium einer möglichst großen Vielfalt von Sprachen zu begründen, die entdeckten Variationen zu klassifizieren und Theorien zu formen, die auf dieser Klassifikation aufbauen. Chomskys Ansatz ist zu detailliert und zu sehr auf das Wissen von Muttersprachlern bezogen, um dieser Methode zu folgen, obschon sein Ansatz im Lauf der Zeit auf ein breites Spektrum von Sprachen Anwendung fand.

Chomsky-Hierarchie

Chomsky ist, unabhängig davon, inwieweit seine Ergebnisse Schlüssel zum Verständnis menschlicher Sprache darstellen, berühmt für seine Untersuchungen formaler Sprachen. Seine Chomsky-Hierarchie teilt die formale Grammatik in Klassen wachsender Ausdruckskraft. Jede folgende Klasse kann zu einem breiteren Satz formaler Sprachen als die vorhergehende führen. Interessanterweise vertritt er die Auffassung, dass die Beschreibung einiger Aspekte der Sprache eine im Sinne der Chomsky-Hierarchie komplexere formale Grammatik benötigen als die Beschreibung anderer Aspekte. Beispielsweise reiche eine reguläre Sprache aus, die englische Morphologie zu beschreiben, sei aber nicht stark genug, um auch die englische Syntax zu beschreiben. Die Chomsky-Hierarchie ist über ihre Bedeutung für die Linguistik hinaus zu einem wichtigen Element der theoretischen Informatik, speziell des Compilerbaus geworden, da sie über bedeutende Verbindungen und Isomorphismen mit der Automatentheorie verfügt.

Kritik an Chomskys Linguistik

Obwohl Chomskys Auffassung die bekannteste der Linguistik ist, wurden seine Ansichten kritisiert. Die wohl bekannteste Alternative zu Chomskys Standpunkt ist derjenige von George Lakoff und Mark Johnson. Deren kognitive Linguistik stellt eine Weiterentwicklung seines Ansatzes dar, unterscheidet sich aber in wesentlichen Merkmalen signifikant. Insbesondere bestritten Lakoff und Johnson die neocartesianischen Ansätze in Chomskys Theorie und stellten fest, dass er nicht in der Lage sei, darüber Rechenschaft abzulegen, inwieweit Wahrnehmung repräsentiert werden könne.

Wie bereits bemerkt, ist der Standpunkt der Konnektionisten nicht mit dem Chomskys vereinbar. Ebenso sind einige neuere Strömungen in der Psychologie, wie zum Beispiel die Diskurspsychologie oder die situated cognition der konstruktivistischen Kognitionswissenschaft, mit Chomskys Ansichten unvereinbar.

Philosophen in der Tradition Ludwig Wittgensteins, wie etwa Saul Kripke, kritisieren, dass Chomskianer die Rolle von regelbasierter menschlicher Wahrnehmung grundsätzlich falsch einschätzen. Ähnlich widersprechen Philosophen phänomenologischer, existentialistischer und hermeneutischer Traditionen dem abstrakten, neorationalistischen Aspekt von Chomskys Gedankengebäude. Am besten repräsentiert diese Kritik Hubert Dreyfus, der auch durch seine beständige Polemik gegen das Konzept der Künstlichen Intelligenz bekannt ist.

Beiträge zur Psychologie

Chomskys linguistisches Werk beeinflusste auch die Entwicklung der Psychologie im 20. Jahrhundert. Seine Theorie einer Universalgrammatik war ein direkter Angriff auf die etablierten behavioristischen Theorien seiner Zeit und hatte erhebliche Auswirkungen auf das wissenschaftliche Verständnis des kindlichen Spracherwerbs und der menschlichen Fähigkeit zur Interpretation von Sprache.

1959 veröffentlichte Chomsky seine Kritik an B.F. Skinners Verbal Behavior. In diesem Buch behandelte einer der führenden Behavioristen das Phänomen Sprache als sprachliches Verhalten (engl. verbal behavior). Dieses Verhalten, so Skinner weiter, könne wie jedes andere Verhalten – vom Schwanzwedeln eines Hundes bis zur Vorstellung eines Klaviervirtuosen – durch Verstärkung geformt werden.

Chomskys Kritik an Skinners Arbeit war einer der Auslöser der sogenannten kognitiven Wende in der Psychologie. In seinem Buch "Cartesianische Linguistik" von 1966 und anderen weiterführenden Arbeiten entwickelte Chomsky eine Erklärung der menschlichen Sprachfähigkeit, die auch für Untersuchungen in anderen Bereichen der Psychologie Modellcharakter entfaltete. Viele Aspekte des gegenwärtigen Konzepts von der Funktionsweise des Geistes entspringen unmittelbar Ideen, die in Chomsky ihren ersten Autor fanden.

Hier sind vor allem drei Kerngedanken festzuhalten. Erstens, behauptete er, ist der Geist kognitiv. Das bedeutet, dass er tatsächlich mentale Zustände, Überzeugungen, Zweifel usw. enthält. Frühere Ansichten haben das mit dem Argument abgelehnt, dass es sich lediglich um Ursache-Wirkung-Beziehungen - beispielsweise der Art „Wenn Du mich fragst, ob ich X will, werde ich Y sagen“ - handle. Im Widerspruch hierzu zeigte Chomsky, dass es besser sei, den Geist so zu verstehen, als ob man es mit Gegenständlichem wie Überzeugungen oder auch Unbewusstem zu tun hätte.

Zweitens behauptete er, dass ein Großteil dessen, was der erwachsene Geist könne, bereits angeboren sei. Es käme zwar kein Kind auf die Welt, das bereits eine Sprache spreche, aber alle werden mit der Fähigkeit zum Spracherwerb geboren, die es sogar gestatte, in wenigen Jahren gleich mehrere Sprachen geradezu aufzusaugen. In der Linguistik wird diese These Chomskys auch als linguistischer Mentalismus bezeichnet. Psychologen erweiterten diese These weit über das Feld der Sprache hinaus. Der Geist des Neugeborenen wird heute nicht mehr als unbeschriebenes Blatt betrachtet. Damit widersprechen Chomsky und seine Nachfolger der lange Zeit unter anderem in der Philosophie durch die Empiristen vertretenen These, dass 'nichts im Verstand ist, was nicht zuvor in den Sinnen war', die also den Menschen bei seiner Geburt als Tabula rasa ansehen.

Schließlich entwickelte Chomsky aus dem Konzept der Modularität ein entscheidendes Merkmal der kognitiven Architektur des Geistes. Der Geist sei aus einer Ansammlung zusammenwirkender spezialisierter Subsysteme zusammengesetzt, die aber nur eingeschränkt miteinander kommunizierten. Diese Vorstellung unterscheidet sich stark von der alten Idee, dass jedes Stückchen Information im Geist durch jeden anderen kognitiven Prozess abgerufen werden könne. (Optische Täuschungen zum Beispiel lassen sich nicht abschalten, sogar dann nicht, wenn man wisse, dass es sich um Illusionen handle.)

Politisches Engagement

Bild:Chomsky.jpg
Chomsky (2004)‎

In den 1960er Jahren begann Chomsky, sich in der Öffentlichkeit deutlicher politisch zu artikulieren. Seit 1964 protestierte er gegen das Eingreifen der USA in Vietnam. 1969 veröffentlichte er "Amerika und die neuen Mandarine", eine Sammlung von Aufsätzen über den Vietnamkrieg. Ebenso deutlich bezog Chomsky Stellung gegen die US-amerikanische Politik in Kuba, Haiti, Osttimor, Nicaragua, im Nahostkonflikt und gegenüber den "Schurkenstaaten" sowie zum zweiten Golf- und zum Kosovokrieg, zur Frage der Menschenrechte, zu Globalisierung und neoliberaler Weltordnung. Heute ist er, neben seiner weiter unbestrittenen Bedeutung für die Linguistik, zu einem der bedeutendsten Kritiker der US-Außenpolitik, der politischen Weltordnung und der Macht der Massenmedien geworden.

Im New York Times Book Review wurde Chomsky einmal als der „wichtigste Intellektuelle der Gegenwart bezeichnet. Noam Chomsky hierzu: „Das Zitat wurde von einem Verlagshaus veröffentlicht. Doch da sollte man immer sehr genau lesen: Wenn man nämlich das Original nachschaut, dann heißt es weiter: "wenn dies der Fall ist, wie kann er dann solchen Unsinn über die amerikanische Außenpolitik schreiben?" Diesen Zusatz zitiert man nie. Aber um ehrlich zu sein: Gäbe es ihn nicht, würde ich glauben, ich mache etwas falsch.“ (Quelle?)

Noam Chomsky gilt in Hinblick auf sein politisches Schrifttum als der "meistzitierte Außenseiter der Welt". Er wird als einer der Vorsprecher und Vordenker der Globalisierungskritik angesehen.

Kritiker hingegen werfen ihm ein schlichtes Weltbild vor, das nur die Farben Schwarz und Weiß, nur Druck und Gegendruck kenne und demzufolge die USA und Israel stets Unrecht, die Befreiungsbewegungen der Erde stets Recht hätten.

Eine Kontroverse löste der Fall des französischen Professors Robert Faurisson aus, welcher in Frankreich 1991 für seine Holocaustleugnung zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Chomsky hatte im Herbst 1979 auf Bitte von Serge Thion, einem französischen libertär-sozialistischen Geisteswissenschaftler, eine Petition zur Verteidigung der Redefreiheit Faurissons unterzeichnet. Ein von Chomsky verfasstes Essay zum Thema Meinungsfreiheit wurde kurze Zeit später ohne sein Wissen als Vorwort in Faurissons Buch abgedruckt. Chomsky wies mehrfach darauf hin, dass seine eigenen Überzeugungen denen Faurissons diametral entgegengesetzt sind, er sich jedoch trotzdem für die Redefreiheit eines jeden Menschen einsetze.

Auszeichnungen

Rezeption in Deutschland

Es ist nicht uninteressant zu beobachten, gerade auch im Hinblick auf Chomskys eigene Arbeiten zur Kontrolle über die Medien, dass Chomskys politische Schriften in Deutschland zunächst im Suhrkamp-Verlag erschienen, dort dann aber ab den 1980er Jahren nicht wieder aufgelegt wurden. Chomsky verschwand, wenigstens in Deutschland, als politischer Kritiker völlig aus dem Horizont des Mainstreams, um dort erst gegen Ende der 90er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts wieder aufzutauchen (Lit.: Borsche, 1981). Er wurde, durchaus vergleichbar zu seiner Rezeption in den USA, von kleineren linken Verlagshäusern wie dem Trotzdem-Verlag und dessen Zeitschriften (Schwarzer Faden, Dinge Der Zeit) im Bewusstsein gehalten, bis die Anti-Globalisierungsbewegung ihn wieder breiteren Medien interessant machte.

Chomskys linguistische Arbeiten, insbesondere seine Berufung auf Wilhelm von Humboldt in Cartesian Linguistics, wurden schon bald einer scharfen philosophischen und historischen Kritik unterzogen.

Zitate (übersetzt)

Ein Intellektueller zu sein, ist eine Berufung für jedermann: es bedeutet, den eigenen Verstand zu gebrauchen, um Angelegenheiten voranzubringen, die für die Menschheit wichtig sind. Einige Leute sind privilegiert, mächtig und gewöhnlich konformistisch genug, um ihren Weg in die Öffentlichkeit zu nehmen. Das macht sie keineswegs intellektueller als einen Taxifahrer, der zufällig über die gleichen Dinge nachdenkt und das möglicherweise klüger und weniger oberflächlich als sie. Denn das ist eine Frage der Macht.

Noam Chomsky, 2002 (engl.) [2]

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... die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können...

Noam Chomsky, in: Media Control, 2003

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Siehe auch

Werke

Linguistik (Auswahl)

Eine vollständige Liste der wissenschaftlichen Publikationen findet sich auf Chomskys Homepage am MIT.[3]

Politische Werke

Auszüge aus einigen seiner Bücher stehen auf Chomskys privater Internetseite online zur Verfügung.[4]

  • Wirtschaft und Gewalt. dtv, München 1995. ISBN 3423046651
  • American power and the new mandarines. Pantheon Books, New York 1969; dt.: Amerika und die neuen Mandarine. Politische und zeitgeschichtliche Essays. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1969
  • Chomsky on Anarchism (editor Barry Pateman) AK Press, Edinburgh, Oakland and West Virginia 2005. ISBN 1-904859-20-8.
  • Aus Staatsraison. (darin: „Bemerkungen zum Anarchismus“, S. 104 - 121),[5] Frankfurt 1974.
  • "Human Rights" and American foreign policy. o.O. 1978
  • Manufacturing Consent - The Political Economy of the Mass Media. New York 1988, ISBN 0375714499
  • Desinformation und der Golfkrieg, in: Schwarzer Faden, Nr. 40, 1991
  • Noam Chomsky, Howard Zinn u.a.: Die neue Weltordnung und der Golfkrieg, Trotzdem Verlag 1992
  • Noam Chomsky-Interview von David Barsamian: "Es ist eine Barbarisierung des täglichen Lebens, die um sich greift", übersetzt von Andi Ries, in: Schwarzer Faden, Nr. 43, 1992
  • Von unten gesehen, in: Dinge Der Zeit, Nr. 55, 1992
  • Das Jahr 501 - Alte und Neue Weltordnung, in: Schwarzer Faden, Nr. 45 und Nr. 47, 1993
  • Das Abkommen zwischen Israel und Arafat, übersetzt von Wolfgang Haug, in: Dinge der Zeit Nr. 56/57, 1994
  • Mark Achbar (Hg.): Noam Chomsky - Wege zur intellektuellen Selbstverteidigung - Fabrikation von Konsens, übersetzt von Helmut Richter, Trotzdem-Verlag/Marino-Verlag 1996, Trotzdem-Verlag 2001
  • Ziele und Visionen, übersetzt von Michael Schiffmann, in: Schwarzer Faden, Nr. 60, 1997
  • Neoliberalismus und Globale Weltordnung, in: Dinge Der Zeit, Nr. 58/59, 1997
  • Unterstellte Zustimmung - Diskurs zur Demokratie, in: Schwarzer Faden, Nr. 6, 1998
  • Sprache und Politik, darin u.a.: 'Die heutige Relevanz des Anarchosyndikalismus', S. 214 ff., Philo Verlag 1999.
  • Profit over People - Neoliberalism and Global Order. Seven Stories Press, New York 1998, ISBN 1888363827; dt.: Profit over People - Neoliberalismus und globale Weltordnung. Europa Verlag, Hamburg 2000, ISBN 320376010X
  • Rogue States: The Rule of Force in World Affairs. South End Press, Cambridge 2000, ISBN 0896086119
  • War against People. Menschenrechte und Schurkenstaaten. Europa Verlag, Hamburg 2001, ISBN 3203760118
  • 9-11. Seven Stories Press, New York 2001, ISBN 1583224890; dt.: The Attack - Hintergründe und Folgen. Europa Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3203760134
  • Offene Wunde Nahost. Israel, die Palästinenser und die US-Politik. Europa Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3203760142
  • Mit unserer Hilfe. Interview von Suzy Hanson über den "Krieg gegen den Terrorismus", in: Schwarzer Faden, Nr. 74, 2002
  • Linguaggio e Politica, Di Renzo Editore, 2002, ISBN 8883230477
  • Media Control. Europa Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3203760150
  • Hybris. Europa Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3203760169
  • Noam Chomsky; Peter Mitchell, John Schieffel (Hrsg.): Understanding Power: The Indispensable Chomsky. New Press, o.O. 2002, ISBN 1565847032; dt.: Eine Anatomie der Macht. Der Chomsky-Reader. Europa Verlag, Hamburg 2004, ISBN 320376007X (bietet einen hervorragenden Überblick über Chomskys politische Ansichten; die sehr ausführlichen Nachweise und Fußnoten zu diesem Werk sind verfügbar unter [6].)
  • Hat Bush gelogen? in: Schwarzer Faden, Nr. 77, 2004
  • Pirates and Emperors (zum Terrorismus); Trotzdem-Verlag, Frankfurt 2004
  • Die Zukunft des Staates - Vom klassischen Liberalismus zum libertären Sozialismus. SchwarzerFreitag Verlag, Berlin 2005, ISBN 3937623345
  • Failed States: The Abuse of Power and the Assault on Democracy. Metropolitan Books, 2006, ISBN 0805079122; deutsch: Der gescheiterte Staat. Verlag Antje Kunstmann, München 2006, ISBN 3-88897-452-6

Sekundärliteratur

  • John Lyons: Noam Chomsky. Wm. Collins Verlag, London 1970. Deutsche Übersetzung von Manfred Immler. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1971.
  • Pat Flanagan: Chomsky Anarchismus, in: Schwarzer Faden, Nr. 8, 1982
  • Mark Achbar (Hrsg.): Noam Chomsky - Wege zur intellektuellen Selbstverteidigung - Fabrikation von Konsens, übersetzt von Helmut Richter, Trotzdem-Verlag/Marino Verlag 1996, Trotzdem-Verlag 2001
  • Aurel Schmidt: Noam Chomsky und die Tatsachen, in: Basler Zeitung Magazin, 9. November 1996
  • John Pilger: Noam Chomsky - eine biographische Skizze zum 70. Geburtstag, in: Schwarzer Faden Nr. 66, 1998
  • Robert F. Barsky: Noam Chomsky: A Life of Dissent. MIT Press, o.O. 1998, ISBN 0262522551; dt.: Noam Chomsky - Libertärer Querdenker. Edition 8, Zürich 1999, ISBN 3859900129
  • Alison Edgley: The social and political thought of Noam Chomsky. Routledge, London 2001. 205 S., ISBN 0-415-20586-7
  • Michael Haupt, Larissa MacFarquhar (Hrsg.): Wer ist Noam Chomsky? Europa-Verlag, Hamburg; Wien 2003. 134 S., ISBN 3-203-76018-5
  • David Barsamian (Hrsg.): Propaganda and the public mind. Conversations with Noam Chomsky. Pluto Press, London 2001, 252 S. ISBN 0-7453-1788-X
  • Peter Collier, David Horovitz (Hg.): The Anti-Chomsky Reader. Encounter Books, New York 2004, 260 S., ISBN 189355497X [7]
  • Wolfgang Haug: Das Verschwinden im Gedächtnisloch. Zur Carl-von-Ossietzky-Preisverleihung an Noam Chomsky, in: Schwarzer Faden, Nr. 77, 2004, auch online
  • Grewendorf, Günther: Noam Chomsky. Biographie, Werkanalyse, Rezeption, Zeittafel, Bibliographie. Verlag C. H. Beck, München 2006

Sonstiges

Quellen

  1. „Das Verschwinden im Gedächtnisloch“, Laudatio von Wolfgang Haug, 2004
  2. Interview, CommonSense, 3. Mai 2002
  3. Wissenschaftliche Bibliographie, MIT
  4. chomsky.info/books.htm
  5. „Bemerkungen zum Anarchismus“
  6. understandingpower.com
  7. encounterbooks.com

Filmographie

  • Die Konsensfabrik. Noam Chomsky und die Medien (Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media), Regie: Mark Achbar, Peter Wintonick, Kanada 1992
  • Power and Terror. Noam Chomsky. Gespräche nach 9/11. Regie: John Junkermann, Japan 2003
  • Noam Chomsky: Rebel Without a Pause. (TV), Regie: Will Pascoe, 2003
  • The Corporation, Regie: Mark Achbar, Kanada 2003

Weblinks

<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden Wikinews: Rede von Hugo Chávez macht Chomsky-Buch zum Bestseller – Nachrichten
Politische Beiträge von Chomsky
Verschiedenes
Interviews
ein kommentiertes Gespräch mit dem Guardian und seine Folgen


Wikipedia
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