Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Baukasten zu einer Theorie der Medien

Aus Kefk.

(Weitergeleitet von Medienbaukasten)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Baukasten zu einer Theorie der Medien, auch Medienbaukasten, ist eine generelle bzw. generalisierende Medientheorie aus dem Jahr 1970 von Hans Magnus Enzensberger, die in der Tradition der emanzipatorischen Medientheorien von Brechts Radiotheorie steht und der kritischen Theorie zugeordnet werden kann.

In dem Text setzt sich Enzensberger mit dem Fernsehen und den Medien auseinander. Er bezeichnet die elektronischen Medien als Hauptantrieb der „Bewusstseins-Industrie“ und schreibt ihr weitgehende Steuerungs- und Kontrollfunktionen über die spätindustrielle Gesellschaft und deren Entwicklung zu. Enzensbergers Ziel ist eine sozialistische Theorie der Medien. Sorgen bereitete ihm der ängstliche Umgang der Sozialisten mit den Medien. Er forderte von ihnen einen emanzipatorischen Umgang mit den Medien, der ihnen inne ist. Probleme sah er im bis heute „repressiven Mediengebrauch“, wie er ihn nennt: ein zentral gesteuertes Programm mit einem Sender und vielen Empfängern, der die Konsumenten passivisiert und entpolitisiert. Spezialisten produzieren den Inhalt und werden durch Eigentümer oder Bürokratie kontrolliert. Enzensberger sieht aber weit größere Möglichkeiten der elektronischen Medien und pocht auf sie. Ein „emanzipatorischer Mediengebrauch“ würde jeden Empfänger auch zum Sender machen. Technische Barrieren seien künstlich geschaffen. Durch die Aufhebung dieser Barrieren würden die Massen mobilisiert und politisch eingebunden. Die gesellschaftliche Kontrolle würde nicht von einer Instanz wahrgenommen, sondern durch eine selbstorganisierte Gesellschaft.

Kernaussagen

Enzensberger knüpft in den frühen 1970er Jahren an Brechts Aussagen aus den 1920er/30er Jahren an. Unter Rückbezug auf Horkheimer und Adornos Dialektik der Aufklärung (1947) formuliert er in seinem Medienbaukasten im kämpferischen 68er-Ton:

„Mit der Entwicklung der elektronischen Medien ist die Bewusstseins-Industrie zum Schrittmacher der sozio-ökonomischen Entwicklung spätindustrieller Gesellschaften geworden“

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Baukasten_zu_einer_Theorie_der_Medien, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.


Ähnlich wie Brecht, allerdings erheblich schärfer, weist er der aktuellen Erscheinungsform der Medien eine repressive Funktion zu:

„In der heutigen Gestalt dienen Apparate wie das Fernsehen oder der Film nämlich nicht der Kommunikation, sondern ihrer Verhinderung. Sie lassen keine Wechselwirkung zwischen Sender und Empfänger zu: technisch gesprochen, reduzieren sie den feedback auf das systemtheoretisch mögliche Minimum.“

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Baukasten_zu_einer_Theorie_der_Medien, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.


Er meint allerdings, dass den Medien ein erhebliches progressives Potenzial zukomme:

„Das offenbare Geheimnis der elektronischen Medien, das entscheidende politische Moment, das bis heute unterdrückt oder verstümmelt auf seine Stunde wartet, ist ihre mobilisierende Kraft.“

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Baukasten_zu_einer_Theorie_der_Medien, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.


In einem – eigentlich verblüffend hellsichtigen – Vorgriff auf die Technologien der späten 1980er Jahre erkennt Enzensberger:

„Hinweise zur Überwindung dieses Zustandes könnten netzartige Kommunikationsmodelle liefern, die auf dem Prinzip der Wechselwirkung aufgebaut sind: eine Massenzeitung, die von ihren Lesern geschrieben und verteilt wird, ein Videonetz politisch arbeitender Gruppen usw.“

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Baukasten_zu_einer_Theorie_der_Medien, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.


Enzensberger sieht also, ebenso wie Brecht, ein erhebliches emanzipatorisches Potential in den neuen Medientechnologien, das jedoch noch aktiviert werden muss.

Mediengebrauch nach Enzensberger

Repressiver Mediengebrauch Emanzipatorischer Mediengebrauch
Zentralgesteuertes Programm Dezentralisiertes Programm
Ein Sender, viele Empfänger Jeder Empfänger ein potenzieller Sender
Immobilisierung isolierter Individuen Mobilisierung der Massen
Passive Konsumentenhaltung Interaktion der Teilnehmer
Entpolitisierungsprozess Politischer Lernprozess
Produktion durch Spezialisten Kollektive Produktion
Kontrolle durch Eigentümer oder Bürokraten Gesellschaftliche Kontrolle durch Selbstorganisation

Literatur

Persönliche Werkzeuge