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Leinen (Faser)

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Bild:Keutschach Sankt Nikolai Brechlgrube 09022007 15.jpg

Leinen (griech. linon, lat. linum „Lein“) ist die Faser aus der Lein- oder Flachspflanze und das aus ihr gefertigte Gewebe oder Tuch. Leinen wird auch Leinwand oder Linnen genannt. Stoffe aus Leinen wurden ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts durch Baumwolle und Kunstfaser zurückgedrängt. Leinen gewinnt heute als ökologische Naturfaser wieder an Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis

Die Faser

Bild:Verarbeitung der Flachsfaser.svg
Verarbeitung der Flachsfaser schematisch
Brechen - Schwingen, Hecheln

Die Flachs- oder Leinenfaser wird aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen. Es handelt sich demnach um eine Bastfaser. Im Gegensatz zu Samenfasern, wie der Baumwolle, die aus unverbundenen Einzelfasern bestehen, bilden die Leinenfasern Bündel. Die 20-50 mm langen Elementarfasern aus Zellulose sind mit Pflanzenleim zu den 50-90cm langen Bündelfasern verkettet. Mit der Kottonisierung können die Bündel chemisch in Elementarfasern aufgespalten werden. Obwohl der so erzeugte Flockenbast in seinen Eigenschaften der Baumwolle sehr ähnlich ist, wird er kaum hergestellt.

Bei der Ernte wird die Pflanze mit den Wurzeln ausgerauft, also nicht gemäht sondern ausgerissen. Durch das Riffeln werden Samen und Zweige entfernt. Bei der Röste bzw. Rotte löst sich die Bindung zwischen dem Holzkern und den Faserbündeln. Bakterien und Pilze zersetzen Teile des Pflanzenleims, der die Elementarfasern und die Bündelfasern zusammenhält. Um eine Schädigung der Fasern zu verhindern, muss die Rotte zum richtigen Zeitpunkt unterbrochen werden. Früher wurden die Pflanzen einfach auf dem Feld ausgebreitet (Taurotte) oder in kaltes Wasser gelegt (Kaltwasserrotte). Heute arbeitet man meist mit künstlicher Warmwasserrotte. Rein chemische Verfahren konnten sich nicht durchsetzen.

Nachdem er getrocknet wurde, wird der Flachs gebrochen oder geknickt. Dabei wird der Holzkern in viele kleine Stücke (Schäben) zerkleinert, die danach beim Schwingen zusammen mit dem Schwingwerg herausfallen. Der Schwingflachs wird dann erst in der Spinnerei durch Hecheln zu parallel geordnetem Langfaserbast gekämmt. Dabei wird der Bast in kleinere Faserbündel geteilt, kurze Faserteile (das Werg) werden ausgesondert.

Die Verarbeitung

Spinnen

Grobe Garne können trocken versponnen werden. Aus dem Hechelwerg, den kurzen Faserresten, wird das Werggarn hergestellt. Mittelstarke Garne müssen halbnass gesponnen werden, das Vorgarn wird vor dem Einlaufen in den Spinnflügel befeuchtet. Feine Garne werden nass versponnen. Der Vorteil beim nassen Spinnen der Faser liegt im Aufbau der Bündelfasern. In der nassen Faser quillt der Pflanzenleim auf und wird elastisch; es kann sich also nicht nur die Bündelfaser als ganzes verbiegen, sondern auch die einzelnen Elementarfasern können sich gegeneinander verschieben. Die Bündelfasern werden länger, feiner und flexibler, sie legen sich an den Faden an, der dadurch gleichmäßiger und glatter wird. Leinengarne weisen sehr oft Verdickungen und Unregelmäßigkeiten auf, die für Leinenstoffe typisch sind.

Weben

Leinengewebe wurden klassisch in Leinwandbindung gewebt, aber auch Jacquard, Köper und andere Bindungsarten sind üblich. Batist, Schleier und Linon wurden ebenfalls aus Flachs hergestellt, man zählte sie jedoch nicht zu Leinen. Beim Weben von Leinen muss für die Kettfäden ein sehr gleichmäßiges und damit teures Garn verwendet werden. Kettfäden mit den für Leinen typischen Unregelmäßigkeiten würden unter der Scheuerbelastung leiden und zu oft reißen. Deswegen ist reines Leinen gegenüber Halbleinen unverhältnismäßig teuer.

Halbleinen ist ein Gewebe, das nur zum Teil aus Leinenfasern hergestellt wird. Es wird typischerweise mit Leinen als Schuss und beispielsweise Baumwollen-Kettfäden gewebt.

Eigenschaften

Gegenüber anderen Bastfasern ist die Leinenfaser gut teilbar und fein verspinnbar, was sie für Wäsche und Kleidung auszeichnet. Die Leinenfaser ist glatt und das Leinengewebe schließt wenig Luft ein, so ist Leinen flusenfrei und wenig anfällig gegen Schmutz und Bakterien. Leinen ist außerdem ein guter Wärmeleiter, der Stoff hält die Körperwärme schlecht und fühlt sich kühl an, deswegen wird er gerne für Sommerbekleidung eingesetzt. Leinen nimmt weniger Wasser auf als Baumwolle, gibt dieses aber schnell wieder ab.

Die Leinenfaser ist sehr reißfest und extrem unelastisch. Aufgrund der geringen Elastizität ist Leinen knitteranfällig, die Reißfestigkeit macht das Leinen strapazierfähig und langlebig. Anfällig ist Leinen jedoch gegenüber Reibung, seine Scheuerfestigkeit ist geringer als die der Baumwolle, es sollte deswegen bei der Wäsche wenig gerieben werden.

Leinen ist gegen Laugen, Waschmittel, Kochwäsche und chemische Reinigung unempfindlich. Es muss nass, kann aber sehr heiß gebügelt werden.

Probleme zeigen sich bei der Bleiche von Leinen, die Vollbleiche führt zu Gewichtsverlusten von bis zu ein Fünftel und mehr. Auch das Färben bringt oft nur wenig zufriedenstellende Erfolge. Die blaue Farbe der Berufsbekleidung ist auf das Färbeverhalten des Leinens zurückzuführen, das nur mit Indigo einigermaßen echt gefärbt werden konnte.

Verwendung

Leinengewebe wurden traditionell für Bett- und Hauswäsche verwendet, dort wurden sie zunehmend von der billigeren und weicheren Baumwolle verdrängt. Einsatzgebiete wie Kleidung und Dekorationsstoffe sind zwar steigerungsfähig, aber wohl langfristig begrenzt. Leinen wird außerdem für Schuhe und Taschen, sowie als Bezugsstoffe für Bucheinbände verwendet. Leinwände werden klassisch mit Leinenstoffen bespannt.

Leinenfasern finden auch als Dämmstoff und technisches Gewebe sowie als Asbestfaserersatz Verwendung

Leinenstroh findet zusehends eine große Bedeutung als Einstreu in der Pferdehaltung. Dazu verwendet man den holzigen Teil des Flachsstengels. Die Saugkraft ist 10x höher als gewöhnliches Stroh oder 4x höher als Holzspäne.

Bezeichnung und Qualität

Die CELC vergibt das masters of linen-Siegel, ein geschütztes Warenzeichen, an Leinenprodukte aus westeuropäischem Anbau. Die vier Zeichen mit dem stilisierten „L“ stehen für Qualitäten von Reinleinen bis Halbleinen.

In Deutschland gelten laut Textilkennzeichnungsgesetz (TKG) die Begriffe Flachs oder Leinen für Bastfasern aus den Stängeln des Flachses (Linum usitatissimum) und Halbleinen für Erzeugnisse mit einer Kette aus reiner Baumwolle und einem Schuss aus reinem Leinen, bei denen der Anteil des Leinens nicht weniger als 40% des Gesamtgewichts des entschlichteten Gewebes ausmacht, wobei die Angabe „Kette reine Baumwolle - Schuss reines Leinen“ hinzugefügt werden muss. Reinleinen muss in Kette und Schuss reine Flachsgarne enthalten.

Wirtschaft und Ökologie

Der Anteil des Leinens am weltweiten Faserverbrauch liegt nur bei ca. zwei Prozent. Der Großteil wird mit 70% in den Staaten der ehemaligen UdSSR produziert, 10 % in China, auch in Südamerika, der Türkei, den USA, in Polen, Tschechien, Frankreich, Belgien und Irland wird Leinen angebaut. In Deutschland wird nur wenig Faserlein angebaut, Bayern und Sachsen fördern jedoch den Anbau bzw. die Verarbeitung. Die jährliche Weltproduktion schwankt zwischen 600 000 und 700 000 Tonnen.

Die Leinenproduktion ist im Gegensatz zur Baumwolle nur auf wenig Chemikalieneinsatz (Dünger, Pestizide) angewiesen. Es ist möglich, Leinen praktisch ohne den Einsatz moderner Technik herzustellen, die Baumwolle konnte sich dagegen erst mit der Industrialisierung durchsetzten. Trotzdem ist die Produktion der Leinenfaser aufwendig und arbeitsintensiv. Leinen ist die einzige in Westeuropa heimische Faser, die derzeit in kontrolliert biologischer Qualität auf dem Markt ist. Probleme bei der biologischen Herstellung von Flachsfasern liegen in der Unzuverlässigkeit der Ernte und der Taurotte[1]. Ökologisch problematisch sind die Abwässer der Wasserrotte, weswegen die Taurotte empfohlen und gefördert wird.

Geschichte

Bild:Cloth2.jpg
konservierte Überreste eines alten Leinengewebes aus dem Toten Meer

Es ist bekannt, dass unter anderem in Ägypten, Mesopotamien und Phönizien bereits vor 6000–7000 Jahren Leinen systematisch verarbeitet wurde, die ägyptischen Mumien sind in Leinen gehüllt. Andere Quellen berichten von einer Leinenverarbeitung schon vor 10 000 Jahren[2]. Von der griechischen und römischen Antike bis ins europäische Mittelalter war Leinen neben Wolle das verbreitetste Material für Kleidung. Leinen wurde im Mittelalter in Schwaben, Schlesien und im Elsass hergestellt. Seine Blütezeit hatte das Leinen wohl im vorindustriellen Europa, die Baumwolle wurde noch nicht in größeren Mengen importiert, so war Leinen neben wenigen Ausnahmen die einzige pflanzliche Faser. Leinen machte bis Ende des 18. Jahrhunderts 18% der Faserproduktion aus (Wolle 78%)[3]. Leinen wurde lange Zeit nur in Handarbeit verarbeitet, aber später auch in zunehmendem Maße industriell, so wurde bis ins 20. Jahrhundert handgesponnenes, aber auch maschinell versponnenes Garn in Heimarbeit auf Handwebstühlen gewebt. Verarbeitet wurde das Leinen hauptsächlich in Irland, Holland, Westfalen, Sachsen, Schlesien und Böhmen.

Man unterschied zwischen folgenden Qualitäten:

  • Flachsleinwand - Reiner Langfaserflachs in Leinwandbindung
  • Wergleinwand oder Hedeleinen - Gewebt mit Garn aus Hechelwerg
  • halbflächsene oder Halbhedeleinen - Gewebt mit Garn aus Langfaserflachs und Werg
  • Halblaken - Gewebt aus Flachsgarn als Kette und Werggarn als Schuss.
  • halbbaumwollene oder Halbleinen - Gewebt mit Garn aus Baumwolle und Leinen
  • irische oder irländische - Gewebt mit Baumwolle als Kette und Flachsgarn als Schuss, oder umgekehrt
  • Hausleinwand - von Hand gewebt
  • Weißgarnleinwand und Löwentlinnen - Das Garn wird vor dem Weben gebleicht

Damals wurde auch Gewebe aus Hanf in Leinwandbindung als Leinen bezeichnet (Hanfleinwand).

Mit der Perfektionierung der maschinellen Baumwollverarbeitung am Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Leinen zuerst in Amerika und später, mit wachsenden Baumwollimporten, in Europa zurückgedrängt.

Nach einem erneuten Tiefpunkt Anfang der 80er Jahre, steigt der Verbrauch heute wieder langsam.

Siehe auch

Literatur

  • Alfons Hofer: Stoffe, 8. Auflage, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2000 (Band 1, Rohstoffe: Fasern, Garne und Effekte), ISBN 3-87150-671-0
  • Ursula Völker ; Katrin Brückner: Von der Faser zum Stoff: textile Werkstoff- und Warenkunde, 32. Auflage, Verlag Dr. Felix Büchner - Verlag Handwerk und Technik, Hamburg 2001, ISBN 3-582-05112-9
  • Hannelore Eberle: Fachwissen Bekleidung, 8. Auflage, Verlag Europa-Lehrmittel, Leipzig 2005, ISBN 3-8085-6208-0
  • Leinwand In: Meyers Konversationslexikon, 4. Auflage, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien 1888 (Band 10), Seite 661 ff
  • Leinengarn ; Leinengewebe In: Merck's Warenlexikon, 3. Auflage, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig 1884 (Band 21), Seite 320 ff

Weblinks

Quellen

  1. www.nachhaltigwirtschaften.at: Faser- und Färbepflanzen aus ökologischem Anbau
  2. msn Encarta - Lein - Geschichte
  3. Ute von Reitzenstein: Flachs im 20. Jahrhundert unter ökologischer und ökonomischer Sicht - Facharbeit
Wikipedia
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