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Nikomachos von Gerasa

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Bild:Nikomachos von Gerasa.jpeg
Mittelalterliche Illustration Nikomachos' von Gerasa

Nikomachos von Gerasa war ein pythagoreischer Mathematiker.

Er stammte aus Gerasa im Norden des heutigen Jordanien. Er lebte vermutlich um 150 n. Chr. (Andere Quellen geben an: um 60 bis um 120 n. Chr.).

In seiner Einführung in die Arithmetik Arithmetik'e eisagog'e stellte er Eigenschaften von Zahlen dar, wie z.B. gerade und ungerade, vollkommene Zahlen und Polygonalzahlen, verzichtete dabei aber weitgehend auf Beweise. Boethius' De institutione arithmetica ist fast vollständig eine Übersetzung des Textes von Nikomachos. In dieser Form wurde es im Mittelalter zu dem maßgeblichen Lehrbuch für Arithmetik im universitären Studium des Quadriviums. Boethius' De institutione musica, ebenfalls ein Standardlehrbuch des Quadriviums, geht in den ersten vier seiner fünf Bücher vermutlich weitgehend auf Nikomachos' verlorene Schrift Perí mousikés zurück. Von den musiktheoretischen Schriften Nikomachos' hat sich aber nur das Encheir'idion ("Handbüchlein") erhalten, in dem er die auf Zahlenproportionen aufbauende Musiktheorie der Pythagoräer darstellt, darunter die pythagoräische Vorstellung der Sphärenmusik. Außerdem findet sich hier erstmals die sogenannte "Schmiedelegende": Pythagoras soll in einer Schmiede aus den Tönen verschieden schwerer Hämmer von 6, 8, 9 und 12 Pfund Gewicht die Proportionen der musikalischen Intervalle Oktav (6 Pfund : 12 Pfund = 1:2), Quint (8 Pfund : 12 Pfund = 2:3) und Quart (9 Pfund : 12 Pfund = 3:4) erschlossen haben. Eine weitere nur noch in Fragmenten überlieferte Schrift Arithmetika theologumena ("Theologie der Arithmetik") ordnete u.a. die Zahlen 1 bis 7 den Planetengöttern zu. Ob sich aus Nikomachos-Zitaten in den Pythagoras-Biografien von Porphyrios und Iamblichos auf eine Pythagoras-Biografie des Nikomachos schließen lässt, ist umstritten.

Literatur

  • W. Burkert: "Nikomachos von Gerasa", in: dtv-Lexikon der Antike. Philosophie, Literatur, Wissenschaft Bd. 3, München 1969, S. 242.
  • R. Harmon: "Die Rezeption Griechischer Musiktheorie im Römischen Reich. II. Boethius, Cassiodorus, Isidor von Sevilla", in: Vom Mythos zur Fachdisziplin: Antike und Byzanz, hrsg. v. Th. Ertelt, H. v. Loesch u. F. Zaminer (= Geschichte der Musiktheorie Bd. 2), Darmstadt 2006, S. 385-504, hier S. 398-467.
  • Th. Mathiesen, Apollo's Lyre. Greek Music and Music Theory in Antiquity and the Middle Ages (= Publications of the Center for the History of Music Theory and Literature), Lincoln und London 1999, S. 390-411.
  • J. North: "Das Quadrivium", in: Geschichte der Universität in Europa, Band I: Mittelalter, hrsg. v. W. Rüegg, München 1993, S. 303-320, hier S. 308f.
  • B. L. van der Waerden, Die Pythagoräer. Religiöse Bruderschaft und Schule der Wissenschaft, Zürich und München 1979, S. 294-320.
  • F. Zaminer: "Harmonik und Musiktheorie im alten Griechenland", in: Vom Mythos zur Fachdisziplin: Antike und Byzanz, hrsg. v. Th. Ertelt, H. v. Loesch u. F. Zaminer (= Geschichte der Musiktheorie Bd. 2), Darmstadt 2006, S. 47-256, hier S. 198-203.


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