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Kriegshandwerk
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Als Kriegshandwerk bezeichnet man das Wissen über praktische Methoden der Kriegführung aus Sicht der Soldaten und Kämpfenden. Es wurde im Laufe der Geschichte, vor allem mit dem Aufkommen stehender Heere und Berufsarmeen als Lehrberuf verstanden und neuen Rekruten durch ältere und erfahrene Soldaten vermittelt. Zum Können gehörten neben Verhaltensweisen in Gefechtssituationen auch Bau, Instandhaltung und Einsatz von Kriegsmaschinen, die Bedienung von Kanonen / Geschützen, die Errichtung von Schutzeinrichtungen und vieles mehr.
Der Begriff ist vielschichtig und umfasst sowohl praktische Kenntnisse und Erfahrungen in der Tätigkeit des Kämpfen und Tötens, als auch die im Krieg typischen handwerklichen Fertigkeiten, die aus dem zivilen Leben mitgebracht und an militärische Erfordernisse angepaßt werden.
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Bereiche des Kriegshandwerks
Der Begriff bezeichnet zwei Bereiche. Unter Kriegshandwerk ordnet man einerseits alle Tätigkeiten rund um das Kämpfen, Waffengebrauch, das Töten der feindlichen Menschen, meist unter Zuhilfenahme von Techniken. Auch diese Tätigkeiten mussten erlernt werden. Im Kriegshandwerk erfahrene Söldner hatten oft eine höhere Kampfkraft als ein Truppenteil, der aus ungelernten und unerfahrenen Rekruten besteht. Der Begriff bezeichnet hier die "handwerkliche Arbeit" des Kämpfenden und ist in dieser Verwendung negativ konnotiert, da er zu Friedenszeiten verwerfliche und schockierende Handlungen mit der Ausübung eines gewöhnlichen Handwerks vergleicht.
Ein wesentlicher Bestandteil beim Erlernen des Kriegshandwerks besteht auch im Abbau einer psychologischen Hemmschwelle zum Töten, mit der Rekrut in die Armee kommt und die in entscheidenden Situationen einen Nachteil für den Kämpfenden darstellt. Diese Schwelle spielt vor allem in Nahkampfsituationen und historischen Kriegen eine Rolle und tritt in manchen Bereichen moderner Kriege in den Hintergrund.
Andererseits erforderte das Kriegshandwerk auch echte handwerkliche Fähigkeiten, die nicht mit dem Kampf direkt zusammen hängen. Historisch wurden dabei die Fähigkeiten der Kämpfenden genutzt, die sie im zivilen Leben erlernt hatten oder denen sie beruflich nachgingen. Dann kam es darauf an, die Arbeiten zu kriegsnützlichen Zwecken einzusetzen und an Erfordernisse anzupassen. In antiken Kriegen wurden ältere Berufszweige gebraucht, oft holzverarbeitend und vor allem die Schmiedekunst, in mittelalterlichen Kriegen kamen zunehmend metallverarbeitende Berufe hinzu wie beispielsweise Metallgießer oder Stellmacher, die aus erbeuteten Metallen Kugeln gießen oder Wagen bereifen konnten. In der Neuzeit sind vor allem mechanische und elektrotechnische Handwerksberufe wichtig.
Während der Militärgeschichte trat im Kriegshandwerk eine allgemeine Tendenz zur handwerklichen Spezialisierung ein, der jedoch aufgrund ihrer Nachteile nicht zu jeder Zeit und in jeder Armee nachgegeben werden konnte. Auch heutige Armeen sind nicht immer sehr spezialisiert. Die Form der Spezialisierng hängt nicht nur vom technischen Fortschritt ab, sondern auch von den Formen des Krieges und den strategischen Aussichten. Armeen, die in Bedrängnis geraten oder im Widerstand kämpfen, geben die Spezialisierung oft zu Gunsten der Schulung allgemeiner Fähigkeiten auf, bei der jeder Kämpfende möglichst viele Aufgaben selbständig übernehmen kann.
Kriegshandwerk in der Antike
Wie heute, so waren schon in der Antike Stehende Heere sowie verschiedene Formen von zeitweise rekrutierten Verbänden verbreitet, deren Truppenteile oft aus einem gemeinsamen Ort kamen oder einem gemeinsamen Oberhaupt folgten, mit diesem aber nach Beendigung der Feindsehligkeiten oder zu Erntezeiten wieder nach Hause zurück kehrten. Die zeitweilig beteiligten Verbände benutzen meist inhomogene Kriegstechniken und haben handwerkliche Aufgaben so erledigt, wie sie es von zu Hause kannten. Jeder war für seine Ausrüstung selbst verantwortlich. Wertvollere Ausrüstungsgegenstände wie Brustpanzer oder eine besonders stabile und daher wertvolle Stichwaffe wurde von zu Hause mitgebracht oder erbeutet und angeeignet.
Stehende Heere, die insbesondere von den Römern eingeführt wurden, waren in spezialisierte Verbände unterteilt, die jeweils eine oder einige wenige Kampftechniken bevozugten. Diese Verbände bestanden aus Söldnern, die für die zugeteilten Aufgaben besonders geeignet oder geübt waren, oft aber unterschiedliche Herkunft und auch unterschiedliche Sprachen hatten. Die Kommunikation in römischen Heeren während des Gefechts erfolgte unter anderem mit Pfeifsignalen. Den Söldnern wurden Waffen gestellt, die von mitreisenden Handwerkern angefertigt und gewartet wurden. Insbesondere metallene Rüstungsgegenstände und Pfeile konnten die Söldner nicht mit ausreichender Qualität oder in benötigter Stückzahl selbst herstellen. Bauvorhaben sowie der Bau von Belagerungsgerät wurde aber von der Armee gemeinsam vorgenommen.
Einige spezielle Techniken erforderten bereits in der Antike erhebliches handwerkliches Geschick, darunter der Bau von Ballisten, schweren Schleudern und die Anwendung des Griechischen Feuers, das eine ausgeklügelte Handwerksarbeit voraus setze und auch für die eigene Mannschaft gefährlich werden konnte. Generell waren die Kriegsgeräte im Kriegsgebiet herstellbar und mussten nur selten über weite Strecken transportiert werden. Bereits im Ägyptischen Reich gab es pferdebespannte Kampfwagen, die repariert werden mussten.
Ein wesentlicher Bestandteil des Kriegshandwerk war auch das Kochen. Verfügbarkeit und vor allem Qualität der zubereiteten Nahrung hatte zu allen Zeiten einen erheblichen Einfluß auf die Moral der Truppe. Kochen zählt nicht zum Kriegshandwerk per se, wohl aber die Art und Weise der Nahrungsbeschaffung, d.h. es wurde in aller Regel die Bevölkerung des eroberten Gebiets ausgeplündert oder enteignet. Die Nahrungsmittel wurden in gut organisierten Heeren dem Tross zugeführt, wo sie transportiert und zubereitet wurden. Diese Methode war bis in die Napoleonischen Kriege die Hauptmethode der Heeresernährung. So reisten stets auch Bäcker, Köche oder Fleischer mit.
Ein Nachteil des Handwerks in den römischen Armee war, dass schneidende Waffen nur in minderer Qualität durch das Heer selbst hergestellt werden konnte, da hochwertigere Legierungen nur in speziellen Manufakturen im Kernland angefertigt werden konnten.
Kriegshandwerk im Mittelalter
Die im Laufe des Mittelalters eingeführten neuen Techniken revolutionierten das Kriegshandwerk schrittweise. Die Erfindung von wirkungsvollen Wurfmaschinen wie der Trebuchet, die einen neuartigen Mechanismus besaß und Steine sehr zielgenau auf gegnerische Befestigungen schleudern konnte, musste von einem eingespieltes Team von Zimmerleuten und vielen Helfern am Einsatzort hergestellt werden. Mit dem Aufkommen der Schußwaffen, die sich langsam entwickelten und anfangs nicht sehr wirkungsvoll waren, kam dem Schmiedehandwerk größere Bedeutung zu. Neue Berufe wie der Büchsenmacher entstanden, die jedoch meist nicht mit den Heeren reisten und großes fachliches Wissen besaßen. Munition für leichte Feuerwaffen, Büchsen, Arkebusen usw. konnte transportiert werden, wurde aber von den Söldnern oft auch selbst gegossen. Mit der Erfindung transportabler Großfeuerwaffen wie Kanonen waren die Söldner mitunter gezwungen, selbst Kanonenkugeln zu gießen. Dazu mussten längere Pausen eingelegt werden, in denen auch Befestigungen eingerichtet wurden und erbeutetes Metall, oft bunt gemischt, in Kugelform gebracht wurde.
Das Kriegshandwerk auf See war sehr eng mit den seemännischen Berufen verflochten und mussten zahlreiche Handwerksaufgaben erledigen. Erst mit Beginn der Kolonialzeit entstanden Einheiten von Marinesoldaten, die durch Schiffe überwiegend transportiert wurden und in seemännischen Aufgaben weniger geschult waren.
Kriegshandwerk in der Moderne
Moderne Armeen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von antiken oder mittelalterlichen Armeen. Ein wesentlicher Unterschied besteht in der Erfindung des Motors, der den Transport von Geräten und Material erheblich vereinfacht. Viele handwerkliche Tätigkeiten können im Hinterland ausgeführt werden. Da damit auch eine Beschleunigung von Kriegen und Feldzügen einher ging, steht den Soldaten auch nicht mehr genug Zeit für wochenlange Pausen zur Verfügung. An die Stelle der traditionellen handwerklichen Tätigkeiten traten Transport- und Reparaturaufgaben, die durch spezialisierte Truppenteile erledigt werden. Die Kommunikation erforderte elektrotechnische Fähigkeiten wie die Installation von Feld-Telefonanlagen, wird aber mit der Entwicklung der Mikroelektronik und effektiven Kommunikationswegen zunehmend auch auf im Hinterland befindliche Betriebe verlegt, wobei vor Ort nur noch fertige Bauteile installiert oder benutzt werden müssen. Der Soldat, der die Hauptkampflast trägt, ist meist mit der Bedienung von Waffen, dem Fahren von Fahrzeugen und der Bestückung mit Munition verantwortlich und wird umfassend logistisch versorgt.
In modern geführten Kriegen tritt auch der klassische Begriff des Kriegshandwerks als das Wissen vom Kämpfen und Töten in den Hintergrund. Fast alle modernen Armeen vermeiden Nahkämpfe oder zu engen Feindkontakt. Wenn möglich, werden Kampfsituationen, bei denen von Mensch zu Mensch auf Leben und Tot gekämpft wird, mit anderen Techniken umgangen. Die Schußwaffe ermöglicht meist eine Mindestdistanz zwischen den Gegnern und es kommt selten zu jenen Formen von Kampfhandlungen, die seit der Antike bis zum Ende der Kolonialzeit üblich waren. Für die Erlernung des Soldatenberufs steht heute nicht mehr im Vordergrund, wie ein Gegner mit einer Stichwaffe handlungsunfähig gemacht werden kann. Zum kriegshandwerklichen Wissen zählen heute Vor- und Nacheile von Munitionsarten und Waffengattungen, effektiver Einsatz sowie Verhaltensweisen in Gefechtssituationen, die die gegnerischen Fähigkeiten berücksichtigen.
Spezialisierung im Kriegshandwerk
Mit der Weiterentwicklung der Technik in der Kriegführung kamen zunehmend handwerkliche Aufgaben in den Vordergrund, die von den Kämpfenden selbst erledigt werden mussten. Zwar wurden bereits antike Heere auch von echten Handwerkern wie Schmieden begleitet, doch gab es eine echte Spezialisierung von Truppenteilen auf handwerkliche und supportive Aufgaben nicht. Durch das ganze Mittelalter hinweg bis noch zum ersten Weltkrieg wurde die Wartung der Gerätschaften überwiegend von den kämpfenden Soldaten vorgenommen, die in Kampf- oder Frontpausen auch zum Transport von Gütern eingesetzt wurden, aber personell überwiegend aus gewöhnlichen Truppenteilen bestanden. Hiermit war verbunden, dass sich jede Einheit selbständig im Kriegsgeschehen beteiligen und notfalls auch die Aufgabenbereiche wechseln kann. Auch im asiatischen Raum trat die Spezialisierung spät ein. Eine Besonderheit stellen die Armeen des kaiserlichen Chinas dar, die bereits in geschichtlicher Zeit von einer Vielzahl von Handwerkern begleitet waren. Erst im zweiten Weltkrieg entstanden auf allen Seiten weitgehend spezialisierte Verbände, denen vornehmlich technische und handwerkliche Tätigkeiten zukam und die seltener am Kampfgeschehen beteiligt wurden. Die Technik hatte sich weiter entwickelt und erforderte Spezialisten, deren Verlust vermieden werden sollte. Insbesondere Mechaniker waren wichtig.
Die Spezialisierung bringt strategisch einige Nachteile mit sich, darunter drohende Engpässe bei Verlust einer Spezialeinheit, Bindung von Personal, das nicht im Kampfgeschehen selbst eingreifen kann sowie die Notwendigkeit, diese Einheiten durch andere Einheiten oder strategische Rücksichten schützen zu müssen. Solche kriegshandwerklich ausgerichteten Einheiten stellen leichtere Ziele dar, weil sie sich oft nicht mit der sonst in ihrer Armee üblichen Kampfkraft selbst verteidigen können. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass sich die anderen Truppenteile auf die Verfügbarkeit von Handwerkern verlassen und Arbeiten nicht mehr selbst verrichten können. Dies führt zu materiellen Verlusten, wenn defektes aber reparierbares Gerät zurück gelassen werden muss.
Die Vorteile der Spezialisierung im Kriegshandwerk bestehen in einer deutlich effektiveren Organisation und einer sparsameren Materialwirtschaft. Handwerkliche Tätigkeiten können durch geübte Soldaten viel schneller und besser erledigt werden. Die Materialersparnis tritt ein, wenn Ersatzteile gesammelt an den Standort der Spezialeinheit verlegt werden, anstatt sie gleichmäßig und in viel größerer Zahl an die Truppen zu verteilen. Da schlecht im Voraus geplant werden kann, was in welcher Menge benötigt wird, müssten die Truppenteile jeweils eigene gut bestückte Lager mitführen, um im Bedarfsfall schnell reparieren zu können. Eine zentral ausgerichtete Handwerkereinheit kann ökonomischer wirtschaften.
In hochmodern ausgerüsteten Armeen besteht heute ein großer Teil aller zu leistenden Arbeiten in Vorbereitungen und Wartung der Technik durch Spezialkräfte, die ständig geschult und auf dem neuesten Wissenstand gehalten werden. Von ihnen hängt der Erfolg maßgeblich ab. In manchen Armeen werden Aufgaben in diesem Bereich auch zunehmend an Militärdienstleister bzw. private Firmen übergeben. Über den völkerrechtlichen Status der Mitarbeiter solcher Firmen besteht derzeit keine einheitliche Ansicht. Sie sind nicht als reguläre Soldaten beteiligt und werden von der feindlichen Armee oft nicht als Kriegsgefangene angesehen.
Mit langreichenden Waffensystemen oder strategischen U-Booten ist Militärtechnik entwickelt worden, die nur noch von Spezialisten bedient wird, welche nie zum klassischen Kampf eingesetzt werden. An Stelle des Handwerks tritt hier die Ingenieursarbeit. Für spezielle Aufgaben bauen Ingenieure gemeinsam mit Handwerkern mitunter unikate Geräte, die später in Serienproduktion gehen oder aufgegeben werden. Bei der Entwicklung von ferngesteuert oder eigenständig kämpfender Technik, die in einigen Bereichen schon fortgeschritten ist, spricht man nicht mehr von Handwerk. Das Kriegshandwerk verbindet sich mit wissenschaftlichen Bereichen, Entwicklung und Erforschung der Militärtechnik.
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