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Nikolaiviertel

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Nikolaiviertel, das Spreeufer. Im Hintergrund: Nikolaikirche und Fernsehturm

Das Nikolaiviertel liegt in Berlin-Mitte, am östlichen Ufer der Spree zwischen dem Fluss, der Rathausstraße, der Spandauer Straße und dem Mühlendamm. Es ist das älteste Wohngebiet Berlins. In seinem Mittelpunkt steht die Nikolaikirche.

Inhaltsverzeichnis

Das alte Stadtzentrum

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Die Nikolaikirche 1827
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Die Nikolaikirche, Teilansicht

Im Mittelalter verlief an dieser Stelle eine Handelsstraße. Handwerker und Händler ließen sich an der Kreuzung von Fluss und Straße nieder. Etwa im Jahre 1200 wurde die Kirche St. Nikolai fertiggestellt, eine spätromanische Feldsteinbasilika. Hier entwickelte sich eine Siedlung mit zwei Kernbereichen: Berlin, die etwas größere Ansiedlung, entstand östlich der Spree, das kleinere Cölln direkt gegenüber, am westlichen Ufer. Beide Orte waren durch den Mühlendamm miteinander verbunden. Vermutlich um 1230 erhielten beide Siedlungen die Stadtrechte. Genaueres ist über die Anfänge der beiden Städte nicht bekannt, eventuelle schriftliche Zeugnisse - Gründungsurkunden oder dergleichen - sind wohl beim Stadtbrand von 1380 vernichtet worden.

Die erste erhaltene Urkunde, in der Cölln erwähnt wird, stammt vom 28. Oktober 1237. Berlin wird erst am 26. Januar 1244 in einem Schriftstück genannt. Weil beide Städte bald zusammenwuchsen, gilt 1237 als Geburtsjahr Berlins, die großen Stadtjubiläen orientieren sich an diesem Datum. Am 20. März 1307 wurden die beiden Orte zur Doppelstadt Berlin-Cölln vereinigt, 1486 machte der Kurfürst Johann Cicero sie zu seiner ständigen Residenz. Zu dieser Zeit war die Siedlung schon zu einem bedeutenden Handelsplatz herangewachsen, der sich im 14. Jahrhundert auch der Hanse angeschlossen hatte.

Wachsende Wirtschaftskraft und relativer Wohlstand erlaubten es der Bürgerschaft, ihr zentrales Bauwerk, die Nikolaikirche, schon um 1264 wesentlich umzubauen. Es entstand eine gotische Hallenkirche, die auch in den folgenden Jahrhunderten immer wieder verändert wurde. Wesentliches Merkmal der Kirche und des alten Berliner Stadtzentrums blieb aber bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die asymmetrische mittelalterliche Fassade mit dem einen, schlanken Turm, der erst in den 1870er Jahren durch einen neugotischen Doppelturm ersetzt wurde. Während Berlin sich ringsherum ständig ausdehnte und neue städtische Zentren sich bildeten, veränderte sich das Nikolaiviertel kaum; hauptsächlich Handwerker wohnten und arbeiteten in den engen, winkligen Gassen.

Besondere Gebäude

Einige herausragende Bauwerke unterbrachen die weitgehend erhaltenen mittelalterlichen Strukturen. Am südlichen Rand des Viertels wurde 1766 auf dem Grundstück Mühlendamm/Ecke Poststraße das Ephraim-Palais fertiggestellt, ein außerordentlich gelungenes Beispiel Berliner Rokokoarchitektur, im Volksmund bald „die schönste Ecke Berlins“ genannt. Der Hofjuwelier und Finanzier Friedrichs des Großen, Veitel Heine Ephraim, hatte sich hier einen repräsentativen Wohnsitz bauen lassen, geschmückt mit Putten und steinernen Vasen und mit filigranen, vergoldeten Balkongittern. Ganz in der Nähe steht das Knoblauchhaus, ebenfalls um 1760 im Stil des Spätbarock erbaut, seit einem Umbau zu Beginn des 19. Jahrhunderts aber außen von eher frühklassizistischer Anmutung; innen verweist noch manches Detail auf den Ursprung im Rokoko. Es war der Wohnsitz einer Einwandererfamilie aus Ungarn, die über mehrere Generationen hinweg betriebsame, wohlhabende und einflussreiche Bürger Berlins hervorbrachte. Schließlich das Kurfürstenhaus: ursprünglich ein Renaissancebau aus rotem Sandstein, im 18. Jahrhundert im Barockstil umgebaut. Man benannte es nach dem Kurfürsten Johann Sigismund (1572-1619), der hierher floh, weil er davon überzeugt war, dass in seinem Schloss eine „Weiße Frau“ spukte.

Die Zwischenzeit

Im Zweiten Weltkrieg, zwischen 1943 und 1945, ging das Nikolaiviertel im Bombenhagel und bei Straßenkämpfen zugrunde. Nach Kriegsende wurden die Überreste beseitigt, auch einige weniger zerstörte Gebäude noch abgerissen. In der Stadtplanung spielte das Gebiet jahrzehntelang keine Rolle. Die Verwaltung in Ostberlin - erst sowjetisch besetzter Sektor, später „Hauptstadt der DDR“ - konzentrierte sich auf möglichst effektive Wohnraumbeschaffung und auf großräumig-repräsentative Bauvorhaben wie die ehemalige Stalinallee. Die Vernachlässigung des alten Stadtzentrums wird aus einem Planungsbeitrag von 1959 deutlich - an Stelle des Nikolaiviertels sollte die Spree zu einem Hafenbecken für Ausflugsdampfer erweitert werden.

Die Situation änderte sich erst, als die 750-Jahr-Feier Berlins bevorstand. Nun wollte man eine neue Wertschätzung für die historischen Wurzeln demonstrieren und auf dem Brachland ein attraktives, auch touristisch anziehendes Stadtviertel entwickeln. Ein programmatisches Papier verlangte, der alte Stadtkern sollte „seiner historischen Bedeutung gemäß mit neuen, rekonstruierten und wiederaufgebauten Gebäuden, Straßen und Plätzen (...) so zu einer harmonischen Einheit geformt werden, daß der lebendige Bezug zum Ursprünglichen (...) erlebbar ist“. Das Ergebnis, im Jubiläumsjahr 1987 fertiggestellt, wird seither höchst unterschiedlich beurteilt.

Das neue Nikolaiviertel

Kritikern gilt die synthetische Altstadt als eine Art Disneyland, eine schwer erträgliche Mischung unterschiedlichster Versatzstücke. Die Nikolaikirche, bis auf die Außenmauern zerstört, wurde in ihrer letzten, der neugotischen Fassung wiederhergestellt. Eine Reihe von kleinen Bürgerhäusern, vor allem im Umkreis der Kirche, entstand in historischen Formen vollständig neu. Das Ephraim-Palais war 1936 abgetragen und stückweise aufbewahrt worden und fand nun, um 12 Meter versetzt, an seinen alten Platz zurück. Der Gasthof „Zum Nußbaum“, einst Stammlokal prominenter Künstler wie Heinrich Zille, Otto Nagel und Claire Waldoff, steht jetzt als Kopie am Nikolaikirchplatz; das Original, vermutlich 1571 erbaut, war bis zu seiner Zerstörung 1943 auf der anderen Seite der Spree zu sehen, einige hundert Meter entfernt. Eine Bronzeskulptur von 1853, „St. Georg im Kampf mit dem Drachen“, schmückt den kleinen Platz am Spreeufer; sie stand zuvor im Volkspark Friedrichshain und ursprünglich im Hof des Berliner Stadtschlosses. Zahlreiche Gebäude wurden, wohl auch aus Kostengründen, nicht in getreuer Wiedergabe alter Formen errichtet, sondern in industrieller Plattenbauweise besonderer Art - mit historisierend gestuften Fassaden, einigen Ornamenten und schmiedeeisernem Zierrat, aber auch mit Kippfenstern und modern zugeschnittenen Wohnungen.

Trotz aller Einschränkungen: die meisten Besucher finden im Nikolaiviertel durchaus, was sie suchen. Die engen Gassen folgen den überlieferten Grundrissen und sind nach alten Vorbildern gepflastert; zusammen mit der meist niedrig gehaltenen Bebauung vermitteln sie zwar nicht den Eindruck einer echten Altstadt, aber doch eine weithin akzeptierte Illusion davon. Auf einer Fläche von annähernd 50.000 m² leben in 800 Wohnungen etwa 2000 Menschen. 33 Ladengeschäfte, 22 Gaststätten und verschiedene museale Einrichtungen - Nikolaikirche, Knoblauchhaus und Ephraim-Palais - warten auf die zahlreichen Touristen.

Der Gründungsbrunnen

Der Gründungsbrunnen (auch Wappenbrunnen genannt) befindet sich neben dem Eingang zur Nikolaikirche und wurde 1987 nach einen Entwurf von Gerhard Thieme aus dem Jahre 1928 errichtet. Der Brunnen besteht aus Sandstein und Stahl. Die schmiedeeiserne Bekrönung schuf Hans-Joachim Kunsch und die Bronzekette fertigte Stefan Kuschel an. Drei Stufen führen zu einem achteckigen Brunnenbecken von 4 m Durchmesser. An den Seiten sind Wappen angebracht. In der Mitte steht eine 6 m hohe Säule, die von einem Bären bekrönt wird und der einen Wappen mit einem Adler hält. Der im ältesten Siedlungsgebiet Berlins aufgestellte Brunnen soll an die Gründung der Stadt erinnern.

Literatur

  • Uwe Kieling, Johannes Althoff: Das Nikolaiviertel. Spuren der Geschichte im ältesten Berlin, Berlin-Edition 2001, ISBN 3-8148-0080-X

Weblinks

<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden Commons: Nikolaiviertel – Bilder, Videos und/oder Audiodateien

Koordinaten: 52° 31′ 0" N, 13° 24′ 26" O

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