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Netzwerk Berlin

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Netzwerk Berlin
Gründung: 1998
Sprecherin:
Sprecher:
Nina Hauer
Christian Lange
Geschäftsführer: Jürgen Neumeyer
Adresse: Bundestag
11011 Berlin
Website: netzwerkberlin.de
E-Mail-Adresse: netzwerkberlin
@bundestag.de

Das Netzwerk Berlin ist ein Zusammenschluss von zirka 50 SPD-Bundestagsabgeordneten, die als Netzwerker bezeichnet werden. Neben der Parlamentarischen Linken und dem rechten Seeheimer Kreis ist es die dritte Strömung innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion. Es wird SPD-intern den Reformern zugerechnet.

Das Netzwerk wurde nach der Bundestagswahl 1998 von zehn SPD-Abgeordneten im Alter von 23 bis 43 Jahren gegründet. Es gilt bis heute als Zusammenschluss einer eher jüngeren Abgeordnetengeneration, obwohl bereits seit 2002 die Mitgliedschaft nicht mehr an ein bestimmtes Alter geknüpft ist.

Prominente Mitglieder sind der Umweltminister Sigmar Gabriel, die Umwelt-Staatssekretärin Astrid Klug, der SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, die Familienausschussvorsitzende Kerstin Griese, der Innenausschussvorsitzende Sebastian Edathy, die stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Kelber und Nicolette Kressl sowie der ehemalige Verkehrsminister Kurt Bodewig. Auch die stellvertretende SPD-Vorsitzende Ute Vogt und der thüringische Landesvorsitzende Christoph Matschie gehörten während ihrer Zeit im Bundestag dem Netzwerk an.

Im Vorstand sind Siegmund Ehrmann, Kerstin Griese, Michael Hartmann, Nina Hauer, Christian Lange und Andreas Weigel.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1992 waren nur acht der SPD-Bundestagsabgeordneten unter 40 Jahre alt. Sie organisierten sich damals erstmals als so genannte Youngster innerhalb der Fraktion. Erster Youngster-Sprecher war der spätere Staatsminister und Netzwerker Hans Martin Bury. 1998 waren es bereits 36 junge SPD-Abgeordnete, die ins Parlament gewählt wurden, die die Gruppe bildeten. Außer ihrem Alter hatten die Youngster keine politisch-inhaltlichen Gemeinsamkeiten, die über das in der SPD-Fraktion Übliche hinausgingen. Daraus entstand die Idee, ein Netzwerk als Generationenzusammenhang zu gründen, das ein gemeinsames inhaltliches Projekt verfolgt und innerhalb der SPD-Fraktion eine politische Rolle spielt.

Die Gründung hatte zwei Ursachen:

  • Viele Personalentscheidungen in der SPD-Fraktion wurden von den beiden traditionellen Flügeln dominiert, die dabei häufig nach dem Senioritätsprinzip entscheiden. Die zumeist neu in den Bundestag gewählten Abgeordneten wollten sich damit nicht abfinden.
  • Die Netzwerker kritisierten, dass die Politik der Linken zu konservativ-traditionalistisch und die der rechten Seeheimer zu prinzipienlos, pragmatisch und modernistisch sei. Sie wollten dem einen an Grundwerten orientierten progressiven Reformismus entgegenstellen, der sich vom überkommenen, schablonenhaften Rechts-Links-Gefüge befreit.

Dabei kann ein Teil des Netzwerks an gewachsene Traditionen der undogmatisch-reformsozialistischen Strömung der Jusos anknüpfen, insbesondere Kurt Bodewig, Peter Friedrich, Kerstin Griese, Hubertus Heil, Christian Lange Michael Roth und Ute Vogt, die in den achtziger/neunziger Jahren dem Juso-Bundesvorstand angehörten beziehungsweise an der Spitze eines Bezirks oder Landesverbandes standen.

Mitglieder und Aktive

Nach der Bundestagswahl 2002 hat das Netzwerk sein Konzept als Generationszusammenhang teilweise aufgegeben. Inzwischen können auch ältere SPD-Abgeordnete Mitglied werden. 2002 hat es sich mit einem sechsköpfigen Sprecherkreis, der inzwischen in Vorstand umbenannt wurde, erstmalig eine gewählte Vertretung gegeben.

Einige Netzwerker, die nicht dem Vorstand angehören, sind gleichzeitig Mitglied einer der beiden traditionellen Flügel-Zusammenschlüsse der Fraktion. So zählen beispielsweise der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ulrich Kelber und Staatssekretärin Astrid Klug zur Parlamentarischen Linken, während Sigmar Gabriel sowie die Fraktionssprecher für Haushalt und Wirtschaft, Carsten Schneider und Rainer Wend, dem Leitungskreis der rechten Seeheimern angehören.

Über die Abgeordneten hinaus, die sich als Einlader bezeichnen, ist das Netzwerk Berlin eine offene Plattform. Zu den Aktiven gehören insbesondere Mitarbeiter der sozialdemokratischen Abgeordnetenbüros im Bundestag, aber auch Mitarbeiter aus Ministerien und anderen politisch-administrativen Einrichtungen in Berlin. Darüber hinaus hat das Netzwerk den Anspruch, Interessierte aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Medien mit einzubeziehen. Inzwischen stehen rund 3000 Personen auf der Einladungsliste.

Gleichzeitig wird versucht, eine Verankerung in den SPD-Landesverbänden zu erreichen, in denen es teilweise eigene Netzwerk-Strukturen gibt. Neben den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Ute Vogt (Baden-Württemberg) und Christoph Matschie (Thüringen) gelten mit Heiko Maas (Saarland), Matthias Platzeck (Brandenburg) und Jürgen Walter (Hessen) weitere wichtige Landespolitiker als dem Netzwerk nahestehend.

Aktivitäten

In jeder Bundestags-Sitzungswoche findet ein offenes Netzwerk-Treffen im Reichstagsgebäude statt, auf denen mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien oder Kultur diskutiert wird. Dabei erhebt das Netzwerk den Anspruch, „über die Tagespolitik hinaus“ zu denken. Das anschließende gemütliche Beisammensein im Kneipenprojekt Wahlkreis gehört mit zum Konzept der Netzwerk-Bildung. Darüber hinaus werden in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert- oder der Hans-Böckler-Stiftung eine Reihe von Kongressen, Konferenzen, Seminare und Tagungen veranstaltet, die zumeist außerhalb der Bundeshauptstadt stattfinden. Seit 1999 geben die Netzwerk-Abgeordneten das Zwei-Monats-Magazin Berliner Republik heraus. Der ehemalige Zeit-Redakteur Tobias Dürr ist seit 2001 Chefredakteur, zuvor hatte der Netzwerker Hans-Peter Bartels die Schriftleitung inne.

Positionen

Zentrales Thema des Netzwerks ist die Diskussion um ein neues Grundsatzprogramm der SPD, zu der 2003 ein eigener Impuls mit dem Titel Die neue SPD veröffentlicht wurde. „Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten setzen auf die Fähigkeit und die Bereitschaft zu Freiheit und Verantwortung. Wir wollen mit allen engagierten Menschen in unserem Land und überall auf der Welt zusammenarbeiten, um eine bessere Welt zu schaffen“, heißt es in dem Impuls. „Diese Idee eines anderen und besseren Zusammenlebens hat in der Geschichte der Sozialdemokratie den Namen demokratischer Sozialismus geführt. Auch wenn dieser Begriff nun seine abgrenzende Bedeutung und politische Strahlkraft verliert, bleibt das, wofür er immer gestanden hat, für die Sozialdemokratie eine unbedingte Verpflichtung.“

Trotz ihrer Beiträge zur Programmdebatte und der Diskussionen in ihrem „Theorieorgan“ Berliner Republik gelten die Netzwerker „als jung, unideologisch, pragmatisch und brav“ (taz) und als weitgehend angepasste Unterstützer der durch Gerhard Schröders Agenda 2010 umrissenen Reformpolitik. Die FAZ meint dazu: „Eine Gruppierung, die sich als zentristisch versteht und die Schröders Reformpolitik unterstützen wollte, hat es schwer, ein kantiges Profil zu gewinnen. Auch haben sich die Netzwerker – anders als die Seeheimer – nie als ,Abstimmungsmaschine‘ verstanden, sondern eher als erfrischendes kulturelles Ereignis in einer Volkspartei, die alte Ideologie aus dem vergangenen Jahrhundert mit sich herumschleppt.“

Veröffentlichungen

Literatur

Weblinks


Wikipedia
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