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Metaethik

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Metaethik nennt sich eine seit Beginn des 20. Jahrhunderts im angloamerikanischen Sprachraum entwickelte Forschungsrichtung, die keine inhaltlichen Aussagen (Neutralitätsthese) über das sittlich Gute einzelner Handlungen machen, sondern solche Aussagen auf ihre sprachliche Form und ihren erkenntnistheoretischen Status hin untersuchen will.

Der Metaethik geht es um die sprachliche Bedeutung sittlicher Prädikate wie „gut“, „richtig“, „Sollen“, „Pflicht“, auch „Handlung“, „Gewissen“, „Absicht“; sie wird daher auch als sprachanalytische Ethik bezeichnet. Es gibt zwei Grundrichtungen, die sich teilweise überschneiden: Nonkognitivismus und Kognitivismus.

Inhaltsverzeichnis

Der Nonkognitivismus

Nach dem Nonkognitivismus ist der Bereich des Sittlichen keiner wissenschaftlichen (wahren und objektiv gültigen) Erkenntnis fähig. Denn sittliche Überzeugungen entziehen sich den beiden Wahrheitskriterien des logischen Positivismus, dem logisch-mathematischen Beweis und der Überprüfung durch Beobachtung oder Experiment. Die Frage nach der Übereinstimmung moralischer Aussagen mit der Wirklichkeit sei sinnlos, weswegen für sie auch kein Wahrheitsanspruch erhoben werden kann (siehe auch Humes Gesetz).

Innerhalb des Nonkognitivismus können wiederum die beiden Hauptspielarten, Emotivismus und Präskriptivismus, unterschieden werden:

Emotivismus

Im Emotivismus haben sittliche Urteile lediglich die Bedeutung, unsere eigenen rein subjektiven Gefühle (der frühe Alfred Jules Ayer) oder Einstellungen (Stevenson, der späte Ayer) zu bekräftigen und appellativ die anderen zu beeinflussen.

Der Emotivismus geht von der Erkenntnis aus, dass in der Sprache nicht nur Information vermittelt wird, sondern auch Gefühle ausgedrückt und hervorgerufen werden. Er wurde angeregt vom Positivismus des Wiener Kreises und von Ludwig Wittgenstein.

Nach dieser Auffassung kann „gut“ deshalb nicht definiert werden, weil es sich dabei nur um einen Scheinbegriff handelt. Der Satz „Du hast unrecht getan, dass du das Geld gestohlen hast," unterscheidet sich von dem Satz „Du hast das Geld gestohlen" nur durch die moralische Missbilligung, die ich in dieser Sprachhandlung zum Ausdruck bringe. Statt des Satzes „Geld stehlen ist unrecht“ könnte man ebensogut sagen: „Geld stehlen!“ oder diese Worte mit einem bestimmten tadelnden Ton aussprechen (Ayer).

Dabei ist zu beachten, dass nach der emotivistischen Theorie Werturteile keine Sätze sind, in denen (nicht mehr weiter analysierbare) Gefühle ausgesagt, das heißt deren Vorhandensein behauptet wird. Eine solche Aussage wäre ein Tatsachenurteil über einen vorliegenden psychologischen Tatbestand (das Empfinden bestimmter Gefühle) und kein eigentliches Werturteil. Ein Werturteil ist vielmehr der Ausdruck eines Gefühls; es kann deshalb weder wahr noch falsch sein.

Präskriptivismus

Diese weniger extreme Variante des Nonkognitivismus’ wird vor allem von Richard Mervyn Hare vertreten. Sie geht davon aus, dass ethische Werturteile sich ohne große Schwierigkeit in Imperative (Befehle, Handlungsanweisungen) umformulieren lassen. Sätze mit „gut“ enthalten also ein imperativisches Element, eine Empfehlung oder Handlungsanweisung. Sie unterscheiden sich von einfachen Imperativen vor allem durch ihre Allgemeinheit: Befehle sind immer an ein Individuum oder an eine individuelle Klasse von Menschen gerichtet; Werturteile erheben einen Anspruch auf allgemeine Geltung, weil in ihnen auf einen Wertmaßstab oder ein Handlungsprinzip Bezug genommen wird, das der Sprecher vertritt und dem er allgemeine Geltung zuschreibt.

Ein Werturteil spricht also nicht nur eine Billigung aus, sondern eine Empfehlung, eine Handlungsanweisung, in der auf ein allgemeines Prinzip Bezug genommen wird, das der Sprecher bejaht. Er verpflichtet sich damit, jede andere Handlung, die dieser Handlung in den wesentlichen Eigenschaften ähnlich ist, ebenfalls als gut zu bezeichnen.

„Gut“, wie es in moralischen Zusammenhängen gebraucht wird, hat hier also eine beschreibende und eine wertende Bedeutung, wobei die letztere die primäre ist. Der Zweck des Wortes „gut“ und anderer Wertwörter ist, zum Lehren von Maßstäben gebraucht zu werden. Wer weiß, nach welchen Maßstäben der Sprecher urteilt, kennt zugleich die beschreibende Bedeutung von „gut".

Der Kognitivismus

Der Kognitivismus hält an der prinzipiellen Erkennbarkeit des Sittlichen fest. Sätze der Moralsprache enthalten aus seiner Sicht Aussagen, für die ein Wahrheitsanspruch erhoben wird. In der Frage, wie dieser Wahrheitsanspruch eingelöst werden kann, unterscheiden sich die beiden Hauptvarianten, Naturalismus und Intuitionismus.

Naturalismus

Nach dem Naturalismus (Lewis, Perry) erweisen sich sittliche Prädikate bei näherer Analyse als gleichbedeutend mit gewissen empirischen Prädikaten, etwa „gut“ mit „nützlich“ (Utilitarismus) oder „lustvoll“ (Hedonismus). Sittliche Urteile lassen sich dann aus wahren Sätzen über den Menschen und die Welt ableiten; die Suche nach der richtigen Moral wird zur Angelegenheit der empirischen Wissenschaften.

Intuitionismus

Als Alternative zum Naturalismus versteht sich der Intuitionismus (George Edward Moore, Ross, Prichard, Ewing). Er hält die grundlegenden sittlichen Urteile für in sich evident, das heißt einer bloß intuitiven Erkenntnis zugänglich, was die schwierige Aufgabe stellt, Entscheidungskriterien für die Richtigkeit von Intuitionen zu benennen.

Diese Schule wendet sich vor allem gegen die Auffassung, die das Gute mit irgendwelchen natürlichen Eigenschaften identifiziert. „Gut" ist nicht durch rein empirische Merkmale definierbar. Den „naturalistischen Fehlschluss“ begeht nach Moore, wer moralische Eigenschaften mit Hilfe natürlicher Eigenschaften zu definieren versucht (etwa: „gut bedeutet lustvoll“ oder: „gut bedeutet begehrt“).

Moore behauptet allerdings darüber hinaus noch, dass die Bedeutung von „gut“ völlig undefinierbar sei, weil „gut“ ein einfacher Begriff ist wie etwa „gelb“. „Wie man unmöglich jemandem, der es nicht schon kennt, erklären kann, was gelb ist, kann man ihm auch nicht erklären was gut ist“. Realdefinitionen, welche das wahre Wesen des durch ein Wort bezeichneten Gegenstandes oder Begriffs beschreiben und nicht bloß angeben, was das Wort gewöhnlich bedeutet, seien nur möglich, wenn der fragliche Gegenstand oder Begriff komplex ist. Universale Aussagen mit dem Prädikat „gut“ sind immer synthetische Sätze, niemals Definitionen.

Literatur

Wichtige Primärwerke

Sekundärliteratur

Weblinks

Wikipedia
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