Kunstfälschung

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Unter einer Kunstfälschung versteht man die Nachahmung oder Kopie von Gemälden, Grafiken oder Skulpturen berühmter Künstler mit deren gefälschter Signatur in betrügerischer Absicht.

Inhaltsverzeichnis

Definitionen von Klaus Döhmer

Man versteht Kopie als die Wiederholung oder Nachbildung eines Kunstgegenstands durch fremde Hand, Umbildung als die inhaltliche Abwandlung einer Vorlage, Replik oder Reprise als die meist gleichzeitige Zweitauflage durch den Künstler selbst oder Mitglieder seiner Werkstatt, Fassung als die in wesentlichen Punkten abweichende Replik, Imitation als die Übernahme stilistischer oder motivischer Eigenart eines Künstlers oder einer Schule, Pasticcio als die Collage von Zitaten verschiedener Herkunft zu einem neuen Ganzen, Reproduktion als die entweder originale (Holzschnitt, Lithographie) oder übertragene (z.B. Offsetdruck) grafische Technik, Restaurierung schließlich als die Wiederherstellung eines ursprünglichen materiellen Zustandes eines Kunstwerks.

(Zitat von Klaus Döhmer, Zur Soziologie der Kunstfälschung, in: Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft, Bd. 21/1, 1978, Seite 76."

Bekannte Fälscher

Bekannte Fälscher der jüngeren Geschichte sind der Niederländer Han van Meegeren, der nach 1945 mit Fälschungen des Malers Jan Vermeer auffiel, der Deutsche Lothar Malskat, der als Restaurator in dem Schleswiger Dom und in der Lübecker Marienkirche falsche gotische Wandmalereien anbrachte, sowie Wolfgang Lämmle und Edgar Mrugalla, die beide 1988 mit umfangreichen Konvoluten von Grafik- und Gemäldefälschungen bekannt und später zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden. In Großbritannien erregten die Fälle der Fälscher Tom Keating und Eric Hebborn großes Aufsehen. Ein sehr bekannter Kunstfälscher war auch Konrad Kujau, der durch die Hitler-Tagebücher berühmt wurde.

Fälschungen

Gefälscht wird fast alles, was am Markt hohe Preise erzielt, Alte Meister ebenso wie die Klassiker der Moderne. Unter Polizeiermittlern gelten rund 60 Prozent der am Markt zirkulierenden Kunst als gefälscht oder falsch zugeschrieben. Spitzenreiter im Fälschungs-Ranking ist Salvador Dali. Beobachter des Kunst-Marktes wollen wissen, dass fast 90 Prozent aller angebotenen Dalí-Arbeiten nicht vom Meister selbst stammen. Leicht gemacht hat es der Künstler potentiellen Fälschern, indem er in späten Jahren seine Signatur großzügig auch unter Blanko-Blätter setzte. Ehefrau Gala und der Privat-Sekretär Peter Moore vergrößerten die Zahl der fragwürdigen Dalì-Arbeiten durch dubiose Autorisierungen. Vorläufig letzter Akt in Sachen Dalì-Fälschungen: Nachdem der Kunsthistoriker Lutz Löpsinger in Zusammenarbeit mit dem Galeristen Ralf Michler 1984 ein kritisches Werkverzeichnis der Gaphik-Arbeiten erstellte und so versuchte, die Flut der Falsifikate einzudämmen, wurde Michler 2006 verurteilt, da er Dalì-Arbeiten in Auftrag gegeben und signiert hatte.

Reichlich Nachschub an Falsifikaten kommt seit den 1990er Jahren aus Russland.

Literatur (siehe auch Fälschung)

  • Klaus Ahrens, Günter Handlögten. Echtes Geld für falsche Kunst Remchingen 1992
  • Ausstellungskatalog: Fälschung und Forschung Hrsg.: Museum Folkwang, Essen, und Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin. ISBN 3-7759-0201-5.
  • Andreas Beck: Original - Fälschung? Bildgebende Verfahren bei der Diagnostik von Kunstwerken Schnetztor-Verlag GmbH Konstanz 1990, ISBN 3-87018-080-3
  • Joachim Goll: Kunstfälscher. E.A.Seemann Verlag Leipzig, 1. Aufl. 1962 (mit Literaturverzeichnis)
  • Günther Grundmann: [1]Lübeck In: Deutsche Kunst und Denkmalpflege Jahrgang 1955 Seite 81 ff. Deutscher Kunstverlag München/Berlin 1955.
  • Eric Hebborn: Der Kunstfälscher.Köln, DuMont, 1999 (Fälschungstechniken)
  • Eric Hebborn: "Drawn to trouble", an autobiography by Eric Hebborn, Mainstream Publishing, Edinburgh 1994, ISBN 1-85158-369-6
  • Peter Hirschmann: Was soll aus den gefälschten Wandbildern in St. Marien zu Lübeck werden? In: Deutsche Kunst und Denkmalpflege Jahrgang 1955 Seite 106 ff. Deutscher Kunstverlag München/Berlin 1955.
  • L. Kilbracken: Fälscher oder Meister? Der Fall van Meegeren. Wien/Hamburg 1968
  • Stefan Römer: Künstlerische Strategien des Fake: Kritik von Original und Fälschung, DuMont Köln 2001. ISBN 3-7701-5532-7
  • Stefan Römer Der Begriff des Fake, Dissertation Berlin 1998. Mit Literaturangaben.(pdf-Ladezeit abwarten)
  • Ernst Roßmann: Naturwissenschaftliche Untersuchung der Wandmalereien im Chorobergaden der Marienkirche zu Lübeck, anlässlich des Lübecker Bilderfälscherprozesses In: Deutsche Kunst und Denkmalpflege Jahrgang 1955 Seite 99 ff. Deutscher Kunstverlag München/Berlin 1955.
  • Hinnerk Scheper: Restaurieren und Berufsethos In: Deutsche Kunst und Denkmalpflege Jahrgang 1955 Seite 109 ff. Deutscher Kunstverlag München/Berlin 1955.
  • S. Schüller: Falsch oder echt? Der Fall van Meegeren. Bonn 1953.
  • K. Wehlte: Was ging in Lübeck vor? In: Maltechnik 61/1955. S. 11.
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