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Neufrankreich

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Neufrankreich (franz. La Nouvelle-France) bezeichnete ursprünglich allgemein das in Nordamerika durch Frankreich zwischen 1534 und 1763 In Besitz genommene und teilweise kolonialisierte Territorium. 1608 wurde der Name Neufrankreich auch zur offiziell gewählten Bezeichnung der nun zu einer französische Kolonie zusammen gefassten französischen Gebiete. Die Kernlande umfassten neben dem Gebiet um den Sankt-Lorenz-Strom auch das Mississippi-Tal (Louisiana) und Akadien. Auf dem Höhepunkt seiner Ausdehnung im Jahre 1712 und vor dem Vertrag von Utrecht erstreckte sich das Territorium Neufrankreichs von Neufundland zu den Großen Seen und von der Hudson Bay bis zum Golf von Mexiko. Das Gesamtgebiet gliederte sich verwaltungstechnisch in die fünf Kolonien Kanada, Akadien, Hudson Bay, Neufundland und Louisiana. Mit dem Pariser Frieden von 1763 verlor Frankreich seine nordamerikanischen Gebiete an den kolonialen Rivalen Großbritannien.

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Karte von Neufrankreich nach Champlain

Inhaltsverzeichnis

1534-1600: Die französische Landnahme beginnt - Jacques Cartier

siehe auch: Französische Kolonialherrschaft in Kanada

Im Jahre 1524 unternahm der Italiener Giovianni da Verrazano im Auftrag der französischen Krone unter Franz I. eine erste Forschungsexpedition an die Ostküste Nordamerikas. Verranzo besegelte die amerikanische Ostküste zwischen dem heutigen Carolina und der Kap-Breton-Insel. Die französische Landnahme auf dem nordamerikanischen Kontinent begann aber erst zehn Jahre später mit dem französischen Seefahrer, Händler und Forscher Jacques Cartier. Dieser erreichte 1534 das Gebiet um die Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms in den Atlantik und nahm es für Frankreich in Besitz. Cartiers Expedition, die ebenfalls von der französischen Krone unterstützt wurde, hatte den Auftrag, eine schiffbare Nord-West Passage nach China zu finden. Franz I. nahm die Inbesitznahme überseeischen Gebietes zwar wohlwollend zur Kenntnis, war aber nicht an einer Kolonialisierung interessiert. Diese Haltung entsprach einer generellen Sichtweise, die sich erst umkehrte als man allmählich die potentielle wirtschaftliche und machtpolitische Bedeutung nordamerikanischer Besitzungen wahrzunehmen begann. In den Jahren 1535 und 1536 unternahm Cartier eine weitere Expedition, die ihn den Sankt-Laurenz-Strom aufwärts zu den indianischen Siedlungen Stadacona, nahe dem heutigen Qebec City, und Hochelaga führte, welches nahe der heutigen Stadt Montreal gelegen war.

Der Versuch Cartiers, am Sankt-Lorenz-Strom zu überwintern, endete mit schweren Verlusten unter den französischen Siedlern und verhinderte frühe dauerhafte Besiedlungsversuche. In der Folgezeit waren es vor allem wirtschaftliche Hintergründe, die für eine nahezu permanente französische Präsenz in Nordamerika sorgten und so die Basis für die Jahrzehnte später einsetzende Kolonialisierungspolitik bildeten. Französische Fischer schätzten die reichen Fischgründe an der Atlantikküste und in der Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms. Es kam zu ersten friedlichen Kontakten mit indianischen Ureinwohnern - ein Umstand, der für die später einsetzende rasche Landnahme Frankreichs auf dem nordamerikanischen Kontinent in den Augen der Historiker eine große Rolle spielte. Es war schließlich erneut die wirtschaftliche Situation in Europa, die die neue Welt verstärkt in den Blickpunkt der Franzosen rückte. Nach der nahezu vollständigen Ausrottung des europäischen Bibers entdeckten französische Händler den Reichtum der Region an Pelztieren. Bereits um 1580 bestanden regelmäßige Handelsbeziehungen zwischen französischen Handelgesellschaften, die Schiffe in die als Kanada und Akadien bezeichneten Gebiete schickten, und den dort nomadisch lebenden Stämmen der Huronen und Irokesen. In der Folge und bis 1663 unterstanden die französischen Terrotorien der französischen Handelsgesellschaft "Compagnie de la France Nouvelle" und nicht direkt der Krone Frankreichs.

1600: Anfänge aktiver Kolonialisierungspolitik - Erste Besiedlungen

Um die Jahrhundertwende setzte in Frankreich ein allmähliches Umdenken hinsichtlich der Zukunft und Bedeutung der eher zufällig durch französische Seefahrer für Frankreich in Besitz genommenen nordamerikanischen Gebiete ein. Das vorrangige Interesse in dieser Zeit hatte vor allem darin bestanden, eine für denkbar gehaltene direkte Seeroute nach Asien und China zu finden, von der man sich ein Aufblühen der Handelsgeschäfte versprach. Wirtschaftliche Krisensituationen in den europäischen Monarchien setzen jedoch einen Umdenkungsprozess in Gang. Einerseits erkannte man die stetig wachsende wirtschaftliche Bedeutung des nordamerikanischen Gebiets für die eigenen Fischereiflotten und den lukrative Handel mit Biberpelzen. Der Hauptfokus dieser Betrachtung lag im potentiellen Wohlstand, den diese nordamerikanischen Regionen für das europäische Frankreich bedeuteten. Noch immer ging es nicht um wirkliche und dauerhafte Kolonialisierung der überseeischen Besitzungen. Vielmehr sollten permanent besetzte Handelsstützpunkte den Warenverkehr in die europäischen Mutterländer besser gewährleisten. Erst allmählich entfaltet dieser Prozess eine Wettbewerbsdynamik zwischen Portugal, Spanien, England und Frankreich, den führenden Seefahrernationen Europas. Die steigende wirtschaftliche Bedeutung Nordamerikas verlangte nicht mehr nur, durch permanente Besiedlung den nicht wirklich gesicherten Anspruch auf die Neubesitzungen zu garantieren. Stattdessen verdeutlichte sich auch, dass ein Wettlauf um die noch unerforschten und besitzlosen Restgebiete beginnen würde. Feste Siedlungen an den Küsten gewannen damit eine neue Bedeutung. Sie dienten nicht mehr nur als Basen für den Export der im Hinterland erjagten oder erhandelten Pelze. Vielmehr sah man in ihnen nun zunehmend auch logistisch bedeutende Ausgangspunkte geografisch weiter ausgreifender Entdeckungen und der damit verbundenen Landnahme. Ein imperialer Wettlauf setzt ein. An Frankreichs Hof begann man wahrzunehmen, mit welcher Intensität der europäische Rivale Großbritannien seine überseeischen Besitzungen vergrößerte. Es war hierbei der als enger Ratgeber und strategische Vordenker des französischen Hofs wiederholt in Erscheinung tretende einflussreiche Kardinal Richelieu, der seinen König Heinrich IV. zur aktiven Besiedlung der durch Frankreich beanspruchten überseeischen Gebiete zu drängte.

Frühe Versuche permanenter französischer Besiedlung schlugen jedoch allesamt fehl. Im Gebiet Akadiens, etwa dem heutigen Neuschottland entsprechend, scheiterte 1598 die Einrichtung eines Handelspostens auf Sable Islands. Im Jahre 1600 endete der Plan, eine Handelsstation bei Tadoussac am Sankt-Lorenz-Strom zu etablieren, ebenfalls im Desaster. Nur fünf Siedler überlebten den harten Winter.

Samuel de Champlain

Lange Zeit hatte das vorrangige Interesse des französischen Hofs darin bestanden, eine für denkbar gehaltene direkte Seeroute nach Asien und China zu finden, von der man sich ein Aufblühen der Handelsgeschäfte versprach. Des änderte sich um die Jahrhundertwende. Zwar begründete auch der französische König Heinrich IV. die finanzielle Unterstützung der geplanten Schiffesexpeditionen des Samuel de Champlain mit dem ersehnten Auffinden einer schiffbaren Nord-West-Passage durch die Festlandsmasse Amerikas nach Asien. Darüber hinaus autorisierte der französische Monarch Champlain aber auch, den Versuch einer Siedlungsgründung zu unternehmen.

Champlain war Abenteurer, Händler und Forschungsreisender zugleich. Auch sein Vater war zur See gefahren und hatte - dies ist Inhalt einer nicht nachprüfbaren, aber gerne erzählten Geschichte - dem Sohn von gewaltigen Indianerstädten im Inneren Amerikas erzählt, die ihrer Entdeckung harren würden. Zwischen 1603 und 1633 stach Champlain insgesamt zwölf Mal in See, ergründete die nordamerikanische Atlantikküste sowie das dortige Festland, aber die Suche nach dem ersehnten und direkten Seeweg blieb erfolglos 1604 erreichten Samuel de Champlain und Pierre Du Gua de Monts die kleine Insel Ile-Sainte-Croix (Dochet Island). Das damals im so bezeichneten Akadien gelegene und nur 26.000 Quadratmeter große Eiland liegt nach heutiger Grenzziehung zwischen dem US Bundesstaat Maine und dem kanadischen Neubraunschweig. Die Ankunft der Franzosen, deren näherkommendes Schiff mit seinen weißgeblähten Segeln einem mythischen Riesenvogel glich, wurde von den dort beheimateten Passamaquoddy beobachtet und ist bis heute Bestandteil der oralen geschichtlichen überlieferung des Stammes. Der erste Kontakt der Franzosen mit den Passamaquoddy war freundlich und von gegenseitigem Respekt geprägt - eine möglicherweise wegweisende Erfahrung für den Umgang der Neuankömmlinge und der Ureinwohner für das Gebiet Akadiens. Die Hoffnung, hier möglicherweise einen geeigneten Platz für einen dauerhaften Siedlungsversuch gefunden zu haben, zerschlug sich erneut im harten kanadischen Winter. Dreißig Siedler starben. Die Überlebenden hatten dies vor allem der Unterstützung der Einheimischen zu verdanken, die sich ihnen helfend zur Seite stellten. Champlain beschloss, den Siedlungsort aufzugeben. Die Siedler setzten im Frühjahr des Jahres 1605 über den Golf of Fundy und verlegten die Kolonie an den Ort des heutigen Port-Royal. Nur drei Jahre später scheiterte auch dieses Projekt. 1610 wurde erneut ein Siedlungsversuch an gleicher Stelle unternommen, der 1613 nach der kompletten Zerstörung durch indianische Ureinwohner aufgegeben werden musste.

Wie Cartier Jahrzehnte zuvor stieß Champlain per Schiff in den gewaltigen Sankt-Lorenz-Strom vor, der damals noch als der "riviere du canada" bezeichnet wurde. Er fuhr flussaufwärts, passierte die irokesische Siedlung Stadacona und erreichte das damalige Hochelaga, welches an der Stelle der heutigen Stadt Montreal lag. Mit an Bord war auch Francis Gravé, Sieur du Pont (Pontgravé), ein Kaufmann, Fellhändler und Bürger von St. Malo, der die Perspektive der bereisten Region, die reich an Felltieren war, schnell erkannte.

1608: Die Gründung Québecs

Autorisiert durch die französische Krone und zusammen mit sechs Siedlerfamilien von insgesamt 31 Personen legte Samuel de Champlain im Jahre 1608 den Grundstein für Québec, der heutigen Hauptstadt der frankophonen gleichnamigen kanadischen Provinz. Dieser erneute Besiedlungsversuch, der nun nicht etwa im Gebiet Akadiens (etwa dem heutigen Nova Scotia entsprechend), dem ersten Landungsplatz französischer Seeleute stattfand, sondern am Eingang des Sankt-Lorenz-Stroms, erwies sich als der erste erfolgreiche und dauerhafte. Die koloniale Siedlung Québec wurde zur Hauptstadt der nun offiziell als französische Kolonie Neufrankreich bezeichneten überseeischen Besitzungen erklärt. Champlain wurde im Jahre 1627 zu ihrem ersten Generalgouverneur ernannt.

Mit diesem Schritt begann die planvolle und systematische Erschließung des französischen Überseebesitzes in Nordamerika, das man schwärmerisch "La Nouvelle France" nannte. Die Phase einer nun aktiv betriebenen Kolonialisierungs- und Erweiterungspolitik setzte ein, welche in einer schnellen und stetigen Vergrößerung des nordamerikanische Territorium ihren Ausdruck fand. Das am Sankt-Laurenz-Strom gelegene Québec diente nicht nur als Basis und Umschlagsplatz des weiter im Landesinneren stattfindenden Fellhandels, den einzelgängerische Trapper in Schwung hielten, indem sie die Häute selbst erjagten oder mit den dortigen Indianerstämmen handelten. Die Stadt am Fluss war auch verkehrstechnisch ein hervorragender Ausgangspunkt für tiefere Vorstöße ins wilde Landesinnere und somit Ausgangspunkt für neue Kolonisation und ehrgeizig vorangetriebene Inbesitznahme der neuen Welt.

Champlains Bevölkerungs- und Bündnispolitik als Generalgouverneur Neufrankreichs

Angesichts der schwierigen klimatischen Bedingungen des nordamerikanischen Winters und zahlreicher Epidemien erwies sich der Aufbau der Siedlung Québec anfangs als mühsam. Von 32 Siedlern überlebten nur 9 den Winter. Zwar trafen im Frühjahr neue Immigranten in Quebec ein, aber es zeigte sich frühzeitig eines der zukünftigen Hauptprobleme der französischen Kolonie. Nördlicher gelegen als die britischen Siedlungspunkte erwiesen sich die klimatischen Bedingungen für die Neusiedler als deutlich ungünstiger. Die Bedingungen für Landwirtschaft, dem Kernsektor kolonialen Siedlungsgeschehens, waren schlecht. Dies hatte Folgen für den Zuzug von Immigranten, die ihr Glück bevorzugt in südlicheren Kolonien suchten. Dazu kam, dass die Siedler am Sankt-Laurenz-Strom in der Regel ein nur geringes Lebensalter erreichten. 1630 hatte sich ihre Zahl auf 100 erhöht. Zehn Jahre später waren 359 Bewohner für Québec verzeichnet.

In dieser Zeit und aus dieser Situation entwickelte sich ein anderes für das Gebiet Frankreichs charakteristisches Merkmal. Samuel Champlain, der erste Gouverneur, erkannte die Dringlichkeit, sich in dieser klimatisch und wirtschaftlich schwierigen Situation mit den indianischen Ureinwohnern gut zu stellen und sich soweit als möglich mit ihnen zu arrangieren – ganz anders etwa, als es der Kolonialpolitik des Konkurrenten Großbritannien entsprach. Eine nicht geringe Zahl von Historikern gibt zu bedenken, dass für Champlain faktisch keine andere Möglichkeit bestand, als mit den zahlenmäßig weit überlegenen Indianerstämmen ein freundschaftliches Einvernehmen herzustellen - anders etwa, als in den britischen Kolonien, die gut bevölkert ganz andere strategische Möglichkeiten eröffneten.

Unter Champlains Aegide begannen die französischen Neubesiedler mit den Natives der Region, den Stämmen der Algonquin und Montagnais, den Aufbau freundschaftlicher Beziehungen. Diese Bestrebungen gingen sogar soweit, junge französische Männer der Kolonie mit den indianischen Stämmen aufwachsen zu lassen. Ziel war es nicht nur, deren Sprache, Gebräuche zu erlernen, sondern auch deren Verhaltensweise gegenüber den schwierigen und lebensbedrohlichen Klimabedingungen. Mit Hilfe dieser indianisch aufgewachsenen Männer französischer Abstammung, die im Volksmund "Coureurs des bois" (Waldläufer) genannt wurden, gelang es auch, den französischen Einfluss süd- und westwärts bis zu den Großen Seen auszudehnen, das hauptsächlich von Stämmen der [Huronen]] kontrolliert und besiedelt wurde. Diese Stämme entwickelten sich in der in der Folgezeit zu den einflussreichsten Verbündeten der Franzosen. Im Jahre 1609 etablierte Champlain freundschaftliche Bande zu den Stämmen der Huronen, denen er mit seinen Männern gegen die Irokesen beistand. Dieses Eingreifen hatte aber einen hohen Preis: Champlain zog sich die 150 Jahre währende Feindschaft der Irokesen zu, die sich schon bald an die Seite der Engländer stellten und die französischen Siedlern und ihre Siedlungen bekämpften. Die Auseinandersetzungen zwischen Franzosen und den befreundeten Huronen auf der einen und den von den Engländern unterstützten Irokesen auf der anderen Seite, blieb ein feststehendes Muster bis zur endgültigen Niederlage Frankreichs im Jahre 1759. In diesem Zeitraum attackierten Irokesen mehrmals auch die großen Siedlungen Québec und Montreal, wobei insbesondere die letztere mehrmals kurz vor ihrer völligen Auslöschung stand.

Im Vergleich zu den oft südlicher gelegenen Kolonialsiedlungen des ebenfalls schnell landnehmenden Konkurrenten Großbritannien entwickelten sich die französischen Siedlungsprojekte demographisch und wirtschaftlich nur äußerst spärlich und langsam. Grund hierfür waren nicht nur die meist widrigeren klimatischen Bedingungen der nördlicher gelegenen französischen Siedlungen. Die Hauptursache lag in der unterschiedlichen Gewichtung, die Frankreich und Großbritannien ihren überseeischen Besitzungen zumaßen. Das europäische Inselreich erkannte schneller als Frankreich, welche ökonomische und strategisch-imperiale Bedeutung den überseeischen Neuerwerbungen für den eigenen weltpolitischen Status zukam. Entschlossen stellte man finanzielle Unterstützung für den Aufbau neuer Siedlungen bereit und unterstützte den Zustrom durch britische und nicht britische Immigranten. Permanent angelieferte Waren und Güter ermöglichten regen Handel mit den einheimischen Stämmen.

In Frankreich hingegen blieb man bezüglich der Zukunft der neuen Ländereien übermäßig lange unentschlossen und zögerlich. Dies hatte seine Ursache zum einen darin, dass Frankreich durch eine Vielzahl europäischer Konflikte militärisch viel stärker an den Kontinent gebunden war als das Inselreich England. Die Vielzahl und die Intensität dieser Konflikte führten faktisch zur Erschöpfung der finanziellen und menschlichen Ressourcen. Diese Umstände sollten sich im weiteren Verlauf des sich entwickelnden kolonialen Machtkampfs um die nordamerikanische Vorherrschaft für Frankreich als verhängnisvoll erweisen.

Es war Champlain, der schon bald erkannte, dass Neufrankreich ohne eine deutliche Intensivierung seiner Kolonialisierungsbemühungen langfristig keine Chance haben würde, gegen Englands weitaus intensiver betriebene Ausdehnung seines Kolonialreiches zu bestehen. Mit Tadoussac und Quebec wies Neufrankreich nur zwei feste Handelsposten auf. Um seiner Ansicht Gehör zu verschaffen, kehrte Champlain im Jahre 1627 nach Frankreich zurück und traf mit dem damaligen Premierminister, Kardinal Richelieu, zusammen, den er von der Richtigkeit seiner Überlegungen überzeugen konnte. Champlain argumentierte, dass das Gebiet Neuenglands über eine Vielzahl wirtschaftlich verwertbarer Naturressourcen (Gold, Mineralien, Felle, Fischbeände) verfügte, die es nur zu erschließen galt. Hierfür sei es aber notwendig, unerforschte Gebiete durch Siedlungsstützpunkte Handlungstechnisch zu erschließen. Champlain konnte Richilieu von der strategischen Wichtigkeit einer aktiv und forciert betriebenen Siedlungspolitik überzeugen. Der Kardinal drängte schließlich den französischen König Ludwig XIV., Neufrankreich nach britischem Vorbild entschlossen zu kolonialisieren. Richelieu selbst rief im heimischen Frankreich die „Gesellschaft der 100 Assoziierten“ ins Leben, deren Ziel es war, mit Hilfe von zu versprechenden Landparzellen französische Landsleute massenhaft zur Auswanderung nach Québec und die anderen französischen Territorien zu bewegen und Investoren für dieses Projekt zu gewinnen.

Im Zuge dieser Planungen wurde Samuel de Champlain, der Gründer der Stadt Québec, zum Gouverneur Neufrankreichs ernannt – ein Zeichen der französischen Krone, nun endlich planvolle und zentrale Verwaltungsstrukturen in den nordamerikanischen Kolonialgebieten zu schaffen. Trotz seiner im Sinne der imperialen Interessen Frankreichs weitsichtigen Analyse entwickelte sich ein persönliches und wenig weitsichtiges Anliegend Richelieus zu einem schweren Hindernis einer erfolgreicheren Kolonialpolitik der Zukunft: Gemäß Richilieus Wünschen wurden sowohl die Immigration als auch der Aufenthalt nicht römisch-katholischer Siedler in Neufrankreich unter striktes Verbot gestellt. Protestanten hatten entweder zum römisch-katholischen Glauben zu konvertieren oder die Kolonie zu verlassen. Viele der bereits in Neufrankreich niedergelassenen französischen und europäischen Immigranten wählten stattdessen den Weg in die prosperierenden britischen Siedlungen, in denen die Konfessionszugehörigkeit keine Rolle spielte. Potentielle Zuzügler Neufrankreichs wurden nun Subjekte der britischen Krone.

Für das Gebiet Neufrankreichs führte diese Entwicklung zu einer charakteristischen Besonderheit: die römisch-katholische Kirche wurde zu einem immer stärker bestimmenden Faktor Übersee-Frankreichs und nach dem Tod Champlains im Jahre 1634 zur nahezu allein bestimmenden gesellschaftlichen Kraft. Ein Zustrom französischer Missionare und hier insbesondere von Recollets und Jesuiten setzte ein, die in der Folge in die hauptsächlich von irokesischen Stämmen bevölkerten nicht kolonialisierten Gebiete der Großen Seen vorstießen und Missionsstationen gründeten- ein Umstand, der nicht zur Verbesserung des bereits feindschaftlichen Verhältnisses zwischen Irokesen und Franzosen führte.

Mit der Neuausrichtung der französischen Kolonialpolitik war - auch dies ein Hindernis besserer Entwicklung - die Einführung des sogenannten „seigneural systeme“, einem in Teilen dem feudalen Lehnswesen ähnelnden System verbunden, das bis ins 19. Jahrhundert ein charakteristisches Organisationsmerkmal des Sankt-Lorenz-Gebietes blieb und die Anziehungskraft Neufrankreichs für potentielle europäische Auswanderer sicher nicht erhöhte.

1629: Wachsende Spannungen zwischen aufstrebenden Kolonialmächten: Erste militärische Auseinandersetzungen zwischen Neuengland und Neufrankreich

In dieser Zeit und unter den oben genannten speziellen Bedingungen verschärfte sich auch der Wettlauf zwischen dem in immer stärkerer Ausdehnung begriffenen und nach neuen Siedlungsflächen strebenden Neuengland unter britischer Aegide und dem gerade erst zur aktiven Sicherung seiner eigenen Ansprüche sich entschließenden Frankreich.

Auch innereuropäisch-imperiale Spannungen warfen ihre ersten Schatten im Kampf um die Vorherrschaft in der neuen Welt voraus, die wenige Jahrzehnte später in offene Kriege mündeten. Englische Koloniengründungen im Süden des Sankt-Lorenz-Gebietes, nach französischer Lesart auf bereits von Frankreich in Besitz genommenem Territorium, ließen die Spannungen bis zur ersten tatsächlichen militärischen Konfrontation wachsen. 1629 eroberten britische Truppen Québec und hielten die Stadt immerhin bis 1632. Nach der Rückeroberung der französischen Hauptstadt kehrte auch Samuel de Champlain, der erste Gouverneur Neufrankreichs, nach Québec zurück. Es war in dieser Zeit als er seinen Landsmann Sieur de Laviolette 1634 beauftragte, den Handelsposten Trois-Rivières zu gründen.

1630-1701: Parallelkonflikt: Französische Siedler und die Irokesen

1630 verstärkte sich auch eine andere, für die französische Perspektive nicht positive Entwicklung: Durch ihre guten Beziehungen zu den indianischen Stämmen der Huronen, Algonquins und Montagnais gerieten die Franzosen in immer stärkeren Konflikt mit den Irokesen, die mit Frankreichs Verbündeten wohl schon Jahrzehnte in Feindschaft standen und die sich nun an die Seite Englands stellten, um die französischen Eindringlinge zu vertreiben. Dies galt im Besonderen für das durch Siedler zu erschließende Gebiet der Gro´ßen Seen, das im speziellen für die Requirierung von Fellen wichtig war. Und es galt auch für Montreal, das sich, den Sankt Lorenz abwärts gelegen, zu einem wichtigen Hafen und Handelsknoten für die Weiterverschiffung der flussaufwärts erworbenen Güter entwickelt hatte.

Der Konflikt mit den Irokesen hatte schon im Zeitalter Cartiers begonnen, der 1534 als erster die spätere "ile de montreal", jene Insel, auf der das heutige Montreal errichtet wurde, gesehen und betreten hatte. Irokesen hatten dort die Siedlungen Hochelaga und Stadtarcona errichtet, die aber zum Erstaunen der Franzosen der Champlain-Expeditionen einige Zeit später vollständig verschwunden waren. Im Gebiet Montreals lebten vor allem Stämme der Huronen, während das Ursprungsgebiet der irokesischen Stämme einen Raum südlich des heutigen New York und des Lake Ontario umfasste und sich bis zum Hudson River ausdehnte. Aus welchen Gründen auch immer: die Irokesen hatten offenbar versucht, die Stammgebiete nach Norden zum St. Lorenz auszudehnen und waren so in Konflikt mit den dort beheimateten Huronen, Aloquois und Montagnais geraten.

Als Champlain 1601 bei Tadoussac am St. Lorenz an Land ging, wurden er und seine Begleiter von den huronischen Stämmen um Unterstützung gegen die Irokesen gebeten, die die Abenteurer gewährten. Der Anfang einer Freundschaft, aber auch einer Feindschaft war gemacht.

Um 1630 verschärfte sich der Konflikt innerhalb der indianischen Ureinwohnerstämme, da die Irokesen nun durch Handelsbeziehungen mit Holländern Schießwaffen bezogen. Die Holländer hatten seit 1620 Handelsposten am Hudson errichtet. Eine Theorie für die Ausdehnungsbestrebungen der Irokesen nimmt auf die starke Dezimierung des Bibers durch die Möglichkeit der Jagd mit Schusswaffenbezug, die die Irokesen möglicherweise nun nordwärts zum St. Lorenz hin drängte.

Um 1640 hatten die Irokesen, deren Stämme seit dem Verschwinden des Bibers in ihren Territorien die wirtschaftliche Basis zum Handel verloren gegangen war, mitbekommen, wie lukrativ sich der Fellhandel auch jenseits der irokesischen Stammgebiete entwickelt hatte. Da die Felle im Falle des französischen Handels hauptsächlich im Gebiet der Großen Seen requiriert wurden und Montreal flussabwärts der Handels- und Umschiffplatz für den Weiterverkauf- und Transport des Fellgeschäfts war, führte die Route der französischen Fellhändler notwendigerweise durch das Gebiet der Irokesen. Diese versuchten nun, alleinige Zwischenhändler zwischen europäischen Händlern und indianischen Stämmen zu werden.

Da sich die Franzosen früh an die Seite der irokesischen Gegner gestellt hatten, ergab sich nun eine Fronstellung, die bis zur Übernahme Neufrankreichs durch England im Jahre 1763 andauerte: Franzosen und Huronen standen gegen Engländer und Irokesen. Beide Stämme wurden und ließen sich in europäische Kolonialkonflikte hineinziehen.

Im den frühen 1640er Jahren attackierten Irokesen mit Wyandot erstmals eine französische Siedlung im Grenzgebiet Neufrankreichs. 1649 fand ein erneuter, blutiger Angriff auf die Region statt, bei dem einige Siedlungen komplett zerstört und hunderte Siedler getötet wurden. Die überlebenden schlossen Allianzen mit kleineren Stämmen aus dem Bereich der Großen Seen. Der Konflikte weitete sich immer stärker aus.

Friedensverhandlungen zwischen Franzosen und den Irokesenstämmen in den 50er Jahren scheiterten am Widerstand des mächtigsten irokesischen Stammes, der Mohikaner. In der Folge kam es zu schweren Angriffen auf Neufrankreich und Montreal und zu einer gewaltigen Ausdehnung des irokesischen Gebietes, das nun von Virginia bis an den St. Lorenz reichte. Die Auseinandersetzung fand vor allem unter den indianischen Stämmen statt, Aber ihre Auswirkungen waren auch für die Siedler folgenschwer.

Mitte der 60er Jahre entschloss sich Frankreich das Regiment Carignant-Salieres nach Übersee zu schicken, welches in irokesisches Stammgebiet eindrang, deren Häuptling gefangen nahm und die Fluchtartig verlassenen Dörfer zerstörte. Die Irokesen suchten in der Folge Frieden, der für eine Generation anhielt. Als das französische Regiment 1667 Neufrankreich verließ, hatte sich als Resultat dieses Vorgangs die Pflicht der männlichen Kolonisten zum Wehrdienst entwickelt.

In einer nur kurzen Friedenszeit von ca. 20 Jahren konnten die bei den Irokesen aufgewachsene Pierre-Esprit Radisson und sein Schwager Médard des Groseilliers bis zum Mississippi vordringen. Sie ermöglichten Frankreich damit die Erschließung von Handelswegen außerhalb der Territorien, der ihnen feindlich gesonnenen Irokesen. Ein Umstand, der nicht nur den Handel behindert hatte, sondern auch immer wieder zu schweren Verlusten unter den Händlern geführt hatte.

1683 wallten die Kämpfe zwischen Franzosen und Irokesen erneut auf als sich Generalgouverneur Frontenac entschloss, den Fellhandel an den Irokesen vorbei Stärker unter Kontrolle zu bringen und diesen damit eine wichtige Lebensgrundlage entzog. Wiederum kam es zu schweren Angriffen auf französische Siedlungen.

Frontenacs Vorgehen führte auch zum Zerwürfnis mit den irokesisch erzogenen Entdeckern des Mississippi- und Ohio-Gebietes. Die als "Coureur de bois" bezeichneten indianisch erzogenen Franzosen traten in englische Dienste und gründeten - eine für Neufrankreich folgenschwere Entwicklung, wie sich zeigen sollte - die Hudson's Bay Company, die es England ermöglichte, die Kontrolle über die Atlantikverschiffung sämtlicher Felle zu gewinnen.

1698 ersuchten die Irokesen um den so genannten Großen Frieden, der 1701 zustande kam. Die Franzosen stimmten zu, ermöglichte ihnen diese Entwicklung doch auch, die Irokesen als Puffer zwischen ihren und den englischen Gebieten sehen zu können.

Im Franzosen- und Indianerkrieg von 1756 bis 1763 flackerte die alte Fronstellung jedoch wieder auf. Die Irokesen stellten sich erneut an die Seite Englands und halfen als Verbündete bei der Eroberung Montreals und Québecs, die letztlich zum Ende Neufrankreichs führte.

Insgesamt und im Rückblick ist festzuhalten, dass dieses sich Muster, in dem sich einheimische Stämme als Verbündete an kriegerischen Konflikten zwischen europäischen Mächten beteiligten oder beteiligt wurden, in keiner Weise für die einstigen Besitzer Nordamerikas auszeichnete. Denn diese frühen Bündnisse und Allianzen änderten nichts an dem Umstand, dass, war der Machtkampf um die Vorherrschaft europäischer Mächte erst einmal entschieden, man sich nun der ehemaligen Verbündeten entledigte, ihre Lebensräume zurückdrängte, sie entrechtete, enteignete und dezimierte.

1635: Der Aufstieg der katholischen Kirche zur bestimmenden Kraft und die Gründung Montreals

Im Jahre 1635 starb Samuel de Champlain, Entdecker der Region um Montreal, Gründer der Stadt Québec und erster Gouverneur Neufrankreichs. War die Position der Katholischen Kirche durch Richelieus Einflussnahme schon zuvor gesellschaftspolitisch einflussreich gewesen, so entwickelte sie sich nun für eine zeitlang zur alles bestimmenden gesellschaftlichen Kraft.

Der mächtige Bischof von Québec veranlasste im Jahre 1642 eine Gruppe von Siedler unter der Führung von Paul Chomedy de Maisonneuve, dem Sankt-Lorenz-Strom landeinwärts folgend, ein idealistisch-utopisches christliches Siedlungsprojekt ins Leben zu rufen. Die entstehende Gemeinde Ville-Marie (Marienstadt) bildete den Grundstein der heutigen Metropole Montreal.

Neben Trappern und Waldläufern waren es katholische Missionare, die immer tiefer in Richtung der Großen Seen den Sankt-Laurenz-Strom flussaufwärts vorstießen und Missionsstationen errichteten. Sie begannen mit der Missionierung der mit den Franzosen verbündeten huronischen Natives, versuchten aber auch die dort beheimateten Irokesen zu bekehren. Das Vordingen der katholischen Missionare in ihr Stammesgebiet verstärkte die bereits schwelenden Konflikte der irokesischen Ureinwohner mit den Franzosen. Die Irokesenstämmme drängten in dieser Zeit ostwärts flussab in Richtung der Siedlung Montreal, wo sie versuchten, die dort beheimateten Aloquin zu verdrängen und deren zentrale Stellung im Pelzhandel mit den Franzosen zu übernehmen. Mehrere Angriffe auf Montreal erfolgten und führten 1649 zur nahezu vollständigen Zerstörung der Stadt. Im Zuge der wachsenden Spannungen zwischen den europäischen Kolonialmächten Großbritannien und Frankreich verstanden es die Briten, die den französischen Bestrebungen feindlich gesinnten Irokesen zu Verbündeten zu machen.

Mitte des 17. Jahrhunderts umfasste die Siedlung Montreal noch immer nur einige Dutzend Siedler. Einem bis zum heutigen Tage verbreiteten Mythos zur Folge war es der Siedler Adam Dollard des Ormenaux, dem es schließlich mit einem bewussten symbolisch gesetzten selbstmörderischen Akt gelang, den drohenden Untergang Montreals abzuwenden. Wissend um die Unmöglichkeit, die zahlenmäßig weit überlegenen Irokesen zu besiegen, soll Dollard mit einigen französischen Siedlern und verbündeten Huronen einen blutigen märtyrerischen Angriff auf die Huronen (?? Irokesen?) ausgeführt haben. Der Sage nach überlebte kein einziger der französischen Angreifer. Die Verluste auf Seiten der Irokesen sollen so hoch gewesen sein, dass sie fortan von Angriffen auf Montreal abließen, was der Stadt - der Legende nach - das überleben gesichert haben soll.

1663: Kolonialpolitik unter Ludwig XIV: "Nouvelle France" wird Teil des französischen Staatsgebietes

1663 beschloss Ludwig XIV. die Kolonie Neufrankreich sowohl militärisch besser abzusichern als diese auch im rechtlichen Sinne stärker an Frankreich zu binden. Seit Anbeginn der französischen Landnahme hatte die "Compagnie de la France Nouvelle" über die Geschicke des Territoriums bestimmt. Nun er erklärte Ludwig XIV. die Kolonie zur Provinz Frankreichs und unterstellte sie somit direkt der französischen Krone.

1665 verlieh er diesem neuen Stellenwert Neufrankreichs auch militärisch Ausdruck, in dem er die französische Garnison Carignan-Saliere zur Sicherung der Stadt nach Québec entsandte. Die Verwaltung Québecs wurde nach dem Vorbild Frankreichs umgeformt. Der Posten eines direkt dem französischen Seefahrtsminister unterstehenden Generalgouverneurs wurde geschaffen.

Eine durch den französischen Bevollmächtigen Jean Talon im Jahre 1666 in Auftrag gegebene statistische Untersuchung der Verhältnisse stellte eine Bevölkerungsgröße von 3215 Bewohnern in der Kolonie fest. Der Zuwachs zeigt, dass die neue Kolonialpolitik Frankreichs zu greifen begann. Die Studie erwies aber auch einen überproportionalen Überschuss an männlichen Kolonisten. 2034 Männer standen nur 1181 Frauen gegenüber. In der Hoffnung die nordamerikanischen Gebiete zum Zentrum eines französischen Kolonialimperiums zu machen, entschied sich Ludwig XIV., über 700 Frauen zwischen 15 und 30 Jahren nach Neufrankreich zu senden. Sie blieben unter der Bezeichnung „filles de roi“, Mädchen des Königs, im kollektiven Gedächtnis der heutigen frankophonen Kanadier Québecs. Gleichzeitig - und dies war eine erstaunliche Komponente französischer Kolonialpolitik – wurden Heiraten zwischen französischen Kolonisten und indianischen Ureinwohnern unterstützt und gefördert. Mit den Kindern aus diesen Beziehungen entstand eine neue, als niederer stehend betrachtete Klasse, deren Mitglieder „engages“ genannt wurden. Trotzdem waren sie als legitimer Teil der französischen Kolonialgesellschaften anerkannt. Unter ihren heutigen Nachkommen befindet sich kein Geringerer als der später ungemein populäre Premierminister Kanadas, Pierre Elliott Trudeau.

Der Versuch, das ungerechte und entwürdigende halbfeudale Bewirtschaftungssystem der „seugneuries“ abzuschaffen und den Landerwerb der bereits etablierten Landeigner zu Gunsten von Neu-Immigranten zu begrenzen, scheiterte hingegen. Nicht nur infolge dessen blieb auch weiterhin der Zustrom französischer Immigranten in Französisch-Übersee gering. Die wiederholten Versuche, andere Wirtschaftszweige als den Fellhandel fest zu etablieren, schlugen fehl.

Der endgültige Aufstieg Neuenglands zum Konkurrenten: Die Inbesitznahme der Hudson Bay und die Gründung der Hudson's Bay Company

Im Gegensatz zu den dünn besiedelten Territorien Neufrankreichs prosperierten die klimatisch günstiger gelegenen und nicht unter feudalen Wirtschaftsformen und Religionsbeschränkung stehenden Siedlungen Neuenglands. Ein aus Sicht Großbritanniens wichtiger strategischer Schritt hin zur entschlossen betriebenen Überflügelung des territorial weit größer ausgedehnten Neufrankreichs gelang mit der umstrittenen Übernahme der Hudson Bay. Wie so oft in diesen Tagen schneller Landnahme waren die jeweiligen Ansprüche nicht unumstritten. Zwar hatte ein Franzose die als Zugang zum Festland strategisch immens wichtige Bucht für die französische Krone in Besitz genommen. Trotzdem beanspruchte der Brite Henry Hudson die später nach ihm benannte Bucht sowie die umliegenden Gebiete für England. Von hier aus, dieser Eindruck drängt sich deutlich auf, trieb die sich der eigenen Stärke wohlbewusste europäische Inselmacht aktiv die Ausdehnung des eigenen Territoriums in Richtung des heute nördlichen Kanadas und der französisch beherrschten Gebiete voran. 1670 gelang der englischen Krone mit Hilfe der französisch-indianischen „coureurs des bois“ Pierre-Esprit Radisson und Medard des Groiseilliers die strategisch immens bedeutende Gründung der Hudson's Bay Company. Radisson und Medard, beide bei Huronen aufgezogene Franzosen, hatten zuvor Frankreich mit der Erforschung des Ohio-Flusses und des Mississippi wichtige Dienste geleistet. Nun aber, nach einem Zerwürfnis mit dem französischen Generalgouverneur Louis de Buade de Frontenac, traten sie in britische Dienste. Mit ihrer Hilfe gelang es den Briten, den gesamten Fellhandel des Festlandes, der über die Häfen in der Hudson Bay abgewickelt wurde, unter ihre Kontrolle zu bringen und so das bisherig faktisch-französische Monopol auf diesen Hauptwirtschaftszweig zu beenden. Die Franzosen versuchten sich mit einer Ausdehnung ihrer Kolonie in westlicher Richtung hin zu den amerikanischen Siedlungsgebieten schadlos zu halten.

Eine neue Perspektive: Die Gründung Louisianas

1673, nach dem Ende der sogenannten Biberkriege, begannen die beiden Jesuitenpater Louis Joliet und Jacques Marquette mit der Erforschung des Mississippi, den sie als erste Europäer erreichten und bis zur Mündung des Arkansas befuhren. Sie gründeten mehrere Missionsstationen and den Großen Seen, wie zum Beispiel Sault Ste. Marie. 1682 setzte Rene Robert Cavelier die Erforschung des Flusses fort und erreichte dessen Mündung in den Golf von Mexiko. Er stieß zudem bis ins Flussstal des Ohio vor und beanspruchte das gesamte bereiste riesige Territorium in südlicher Richtung bis zum Golf von Mexiko für Frankreich. Um Ludwig XIV. zu ehren, gab er der gesamten Region, die das heutige gleichnahmige Gebiet flächenmäßig weit übertraf, den Namen Louisiana. Dieser neue Claim eröffnete den Franzosen vor allem bezüglich der beiden großen Flüsse dringend benötigte neue potentielle Versorgungs- und Handelswege in ihr Territorium. Die neuen Wasserstraßen erlaubten es ihnen einerseits, das durch von feindlich gesonnenen Irokesen bevölkerte Sankt-Lorenz-Flusstal zwischen den Großen Seen und Montreal zu meiden. Wichtiger aber war die Perspektive, der Kontrolle des französischen Handels durch die britische Hudson's Bay Company an der Atlantikmündung des Sankt Lorenz auszuweichen. Gleichzeitig hatte von den südlicher gelegenen britischen und spanischen Kolonien her ein Wettlauf um jene Region eingesetzt, die sich als noch nicht beanspruchte Wildnis zwischen den stetig wachsenden Territorien der drei europäischen Mächte erstreckte.

Aus französischer Sicht galt es deshalb, insbesondere das Mississippi-Tal in Besitz zu nehmen und so nicht nur die eigenen Territorien zu verbinden, sondern auch den englischen Bestrebungen zum Atlantik vorzustoßen, buchstäblich einen Riegel vorzuschieben.

Nach den vorhergehenden negativen Erfahrungen mit militärisch nicht abgesicherten Gebieten, setzte nun ein Umdenken ein: Man entschloss sich, den theoretischen Anspruch durch die Schaffung von militärisch gesicherter Besiedlung sicherzustellen. Unter der Aegide des zum Gouverneur Lousianas ernannten Frontenac wurden eine Reihe militärisch besetzter Forts zur Absicherung der Ansprüche errichtet. Dies war eine neue Strategie, der man nun auch in all jenen älteren Gebieten folgte, die nicht besiedelt werden konnten.

Das generelle Problem französischer Überseeherrschaft - der Mangel an finanziellen sowie menschlichen Ressourcen - holte die Franzosen auch hier wieder ein. Angesichts schwierigster klimatischer Bedingungen im Sumpfland des Mississippi-Tals, grassierenden Epidemien, ausbleibender Zuwanderung und hohen Sterberaten drohte die Kolonie schon bald zu verkümmern. Als Ausweg entdeckte man die Möglichkeit, von der französischen Gesellschaft nicht akzeptierte oder ausgestoßene Subjekte gewaltsam nach Louisiana zu schiffen. Die Anfänge der Kolonie zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden von Klein- und Schwerstkriminellen, Pariser Clouchards, Prostituierten, Glücksrittern und einigen wenigen Soldaten gemacht. Um 1719 trafen die ersten Transporte mit afrikanischen Sklaven ein, die den chronischen Mangel an Arbeitskräften beheben sollten. Hinzu kamen versklavte, feindlichen Ureinwohnerstämmen angehörige Indianer. Eine einzigartige Kolonie entstand, in der sich europäische, französische, indianische und afrikanische Einflüsse mischten - fernab und außerhalb der jeglicher Kontrolle des für die Entwicklung der Kolonie administrativ zuständigen Quebec. Dieser Umstand brachte der französischen Herrschaft in der heutigen Betrachtung des Attribut der chaotischen Herrschaft ein. Das Überleben der Kolonie wurde in der Folge durch Gouverneure wie Bienville gesichert, die sich in der Regel weder um die Anweisungen Quebecs noch um französische Gesetze kümmerten und dafür mehr um die Bereicherung der eigenen Taschen.

King William`s War und Queen Anne`s War: der Verlust Akadiens

Nachdem es in den Jahren zuvor immer wieder unbedeutendere Konflikte um den rechtmäßigen Besitz und reguläre Grenzziehungen zwischen Engländern und Franzosen gegeben hatte, begannen die Briten zusammen mit den ihnen verbündeten Irokesen im Jahre 1689 einen neuen schweren Angriff auf Neufrankreich. Dieser Krieg, der als King William's War bekannt ist, endete 1697. Aber schon 1702 fand diese militärische Auseinandersetzung unter dem Namen Queen Anne's War seine Fortsetzung. Zwar überstand Québec, die Hauptstadt Neufrankreichs, beide dieser Kriege. Gleichwohl warem 1690 Port Royal und Teile Akadiens im Gebiet der heute Neuschottland benannten Halbinsel an die Engländer gefallen. Das Gebiet Akadiens war die Wiege der ersten französischen Besiedlungsversuche gewesen und, wie sich später erweisen sollte, nicht nur ein landwirtschaftlich hervorragender Siedlungsplatz. Es war auch die Heimat einer sich mit den widrigen Machtverhältnissen wechselnder britischer und französischer Herrschaft auf ihre Weise arrangierenden Kolonialistengemeinschaft, deren Nachkommen sich bis heute und auch noch 240 Jahre nach ihrer Deportation als ein eigenes Volk, die Akadier, empfinden. Von größerer Bedeutung hinsichtlich des geostrategischen Machtkampfes um die Vorherrschaft in Nordamerika war aber, dass das arkadische Gebiet auch den militär- und handelsstrategisch wichtigen Zugang zum Sankt-Lorenz-Strom beinhaltete und die französische Besiedlung insofern auch Überleben der Sankt-Lorenz-Region und das der Hauptstadt Québec gewährleistete. Zwar blieb das den Flusseingang absichernde militärisch befestigte Fort Louisbourg noch in französischer Hand, aber ein Zugriff Englands rückte nun immer mehr in den Bereich des Möglichen.

1713-1744: Trügerische goldene Jahre

Frankreich blieben in der strategisch wichtigen Grenzregion Akadien, die am Zugang des Sankt-Lorenz-Strom zum Atlantik lag und in der die beiden Kolonialimperien zusammenstießen, nur die Kontrolle über die Ile Royale (heute: Kap-Breton-Insel), Fort Louisbourg, die Ile Saint-Jean (heute: Prinz-Edward-Insel) und Teile des heutigen Neubraunschweig. Trotzdem: In der kommenden langen Friedensperiode, die bis ins Jahr 1744 anhielt, begann sich Neufrankreich wirtschaftlich erstmals positiv zu entwickeln: Fischerei und Landwirtschaft, aber auch der Schiffbau entwickelten sich als tragende Wirtschaftszweige. Der Bau einer königlichen Straße, der "Chemin du Roi" zwischen Montreal und Québec verbesserte die infrastrukturelle Verknüpfung der wichtigen Städte und ermöglichten intensiveren Warentausch und schnellere Abwicklung des Handels. Neue Häfen wurden errichtet und ältere ausgebaut. Die Anzahl der Neukolonisten wuchs stark an und Québec wurde 1722 zu einer eigenständigen Kolonie innerhalb Neufrankreichs mit 24 594 Einwohnern. Diese Jahre des Friedens zwischen 1713 und 1744 werden oft auch als das goldene Zeitalter Neufrankreichs bezeichnet – wenn es auch, dies darf nicht ungesagt bleiben, für die indianischen Natives ein Zeitalter fortschreitender Dezimierung ihrer Stämme gewesen ist.

Die Goldenen Jahre Neufrankreichs dauerten bis 1744, als William Shirley, der Gouverneur des britischen Massachusetts, das strategisch wichtige Fort Louisbourg im Bereich des früher komplett französischen Akadien angriff. Louisburg fiel. Ein Rückeroberungsversuch im Jahre 1746 scheiterte. Im Frieden von Aix-la-Chapelle wurde das Fort zwar an Neufrankreich zurückgegeben. Dies aber verhindert nicht neue kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und England in Nordamerika. Als Vorbote europäischer Spannungen, die zwei Jahre später im Siebenjährigen Krieg auch in der Alten Welt offen ausbrachen, begann im Jahre 1746 der sogenannte "French and Indian War". Ein gewisser Colonel George Washington unterlag als Anführer einer im englischen Auftrag gebildeten Milizengruppe aus Virginia französischen Truppen im Tal des Ohio.

Das Ende Neufrankreichs

Neufrankreich hatte nun immerhin 50.000 Einwohner – ein massiver Anstieg im Vergleich zum vorigen Jahrhundert. Aber – und hier rächte sich sowohl die zu lange andauernde Unentschlossenheit, aber auch die Unaufgeschlossenheit französischer Kolonialpolitik – die nordamerikanischen englischen Kolonien waren weit besser bevölkert und entwickelt. In den flächenmäßig kleineren englischen Territorien lebten zur gleichen Zeit bereits etwa eine Million Menschen. Unter ihnen auch eine stattliche Anzahl französischer Hugenotten, die, nicht römisch-katholischen Glaubens, nun die Kolonien des imperialen Konkurrenten verstärkten. Zwar hatte Kardinal Richelieu, der Ratgeber des französischen Königs Heinrich IV und seines Nachfolgers Ludwig XIV. als erster erkannt, welche enorme Wichtigkeit die nordamerikanischen Territorien wirtschaftlich, aber auch strategisch einmal für die europäischen Machtverhältnisse spielen würden und dass Frankreich seine inkonsequente Kolonialpolitik zu ändern habe. Gleichzeitig aber war es Richelieus radikale Forderung, man möge nur römisch-katholischen Franzosen erlauben, in Neufrankreich zu siedeln, die ein potentiell größeren Zustrom an Siedlern verhindert hatte. Dies hatte nicht nur langfristig negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung, die zum einen von der Erschließung und landwirtschaftlichen Urbarmachung unkultivierten Landes abhing und andererseits von der baren Anzahl der dort lebenden und Handel treibenden Menschen. Vielmehr stand die ideologisch-engsichtige Betrachtungsweise des katholischen Kardinals einer potentiell besseren Entwicklung der demographischen Entwicklung insgesamt im Wege. Während die englischen Kolonien zur Zulaufstätte all derer wurden, die den engen und stickigen europäischen Verhältnissen entflohen und Auf ein religiös freies Leben und eine bessere soziale Zukunft hofften, blieben die französischen römisch-katholisch beherrschten Siedlungen Anlaufstationen einer kleinen, eng regulierten Gruppe katholischer Franzosen.

Neben den Konsequenzen für die wirtschaftliche und demographische Entwicklung hatte dies in der Folge auch immense Auswirkungen auf die jeweilige militärische Stärke der konkurrierenden Kolonien Frankreichs und Englands.

Angesichts der rein zahlenmäßigen Überlegenheit der englischen Siedler war es für die britischen Kolonisten faktisch viel einfacher, militärische Kontingente zu bilden und die an Zahl weit unterlegenen französischen Siedlungen erfolgreich anzugreifen. Einige wenige Siege französischer Truppen standen den in militärischen Auseinandersetzungen meist erfolgreicheren zahlenmäßig übermächtigen Engländern gegenüber. Einer dieser wenigen französischen Siege gegen eine überlegene englische Armee fand 1755 statt. General Edward Braddock führte einen Angriff gegen das französische Fort Duquesne und dessen indianische Verbündeten aus. Zwar wurde Braddocks Armee durch die Franzosen und deren indianischen Verbündeten aufgerieben und er selbst starb. In der Gesamtbetrachtung der ungleichen Verhältnisse aber verdeutlicht sich, dass der Fall Neufrankreichs nur eine Frage der Zeit sein würde.

1758 eroberten die Briten erneut Fort Louisbourg – und diesmal endgültig. Von größerer Wichtigkeit als das Fort selbst war der Umstand, dass Louisburg die Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms, der Verkehrs- und Lebensader der flussaufwärts liegenden Hauptstadtregion Québec sicherte. In der Eroberung Louisbourgs und der Kontrolle über den Sankt-Lorenz-Strom lag Schlüssel zum endgültigen Sieg Englands über Frankreich.

Folgerichtig gelang es 1759 britischen Truppen Québec zu erobern. England sandte Schiffe über den Sankt Lorenz und griff gleichzeitig unter Colonel James Wolfe auch von der Landseite aus an. Die französische Garnison kapitulierte am 18. September. Im Laufe des kommenden Jahres wurde das gesamte Rest-Territorium der „Nouvelle France“ durch englische Truppen erobert. Der letzte französische Generalgouverneur Pierre Francois de Rigaud, Marquis de Vaudreuil-Cavagnal ergab sich am 8. September 1760 seinem britischen Gegenspieler General Jeffrey Amherst. Das formale Ende Neufrankreichs wurde durch den Pariser Frieden am 10. Februar 1763 vollzogen.

Trotz des Endes französischer Träume von einem überseeischen Imperium in Nordamerika blieben französische Sprache und Kultur und der römisch-katholische Glaube vorerst die bestimmenden gesellschaftlichen Kräfte in jenem Territorium, das einmal Neufrankreich hieß. In Teilen gelang es England durch die massive Ansiedlung englischer protestantischer Auswanderer, die zur Gründung der Provinzen „Oberes Canada“ (heute: Ontario) und Neubraunschweig führten, diese französischen Spuren zu tilgen. Im ehemaligen Akadien begannen die Engländer in den späten fünfziger Jahren und bis zum Jahre 1763 mit der gewaltsamen Deportation der französisch geprägten Akadier. Diese wurden auf unterschiedliche britische Kolonien in Nordamerika verteilt.

Das französische Territorium Louisiana fiel nach dem Siebenjährigen Krieg an Spanien. Ein spanisch-französisches Abkommen im Jahre 1801 führte zur Rückgabe Louisianas an Frankreich. Doch schon 1803 entschloss sich Napoleon Bonaparte zum Verkauf an die Vereinigten Staaten von Amerika. Dieser Verkauf markierte das endgültige Ende des französischen Kolonialreiches in Nordamerika. Es war das Ende eines Imperiums, das in Zeiten größter Ausdehnung im Jahre 1712 von Neufundland bis zur Hudson Bay und vom Golf von Mexiko bis zu den Großen Seen reichte. Nur die kleinen Inseln St. Pierre und Miquelon stehen bis heute unter französischer Verwaltung. Die frankophone Region Québec mit ihren Städten Québec und Montreal zeugt bis heute vom 1763 untergegangenen französischen Traum, in der neuentdeckten Welt ein „Nouvelle France“ zu errichten.

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