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Metropol-Theater (Berlin Nollendorfplatz)

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Das als Metropol bekannte ehemalige Theater ist neben dem Hochbahnhof der U-Bahn das markanteste Gebäude am Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg. Errichtet wurde es 1905/1906 durch die Architekten Boswau & Knauer als Neues Schauspielhaus mit Theatersaal und Konzertsaal. Erwin Piscator eröffnete darin 1927 die Piscator-Bühne. In der Nachkriegszeit beherbergte es lange ein Kino und die bekannte Diskothek Metropol, bevor es 2005 in den noblen Speise- und Tanzclub Goya umgewandelt wurde. Aufgrund Besuchermangels meldete der Club im März 2006 jedoch bereits Insolvenz an.

Inhaltsverzeichnis

Erbauung

Das Theater entstand in den Jahren 1905/06 zeitgleich mit dem Bahnbau am Nollendorfplatz. Zunächst trug der unter Federführung von Albert Fröhlich im Büro Boswau & Knauer im Jugendstil entworfene Theaterneubau den Namen „Neues Schauspielhaus“. Es entstanden ein Theater mit 1108 Plätzen und im gleichen Gebäude der vollständig mit Mahagoniholz verkleidete Mozartsaal, der als Konzertsaal gedacht war und in seiner pompösen Ausstattung den Kaiserlichen Hof und das reiche Bürgertum ansprechen sollte.

Den Mittelpunkt der Fassade, im klaren Stil der beginnenden Moderne, bildet ein abgerundeter Vorsprung über dem Hauptportal mit Rundbogenfenstern. Überlebensgroße Figuren bringen pathetische Elemente hinein. Wie das Theater das ganze Spektrum des Lebens zeigt, so drücken die tanzenden Figuren Gefühle zwischen Glück und Angst aus. Den unteren Abschnitt schmücken lächelnde und traurige Steinmasken. Zwei Turmanbauten, die über das Haus hinauswachsen, unterstützen die in den Himmel strebende Wirkung der vertikalen Pfosten, Pfeiler und Anbauten. Den Dachabschluß bildet ein zurückweichender Giebel. Einige barocke Elemente, wie abgesetzte Ecken, sind ebenfalls vorhanden.

Das in der Erbauzeit wegen seiner uneinheitlichen und pompösen Fassadendekoration bespöttelte Bauwerk steht seit 1997 unter Denkmalschutz.

Theaterbühne

Mit Shakespeares „Sturm“ eröffnet, widmete sich das Haus bald der leichten Muse. Nach dem Ersten Weltkrieg versuchte man es als „Neue Scala“ mit Operette. Uraufgeführt wurden unter anderem Werke von Eduard Künneke: „Die Vielgeliebte“ (1919), „Wenn die Liebe erwacht“ (1920)und „Der Vetter aus Dingsda“ (1921).

1927 zog Erwin Piscator mit seinem proletarischen Theater ein und nun hieß es „Theater am Nollendorfplatz“. Die Eröffnung geschah durch Vermittlung der Schauspielerin Tilla Durieux in Berlin mit der Uraufführung von Walter Mehrings (1896-1985) „Der Kaufmann von Berlin“. Als „Piscatorbühne“ erlangte das Haus mit zeitkritischen Inszenierungen und einer neuartigen Bühnentechnik (die erste automatische Drehbühne Europas) überregionale Bedeutung. John Heartfield entwarf Bühnenbilder, George Grosz Programmhefte und Berthold Brecht arbeitete einige Zeit in der Dramaturgie.

Bühnenzeichnungen von George Grosz für eine Piscator-Inszenierung des „Braven Soldaten Schwejk“ waren 1928/31 Auslöser eines Gotteslästerungsprozesses gegen Grosz und den Verleger Wieland Herzfelde. Darunter war das berühmte Bild „Christus mit der Gasmaske“. Die Angeklagten wurden freigesprochen.

Nutzung als Kino

Schon 1911 wurde der Mozartsaal umgebaut, um auch Filme zeigen zu können. Große Beliebtheit erlangt das Kino unter der Direktion von Hans Brodnitz (ab 1922). Das Publikum wurde durch dessen Ideenreichtum immer wieder überrascht, so waren die Platzanweiserinnen zum Beispiel immer in zum Filmthema passenden Kostümen gekleidet.

1925 gab es die Premiere des ersten Ufa-Tonfilms „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“, welcher aber wegen technischer Mängel ein Misserfolg war. 1926 übernahm die Ufa das Kino und verringte die Kapazität auf 996 Sitze. 1930 wurde es unter dem Architekt Georg Leschnitzer modernisiert.

Spektakulär war die Uraufführung des Films „Im Westen nichts Neues“ nach dem gleichnamigen Roman von Erich Maria Remarque. Dieser Film passte nicht in das Programm der Nationalsozialisten. So organisierte Gauleiter Joseph Goebbels tagelange Proteste gegen den Anti-Kriegsfilm. Während der Filmpremiere am 6. Dezember 1930 setzten SA-Leute weiße Mäuse aus und legten Stinkbomben, um das Publikum aus dem Haus zu ekeln. Der Film wurde nach 1933 – wie auch Remarques Romanvorlage – verboten.

1942 wurden die „Lichtspiele Mozartsaal“ umbenannt in „Nollendorf-Palast“. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Theater durch Luftangriffe schwer beschädigt. Die Fassade, Foyer und der Mozartsaal blieben jedoch weitestgehend erhalten.

Nachkriegsgeschichte

Nach dem Krieg dient der Mozartsaal unter dem Namen „Neue Scala“ als Allzweckraum, in dem außer Filmvorführungen auch weniger erfolgreiche Varieté- und Revuevorstellungen gegeben wurden. Ab 1951 war er wieder ausschließlich Filmtheater und erlangte seinen bis heute bekannten Namen: „Metropol“. In den 70er Jahren kam es zur Spezialisierung auf pornographische Filme.

1977 wurde der Spielbetrieb eingestellt und eine Discothek hielt für lange Zeit Einzug. In den späten 80er Jahren war es eine der bekanntesten Diskotheken Berlins – das Metropol. Nach dem Höhepunkt Anfang der 90er verblasste der Ruhm in den folgenden Jahren vollkommen.

2000 zog der der tabubrechende KitKatClub ins Metropol ein. Wegen unüberbrückbarer Differenzen zwischen Inhaber (Vermieter) und dem KitKatClub zog dieser Club noch im gleichen Jahr dort wieder aus und woanders hin.

2005 wurde das Metropol unter großem Medieninteresse in den noblen Speise- und Tanzklub Goya umgewandelt. Der Umbau kostete 11 Millionen Euro und wurde von Hans Kollhoff entworfen. Das Projekt wurde in Form einer Aktiengesellschaft finanziert, zahlreiche Prominente hatten sich beteiligt. Aufgrund Besuchermangels meldete der Club im März 2006 nach 5 Monaten Betrieb jedoch bereits Insolvenz an.

Treffpunkt der Jesus-People-Gemeinde

Ab Ende der 50er Jahre traf sich regelmäßig die Berliner Jesus-People-Gemeinde, eine interkonfessionelle freikirchliche Gemeinde, die später unter Pastor Volkhard Spitzer populär wurde.

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