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Moderne (Architektur)

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Bild:Bauhaus.JPG
Das rekonstruierte Bauhaus Dessau

Moderne bezeichnet in der Architekturgeschichte eine nicht genau abgegrenzte Architekturepoche. Es handelt sich dabei um eine international verwendete Formensprache, die innerhalb der heute sogenannten Klassischen Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt und bis heute verwendet wird.

Vorläufer innerhalb der Architekturgeschichte waren der Jugendstil (um 1895-1906). Eine verwandte Richtung ist das Art Déco (ca. 1920-1940). Die Moderne schließt verschiedene Strömungen ein, die sich oft nicht eindeutig voneinander abgrenzen lassen: Expressionismus, Neue Sachlichkeit, Internationaler Stil, Neues Bauen, Funktionalismus und später auch den Brutalismus.

Inhaltsverzeichnis

Prinzipien

Allgemeine ästhetische und architektonische Grundsätze

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Rietveld-Schröder-Haus

Die technische, damals neue, Grundlage für die Architektur der Klassischen Moderne ist die Verwendung der Baumaterialien Spannbeton, Stahl und Glas.

Die ästhetischen Prinzipien der Klassischen Moderne sind als Reaktion auf die historisierenden Neo-Stile zu verstehen.

Das Programm der umfangreichen Architekturtheorie lässt sich (verkürzt) in drei pointierten Leitsätzen zusammenfassen: Form follows function (Louis Sullivan), Less is more (Ludwig Mies van der Rohe) und den schon 1908 von Adolf Loos hergestellten Zusammenhang zwischen Ornament und Verbrechen. Zum einen soll sich die Gestaltung also von der architektonischen Funktion ableiten. Dies äußert sich häufig in der Sichtbarkeit des Bauskeletts eines Gebäudes und der Versorgungsleitungen. Zum anderen ist die Ausgestaltung oft von asketischer Schlichtheit.

Organische Stilistik

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Die strenge Formgebung führt gelegentlich zu dem Missverständnis, die Klassische Moderne ließe sich auf strikte Orthogonalität reduzieren. Dies gilt zwar z. B. für die Architekten von de Stijl, andere entwickelten dagegen gerade eine Vorliebe für geschwungene Formen und nutzten dabei die damals neuen Möglichkeiten des Betonbaus. Der expressionistische Stil Erich Mendelsohns ist durchaus der Klassischen Moderne zuzurechnen und verzichtet weitgehend auf die Verwendung des rechten Winkels, wie auch Frank Lloyd Wright und später die Vertreter des Organischen Bauens (z. B. Hans Scharoun) oder der Brasilianer Oscar Niemeyer.

Die Rolle von Ornament und Dekoration

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Stilistik Mies van der Rohe's
Bild:Vienna Parlament 2005.jpg
Ornamente und Dekoration im Historismus

Die Moderne charakterisiert sich durch die Ablehnung gegen das Ornament, die von einem ihrer Ahnväter, Adolf Loos geprägt wurde. Ornament und Verbrechen (1908) lautet die Überschrift des Aufsatzes, in dem Adolf Loos sein Verständnis der modernen Architektur und ihrem Streben nach Ornamentlosigkeit formulierte. Ursprünglich als Gegenbewegung zu der vielfältigen Stilimitation des 19. Jahrhunderts mit seiner ornamentalen Überladung gedacht, wurde die Moderne über das Bauhaus in Weimar und später in Dessau zu einer eigenen Stilrichtung propagiert. In den USA fand die Moderne dann ab den Dreißiger- und Vierziger-Jahren des 20. Jahrhunderts Verbreitung und eroberte von dort aus nahezu die ganze Welt.

Ästhetische Gegensätze

Obwohl die Architektur der Klassischen Moderne auf bestimmten gemeinsamen Prinzipien basiert, ist sie doch kein klar definierter Stil im eigentlichen Sinne, sondern eher eine Epoche. Die Haltung zum Rechten Winkel bzw. zur geschwungenen Form bestimmt z.B. unterschiedliche ästhetische Positionen. Auch die Verwendung von vorwiegend Glas und Stahl oder aber von Beton kann zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen. So war das erklärte Ziel für Mies van der Rohe der Totale Raum: drinnen und draußen sollten ineinander übergehen. Dies erreichte er z.B. bei der Berliner Neuen Nationalgalerie durch den völligen Verzicht auf tragende Wände. Stattdessen ist der Raum ausschließlich von Glas begrenzt. Eine andere Tendenz, insbesondere im Brutalismus, setzt dagegen auf massiven Beton - wodurch natürlich eine völlig andere Wirkung erzielt wird.

Die Städtebaulichen Leitbilder waren 1933 in der Charta von Athen festgehalten worden und beinhalteten nicht nur die Ablehnung der dichten gründerzeitlichen Stadt, sondern einen radikalen Bruch mit allen städtebaulichen Traditionen. Wesentliche Elemente waren die Entflechtung der städtischen Funktionen, eine offene Bebauung und die autogerechte Stadt.

Kritik und Gegenpositionen

Die Architektur der Klassischen Moderne wird häufig als "seelenlos" kritisiert. Neben der abstrakten Formgebung einzelner Gebäude hat wohl die Stadtplanung maßgeblich zu diesem Ruf beigetragen.

Die Architektur der 50er und 60er Jahre scheiterte dabei auch an einem Dilemma der Bauaufgaben, die aus der starken Zerstörung der Städte im Zweiten Weltkrieg resultierten: Sie musste eine Lösung auf die Wohnungsnot bieten und in den Innenstädten im großen Stil Lücken in einer gewachsenen Umgebung wieder schließen. Beide Aufgaben konnte sie nur durch serielle Massenbauweise erfüllen. Das war durchaus im Sinne der auf Reproduzierbarkeit und universelle Formensprache setzenden Architektur. Andererseits wurde sie gerade durch die massenhafte Wiederholung als monoton und uniform wahrgenommen. Am Bau von Satellitenstädten oder Trabantenstädten waren dabei auch Protagonisten der Klassischen Moderne beteiligt, wie Walter Gropius mit der Gropiusstadt in Berlin oder Alvar Aalto in Neue Vahr, Bremen, und es ist nicht zu bestreiten, dass auch die Sozialistische Stadt mit ihrer Plattenbauweise in der Tradition der Klassischen Moderne steht.

Als Gegenentwurf entwickelte sich in den 80er Jahren die dekorative postmoderne Architektur und auch die historisierende Architektur der Gegenwart (z. B. das geplante Stadtschloss, die Alte Kommandantur oder das Hotel Adlon in Berlin) sind noch als direkte Antwort auf die Klassische Moderne und die Architektur in ihrer Tradition zu verstehen.

Strömungen innerhalb der Moderne

Neues Bauen | Bauhaus | De Stijl | Neue Sachlichkeit | Brutalismus | Internationaler Stil | Organisches Bauen | Funktionalismus | Konstruktivismus

Wichtige Architekten

Erich Mendelsohn (1887-1953) | Frank Lloyd Wright (1867-1959) | Le Corbusier, (1887-1965) | Gerrit Rietveld (1888-1964) | Walter Gropius (1883-1969) | Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) | Egon Eiermann (1904-1970) | Hans Scharoun (1893-1972) | Alvar Aalto (1898-1976) | Oscar Niemeyer (*1907)

Bedeutende Gebäude

Einsteinturm, Potsdam (Erich Mendelsohn, 1920-1921) | Rietveld-Schröder-Haus, Utrecht (Gerrit Rietveld, 1923/24) | Bauhaus Dessau (Walter Gropius, 1925-1926) | Glaspaleis, Heerlen (Frits Peutz, 1935) | Falling Water House, Bear Run, Pennsylvania (Frank Lloyd Wright, 1935) | Wohneinheit (Le Corbusier), (zuerst Marseille 1947) | UNO-Hauptquartier, New York (1949-1951) | Wallfahrtskirche Notre-Dame-du-Haut (Le Corbusier, 1950-1955) | Guggenheim Museum, New York (Frank Lloyd Wright, 1956) | Neue Nationalgalerie, Berlin (Ludwig Mies van der Rohe, 1965-1968) | Finlandia-Halle, Helsinki (Alvar Aalto, 1962–1971) | Sydney Opera House (Jørn Utzon, 1959-1973)

Städtebauliche Projekte

Weißenhofsiedlung Stuttgart (1927) | Internationale Bauausstellung im Hansaviertel Berlin (1957) | Planhauptstadt Brasília, Oscar Niemeyer (1956-1960)

Architekturtheoretiker der Klassischen Moderne

Adolf Loos: Ornament und Verbrechen (1908) | Le Corbusier: Urbanisme (1925; deutsch: Städtebau); Vers une architecture (1923; deutsch: Ausblick auf eine Architektur) | Adolf Behne: Der moderne Zweckbau (1926)

Weblinks

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