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Nematophage Pilze
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Nematophage Pilze sind eine Sondergruppe karnivorer Pilze, die auf Fadenwürmer als Beute spezialisiert sind. Dabei wird unterschieden zwischen Raubpilzen sowie endoparasitären Nematophagen. Es sind ca. 160 Arten bekannt.
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Raubpilze (Prädatoren)
Raubpilze sind aktiv Fadenwürmer fangende Pilze mit speziellen Fangvorrichtungen, entweder Klebefallen, an denen die Beute haften bleibt, oder Ringfallen, in denen die Nematoden beim Durchkriechen hängen bleiben. Nach dem Fang wächst der Pilz in den Nematoden hinein und zersetzt ihn allmählich durch Enzyme von innen heraus, die freigesetzten Nährstoffe werden absorbiert.
Klebefallen finden sich z.B. bei Zoophagus insidans. An seinen aus Hyphen bestehenden Klebfäden verfangen sich zumeist Rädertierchen. Der Pilz wächst nach dem Fang in das Tier ein und verdaut es. Neben einfachen klebrigen Fortsätzen gibt es auch komplexere Fangnetze, die aufgrund der größeren Oberfläche effizienter sind.
Schlingfallen finden sich bei der Art Zoophagus tentaclum. Dabei bilden sich aus Hyphen bestehende kleine Schlingen, in denen sich z. B. Fadenwürmer verfangen können. Die Schlingfallen können kontraktil sein, durch Berührungsreize zieht sich die Schlinge zu und verhindert ein Entkommen der Beute. Danach wächst der Pilz langsam in das Opfer ein, das durch Enzyme von innen zersetzt wird.
Durch das häufige Vorkommen in stickstoffarmen Böden ist es wahrscheinlich, dass wie auch bei den meisten fleischfressenden Pflanzen die Beute weniger zur Gewinnung von Stoffwechselenergie, sondern mehr zum Ausgleich des Stickstoffhaushalts gefangen wird.
Nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen kann auch der Schopftintling (Coprinus comatus) - ein Ständerpilz - Nematoden fangen und verdauen. Er bildet Fangorgane aus, kleine kugelige Strukturen mit dornigen Auswüchsen, mit deren Hilfe er ein Toxin ausscheidet, welches Nematoden unbeweglich macht. Die Nematoden werden schließlich vom Myzel des Schopftintlings besiedelt und innerhalb weniger Tage verdaut. (Lit.: Hong Luo et al., 2004)
Endoparasitäre Nematophagen
Endoparasitäre Nematophagen fangen Nematoden nicht, sondern wachsen vom Sporenstadium an in der Nematode heran und verdauen diese allmählich von innen her. Infiziert werden die Nematoden durch die orale Aufnahme der Sporen oder durch Sporen, die sich außen an die Nematoden anheften und später in den Wurm einwachsen. Nachdem die Sporen keimen bilden sie ein Hyphengeflecht im Nematoden, welches später die Cuticula durchbricht und Konidien als neue Sporenträger bildet. In den zersetzten Nematoden können sich außerdem Dauersporen bilden.
Einsatz im Pflanzenschutz
Aufgrund ihrer Effektivität sollen nematophage Pilze auch im Pflanzenschutz gegen pflanzenpathogene Nematoden eingesetzt werden, die Anwendungen befinden sich allerdings noch in der Erprobung.
Literatur
- Dowe, Asmus (1987): Räuberische Pilze und andere pilzliche Nematodenfeinde. A. Ziemsen Verlag; Wittenberg
- Barron, G. L. (1977): The Nematode-Destroying Fungi. Topics in Mycobiology No. 1; Canadian Biological Publications; Guelph, Ont./Ca
- Hong Luo et al.: Coprinus comatus: A basidiomycete fungus forms novel spiny structures and infects nematode. Mycologia, 96 (6), 2004, pp. 1218-1224.
