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Logischer Empirismus

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Der Logische Empirismus, auch Moderner Empirismus, Logischer Positivismus oder Neopositivismus genannt, ist eine Position der Wissenschaftstheorie. Zu seinen Begründern zählen insbesondere Rudolf Carnap, Hans Reichenbach, Herbert Feigl u.a. Der Wiener Kreis und seine Mitglieder spielten eine maßgebliche Rolle bei der Formulierung des Programms.


Inhaltsverzeichnis

Zielsetzung

Eines der Hauptanliegen des logischen Empirismus war es, genaue Kriterien angeben zu können, nach welchen man philosophische Methoden als gültig bzw. ungültig beurteilen kann. Wichtiges Motiv dafür war der Vergleich zwischen der Entwicklung der empirischen Wissenschaften sowie der Mathematik einerseits und der Philosophie andererseits. Während in ersteren in den letzten Jahrhunderten eine nicht zu leugnender Zuwachs an Erkenntnis zu verzeichnen war, konnte eine solcher Fortschritt aus Sicht der logischen Empiristen in vielen wesentlichen Gebieten der Philosophie – trotz jahrtausendelanger Tradition – bestritten werden. Verantwortlich für diese Diskrepanz wurde, neben dem Mitteilungsproblem , eben das Fehlen von möglichst exakten Kriterien zur Beurteilung von philosophischen Methoden gemacht. Wegen des Fehlens solcher zwingender Kriterien, wie es sie in Mathematik und Naturwissenschaften gibt, sei in den wesentlichen philosophischen Fragen bis heute keine Einigung erzielt worden.

Vorbild des logischen Empirismus war der Logizismus Gottlob Freges. Ähnlich wie dort ein Programm aufgestellt wurde, welches die Mathematik auf die Logik zurückzuführen versuchte, wurde im Logischen Empirismus ein Programm aufgestellt, welches zum Ziel hatte, die Methoden der empirischen Wissenschaften auf die Logik zurückzuführen, wobei die empirischen Theorien selbst durch Beobachtungssätze und analytisch wahre Aussagen begründet werden sollten.

Entwicklung

Der logische Empirismus verlangte, dass alle bedeutungsvollen Aussagen der Wissenschaft auf Beobachtungen zurückführbar sein müssten. Wissenschaftliche Theorien sind axiomatische Systeme bestehend aus Propositionen, die entweder durch Beobachtungen verifiziert werden oder logisch auf Beobachtungsaussagen bzw. Protokollsätze reduziert werden können. All solche Aussagen, die nicht dermaßen reduzierbar sind, sind bedeutungslos.

Logischer Empirismus, Positivismus und Metaphysik

Der logische Empirismus vertritt eine strikt antimetaphysische Haltung, welche er mit dem ursprünglichen Empirismus und auch dem empirisch ausgerichteten Immanenzpositivismus, z. B. Ernst Machs, teilt und welche ursprünglich sehr polemisch vertreten wurde. Dies trug auch zu den alternativen Bezeichnungen Logischer Positivismus oder Neopositivismus bei. Die Charakterisierung als Positivismus ist allerdings nach Wolfgang Stegmüller unzutreffend und die entsprechenden Bezeichnungen sollten demgemäss nicht mehr verwendet werden. Zum einen gab es innerhalb des Wiener Kreises keine einheitliche philosophische Lehrmeinung, nur in der Forderung nach einer möglichst exakten wissenschaftlichen Grundhaltung gab es eine Übereinstimmung. Des weiteren werden als positivistisch nur solche Richtungen bezeichnet, welche wie beispielsweise Mach vom unmittelbar Gegebenen ausgehen. Beispielsweise hat Schlick diese Position Machs, welche er als Immanenzpositivismus bezeichnet, kritisiert. Schlick vertrat einen erkenntnistheoretischen Realismus, da nur dann sinnvoll wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden könnten, wenn man auch solche Dinge als wirklich annehmen kann, welche nicht gegeben sind. Die meisten logischen Empiristen lehnen daher die Bezeichnung Positivismus ab.

Die antimetaphysische Haltung des logischen Empirismus ist verbunden mit dem so genannten Sinnkriterium. In seiner ursprünglichen strengen Fassung wurden nur solche Aussagen als sinnvoll akzeptiert, welche sich empirisch verifizieren lassen. Für den logischen Empiristen sind Aussagen, welche dieses Kriterium nicht erfüllen, empirisch sinnlos und als metaphysisch einzustufen. Beispielsweise sind demnach alle Aussagen über die Existenz Gottes empirisch sinnlos. Sowohl ein Atheist als auch ein Theist sind aus dieser Sichtweise also Metaphysiker, welche sinnlose Behauptungen aufstellen.

Für Carnap resultiert der Fakt, dass es überhaupt metaphysische Systeme gibt, daraus, dass es neben der Wissenschaft noch Kunst und Religion als geistige Tätigkeiten des Menschen gibt. Metaphysik ist für ihn ein unklares Mischgebilde aus diesen drei Gebieten. Für Carnap sind Metaphysiker etwa wie Künstler ohne künstlerische Begabung, die nicht in der Lage sind, ihr Lebensgefühl in Kunstwerken auszudrücken, und stattdessen völlig inadäquat versuchen, ihr Lebensgefühl in einer wissenschaftlichen Sprache auszudrücken. Sie leisten dabei weder etwas Sinnvolles für die Wissenschaft, noch sind sie wirklich in der Lage, ihr Lebensgefühl auszudrücken, so wie es etwa der begabte Künstler durch die Schaffung großer Kunstwerke tut.

Das ursprünglich strenge empiristische Sinnkriterium hat sich als nicht haltbar erwiesen, zum einen aufgrund der Kritik der Verifikations-Methode durch Karl Popper, zum anderen wegen der von Carnap entdeckten Problematik der theoretischen Terme. Carnap hat daraufhin ein modifiziertes, toleranteres Sinnkriterium entwickelt, welches diesen Kritiken Rechnung trägt. Dieses modifizierte Sinnkriterium ist gemäß Stegmüller normativ und vom restlichen Instumentarium des logischen Empirismus unabhängig. Somit besteht prinzipiell die Möglichkeit, dieses Kriterium entweder ganz abzulehnen oder es als Abgrenzungkriterium zwischen Metaphysik und den empirischen Wissenschaften aufzufassen, ohne die Metaphysik als sinnlos zu deklarieren. Damit ist es möglich, die vom logischen Empirismus entwickelten Methoden auch innerhalb von rationalistischen und metaphysischen Philosophierichtungen anzuwenden. Dies hat zur Folge, dass es in der heutigen analytischen Philosophie, welche sich aus dem logischen Empirimus entwickelt hat, Strömungen gibt, in welchen alte metaphysische Fragestellungen auf neuer Grundlage wieder behandelt werden.

Bedeutende Vertreter des logischen Empirismus

Moritz Schlick

Rudolf Carnap

Rudolf Carnap war einer der bedeutendsten Vertreter des logischen Empirismus. Ursprünglich in "Der logische Aufbau der Welt" (1928) die Beschreibung der Erfahrungswelt auf subjektive Elementarerlebnisse zurückführend, wechselte er später in "Logischer Syntax der Sprache" (1934) zu einer intersubjektiven "Dingsprache" (Reismus). Zusammen mit Neurath war Carnap der Meinung, dass die gesammte empirische Wissenschaft letztlich auf eine empiristische Universalsprache zurückführbar sein müsse (Einheitswissenschaft). Carnap bevorzugte dabei eine physikalische Sprache als universale empiristische Sprache (Physikalismus). Diese Wahl war für Carnap jedoch keine strikt logische Notwendikeit, sondern beruhte vor allem auf der Intersubjektivität und der angenommenen Universalität der physikalischen Sprache. Vielmehr vertrat Carnap mit dem Toleranzprinzip die Meinung, dass prinzipiell jede hinreichend exakt festgelegte Sprache als empiristische Universalsprache verwendet werden könne, im Speziellen seien mit der Wahl der Universalsprache auch keine ontologische Aussagen verbunden oder spezielle philosophische oder metaphysische Positionen vorausgesetzt (Methodischer Neutralismus) [1].

Seine Ablehnung der Metaphysik begründed Carnap dagegen in "Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache" (1931) mit dem Sinnkriterium. Demnach sind solche synthetische Aussagen wissenschaftlich sinnlos, welche nicht empirisch überprüft werden können, wobei zunächst die Verifizierbarkeit im Vordergrund stand. Nach Kritik der Verifizierbarkeit als Sinnkriterium u.a durch Popper änderte Carnap seine ursprüngliche Konzeption des Sinnkriteriums, kritisierte jedoch seinerseits Poppers Falsfikationskriterium als zu eng und schlug vor, sowohl die Verifizierbarkeit als auch die Falsifizierbarkeit durch die allgemeineren Begriffe Bestätigungsfähikeit und Prüfbarkeit zu ersetzen. Eine weitere Modifikation erhielt Carnaps Sinnkriterium durch Carnaps Zweitstufentheorie der empirischen Sprache. Insbesondere die Problematik der theoretischen Terme machte es notwendig zusätzlich die Prognoserelevanz dieser theoretischen Terme zu fordern, womit Carnaps Sinnkriterium seine endgültige Fassung erhielt.

Wichtige Beiträge zur Wissenschaftstheorie lieferte Carnap auch durch die Entwicklung einer Theorie des induktiven Schliessens.

Otto Neurath

Carl Gustav Hempel

Hans Reichenbach

Hans Hahn

Alfred Jules Ayer

Bedeutende Kritiker des Logischen Empirismus

Karl Popper stand in einem zwiespältigen Verhältnis zum logischen Empirismus und dem Wiener Kreis. Einerseits war er einer der schärfsten Kritiker des logischen Empirismus, andererseits sah er in seinem Umfeld auch Verbündete gegen irrationalistische Strömungen in der Philosophie [2]. Popper kritisierte das Verifikationskriterium als unzulänglich und setzte dem das Falsifikationskriterium entgegen. Nach Poppers Resumé in seiner berühmten Polemik Wider die großen Worte wurde diese Kritik von einigen Mitgliedern des Wiener Kreises später weitgehend akzeptiert. Popper zitiert John Passmore: „Der Positivismus ist so tot, wie eine philosophische Bewegung es überhaupt nur sein kann.“ Andere Wissenschaftler, wie beispielsweise der bekannte Physiker Stephen Hawking, sehen das anders und bekennen sich bis heute zum logischen Positivismus.

W. V. Quine, ursprünglich ein Schüler Rudolf Carnaps, hat den logischen Empirismus von der Position eines radikalen Empirismus aus kritisiert. Quine kritisierte vor allem die (nicht nur) im logischen Empirismus vertretene Einteilung aller wahren Aussagen in synthetisch wahre und analytisch wahre Aussagen, welche er als metaphyische Elemente betrachtete [3]. Als Reaktion auf diesen Kritikpunkt wurde von Carnap die so genannten Bedeutungspostulate eingeführt. Ein weiterer Kritikpunkt von Quine ist die Auffassung, nach der empirische Aussagen einzeln überprüft werden können. Für ihn sind Theorie und Sprache unauflöslich miteinander veknüpft, bei einer Überprüfung steht somit immer ein ganzes Aussagensystem in Frage (Holistischer Naturalismus).

Literatur

  • W. Stegmüller, Hauptströmungen der Gegenwarts-Philosophie. Band I, Kapitel IX (Moderner Empirismus: Rudolf Carnap und der Wiener Kreis),7.Auflage (1989)
  • Achinstein, P. und Barker, The legacy of Logical Positivism, Baltimore: The Johns Hopkins Press, 1969.
  • Rudolf Haller: Neopositivismus. Eine historische Einführung in die Philosophie des Wiener Kreises, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1993.

Quellen

  1. Peter Prechtl "Grundbegriffe der analytischen Philosophie" J.B.Metzler ISBN 347610245
  2. „.. In this new preface I intend to explain my attitude towards the present situation, and the two main schools of language analysis today. Now as then, language analysts are important to me; not only as opponents, but also as allies, in so far as they seem to be almost the only philosophers left who keep alive some of the traditions of rational philosophy.“ from the preface to the first english Edition of Popper's The Logic of Scientific Discovery (1959)
  3. W. V. Quine Two Dogmas of Empiricism [1]

Weblinks

Wikipedia
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