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Methodologischer Individualismus
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Als methodologischen Individualismus bezeichnet man die wissenschaftstheoretische Position innerhalb der Sozialwissenschaften, dass zur Erklärung kollektiver Phänomene (Gesellschaft, Bürokratie etc.) immer vom einzelnen Menschen, vom Individuum aus argumentiert werden muss. Der Gegenbegriff ist der methodologische Kollektivismus (auch: methodologischer Holismus), der vom "Ganzen" ausgeht.
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Kernaussagen
Forscher, die sich dem methodologischen Individualismus verpflichtet fühlen, konzentrieren sich also auf die individuellen Handlungsmotive und Handlungsbeschränkungen. Meist wird in den empirisch-analytisch arbeitenden Wissenschaften dabei von einem Modell des rationalen, seine eigenen Interessen verfolgenden und seinen Nutzen maximierenden Menschen (homo oeconomicus) ausgegangen, gelegentlich auch in der modifizierten Variante des so genannten RREEMM.
Die Benennung als methodologischer Individualismus soll die strenge Abgrenzung vom philosophischen Individualismus (auch: ontologischer Individualismus) bezeichnen, welcher Aussagen über den realen Menschen macht. Im Gegensatz dazu geht es dem methodologischen Individualismus nicht um das "wahre Wesen des Menschen". Seine o.g. anthropologischen Annahmen (conditio humana) sind rein analytisch zu verstehen und werden nur insofern als sinnvoll betrachtet, als sie zur Erklärung sozialer Phänomene nützlich sind.
Varianten
Gelegentlich wird noch zwischen einer starken und einer schwachen Version des methodologischen Individualismus unterschieden. Während die starke behauptet, alle sozialen Phänomene sollten durch Individuen und ihre Interaktionen erklärt werden, misst die schwache Variante auch sozialen Institutionen (z.B. der Schule) und anderen gesellschaftlichen Strukturen eine wichtige Rolle in sozialwissenschaftlichen Erklärungen zu.
Kritik
Der methodologische Individualismus wird aus zwei Richtungen kritisiert: zum einen der des methodologischen Kollektivismus (auch: methodologischer Holismus, z.B. soziologische Systemtheorien), zum anderen der Richtung, die sowohl Individualismus als auch Holismus für einseitig hält und diese beiden Perspektiven zu verbinden versucht (z.B. Pierre Bourdieu, Norbert Elias, Ulrich Beck). Beide kritisieren Ähnliches, nämlich dass der methodologische Individualismus die Beziehungen zwischen Menschen systematisch unterschätze, aber ziehen unterschiedliche Schlußfolgerungen daraus.
Siehe auch
Literatur
- Joseph Heath: Methodological Individualism. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy. 2005. (Eprint)
- Lars Udehn: The Changing Face of Methodological Individualism. In: Annual Review of Sociology, Jg. 28 (2002), S. 479–507. (PDF)
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