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Titus Lucretius Carus
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Titus Lucretius Carus, genannt Lukrez, (vermutlich * 98 v. Chr.; vermutlich † 55 v. Chr., die Lebensdaten sind nicht sicher) war ein römischer Dichter und Philosoph.
Inhaltsverzeichnis |
Philosophie
Lukrez war ein Vertreter der Atomistik. Er berief sich vor allem auf die Lehre von Epikur. Sein Lehrer war wahrscheinlich Philodemos.
Lukrez war überzeugt, dass die Seele sterblich sei (wofür er 28 (!) Beweise vorbrachte) und dass es den Göttern nicht möglich sei, sich in das Leben der Menschen einzumischen. Seine Philosophie sollte dem Menschen Gemütsruhe und Gelassenheit geben und ihm die Furcht vor dem Tode und den Göttern nehmen. Er nimmt, im Gegensatz zu Epikur, Anteil an den gesellschaftlichen Ereignissen seiner Zeit, verurteilt den sittlichen Verfall des Adels, klagt den Krieg und seine Schrecken an.
Auf Lukrez beriefen sich insbesondere die materialistischen Philosophen späterer Zeiten, so etwa im 17. Jahrhundert und im marxistischen Sozialismus.
Literaturgeschichtliche Bedeutung
Lukrez und Cicero waren Pioniere der „philosophischen Schriftstellerei“ in lateinischer Sprache. Sie mussten daher oft erst ein geeignetes Vokabular prägen und um Unabhängigkeit von der griechischen Sprache und Literatur ringen.
Die Wahl der Form des „Lehrgedichts“ (in Hexametern) unterscheidet Lukrez von Cicero. Auch für diese Gattung der lateinischen Literatur kommt Lukrez Pionierrang zu. Unter diesen Voraussetzungen ist verständlich, dass Lukrez' Verse nicht die Eleganz der späteren lateinischen Hexameter-Dichtung (insbesondere Vergil, Ovid) erreichen.
Als Epikureer hielt Lukrez sich von der Politik seiner Zeit fern. Es wird gern als „Wagnis seiner Dichtung“ bezeichnet, dass er Epikurs Lehre, zumal dessen Physik, in einem Gedicht zu verkünden suchte (s. o.) – obwohl Epikur selbst sagte, dass ein Epikureer nicht dichte bzw. nicht dichten solle, doch diese Aussage bezog sich möglicherweise eher auf den „Stoff“ des Mythos (fabulae) und nicht so sehr auf die „Form“ eines Gedichtes an sich. Da Lukrez nun eine Wahrheit, eine Lehre, eigentlich gar eine (epikureische) Heilslehre verkündet, durfte er dies trotz der Aussage seines Lehrers Epikur dichterisch tun. Frühere Versuche philosophischer Dichtung anderer Autoren scheiterten v. a. an ästhetisch-stilistischen Problemen (vgl. Cic. Ac. II,5,6 und Tusc. I,6; II,7 u. IV,6f.).
Lukrez wurde in der Mitte der 90er Jahre v. Chr. geboren, und angeblich soll er durch einen Liebestrank verrückt geworden sein (die Geschichte wurde u. a. vom Hl. Hieronymus verbreitet) und sich um 54 v. Chr. umgebracht haben. Insofern unterstreicht es die Leistung des Autors, sein Werk De rerum natura in den lichten Momenten seiner in erster Linie depressiven Krankheit verfasst zu haben; kein Geringerer als Cicero selbst – so berichtet es Hieronymus – emendierte das Werk und gab es nach Lukrezs Tod heraus.
Lukrez will Lehrer sein, und zwar als erklärter Jünger Epikurs (vgl. die Außenproömien [Einleitungen der Bücherpaare] mit ihren Hymnen auf Epikur); Ziel (vgl. dazu Arthur Schopenhauer) ist die Befreiung des Menschen von der Religion, und zwar durch Erkenntnis. Er will sich in einer chaotischen Zeit fernhalten von der Sinn- und Wertlosigkeit, nicht zuletzt durch den Hinweis auf die Natürlichkeit und Vergänglichkeit aller Dinge – auch der vermeintlich göttlichen.
Rezeption
Lukrez gilt mit Recht als der Urheber des lateinischen Lehrgedichts. Sein Einfluss ist freilich nicht nur auf die weitere römische Lehrdichtung (z. B. Vergils Georgica, Ovids Ars Amatoria, Manilius' Astronomica, das anonyme Aetna-Gedicht) beschränkt, sondern wirkt über Vergils Aeneis auf das gesamte lateinische Epos ab der augusteischen Zeit.
Da die von Lukrez propagierten Lehren der epikureischen Philosophie (Verneinung göttlicher Vorsehung und göttlichen Eingreifens ins Weltgeschehen, Endlichkeit der Welt, Sterblichkeit der Seele) mit der christlichen Religion unvereinbar sind, setzt in der Spätantike ab Arnobius eine scharfe Distanzierung von Lukrez ein. Gleichzeitig wird (z. B. von Laktanz) Lukrez als rationalistischer Zeuge für die Albernheit des heidnischen Götterkults herangezogen. Die Häufigkeit der Lukrez-Zitate bei den christlichen Schriftstellern zeigt außerdem, dass diese die literarische Qualität von De rerum natura sehr wohl anerkannten.
Der im letzten Absatz angedeutete Zwiespalt zwischen polemischer Ablehnung und Inanspruchnahme für eigene Zwecke spiegelt sich auch in der Erzählung des Hieronymus vom durch einen Liebestrank ausgelösten Wahnsinn und Selbstmord des Lukrez. Dass Lukrez unter Liebeskummer gelitten haben soll, ist aus dem Finale des vierten Buches herausgesponnen, wo Lukrez sich in sarkastischer Weise zum Thema Liebe (als Wahn) äußert. Hieronymus deutet ohne jede Grundlage im Text diese Stelle als autobiographisches Dokument.
Nachdem Lukrez im Mittelalter in nahezu völlige Vergessenheit geraten war, setzt nach dem Erscheinen der ersten gedruckten Lukrez-Ausgabe im Jahre 1473 in der Renaissance eine rege Rezeption ein, in der Dichter lukrezische Themen in lateinischen Lehrgedichten behandeln (z. B. Aonio Paleario (hingerichtet 1570) De Animorum Immortalitate (1536), Scipione Capece (1480–1551) De Principiis Rerum (1546), Daniel Heinsius De Contemptu Mortis (1621)). Hochkonjunktur hatte die Produktion von lateinischen Lehrgedichten mit lukrezischen Themen auch im 18. Jahrhundert. Kardinal Melchior de Polignac dichtete einen Anti-Lucretius sive De Deo et Natura („Anti-Lukrez oder Über Gott und die Natur“), den Goethe sehr schätzte, und Bernardo Zamagna schrieb ein Lehrgedicht mit dem Titel De Nave Aeria („Das Luftschiff“) über die Montgolfière.
Erst im 19. Jahrhundert erschien, angeregt von Goethe, die erste deutsche Lukrez-Übersetzung durch den Freiherrn von Knebel. Fasziniert von Lukrez war auch Albert Einstein, der zu der Lukrez-Übersetzung von Hermann Alexander Diels ein Vorwort beisteuerte.
Unter den einzelnen Passagen von De rerum natura dürfte das Ende des Werks am intensivsten rezipiert worden sein. Die dort gegebene Beschreibung der Pest in Athen zu Beginn des Peloponnesischen Krieges, die ihrerseits eng an die des Thukydides (2,47–53) angelehnt ist, wird ebenso von Vergil, Ovid, Manilius, Seneca und anderen antiken Autoren imitiert wie von Autoren der Neuzeit (z. B. im Lehrgedicht Siphylis des Girolamo Fracostoro oder in Albert Camus' La peste) rezipiert.
Werke
Weblinks
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- Literatur von und über Titus Lucretius Carus im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eintrag (englisch) in der Stanford Encyclopedia of Philosophy (inkl. Literaturangaben)
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lukrez |
| ALTERNATIVNAMEN | Lucretius Carus, Titus |
| KURZBESCHREIBUNG | römischer Dichter und Philosoph |
| GEBURTSDATUM | 99 v. Chr. (?) |
| STERBEDATUM | 55 v. Chr. (?) |
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