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Molekulargewichtsverteilung
Aus Kefk.
Die Molekulargewichtsverteilung ist die mathematische bzw. statistische Beschreibung der Einheitlichkeit von Polymerisaten, also von Gemischen gleichartiger Polymere.
Die Molekulargewichtsverteilung wird meist graphisch dargestellt und zeigt:
- x-Achse: alle im Polymerisat auftretenden Molekulargewichte (steigend)
- y-Achse: Anzahl der Moleküle pro Fraktion, also die Anzahl der Moleküle, die jeweils das gleiche zugeordnete
- Molekulargewicht haben
Diese Art der Darstellung liefert Informationen zur Qualität des Polymerisats. Oft findet man die Bezeichnungen:
- enge Molekulargewichtsverteilung
- geringe Anzahl von Fraktionen und hohe Anzahl der Moleküle pro Fraktion bzw. relativ wenige und geringe Abweichungen vom Mittelwert, d.h. hohe Einheitlichkeit (meist wünschenswert)
- breite Molekulargewichtsverteilung
- viele Fraktionen und kleine Anzahl der Moleküle pro Fraktion oder unregelmäßige Verteilung der Moleküle pro Fraktion bzw. relativ viele und hohe Abweichungen vom Mittelwert, d.h. hohe Uneinheitlichkeit (meist unerwünscht)
Bei Kenntnis der Monomere bzw. deren Molekulargewicht lässt sich die Molekulargewichtsverteilung mit Hilfe der Massenspektrometrie oder Viskosimetrie bzw. Rheologie ermitteln.
Inhaltsverzeichnis |
Grundbegriffe
- MMono: Molekulargewicht des Monomers
- Mi: Molekulargewicht der Polymere der jeweiligen Fraktion i
- mi: Gesamtmasse der jeweiligen Fraktion i
- Ni: Anzahl der Makromoleküle in der Fraktion i
- f: Gesamtanzahl aller Fraktionen
Mittleres Molekulargewicht
Zahlenmittel
Gewichtsmittel
Viskositätmittel
α kann Werte zwischen 0 und 2 annehmen.
Mittlerer Polymerisationsgrad
Allgemein erhält man den mittleren Polymerisationsgrad durch Division des mittleren Molekulargewichtes durch das Molekulargewicht des Monomeren.
Bei nicht radikalischer Polymerisation muss beachtet werden, ob und welche Gruppen bei der Bindung eines Monomeren abgespalten werden, und dies muss in den Berechnungen berücksichtigt werden.
Ebenso gelten die folgenden Formeln nicht für Copolymerisationen.
Zahlenmittel
Gewichtsmittel
Viskositätsmittel
Molekulare Uneinheitlichkeit
Die molekulare Uneinheitlichkeit Q ist ein mathematisches Maß für die Uneinheitlichkeit eines Polymerisats, bzw. für die Breite der Molekulargewichtsverteilung.
Je kleiner dieser Wert ist, umso einheitlicher ist das Polymerisat, umso enger ist die Molekulargewichtsverteilung.
Einflussfaktoren
Die Molekulergewichtsverteilung und der Polymerisationsgrad unterliegen vielerlei Einflussfaktoren, die je nach Art der Polymerisation unterschiedliche Gewichtung haben:
- Art der Reaktanden
- Anwesenheit, Art und Menge eines Lösemittels
- Fremdstoffe bzw. Verschmutzungen
- Temperatur
- Diffusionskontrolle
- Reaktionsdauer bzw. Umsatz
- Regulatoren, Inhibitoren
- Spezialreagenzien (LFRP)
Je nach dem kann eine kinetische Kontrolle oder eine thermodynamische Kontrolle über die Molekulargewichtsverteilung eintreten.
Selten erhält man bei Polymerisationen die klassische Gauß-Verteilung.
Radikalische Polymerisation
Hier steigt die Molekulargewichtsverteilung ab Umsätzen von ca. 20% stark an, was mit einer Diffusionskontrolle zusammenhängt. Ohne zusätzliche Einflussnahme erhält man eine relativ breite Molekulargewichtsverteilung, die auch Schulz-Flory-Verteilung genannt wird. Durch Regulatoren, Verdünnung und Arbeit in niedrigen Umsatzbereichen kann das Ausmaß der Verbreitung der Molekulargewichtsverteilung eingeschränkt werden.
Lebende Polymerisation
Sowohl bei der ionischen, als auch bei der radikalischen lebenden Polymerisation sind die Reaktionsbedingungen so gewählt, dass das Kettenwachstum überall fast gleichzeitig beginnt und die Konzentration der Reaktanden nahezu konstant bleibt. Das hat eine sehr enge Molekulargewichtsverteilung zur Folge, die der Poisson-Verteilung entspricht.
Ringöffnende Polymerisation
Diese Gleichgewichtsreaktion unterliegt starker thermodynamischer Kontrolle, Polymerisationsgrad und Molekulargewichtsverteilung hängen von der Ringgröße und Ringspannung des Eduktes ab, sowie der sich bildenden Oligomere und Polymere. Die Reaktionstemperatur kann hier sehr großen Einfluss haben.
Polykondensation
Diese Art der Polymerisation ist ebenfalls eine Gleichgewichtsreaktion, die der thermodynamischen Kontrolle unterliegt. Entscheidend über Polymerisationsgrad und Molekulargewichtsverteilung ist erstens ein möglichst exakt abgestimmtes Verhältnis der Reaktanden und die konstante Entfernung des unerwünschten Reaktionsproduktes (Wasser, Alkohole etc.). Man erhält eine Schultz Fory Verteilung mit einer Uneinheitlichkeit von 1, was einer Polydispersität von 2 entspricht.
Literatur
- J.M.G. Cowie; Chemie und Physik der synthetischen Polymeren; Vieweg, 2 Ed., 1991.
- K. Matyjaszewski, T.P. Davis; Handbook of Radical Polymerization; Wiley, 2002.
