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Nachhilfe

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Unter Nachhilfe-Unterricht oder kurz Nachhilfe versteht man die gelegentliche, bisweilen aber auch regelmäßige, systematische Unterstützung von Lernenden (z. B. Schülern oder Studenten), die Lernprobleme haben und/oder Ihre Lernleistungen steigern wollen/sollen.

Formen professioneller und semiprofessioneller Nachhilfe bilden sich dann heraus, wenn das familiäre Umfeld (Eltern, Geschwister und Verwandte des betreffenden Kindes) helfend interveniert und für die schulbegleitende Förderung Geld an Dritte fließt. Ein Nachhilfelehrer ist eine außerschulisch wirkende und außerfamiliäre Person. Nachhilfelehrer sind häufig Studenten, pensionierte Lehrer oder Schüler höherer Klassen.

Diese kommen häufig direkt mit den Eltern in Kontakt und organisieren in privater Absprache in der Regel Einzelunterricht zu Preisen von etwa 8-25 € pro 45/60 Minuten.

Die große Mehrheit der Nachhilfefälle liegt bei Schülern allgemeinbildender Schulen in den Klassenstufen 5 bis 10, darunter wiederum die meisten in den Jahrgangsstufen 7 bis 10.

Mitte der 2000er Jahre wird die Zahl der aktuell Nachhilfe erhaltenden Schüler allgemeinbildender Schulen in Deutschland auf ca. 1,5 Millionen geschätzt, etwa ein Siebtel der ca. 9,5 Millionen dieser Schüler. Im Verlaufe ihrer gesamten Schulzeit nehmen derzeit etwa 30-40% aller Schüler Nachhilfe in Anspruch, Tendenz seit Jahren und derzeit weiter steigend.

Jungen erhalten etwas häufiger Nachhilfe als Mädchen, dieser Trend kehrt sich allerdings in höheren Klassenstufen um. Schüler von Gymnasien erhalten häufiger Nachhilfe als Realschüler. Hauptschüler treten selten auf dem Nachhilfemarkt in Erscheinung. In den alten Bundesländern wird Nachhilfe etwa doppelt so oft in Anspruch genommen wie in den neuen Bundesländern.

Am weitaus häufigsten wird mit über 50% der Fälle das Fach Mathematik nachgefragt, gefolgt von Englisch mit etwa 25% und Deutsch mit ca. 10%. Auf den weiteren Plätzen folgen Latein und Französisch sowie Physik und Chemie. Viele Schüler erhalten in mehreren Fächern Nachhilfe.


Für Legasthenie oder Dyskalkulie gibt es Lerntherapien speziell ausgebildeter Fachkräfte. Bei Entwicklungsdyslexie wegen Wahrnehmungsstörung können auch niedergelassene Logopäden helfen.


kommerzielle und andere organisierte Nachhilfeanbieter

Die kontinuierliche steigende Nachfrage nach Nachhilfeleistungen in Deutschland hat auch zu einer starken Expansion kommerzieller Anbieter seit den 1970er Jahren geführt.

Unter den kommerziellen Anbietern dominieren bundesweit und auch in Österreich und der Schweiz operierende Unternehmen. Sie bieten in der Hauptsache Nachhilfeunterricht in Gruppen von 3-6 Schülern an, den stundenweise beschäftigte Honorarkräfte erteilten. Typisch sind hier langfristige Vertragsbindungen und Monatspreise ab ca. 100 €. Einzelunterricht wird generell auch von kommerziellen Anbietern angeboten, bleibt aufgrund von Preisen um 40-60 € für 90 Minuten allerdings eher die Ausnahme.

In Deutschland marktdominierend sind die Unternehmen Studienkreis und Schülerhilfe mit jeweils etwa 1000 zum Teil im Franchisebetrieb geführten Filialen in nahezu jeder größeren Stadt.

Der Grad der individuellen Förderung und damit die Lernerfolge hängen beim kommerziellen Gruppenunterricht von der sinnvollen Zusammensetzung der Nachhilfe-Gruppe, der Größe der Gruppe und dem persönlichen Bezug der Lehrkräfte zum Schüler und zu ihrem Arbeitgeber ab.

Regional und lokal behauptet sich auch eine Vielzahl kleinerer flexibler Anbieter: eine bislang kleine Gruppe hat sich zur Gütegemeinschaft INA-Nachhilfeschulen zusammengeschlossen. Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung überprüfen externe Auditoren jährlich und zertifizieren nach objektiv vergleichbaren Qualitätskriterien mit einem Gütezeichen. Viele Anbieter erfüllen die strengen Qualitätsauflagen bisher nicht. Die Nachhilfeuntersuchung von Stiftung Warentest 4/2006 macht die Anstrengung der privaten Nachhilfeinstitute und ihre Qualität immer bekannter. Das RAL-Gütezeichen hilft vor allem Eltern, sich auf dem unübersichtlichen Nachhilfemarkt zu orientieren.

Auch die beiden großen Anbieter der Branche, die Schülerhilfe und der Studienkreis, lassen Ihre Qualität von unabhängigen Institutionen überprüfen - kurioserweise aber nicht von pädagogischen oder bildungsbezogenen Institutionen, sondern vom Technischen Überwachungsverein.

Der TÜV Rheinland gibt ein Zertifikat heraus, das die Qualität von Nachhilfe-Institutionen bestätigt. Informationen zum TÜV-Zertifikat, den Prüfkategorien und zu bereits zertifizierten Studienkreis-Nachhilfe-Schulen stehen auf den Internetseiten des TÜVs unter der Identifikations-Nummer 0000007170.

Der TÜV Nord hat mit der Schülerhilfe das erste Nachhilfeinstitut nach der international gültigen DIN ISO Norm zertifiziert.

Der Bundesverband Nachhilfe- und Nachmittagsschulen (VNN) ist der größte Nachhilfeverband in Deutschland. Er vertritt die Interessen von Nachhilfe- und Nachmittagsschulen.

Zwischen dem klassischen Nachhilfelehrer, der Nachhilfe in privater Absprache mit den Eltern organisiert, und dem Nachhilfe-Großkonzern existieren inzwischen diverse Zwischenformen, zum Beispiel gibt es Agenturen, die gezielt private Nachhilfekräfte gegen Gebühr vermitteln, außerdem bieten viele ASten von Hochschulen Nachhilfevermittlungen an. Andere Unternehmen wie das in diesem Marktsegment führende Institut ABACUS beschäftigen auch Lehrkräfte auf Honorarbasis, die wie der klassische Nachhilfelehrer zu den Schülern ins Haus kommen. Weiterhin gibt es auch viele gemeinnützige Anbieter, die Nachhilfe anbieten, oft auch im Rahmen eines Übergangsbereich zu hortähnlicher Nachmittagsbetreuung. In vielen Horten selbst gehört Hausaufgabenhilfe und Nachhilfeunterricht mittlerweile zur pädagogischen Hauptaufgabe.

In diesem recht vielfältigen und schwer zu überschauenden Markt gibt es auch schwarze Schafe: Mitte der 2000er Jahre versucht der totalitäre Psycho-Konzern Scientology über verschiedene Tarnorganisationen verstärkt auf dem Nachhilfemarkt Fuß zu fassen.

Siehe auch

Wikipedia
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