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Minentaucher

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Minentaucher sind speziell ausgebildete militärische Taucher der Marine.

Bild:US Navy explosive ordnance disposal (EOD) divers.jpg
Zwei Minentaucher üben das Entschärfen einer Ankertaumine

Ihre Einsatzgebiete sind u. A.:

  • Suche, Klassifizierung und Beseitigung oder Bergung von Unterwasserwaffen wie Minen oder Sprengkörpern im Wasser
  • Das Bedienen von Unterwasserdrohnen
  • Kampfmittelbeseitigung zu Wasser und an Land, insbesondere Beseitigung der vom Gegner an Schiffsrümpfen und Unterwasseranlagen angebrachten Sprengkörper
  • Rettungs- und Bergungseinsätze

Minentaucher sind hochqualifizierte Spezialisten, die teilweise an Bord von "schwimmenden Einheiten" stationiert werden, um bei Bedarf zeitnah eingesetzt werden zu können. Ein Teil der ausgebildeten Minentaucher steht als Spezialeinheit in der Minentaucherkompanie in Eckernförde bereit.

2001 ging aus der Waffentauchergruppe das Bataillon Spezialisierter Kräfte hervor. Durch die Transformation formierten sich 2003 die Spezialisierten Einsatzkräfte Marine (SEK M). Die SEK M gliedern sich weiterhin in eine Kampfschwimmerkompanie, eine Minentaucherkompanie, sowie zwei Marinekompanien für spezielle Einsätze (z.B. Entern von Schiffen), eine Ausbildungsinspektion und weitere Unterstützungselemente.

Bild:MiTa Wappen.JPG
Wappen der Minentaucherkompanie

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung

Die Ausbildung der Minentaucher findet in der Minentaucherkompanie (MiTaKp) in Eckernförde statt. Diese Einheit ist der "Flottille Minenstreitkräfte" unterstellt.

Eingangsvoraussetzungen:

Um sich für die Ausbildung der Waffentaucher zu qualifizieren, zu denen sowohl Minentaucher als auch Kampfschwimmer gehören, sind folgende Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Musterung mindestens T2 ohne Einschränkung für D700 Waffentaucher
  • Verpflichtung als Soldat auf Zeit für mindestens 4 Jahre oder als Berufssoldat
  • Absolvierung der Grundausbildung an einer Marineschule
  • Bestehen der TuKV (Taucher- und Kampfschwimmer Verwendungsfähigkeit) -Untersuchung am Schiffahrtsmedizinischen Institut in Kiel
  • Top-Kondition (körperliche Fitness), die in speziellen Tests vor und während der Ausbildung überprüft wird.
  • Willensstärke, die den Bewerber über die Grenzen von Reflexen und körperlichen Schmerzen hinaus belastbar macht.

Neben der weit über dem Niveau eines Sport- oder Berufstauchers liegenden Vermittlung von Kenntnissen in Tauchphysik und -medizin werden Kenntnisse über (jegliche Art von) Unterwasserwaffen, Taktik und Einsatzverfahren vermittelt. Den größten Teil der Ausbildung bilden praktische Übungen, Fitnesstraining und das damit verbundene " Aussieben " von über 70% der Lehrgangsteilnehmer in den ersten 6 Wochen der Minentauchervorausbildung.

Ablauf der Ausbildung:

(Ein Beispiel für die Ausbildung zum MiTa-Bootsmann/Offizier)

  • Einstieg: allgemeine militärische Grundausbildung an der Marinetechnikschule Parow
    Bild:Schwimmtaucher.jpg
    Schwimmtaucherabzeichen
  • ab 13. Woche: Schwimmtaucherlehrgang im Ausbildungszentrum der Marine in Neustadt in Holstein
  • ab 19. Woche: Minentauchervorausbildung in der Ausbildungsinspektion der Spezialisierten Einsatzkräfte der Marine (MiTaKp, Kampfschwimmerkompanie und Marinewaffenschule in Eckernförde)
  • ab 24. Woche: Minentauchereinsatzausbildung (wie vor)
  • ab 36. Woche: Sprenghelferlehrgang im Tauchereinsatz (wie vor)
  • ab 38. Woche: Kraftbootführerschein (wie vor)
  • ab 41. Woche: Schiffssicherungstruppführer
  • ab 42. Woche: Unteroffizierslehrgang 1 (MUS Plön)
  • ab 46. Woche: Verwendung als Minentauchermaat an Bord eines Minenjagdbootes oder in der MiTaKp
  • ab 25. Monat: Unteroffizierslehrgang 2 (MUS Plön)
  • ab 28. Monat: Schiffssicherungsgruppenführer
  • ab 29. Monat: Minentauchereinsatzleiterlehrgang in der Ausbildungsinspektion der Spezialisierten Einsatzkräfte der Marine (MiTaKp, Kampfschwimmerkompanie und Marinewaffenschule in Eckernförde)
  • ab 32. Monat: Sprengleiterlehrgang (wie vor)
  • ab 33. Monat: Feuerwerkerlehrgang und Lehrgang Kampfmittelbeseitigung Marine
  • ab 40. Monat: Sonderlehrgang (Kampfmittelbeseitigung EOD)
  • ab 42. Monat: Verwendung als Minentaucherbootsmann oder -offizier an Bord von Minenjagdbooten, in der MiTaKP oder in EOD/IEDD-Gruppen in den SEK M als Waffentaucher

Waffentaucher

werden in fast allen Ländern ausgebildet und eingesetzt, die eine Marine unterhalten. In den USA werden sie NAVY SEALS genannt (SEAL steht für Sea, Air, Land), in Großbritannien ist die Ausbildung in der Special Boat Service (SBS) eingebunden. In Frankreich ist die Einheit der Plongeur Démineur den deutschen Minentauchern vergleichbar. In allen Ländern unterliegen die Einsätze, Einsatzbedingungen und Einsatzvorschriften der Waffentaucher der Geheimhaltung.


Ausrüstung

Der Einsatz von Kampfschwimmern und Minentauchern unterscheidet sich in der Ausrüstung deutlich, bedingt durch unterschiedliche Aufgaben.

Kampfschwimmer

Während Kampfschwimmer küstennah unentdeckt und in geringer Tiefe operieren, werden Minentaucher auch auf offener See und zum Teil in großen Tiefen eingesetzt. Das bevorzugte Tauchgerät der Kampfschwimmer ist entsprechend ein Sauerstoff-Kreislaufgerät, ein sog. Rebreather, welches die ausgeatmete Luft aufbereitet und nur geringe Gasmengen an die Umgebung abgibt, so dass der Kampfschwimmer nicht durch aufsteigende Blasen entdeckt werden kann.

Minentaucher

Bei Minentauchern kommen entweder Pressluft oder Mischgasgeräte zum Einsatz. Bei "Sauerstoff-Kreislaufgeräten" ist die Tiefe auf 15 - 20 Meter beschränkt, bei "Pressluft-Tauchgeräten", die auch im Sportbereich eingesetzt werden, ist die Tiefe auf 40 - 60 Meter beschränkt, bei "Mischgasgeräten" mit Trimix wird der Sauerstoff-Anteil entsprechend der Tiefe reduziert, dadurch ist die mögliche Tiefe um ein vielfaches höher.

Seit 2002 wurden das Tauchgerät "FGT" durch ein geschlossenes, computergesteuertes, Mischgaskreislauftauchgerät, das "Stealth EOD-M" ersetzt.

Abgesehen von den mechanischen und elektronischen Spezialwerkzeugen werden von Minentauchern ansonsten Ausrüstungsteile verwendet, wie sie auch zur zivilen Tauchausrüstung gehören, im Einsatz wird aber nur nichtmagnetische Ausrüstung benutzt.

Tauchsicherheit

Die 12 Boote der Frankenthal-Klasse, das Minentaucherboot "Mühlhausen" (als Ersatz für die 1994 außer Dienst gestellt "Stier")und das Taucherschulboot LANGEOOG als Ersatz für die "Hansa" in Eckernförde verfügen über stationäre Druckkammern für bis zu 6 Personen, in denen Taucher nach Unfällen sofort versorgt werden können. An diese können mobile Druckkammern angeflanscht werden, die bei Bedarf (z.B. von SAR-Hubschraubern im Tiefflug) nach Kiel transportiert werden. Dort befindet sich die größte Druckkammer der Bundesmarine, in der bis zu 12 Personen gleichzeitig die druckspezifische Wirkung von Tauchgängen simulieren können oder bei Bedarf eine Behandlung eines eingeschleusten, verletzten Tauchers unter Druck vorgenommen werden kann. Aus diesem Grund und aufgrund der hervorragenden Ausbildung ist die Anzahl und die Folgen von schweren und tödlichen Tauchunfällen bei den Minentauchern in der Deutschen Marine im Verhältnis zu den vergleichbaren Einheiten in anderen Ländern auffallend gering.

Zusatzqualifikationen

Bild:TaucherhelmMiTaKp.JPG
Taucherhelm (Miniatur) mit Abzeichen der Minentaucherkompanie

Bestandteil der Ausbildung ist der Kraftbootführerschein sowie die Ausbildung zum "Sprenghelfer der Marine mit Taucheinsatz". Danach erfolgt im Rahmen der Schiffssicherungsausbildung die Schulung zum Truppführer.

In Einzelfällen wird den Angehörigen der MiTaKp darüber hinaus die Teilnahme an zahlreichen Speziallehrgängen ermöglicht. Viele längerdienende Minentaucher (acht oder mehr Jahre verpflichtet) sind z.B. auch als Kraftfahrer BCE, Helmtaucher (staatlich geprüfter Taucher), Fallschirmspringer und/oder Einzelkämpfer qualifiziert.

Die Ausbildung und Einsatzplanung zielte ursprünglich auf die Abwehr konventioneller und "nichtkoventioneller" Unterwasserwaffen im Ernstfall im Rahmen einer möglichen Konfrontation der Nato mit dem Ostblock ab. Seit 1985 wurden die Aufgaben und entsprechend die Ausbildungsinhalte modifiziert. Die Ausbildung zur "Beseitigung unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen (IEDD)" findet nach wie vor in einem "Sonderlehrgang zur Erfüllung spezieller Einsatzaufträge" statt.

Einsätze

von 1957 bis 1984 wurden Minentaucher ausschließlich in deutschen Hoheitsgewässern, hauptsächlich in der Ostsee und dort überwiegend zur Räumung von Seeminen aus dem Krieg eingesetzt. Außerdem waren sie bei der Suche und Bergung von havarierten Schiffen, U-Booten und abgestürzten Flugzeugen eingebunden. Die gefährlichste Aufgabe der Minentaucher bestand darin, Kampfmittel aufzuspüren und zu bergen, die nach dem Weltkrieg in der Ostsee versenkt wurden, teilweise chemische Kampfstoffe enthalten und deshalb bis heute die Schifffahrt und Fischerei gefährden.


Die Räumung von frisch gelegten Minen im Herbst 1985 im Suezkanal stellte den ersten exterritorialen Einsatz von Minentauchern dar. Bei diesem NATO-Einsatz in einer Internationalen Seestraße, bei der nicht das für offene See entwickelte Räumgerät (Troika) verwendet werden konnte, wurden deutsche Minentaucher eingesetzt. Danach erfolgten zahlreiche Einsätze weltweit auch in internationalen Gewäsern im Rahmen der NATO Response Force und der German Task Force (EAV).

Trivia

Bild:MiTa Patch.JPG
Minentaucher Kompanieabzeichen Schwertfisch
  • Motto der Minentaucher: nec aspera terrent (Widrigkeiten schrecken nicht = Fahnenspruch der Hannoverschen Armee 1617 - 1866)
  • Kennzeichen der Waffentaucher: Leinenstiefel
  • Wappen der Minentaucher: Schwertfisch vor Hörnermine
  • Logo der Minentaucher: ein Krake, der eine Hörnermine untersucht
Bild:MiTa Patch Krake.JPG
Minentaucher Kompanieabzeichen Krake
  • Anzahl der aktiven Minentaucher: ca. 40 in der MiTaKp, zusätzlich ca. 60 aktive an Bord von "schwimmenden Einheiten" und in den Häfen.
  • Anzahl der bisherigen Einsätze: durchschnittlich 9 Einsätze + ca 200 Übungseinsätze pro Jahr seit 1957
  • Dümmster Spruch eines Ausbilders: "Jede Waffe, von der Pistolenpatrone bis zur TNmine, kann mit einem Hammer ungefährlich gemacht werden. Wichtig sind dabei nur der Sicherheitsabstand und nicht der zu sein, der draufhaut."

Bei den Minentauchern wird nec aspera terrent übersetzt mit "Die die Tiefe nicht Fürchten"

Siehe auch:

Seemine
Kampfschwimmer
Kampfschwimmer (Bundeswehr)
Waffentaucher

Weblink

http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/2/0,1872,2386978,00.html
http://treff.bundeswehr.de/C1256FC400421173/CurrentBaseLink/W26DJJWB017DEVVDE
http://www.marine.de/01DB070000000001/CurrentBaseLink/W269FCUB139INFODE
http://www.minentaucher.net/
http://www.beepworld.de/members13/rotterdamgabber/
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