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Temporale Stunden
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Als Temporale Stunden oder auch Ungleiche Stunden (horae inequales) wird die Einteilung des Tages in 24 Stunden bezeichnet, bei der die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang (lichter Tag) und die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang (Nacht) in jeweils 12 Stunden geteilt wird. Durch die unterschiedliche Länge von Tag und Nacht im Jahreslauf ändern sich auch die Stundenlängen kontinuierlich.
Die Zählung der 12 Stunden beginnt am Sonnenaufgang beziehungsweise am Sonnenuntergang jeweils wieder bei 0. Mitternacht und Mittag ist somit immer zur 6. Stunde
Die Grenzen zwischen diesen Abschnitten sind fließend und sowohl vom Kulturkreis, den Jahreszeiten als auch von den persönlichen Lebensumständen abhängig. So werden zum Teil auch die Dämmerungszeiten mit in den lichten Tag einbezogen.
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Astronomie
Dem Begriff des lichten Tags entspricht der astronomische Begriff Tagbogen der Sonne. Mit Ausnahme der Position am Äquator hängt die Länge des lichten Abschnitts von der geographischen Breite und der Jahreszeit ab. In unseren Breiten schwankt er zwischen etwa 16 Stunden im Sommer und etwa 8 Stunden im Winter. Ab 66,5° nördl./südl. Breite geht die Sonne nicht mehr an jedem Tag des Jahres über den Horizont und auch nicht mehr an jedem Tag darunter. Näheres zu diesem Sachverhalt siehe Aufgang (Astronomie).
Die Stundenlänge während des Tages und der Nacht ist nur zum Frühlings- und Herbstbeginn (Tag-und-Nacht-Gleiche, Äquinoktien) gleich. Im Sommer sind die Tagstunden länger, im Winter die Nachtstunden.
Kulturelle Bedeutung
Diese Stundeneinteilung war im europäischen Mittelalter und darüber hinaus gebräuchlich. Sie hat ihren Ursprung im festgelegten Tagesablauf der klösterlichen Ordensgemeinschaften. Diese Zeiteinteilung ermöglichte es, die Arbeiten des Tages - wie Essen, Beten oder Arbeiten - immer zur gleichen (temporalen) Stunde zu verrichten, egal wie lange der lichte Tag war.
Mit der zunehmenden Verbreitung und Wichtigkeit der mechanischen Uhren wurden die temporalen Stunden durch die mathematische Stundeneinteilung („gleiche Stunden“, horae equales) mit gleichlangen Stunden über den ganzen Tag abgelöst. Alte astronomische Uhren die in der Zeit des Umbruchs entstanden sind, wie jene am Ulmer Rathaus, haben Skalen, mit denen sowohl die Gleiche Stunde als auch die Temporale Stunde abgelesen werden kann. Frühe Klosteruhren hatten sogar die Möglichkeit die Geschwindigkeit der Unruhe zu verändern und damit ihre Laufgeschwindigkeit an die aktuelle Tageslänge anzupassen. Dadurch musste die Uhr allerdings jeden Tag bei Sonnenaufgang neu justiert werden.
Siehe auch
Literatur
- Rudolf Wendorff: Zeit und Kultur. Geschichte des Zeitbewußtseins in Europa. Westdeutscher Vlg, Wiesbaden 1980. ISBN 3-531-11515-4
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