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Nisshin Maru
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Die Nisshin Maru (jap. 日新丸) ist ein Fabrikschiff zur Walfleischverarbeitung, mit etwa 8000 Tonnen (7060 gross tons) Standardverdrängung und 129 Metern Länge das Flaggschiff der japanischen Walfangflotte. Auf dem Schiff werden die getöteten Wale zerlegt und tiefgefroren. Derzeit sind gemeinsam mit der „Nisshin Maru“ insgesamt sieben Schiffe in der Antarktis im Einsatz: zwei sogenannte Späher, drei Walfänger und die „Nisshin Maru“. Dazu kommt ein Versorgungsschiff, die „Oriental Bluebird“.
Die „Nisshin Maru“, ein Hecktrawler, wurde 1986/1987 von der Hitachi Zosen Corporation in Innoshima (Präfektur Hiroshima) für den Fischereikonzern Nippon Suisan Kaisha Ltd. (Nissui) als Chikuzen Maru gebaut (Neupreis 7 Milliarden Yen/ 53,8 Millionen US-Dollar). Ursprünglich als Trawler für die Fischerei in der Ausschließlichen Wirtschaftszone der USA konzipiert, wurde sie nach drei Jahren für 1,55 Milliarden Yen (11,9 Millionen US-Dollar) nach Japan an Nissui verkauft und 1991 mit einem Kostenaufwand von 400 Millionen Yen (3,1 Millionen Dollar) für den Walfang umgebaut. Ihre Vorgänger waren Nisshin Maru No. 1, Nisshin Maru No. 2 (Baujahr 1937 als Unitas), Nisshin Maru No. 3 (Baujahr 1947 als Kosmos III, 22.814 Tonnen; Anfang 1991 nach China verkauft). Die Nisshin Maru ist das jüngste Schiff der japanischen Walfangflotte. Es hat laut der japanischen Schiffsklassifikationsgesellschaft Nippon Kaiji Kyokai (ClassNK) keine Eisklasse.[1]
Das Schiff wurde vom Institute of Cetacean Research (ICR) bei der japanischen Firma „Kyodo Senpaku Kaisha, Ltd.“ (früherer Name: „Nihon Kyodo Hogei“) gechartert, Japans größtem Walfangschiff-Betreiber. Kyodo Senpaku betreibt sieben der insgesamt acht japanischen Walfangschiffe. An der Firma waren bis April 2006 fünf Großunternehmen beteiligt, angeführt vom Fischereiunternehmen Nippon Suisan Kaisha Ltd. (Nissui) und deren Tochtergesellschaften. Auf Druck von Umweltlobbyisten zogen sie ihre Beteiligungen jedoch zurück. Beteiligungen halten heute neben dem ICR noch diverse nichtprivate japanische Organisationen.
Schon zu Beginn ihrer ersten Waljagd im Südpolarmeer, 1998, brach an Bord der „Nisshin Maru“ ein Brand aus, im Februar 2007 wurde sie erneut durch einen Großbrand schwer beschädigt.
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Film
Außerhalb von Fach- und Umweltkreisen bekannt wurde das Schiff erstmals 2005 durch den Experimentalfilm Drawing Restraint 9 von Matthew Barney, der auf der „Nisshin Maru“ spielt. Barney arbeitete dort zum ersten Mal mit seiner Frau, der Sängerin Björk, zusammen, die den Soundtrack produzierte. Über das Schiff äußerte Barney: „Ich wollte die Debatte um das Verbot [Anm.: des Walfangs] nicht zum Thema des Films machen. Das Schiff interessiert mich ausschließlich aufgrund seiner Architektur, als Plastik.“[1]
Konflikte mit Greenpeace
Greenpeace-Schiffe verfolgten mehrfach die japanische Walfangflotte. Im Dezember 1999 kollidierte die „Nisshin Maru“ in der Antarktis mit der Arctic Sunrise. Die Schuldfrage blieb umstritten. Am 8. Januar 2006 kollidierte die „Nisshin Maru“ erneut mit demselben Schiff, bei dem Zwischenfall wurde der Bug des Greenpeace-Schiffes eingedrückt. Greenpeace behauptete beide Male, die Besatzung der „Nisshin Maru“ habe die Kollision absichtlich herbeigeführt, was diese jedoch jeweils bestritt und der Gegenseite die Schuld gab.[1]
Konflikt mit Sea Shepherd
Am 10. Februar 2007 geriet die japanische Walfangflotte unter Führung der „Nisshin Maru“ während einer Fahrt im Südpolarmeer vor der Antarktisküste in Konflikt mit den Schiffen „Farley Mowat“ und „Robert Hunter“ der militanten Umweltorganisation Sea Shepherd unter Leitung ihres Gründers Paul Watson, einem ehemaligen Greenpeace-Aktivisten, mit dem Greenpeace jedoch nicht mehr zusammenarbeitet. Der Walfänger „Kaiko Maru“ kollidierte zweimal mit der „Robert Hunter“ und riss deren Bordwand auf einen Meter Länge auf. Die „Kaiko Maru“ wurde dabei ebenfalls beschädigt. Aktivisten dieser Organisation versprühten nach eigenen Angaben von einem Helikopter aus sechs Liter Buttersäure auf das Deck der „Nisshin Maru“, um ein Arbeiten dort zu verhindern, verschlossen eine Drainageöffnung des Schiffsdecks mit Metallplatten, so dass Walblut sich auf das Deck zurückstaute. Nach japanischen Angaben wurden durch den Säureangriff zwei Besatzungsmitglieder leicht verletzt. Sea Sheperd beendete die Aktion am 14. Februar und verließ die Gegend aufgrund Treibstoffmangels.
Brand und Havarie
Bereits am 15. Februar 2007 geriet das Schiff erneut in die Schlagzeilen, als an Bord ein Großfeuer ausbrach, bei dem ein Besatzungsmitglied ums Leben kam und das Schiff havarierte. Der Brand war im Fabrikbereich ausgebrochen und griff dann auf den Maschinenraum über. Das Feuer wurde nach Auffassung der für das betreffende Seegebiet zuständigen neuseeländischen Behörden aber nicht durch die Angriffe der militanten Walschützer ausgelöst. An Bord befanden sich zum Unglückszeitpunkt 126 Besatzungsmitglieder.
Das Schiff hatte etwa 1000 Tonnen Öl (500.000 Liter Schweröl und weitere 800.000 Liter Heizöl) als Treibstoff und große Mengen umweltschädlicher Chemikalien zur Walfleischverarbeitung an Bord, sowie bereits eine erhebliche Menge Walfleisch. Durch Löschwasser bekam die „Nisshin Maru“ zeitweise starke Schlagseite. Daher befürchteten die neuseeländischen Behörden, welche in desem Gebiet für die Seenotrettung zuständig sind, das beschädigte Schiff könne eine Umweltkatastrophe in der Antarktis auslösen, zumal etwa 100 Seemeilen von der Unglücksstelle entfernt, beim Kap Adare im Bereich des Ross-Meeres, eine der weltweit größten Kolonien von Adeliepinguinen lebt. Ein Hilfsangebot des zum Unglückszeitpunkt etwa 24 Stunden entfernten und als erstes Fremdschiff zu Hilfe geeilten Greenpeace-Schiffes Esperanza, das die „Nisshin Maru“ aus der Antarktis schleppen wollte, wurde auf Anweisung der japanischen Fischereibehörde jedoch strikt abgelehnt. Die den Walfang ablehnende Regierung von Neuseeland forderte wiederholt, das Schiff abzuschleppen, konnte dies jedoch nach eigenen Angaben nicht durchsetzen, da das betreffende antarktische Seegebiet zwar von der Internationale Walfangkommission 1994 zu einem Walschutzgebiet (Southern Ocean Whale Sanctuary) erklärt worden war, der Fang jedoch nach Auffassung der japanischen Regierung zu Forschungszwecken erfolgt, was aufgrund einer Ausnahmeregelung erlaubt sei. Zudem ist das Gebiet internationales Gewässer.
Nach fast zwei Wochen Reparaturarbeiten konnte das Schiff Ende Februar seinen Standort doch aus eigener Kraft verlassen, die Walfangsaison 2007, die eigentlich bis Mitte/Ende März dauern sollte, musste jedoch vorzeitig beendet werden, weil die „Nisshin Maru“ das einzige Schiff der Flotte ist, das die Wale direkt an Bord verarbeiten kann und einige der Schiffs- und Walverarbeitungseinrichtungen durch das Feuer so schwer beschädigt wurden, dass sie nicht vor Ort repariert werden konnten. Japan beabsichtigt aber, so schnell wie möglich den Walfang wieder aufzunehmen, nach Aussage des Institute of Cetacean Research zum Beginn des neuen Antarktissommers im Dezember.[1] Nach Aussage der Fischereiagentur soll, wenn möglich, schon Ende April der Walfang weitergehen (dann beginnt die Saison im westlichen Nordpazifik, dem anderen Walfanggebiet Japans).[1] In der Walfangsaison ab Dezember 2007 ist offenbar beabsichtigt, nicht nur wie bisher Mink- und Finnwale, sondern zusätzlich auch Buckelwale zu jagen. Neuseeland kündigte gegen diese Ausweitung bereits energischen Widerstand an.[1]
Weblinks
- Angaben zur „Nisshin Maru“ im japanischen Schiffsregister (für Details auf den Schiffsnamen klicken); englisch
- Nisshin Maru, Luftbild 2006, fotografiert von Sea Shepherd
- Bilder vom 16. Februar 2007, vom ICR
- Videostream, n-tv (erfordert Windows Media Player oder RealPlayer)
- Björks Spuren auf dem Walfänger "Nisshin Maru", Die Welt, 20. Februar 2007
Quellen
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