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Nahrungsforschung

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Die Nahrungsforschung beschäftigt sich mit der sozialen und kulturellen Bedeutung von Essen und Trinken sowie der Nahrungsmittel in Geschichte und Gegenwart. Sie stellt ein Forschungsfeld der Volkskunde und der Kulturgeschichte dar, verfolgt jedoch auch interdisziplinäre Ansätze, so beispielsweise Aspekte der Diätetik, Nahrungsphysiologie, Ernährungsberatung und der Allgemeinmedizin.

Die kulturwissenschaftliche Perspektive versucht dabei die räumliche Differenzierung und zeitliche Veränderung des Essverhaltens zu beschreiben sowie den Zusammenhang zwischen sozialem Status einer Person oder Gruppe und ihrem Essverhalten zu verstehen.

Fachgeschichte

Bereits im frühen 19. Jahrhundert haben volkskundliche Forschungen auch Untersuchungen zu "Volksspeisen" und Getränken in ihre Darstellungen von "Land und Leuten" integriert. Besondere Differenzierungen wurden hierbei nicht vorgenommen; als Quellenmaterial dienten historische Rezeptsammlungen, Haushalts- und Proviantbücher, Steuer- und Akzisenlisten sowie Rechnungen oder Wirtschaftsbücher. Gefragt wurde vor allem nach Art, Umfang, Zubereitung und Kosten der Lebensmittel.

Nach dem 2. Weltkrieg waren es vor allem der Münsteraner Volkskundler Günter Wiegelmann und der Sozialhistoriker Hans-Jürgen Teuteberg, welche die historische Nahrungsforschung erneuerten. Mit der 1967 erschienenen Schrift Alltags- und Festspeisen. Wandel und gegenwärtige Stellung wurde erstmalig auf den Zusammenhang mit der gegenwartsbezogenen Esskultur und Trinkkultur hingewiesen sowie der kulturelle und soziale Aspekt des Essens betont.

Seitdem hat die volkskundlich-historische Nahrungsforschung (Nahrungsethnologie) starke Ausdifferenzierungen erfahren und sich vermehrt zu einer interdisziplinären Forschung entwickelt, die mittlerweile auch gegenwartsorientiert und empirisch argumentiert. Im Mittelpunkt stehen nicht mehr nur die Lebensmittel und ihre Verarbeitung wie die Geschichte der Kartoffel oder des Kaffees in Europa, sondern die soziale Verzehrsituation (Tischordnung, Anlass, Brauch, Ritual), der gesellschaftliche Stand und die jeweils unterschiedliche Ernährung (Bier oder Wein, Lammbraten oder Innereien) und die regionale oder internationale Verbreitung (Diffusion) von Lebensmitteln und ihre Popularität. Wichtige Vertreter der Fachrichtung sind der Bonner Volkskundler Gunther Hirschfelder (historische Trinkkultur) sowie Hans-Jürgen Teuteberg, Günter Wiegelmann, Uwe Spiekermann, Ulrich Tolksdorf, Alois Wierlacher, Eva Barlösius (Soziologie des Essens).

Literatur

  • Teuteberg, Hans J. / Neumann, Gerhard / Wierlacher, Alois (Hg.): Essen und kulturelle Identität. Europäische Perspektiven, Berlin 1997
  • Teuteberg, Hans J. / Wiegelmann, Günter: Der Wandel der Nahrungsgewohnheiten unter dem Einfluss der Industrialisierung, Göttingen 1972
  • Teuteberg, Hans J. / Wiegelmann, Günter: Unsere tägliche Kost. Geschichte und regionale Prägung (Studien zur Geschichte des Alltags, Bd. 6), Münster 1986
  • Tolksdorf, Ulrich: Nahrungsforschung. In: Brednich, Rolf W. (Hg.): Grundriss der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie, Berlin, 2. Auflage, 1994, S. 229-242
  • Tolksdorf, Ulrich: Strukturalistische Nahrungsforschung. Versuch eines generellen Ansatzes. In: Ethnologica Europaea, Bd. 9 (1976), S. 64-85
  • Spiekermann, Uwe: Europäische Küchen. Eine Bestandsaufnahme. In: Museum für Völkerkunde Hamburg (Hg.): Das gemeinsame Haus Europa. Handbuch zur europäischen Kulturgeschichte, hg. von Wulf Köpke und Bernd Schmelz, Hamburg 1999, S. 801-817
  • Spiekermann, Uwe: Nahrung und Ernährung im Industriezeitalter. Ein Rückblick auf 25 Jahre historisch-ethnologischer Ernährungsforschung (1972-1996), in: Bodenstedt, Andreas u. a.: Materialien zur Ermittlung von Ernährungsverhalten, Karlsruhe 1997, S. 35-73.
  • Montanari, Massimo: Der Hunger und der Überfluss. Kulturgeschichte der Ernährung in Europa, München 1999
  • Hirschfelder, Gunther: „Und also die ganze Woche ein grosses Gesaufte war.“ Aspekte oberschichtlicher Trinkgewohnheiten im Rheinland vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. In: Volkskultur an Rhein und Maas, Bd. 13 (1994), S. 5-14
  • Hirschfelder, Gunther: Europäische Esskultur. Geschichte der Ernährung von der Steinzeit bis heute, Frankfurt am Main, New York 2001
  • Hirschfelder, Gunther: Alkoholkonsum am Beginn des Industriezeitalters (1700-1850). Vergleichende Studien zum gesellschaftlichen und kulturellen Wandel, Bd. 1: Die Region Manchester, Bd. 2: Die Region Aachen, Köln, Weimar, Wien 2003/04 (vgl. Buch Alkoholkonsum Bd. 2)
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