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Leerformel
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Als Leerformel werden Aussagen bezeichnet, die zunächst den Anschein haben, bestimmte Wahrheiten zu einzelnen Tatbeständen darzulegen, die jedoch so allgemein formuliert sind, dass sie einer näheren Überprüfung nicht standhalten, das heißt, dass sie zu dem zu untersuchenden Tatbestand gar nichts aussagen.[1]
Leerformeln haben in der Geschichte eine große Bedeutung. Ihre Zielsetzungen allerdings, streben der modernen Wissenschaft entgegen. So versucht man durch den Einsatz einiger allgemeingültiger Aussagen, ein komplexes Schema zu erörtern. In religiösem Sinne wäre dies der mythische Sündenfall. Hierbei versucht man das abstrakte Thema auf bekannte Lebensvorgänge zurückzuschliessen um dabei eine gewisse Vorstellung von der Thematik zu bekommen.
Nach Ernst Topitsch kann man Leerformeln nach verschiedenen Kriterien betrachten. Dabei bezeichnet er es als einen Absolutheitsanspruch, einen existierenden Mythos und die vielseitig verwendete Dialektik. Der Absolutheitsanspruch einer Leerformel wird deutlich, bei der Veehrung von Göttern wie irdische Herrscher. Man versuchte sie durch Opfergaben milde zu stimmen oder gab ihnen unaussprechliche Namen. (Beispiel: Quezacoatl Gott des Donners). Durch diese Art der Wertsteigerung kommt es zu einer völligen Entleerung des Gottesbegriffes. Dadurch das er über alle Begreiflichkeit erhoben wird, wird er zugleich aller erkenntnismäßigen Relevanz beraubt. Der existierende Mythos zeigt sich durch eine Betrachtung von Naturereignissen als soziale Handlungspartner. Dabei betrachtet man den Blitz der den Frevler niedersteckt oder die Dürre / Überschwemmung die zur Vergeltung von Sünden betrachtet wird. Topitsch zeigt nun, dass wenn man die Annahme solcher soziale Handlungspartner nun als falsch ansieht, so ist die Auffassung der faktischen Gleichförmigkeiten als Ausdruck von Willensäußerungen leer. Als letzten Punkt betrachtet er die Dialektik der Leerformeln. Dabei gewann geschichtlich die Dialektik an Allgemeingültigkeit durch äußerste Erweiterung von Begriffen und deren „Negation“ (z.B. logischer Widerspruch, wertende Ablehnung, sozialer Konflikt). Somit konnte jeder beliebige Sachverhalt in einen dialektischen Rhythmus einordnen, die Dialektik verkam zu einer willkürlich manipulierbaren Leerformel.
H.J. Lieber betrachtet in seinem Werk "Zur Theorie der Leerformeln" die Grundideen von Ernst Topitsch aber er klassifiziert diese in drei Kategorien.
Inhaltsverzeichnis |
1) Pseudo-empirische Leerformeln
- Anspruch über die empirische Realität zu informieren
- Keinerlei Informationsgehalt [(1) tautologische Formulierungen]
- In sich logisch und wahr, jedoch keine Aussage über die Wirklichkeit
- (2) Kontradiktorischen Widerspruch enthaltene Formulierungen
- Vagheit und Mehrdeutigkeit von Begriffen
- Beispiele: „Das Sein“, „Das Absolute“
2) Pseudo-normative Leerformeln
- mangelnde Präzisierung des gemeinten normativen Gehalts
- Ausschluss von keinen oder nur wenigen Handlungsalternativen
- Nahezu jede Handlungsmöglichkeit wird erlaubt
- Keinerlei Angaben über die Behandlung von Menschen (alle gleich)
- Beispiele: „Gutes mit Gutem“, „Böses mit Bösem vergelten“, „Jedem das Seine“
3) essentialistische Leerformeln
- Eigener Anspruch wird als rein illusorisch betrachtet
- Illusion besteht aus einer nicht explizit geäußerten Erwartung
- Sozialphilosophische Grundbegriffe (Gerechtigkeit, Freiheit), solange diese nicht exakt definiert werden
- Festlegung einer dahinter stehenden Entität „das wahre Wesen d. Staates“
Zusammenfassend kann man sagen das sich heute noch viele Leerformeln, bewusst oder unbewusst in unser tägliches Leben "eingeschlichen" haben. Dies kann man sehen durch das Aufschlagen einer Zeitung und das Betrachten des eigenen Horoskopes oder durch eine genaue Betrachtung der täglichen Fernsehwerbung. Oft enthalten diese keinerlei Informationsgehalt und beanspruchen einen solchen Allgemeingültigkeitsanspruch.
Quellen
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