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Luttingerflüssigkeit

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Eine Tomonaga-Luttingerflüssigkeit, häufig auch einfach als Luttingerflüssigkeit bezeichnet, ist ein theoretisches Modell zur Beschreibung von wechselwirkenden Elektronen (oder anderen Fermionen) in einem eindimensionalen elektrischen Leiter (z.B. Quantendrähte wie Kohlenstoffnanoröhren). Ein solches Modell ist nötig, da das gewöhnlich benutzte Fermiflüssigkeitsmodell in einer Dimension versagt.

Eigenschaften

Zu den wesentlichen Eigenschaften einer Luttingerflüssigkeit zählen die Folgenden:

  • Die Antwort der Ladungs- oder Teilchendichte auf eine äußere Störung sind Dichtewellen (Plasmonen) deren Geschwindigkeit durch die Stärke der Wechselwirkung und die mittlere Dichte bestimmt wird. Für nichtwechselwirkende Systeme ist diese Ausbreitungsgeschwindigkeit gleich der Fermigeschwindigkeit, während sie bei abstoßender (anziehender) Wechselwirkung zwischen Fermionen größer (kleiner) als diese ist.
  • Ebenso gibt es Spin-Dichte-Wellen deren Geschwindigkeit in erster Nährung der Fermigeschwindigkeit entspricht. Diese pflanzen sich unabhängig von den Ladungs-Dichte-Wellen fort. Man spricht daher von Spin-Ladungs-Trennung.
  • Ladungs- und Spinwellen sind elementare Anregungen der Luttingerflüssigkeit, im Gegensatz zu den Quasiteilchen der Fermi-Flüssigkeit die sowohl Spin als auch Ladung besitzen. Die mathematische Beschreibung geschieht am einfachsten mittels dieser Wellen. Man löst dann die eindimensionale Wellengleichung und ein Großteil der Arbeit besteht darin zurück zu transformieren um die Eigenschaften der Teilchen zu erhalten. Eine weitere Schwierigkeit besteht in der Behandlung von Störstellen und anderen Fällen in denen die Rückstreuung (engl. backscattering) eine wesentliche Rolle spielt.
  • Selbst am absoluten Nullpunkt ist die Impulsverteilung der Teilchen nicht abrupt im Gegensatz zur Fermiflüssigkeit wo deren Unstetigkeit die Fermioberfläche definiert.
  • Die impulsabhängige Spektralfunktion weist keinen Quasiteilchen-Peak auf (also keinen Scheitel dessen Breite oberhalb des Ferminiveaus viel kleiner wird als die Anregungsenergie). Stattdessen gibt es eine algebraische Singularität mit einem nicht-universellen Exponenten der von der Stärke der Wechselwirkung abhängt.
  • In der Nähe von Störstellen treten die üblichen Friedel-Oszillationen der Ladungsdichte mit einem Wellenvektor von 2kF auf. Für große Abstände x von der Störstelle verschwinden diese \sim 1/|x|^g wobei der Exponent g von der Wechselwirkung abhängt (g = 1 für eine Fermiflüssigkeit).
  • Bei niedrigen Temperaturen ist die Streuung an diesen Friedel Oszillationen so stark, dass die renormalisierte effektive Stärke der Störstelle unendlich wird und damit den Quantendraht abschnürt. Genauer gesagt, geht die Leitfähigkeit gegen Null mit abnehmender Temperatur und angelegter Spannung (und folgt einem Potenzgesetz mit Spannung und Temperatur, dessen Exponent von der Wechselwirkung abhängt)
  • Ebenso ist bei kleinen Spannungen und Temperaturen die Tunnelrate in die Luttingerflüssigkeit unterdrückt.

Man nimmt an, dass das Luttinger Modell das universelle Verhalten bei niedrigen Frequenzen/langen Wellenlängen eines jeden eindimensionalen Systems wechselwirkender Fermionen beschreibt (sofern dieses nicht einen Phasenübergang in einen anderen Zustand unternommen hat).

Anwendungen

Zu den physikalischen Systemen von denen man glaubt, dass sie sich mit dem Luttinger Modell beschreiben lassen zählen:

Der Nachweis der charakteristischen Eigenschaften einer Luttingerflüssigkeit in diesen Systemen sind ein aktuelles Forschungsgebiet der experimentellen Festkörperphysik.

Weblinks

Wikipedia
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