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Moses Maimonides
Aus Kefk.
Moses Maimonides (* 1138 in Córdoba; † 13. Dezember 1204 in Kairo) war ein jüdischer Philosoph, Arzt und Rechtsgelehrter. Er gilt als bedeutendster jüdischer Gelehrter des Mittelalters. Sein in viele Sprachen übersetztes religionsphilosophisches Hauptwerk Führer der Unschlüssigen, das zur Auflösung des Widerspruchs zwischen Gottes in der Tora offenbartem Wort und philosophischer wie naturwissenschaftlicher Erkenntnis unter anderem eine allegorische Lesart bestimmter Schrifttexte vorschlägt, wurde seiner Radikalität wegen heftig diskutiert und beeinflusste maßgeblich religionsphilosophische Debatten in Judentum und Christentum. Auch wo diese Konzeption bestritten blieb, fundierte seine Systematisierung des jüdischen Rechts in dem umfänglichen Werk Mischneh Torah seine wirkungsgeschichtliche Autorität.
Maimonides ist eine latinisierte Namensform. Ursprünglichere Schreibweisen sind: Mosche ben Maimon; genannt RaMbaM; Hebräisch הרמב"ם, Akronym für Rabbi Mosche ben Maimon, רבי משה בן מיימון ; arabischer Name Abu 'Imran Musa ibn 'Ubaidallah Maimun al-Kurdubi / أبو عمران موسى بن عبيد الله ميمون القرطبي
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/ Abū ʿImrān Mūsā b.ʿUbaidallāh Maimūn al-Qurṭubī
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, oder einfach Musa bin Maimun, das arabische Äquivalent seines hebräischen Namens.
Inhaltsverzeichnis |
Leben und Werk
Maimonides entstammte einer der angesehensten Familien Córdobas, deren Haus zu den Zentren des dortigen intellektuellen Lebens gehörte. Unterweisung in die jüdische Lehre erhielt er durch seinen Vater, einen Rabbiner. Zudem unterrichteten ihn arabische Lehrer in griechisch-arabischer Philosophie und Naturwissenschaften.
Nach der Invasion der Almohaden im Jahre 1148, einer intoleranten islamischen Sekte, die jüdische Gemeinden verfolgte, wurde seine Familie vor die Wahl gestellt, zum Islam überzutreten oder auszuwandern und entschied sich für letzteres: Sie floh, verbrachte mehrere Jahre unstet und ließ sich vermutlich 1159 zuerst im marokkanischen Fès nieder. Maimonides vermochte sich trotzdem während dieser Zeit weiterzubilden und verfasste 1158 bzw. 1159 eine Einführung in die Grundlagen der Kalenderberechnung und 1159 eine Einführung in die aristotelische Logik.
Maimonides' Vater und 1160 auch Maimonides selbst intervenierten im Streit um die Beurteilung von Juden, die sich zum Schein zum Islam bekannten, wobei sich beide gegen deren rigorose Verurteilung richteten.
1165 zog die Familie weiter nach Jerusalem, dann nach Alexandria und schließlich nach Fustat, dem heutigen Kairo, wo Maimonides bis zu seinem Tod lebte.
Die ersten Jahre in Ägypten konnte er ohne Verpflichtungen als Gelehrter verbringen, da sein Bruder David als Juwelenhändler zwischen Indien und den Mittelmeerländern für den Familienunterhalt sorgte. Nachdem sein Bruder bei einem Schiffsunglück den Tod gefunden hatte und dabei nicht nur das gesamte Vermögen der Familie, sondern auch anvertrautes Kapital anderer Händler verloren gegangen war, musste Maimonides, auch um die Schulden zu begleichen, eine Erwerbsarbeit aufnehmen. Um nicht finanziell von einer „Lizenz der rabbinischen Autorität“ abhängig sein zu müssen, wählte er den Beruf des Arztes, in dem er sich einen so großen Ruf erwarb, dass er 1185 Leibarzt des Sekretärs von Sultan Saladin, al-Fadil, wurde, der praktisch ägyptischer Regierungschef war, dann auch Leibarzt des Sultans selbst. Zur gleichen Zeit wurde er Vorsteher (Nagid) der jüdischen Gemeinde von Kairo. Damals schrieb er an seinen provenzalischen Übersetzer Schmuel ibn Tibbon:
- „Meine Pflichten beim Sultan sind wirklich ermüdend. Ich muss ihn jeden Tag besuchen, angefangen am frühen Morgen, und wenn er sich unwohl fühlt oder eines seiner Kinder oder ein Mitglied seines Harems krank ist, muss ich für die meiste Zeit des Tages im Palast bleiben. Deshalb gehe ich sehr früh aus und kehre nicht vor dem Nachmittag nach Hause zurück. Dann sterbe ich fast vor Hunger, finde aber ein volles Vorzimmer vor, gefüllt mit Juden wie Nichtjuden, Edelmännern und Bürgerlichen, Freunde und Feinde, eine bunt gemischte Menschheit, die auf meine Rückkehr wartet. Ich steige ab von meinem Reittier, wasche mir die Hände und widme mich meinen Patienten und bitte sie, ein leichtes Mahl mit mir zu teilen, das einzige, das ich innerhalb von 24 Stunden verzehre. Dann untersuche ich sie, schreibe Rezepte und gebe ihnen Anweisungen für die verschiedenen Krankheiten. Die Patienten kommen und gehen bis zum Sonnenuntergang, manchmal gar bis zur späten Nacht. Wenn es Abend wird, bin ich so müde, dass es mir kaum noch gelingt, zu sprechen.“
Texte zum jüdischen Glauben und Recht
Trotz dieser Belastungen schrieb und redigierte er in diesen Jahren seine wichtigsten, lange vieldiskutierten Werke:
In Sanhedrin Mischna, auf Arabisch geschrieben und später ins Hebräische übersetzt, kommentierte er die Mischna; seine in der Einleitung zusammengefassten 13 Glaubensartikel wurden in gekürzter Form später ins jüdische Gebetbuch aufgenommen.
1180 erschien Mischneh Torah (‚Wiederholung des Gesetzes‘), eine Überarbeitung der rabbinischen Rechtsauslegung, die Mischna und Tora streng logisch organisierte. Das Werk wurde u.a. von Rabbi Abraham ben David von Posquière heftig kritisiert, was, auch im Zusammenhang der Kontroversen um seine religionsphilosophische Position, zum so genannten Maimonidesstreit führte. Dennoch gilt Maimonides als die Autorität schlechthin auf dem Gebiet der Halacha, der religionsgesetzlichen Literatur.
Führer der Unschlüssigen
An seinem Hauptwerk Dalalat al-Ha'irin (‚Führer der Unschlüssigen‘) arbeitete Maimonides von 1176 bis 1190 oder 1200 (die Datierung ist umstritten).
Das Werk ist ebenfalls auf Judäo-Arabisch verfasst und wurde bald ins Hebräische (More nevuchim, ‚Lehrer der Beschämten (oder: Unschlüssigen, Verwirrten)‘) und wenig später ins Lateinische übersetzt, zuerst in zwei kurzen Auszügen, dem Liber de parabola und dem Liber de Uno Deo Benedicto, dann - vermutlich um 1242/44, gleichzeitig, als in Paris Taldmudausgaben verbrannt wurden - vollständig, und zwar möglicherweise von Nicholas Donin and Thibaud de Sézanne (so G. K. Hasselhoff), basierend auf der zweiten hebräischen Übersetzung Al-Charizis, unter dem Titel Dux neutrorum. Diese Übersetzung ließ 1520 der Humanist Joducus Badius Ascensius drucken. Sie wurde 1964 und 2005 bei Minerva in Faksimile neu aufgelegt. 1620 fertigte Johannes Buxtorf eine zweite vollständige lateinische Übersetzung an.
Bezugsproblem des Werks ist die (scheinbare) Unvereinbarkeit zweier Systeme: einerseits dem des Glaubens mit seiner geoffenbarten Wahrheit und andererseits dem von aristotelischer Logik und Metaphysik. Auf diesem (scheinbaren) Widerspruch beruht die titelgebende Unschlüssigkeit des gläubigen Philosophen. Maimonides selbst versucht die jüdische Religion mit der aristotelischen, z.T. auch der neuplatonischen Philosophie zu verbinden. Dazu schlägt er unter anderem eine Vielfältigkeit der Bedeutungen verschiedener Torastellen vor, insbesonders solche, wo bildhaft und anthropomorph formuliert wird und Kategorien physischer Körper Gott beigelegt werden. Der Philosoph und Wissenschaftler solle im Falle eines (scheinbaren) Widerspruchs allegorisch deuten und so auf eine tiefere Wahrheitsebene stoßen, die mit den Prinzipien von Logik und Wissenschaft übereinstimme. Der einfache Gläubige hingegen möge den Literalsinn - so scheint Maimonides zu sagen - als unmittelbare Wahrheit nehmen. Die genaue Rekonstruktion dieser Theorie ist bis heute umstritten. (S. zu ähnlichen Traditionen allegorischer Bibellektüre PaRDeS.) Ihren erkenntnis-, sprachtheoretischen und metaphysischen Rahmen bildet eine besonders radikale Form der negativen Theologie.
Der Führer der Unschlüssigen fand im 13. Jahrhundert auch Verbreitung in Europa und wurde, trotz anfänglicher Verbotsversuche, zu einer der zentralen Schriften in religiösen und philosophischen Debatten. Insbesondere Thomas von Aquin setzte sich kritisch mit ihr auseinander und entwickelte seine Analogielehre teils als Antwort auf die negative Theologie des Dux neutrorum. Wohlwollender ist die Rezeption zuvor bei Albertus Magnus, später dann bei Meister Eckhart und Nikolaus von Kues. Auch Spinoza setzt sich meist kritisch mit ihr auseinander. Im 18. Jahrhundert griffen Moses Mendelssohn und besonders enthusiastisch Salomon Maimon auf Maimonides' Werk zurück, um ein modernes Judentum im Geist der Aufklärung zu begründen. Unter den zahlreichen durch Maimonides beeinflußten Denkern des 19. und 20. Jahrhunderts sind beispielsweise Hermann Cohen mit seiner neokantianisch-ethisch imprägnierten Lesart oder Leo Strauss zu erwähnen, dessen Maimonides-Interpretation einen versteckten radikaleren Textsinn postulierte und heute meist kritisch gesehen wird.
Medizinische Schriften
Daneben verfasste Maimonides zehn medizinische Abhandlungen in arabischer Sprache:
- Sharh fusul Abuqrat, ein Kommentar zu den Aphorismen des Hippokrates.
- Muchtasarat li-kutub Galinus, eine Sammlung von Auszügen aus den Schriften Galens.
- Kitab fusul Musa, eine Zusammenstellung von circa 1.500 Aphorismen, die sich stark auf die Schriften des griechischen Arztes Claudius Galenus bezieht, aber auch eigene Gedanken überliefert.
- Fi tadbir as-sihha, ein Regimen sanitatis, das Maimonides im Auftrage des ägyptischen Sultans al-Afdal erstellte.
- Maqala fi bayan al-a‘rad wa-l- jawab ‘anha, ein weiteres Schreiben an den Sultan al-Afdal, in dem sich Maimonides den Beschwerden seines Herren widmet und Möglichkeiten der Heilung aufzeigt.
- Maqala fi r-rabw, ein Traktat über Asthma.
- Maqala fi l-bawasir, ein Traktat über Hämorrhoiden.
- Kitab fi l-jima‘, ein Traktat über den Geschlechtsverkehr, an einen unbekannten Adressaten gerichtet.
- Kitab as-sumum, eine Abhandlung über Gifte und ihre Gegenmittel.
- Sharh asma’ al-‘uqqar, eine Synonymen-Liste, in der die Namen von circa 2.000 Heilmitteln nach ihren arabischen, griechischen, persischen, spanischen und berberischen Bezeichnungen geordnet sind, ohne dass eine genauere Beschreibung erfolgt.
Er ist entsprechend seinem Wunsch in Tiberias bestattet worden, das Grab ist heute noch zu besichtigen.
Literatur
Primärtexte
Führer der Unschlüssigen
- Munk, Salomon (Hrsg.): Le Guide des égarés : traité de théologie et de philosophie par Moïse ben Maimoun dit Maïmonide. Publ. pour la première fois dans l'original arabe et accompagné d'une traduction française et des notes critiques littéraires et explicatives par S. Munk. - Réimpression photomechanique de l'édition 1856 - 1866. Osnabrück : Zeller (Kritische Ausgabe des judäoarabischen Textes nebst französischer Übersetzung und Kommentar)
- Husain Ata´i (Hrsg.): Dalalat al-ha´irin. Ankara : Üniv., 1974 (arabische Transkription)
- Agostino Giustiniani / Augustinus Justinianus (Hrsg.): Rabbi Mossei Aegyptii Dux seu Director dubitantum aut perplexorum, Paris 1520; ND von Kurt Flasch, Frankfurt: Minerva Journals 1964, ISBN 978-3-86598-129-5 (Textbasis: hebr. Übers. des Yehuda Alharizi; erste vollständige latein. Übers.; im Umkreis des Erasmus ediert)
- Pînes, Selomo (Hrsg.): The guide of the perplexed. Transl. with an introd. and notes by Shlomo Pines. With an introd. essay by Leo Strauss. Chicago : Univ. of Chicago Pr. 1963 (die allgemein gebräuchliche Übersetzung)
- Y. Kafih (Hrsg.): Moreh Nevukhim. Jerusalem: Mosad ha-Rav Kook, 1972. (hebräische Übersetzung)
- M. Schwarz (Hrsg.): Moreh Nevukhim. Tel Aviv: Tel Aviv University Press, 2002 (gebräuchliche hebräische Neuausgabe)
Weitere Texte
- S. Frankel (Hrsg.) Mishneh Torah, 12 vols. Jerusalem: Jerusalem: Hotzaat Shabse Frankel 2000.
- A. Hershman (Hrsg.) The Code of Maimonides, Book Fourteen: The Book of Judges. New Haven: Yale University Press 1949.
- M. Hyamson (Hrsg.) Maimonides: The Book of Knowledge. Jerusalem: Feldheim 1974.
- I. Twersky (Hrsg.) A Maimonides Reader. West Organge, N.J.: Behrman House 1972.
- R. Weis / C. Butterworth (Hrsg.): The Ethical Writings of Maimonides. New York: Butterworth 1975.
- A. Halkin / D. Hartman (Hrsg.): Crisis and Leadership: Epistles of Maimonides. Philadelphia: Jewish Publication Society 1985.
Übersetzungen ins Deutsche
- Führer der Unschlüssigen. Übers. (und Kommentar) v. A. Weiß, 3. Aufl. Meiner, Hamburg 1995. ISBN 978-3-7873-1144-6
- Acht Kapitel. Arab.-dt., übers. v. Maurice Wolff, 2. Aufl. Meiner, Hamburg 1992. ISBN 978-3-7873-1081-4
- Der Brief in den Jemen. Texte zum Messias. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Sylvia Powels-Niami unter Mitwirkung von Helen Thein. Mit einem Vorwort von Friedrich Niewöhner, Berlin 2002
Sekundärliteratur
- Maurice-Ruben Hayoun: Maimonides. Arzt und Philosoph im Mittelalter ; eine Biographie, Beck, 1999, ISBN 3-406-45269-8
- Marvin Fox: Interpreting Maimonides, University of Chicago Press ,1990
- Leo Strauss: Persecution and the Art of Writing, University of Chicago Press, 1980
- Leo Strauss: "How to Begin to Study the Guide of the Perplexed", in: The Guide of the Perplexed, Vol. 1, Maimonides, translated from the Arabic by Shlomo Pines, University of Chicago Press, 1974
- Ralph Lerner: Maimonides' Empire of Light, University of Chicago Press, 2000
- Friedrich Niewöhner: Maimonides. Aufklärung und Toleranz im Mittelalter. Heidelberg 1988.
- Oliver Leaman: Moses Maimonides. London 1990.
- Jakob S. Levinger / Hanna Kasher: Maimonides. in: F. Niewöhner, Klassiker der Religionsphilosophie. Von Platon bis Kierkegaard, München 1995, 163-189.
- Kurt Flasch: "VII. Eckhart und Rabbi Moyses", in: Ders., Meister Eckhart. Die Geburt der `Deutschen Mystik´ aus dem Geist der arabischen Philosophie, München 2006, 139-149, ISBN 978-3-406-54182-7
Weblinks
- Digitalisierte Handschriften und Drucke
- Eintrag (mit Literaturangaben) im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (BBKL)
- Eintrag (englisch) in der Stanford Encyclopedia of Philosophy (inkl. Literaturangaben)
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Maimonides, Moses |
| ALTERNATIVNAMEN | Mosche ben Maimon, RaMbaM, Hebräisch הרמב"ם, Abkürzung für Rabbi Mosche ben Maimon: רבי משה בן מיימון, arabischer Name: Abu Imran Musa ibn Maimun ubn Ubad Allah |
| KURZBESCHREIBUNG | jüdischer Philosoph, Arzt, Autor und Rechtsgelehrter |
| GEBURTSDATUM | 1138 |
| GEBURTSORT | Córdoba |
| STERBEDATUM | 13. Dezember 1204 |
| STERBEORT | Fustat, heute Kairo |
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