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Nachhaltigkeit
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Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und wird auf eine Publikation von Hans Carl von Carlowitz aus dem Jahr 1713 zurückgeführt. Erstmals verwendet wurde der Begriff jedoch vermutlich erst durch Hermann Friedrich von Göchhausen 1732. Er bezeichnet die Bewirtschaftungsweise eines Waldes, bei welcher immer nur so viel Holz entnommen wird, wie nachwachsen kann, so dass der Wald nie zur Gänze abgeholzt wird, sondern sich immer wieder regenerieren kann.[1] Allgemein formuliert bedeutet dies, „ein natürliches System ausschließlich so zu nutzen, dass es in seinen wesentlichen Charakteristika langfristig erhalten bleibt.“[2] Konrad Ott vom Sachverständigenrat für Umweltfragen definiert den „etymologisch ursprüngliche(n) Wortsinn von Nachhaltigkeit“:
„Regenerierbare lebende Ressourcen dürfen nur in dem Maße genutzt werden, wie Bestände natürlich nachwachsen.“
– Konrad Ott: Läßt sich das Nachhaltigkeitskonzept auf Wissen anwenden? 1999
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Inhaltsverzeichnis |
Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung
Diesen Leitgedanken der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft griff die 1983 von den Vereinten Nationen eingesetzte Weltkommission für Umwelt und Entwicklung auf, ohne jedoch den Ursprung in der deutschen forstwirtschaftlichen Debatte zu kennen.[1] Die Kommission unter dem Vorsitz der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland hatte den Auftrag, langfristige Perspektiven für eine Entwicklungspolitik aufzuzeigen, die zugleich umweltschonend ist. In ihrem auch als Brundtland-Bericht bekannt gewordenen Abschlussdokument „Unsere gemeinsame Zukunft“ aus dem Jahr 1987 ist das von diesem Leitgedanken inspirierte Konzept der nachhaltigen Entwicklung folgendermaßen definiert:
- „Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können."
Dieses Konzept lieferte erstmals eine umfassende politische Strategie, um bislang getrennt behandelte Politikfelder gemeinsam zu behandeln. Es thematisiert Umweltprobleme der Industriestaaten gleichermaßen wie Schuldenprobleme der Dritten Welt und versucht dadurch sowohl eine Lösung für die Überwindung der Armut in Entwicklungsländern zu liefern wie für globale Umweltprobleme, so dass eine nachholende ökonomische Entwicklung der dritten Welt nicht zur Erschöpfung der ökologischen Grenzen der Erde führt. Aus dem Leitbild der Nachhaltigkeit wird im Konzept der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung das Postulat einer Entwicklung, welche den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.
Nachhaltigkeit vs. Sustainability
Trotz der Ähnlichkeiten zwischen dem forstwirtschaftlichen Begriff der Nachhaltigkeit und dem Leitgedanken der nachhaltigen Entwicklung, wie ihn die Brundtland-Kommission formulierte, stand die forstwirtschaftliche Nachhaltigkeit nicht Pate. Vielmehr war diese den Kommissions-Mitgliedern nicht präsent.[1]
In der englischen Sprache hatte das forstwirtschaftliche Konzept des nachhaltigen Ertrages als (maximum) sustained yield spätestens in den 1920er Jahren Eingang gefunden.[1]. Dagegen taucht der Begriff sustainable 1972 im Bericht Die Grenzen des Wachstums an den Club of Rome erstmals an prominenter Stelle bei der Beschreibung des angestrebten „Zustands des globalen Gleichgewichts“ auf:[3]
„We are searching for a model output that represents a world system that is: 1. sustainable without sudden and uncontrollable collapse (...)“
– Dennis L. Meadows: The Limits of Growth 1972
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Das Adjektiv sustainable findet dann 1974 in einem Dokument des Ökumenischen Rates der Kirchen Eingang, der bei der Definition eines neuen sozialethischen Leitbilds die Formulierung „just and sustainable society“ verwendet.[3] Schließlich findet sich sustainable 1980 in der World Conservation Strategy, einer Richtlinie für den weltweiten Naturschutz, die unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs der Vereinten Nationen erarbeitet worden war.[3]
In der englischen Sprache waren sustainable und sustainability jedoch erst nach dem Bericht der Brundtland-Kommission verankert. Vor 1987 finden sich diese z.B. nicht im PONS, dagegen jedoch sustained, wie es auch in der Forstwirtschaft verwendet wird. Die Rückbesinnung auf die forstwirtschaftlichen Wurzeln erfolgte erst, als der Begriff der Nachhaltigkeit in Deutschland bei der Suche nach einer geeigneten Übersetzung für sustainable und sustainability gesucht wurde.[1]
Definitionsvielfalt
In der auf diesen Bericht folgenden wissenschaftlichen Debatte werden die Begriffe „Nachhaltigkeit“ und „Nachhaltige Entwicklung“ vielfach synonym verwendet, auf unterschiedlichste Art und Weise defininiert[1] und auf andere Bereiche wie die Finanzpolitik[4] ausgedehnt:
„Die Gemeinsamkeit aller Nachhaltigkeitsdefinitionen ist der Erhalt eines Systems bzw. bestimmter Charakteristika eines Systems, sei es die Produktionskapazität des sozialen Systems oder des lebenserhaltenden ökolgischen Systems. Es soll also immer etwas bewahrt werden zum Wohl der zukünftigen Generationen.“
– Bernd Klauer: Was ist Nachhaltigkeit? 1999
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Die Definitionsvielfalt wird kritisiert, da dadurch „Nachhaltigkeit ein Gummiwort“ [5] sei oder gar ein Kandidat für Bullshit-Bingo.[6]. Zugleich wird aber betont, dass Nachhaltigkeit „nur als Gummiwort ... in allen gesellschaftlichen Bereichen kommunizierbar“ werde.[5]
Politischer Begriff
In der bundesdeutschen politischen Debatte hatten Bündnis 90/Die Grünen den Begriff der Nachhaltigkeit bei der Bundestagswahl 1998 noch dominant besetzt, allerdings fand er auch schon Erwähnung bei allen anderen im Bundestag vertretenen Parteien. Zur Bundestagswahl 2002 benutzten dann mit Ausnahme der Grünen die anderen Parteien das Wort Nachhaltigkeit deutlich häufiger als noch vier Jahre zuvor.[1]
Literatur
- Bernd Klauer: Was ist Nachhaltigkeit und wie kann man eine nachhaltige Entwicklung erreichen?, in: Zeitschrift für angewandte Umweltforschung, Jg. 12 (1999), Heft 1.
- Konrad Ott: Läßt sich das Nachhaltigkeitskonzept auf Wissen anwenden?, in: K. Kornwachs (Hrsg.) Nachhaltigkeit des Wissens, Zukunftsdialoge im VDI: Unterwegs zur Wissengesellschaft, 4. Workshop, Konstanz, 6.-7. Oktober 1999, ISSN 1436-2929
Quellen
- . a b c d e f g Jörg Tremmel: Nachhaltigkeit als politische und analytische Kategorie. Der deutsche Diskurs um nachhaltige Entwicklung im Spiegel der Interessen der Akteure., München: Ökom-Verlag, 2003. ISBN 3-936581-14-2
- ↑ Deutscher Bundestag, 14. Wahlperiode: Schlussbericht der Enquete-Kommission Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten Drucksache 14/9200, 12. Juni 2002.
- . a b c Ulrich Grober: Modewort mit tiefen Wurzeln - Kleine Begriffsgeschichte von 'sustainability' und 'Nachhaltigkeit', in: Jahrbuch Ökologie 2003, München: Beck, 2002, S. 167-175 ISBN 3-406-47624-4
- ↑ Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium der Finanzen: Gutachten Nachhaltigkeit in der Finanzpolitik – Konzepte für eine langfristige Orientierung öffentlicher Haushalte (Heft 71), Berlin November 2001
- . a b Karin Wullenweber: Wortfang. Was die Sprache über Nachhaltigkeit verrät., in: Politische Ökologie 63/64, Januar 2000, S. 23f.
- ↑ Manfred Moldaschl: Polychrome Nachhaltigkeit. Eine potenitalorientierte Perspektive, in: Hauptsache Arbeit – Newsletter Deutscher Studienpreis, Hrsg. durch die Körber-Stiftung, Ausgabe 30, April 2005.
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