Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Konstruktivismus (Politologie)

Aus Kefk.

Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Konstruktivismus in der Politikwissenschaft basiert auf den selben Grundannahmen wie das gleichnamige philosophische Konstrukt (siehe auch den philosophischen Konstruktivismus). Zu betonen ist jedoch, dass der Konstruktivismus keine inhaltliche Theorie der Internationalen Beziehungen ist. Es handelt sich viel mehr um eine Meta-Theorie, die dem positivistischen Paradigma (Realismus, Liberalismus, Marxismus usw.) ein post-positivistisches Paradigma entgegen hält. Hierbei geht es nicht mehr darum, empirisch überprüfbare Kausalaussagen zu machen, sondern um das Verstehen der internationalen Politik.

Trotz der Uneinheitlichkeit konstruktivistischer Ansätze ist es möglich, von einem ontologischen Minimalkonsens zu sprechen: Es wird untersucht, wie Strukturen und Akteure (der internationalen Beziehungen) "sozial konstruiert" sind. Zwei zentrale Kernannahmen konstruktivistischer Ansätze lauten: Soziale Strukturen und Akteure konstituieren sich gegenseitig, indem sie soziale Identität vermitteln und/oder Handlungschancen eröffnen bzw. einschränken. Dabei wird die materielle Welt nicht völlig negiert, sie kann jedoch nur durch soziale Konstruktion vermittelt wahrgenommen werden. Soziale Identitäten sowie nachgeordnete Interessen müssen aus dieser Perspektive zwingend in jede politikwissenschaftliche Analyse miteinbezogen werden.

Der spezifisch politikwissenschaftliche Konstruktivismus zielt auf die Erklärung von politischen Handlungsmustern. Das Besondere an diesem Erklärungsansatz ist, dass er Handlung immer als Ergebnis einer sozialen Situation bzw. von vorherrschenden sozialer Strukturen versteht. Damit unterscheidet er sich stark von rationalen Erklärungsansätzen wie dem Realismus (siehe politischer Realismus bzw. Neorealismus), die davon ausgehen, dass Handlungen objektiv rationalen Mustern und damit Sachzwängen folgen. Eine eher handlungstheoretisch orientierte Strömung des Konstruktivismus geht davon aus, dass soziale Handlungen auch soziale Strukturen entstehen lassen, reproduzieren oder verändern können. Diese Handlungen sind durch bestimmte Normen und Werte motiviert. Ein Beispiel sind Menschenrechtsorganisationen, die durch ihre Aktivitäten und Kampagnen andere Akteure der internationalen Politik, bspw. Staaten, beeinflussen. Aus diesem Grund spielte der Konstruktivismus nach dem Ende des Ost-West-Konflikt eine zunehmend wichtigere Rolle in den Internationalen Beziehungen. Er postulierte im Gegensatz zum Realismus Wandel erklären zu können.

Kritik

Dem Konstruktivismus wird vorgeworfen, er biete ausschließlich ex-post-Erklärungen an, ohne dass es ihm möglich sei, Prognosen oder Erklärungen sehr aktueller Ereignisse zu liefern. Diese Kritik geht teilweise ins Leere, weil der Konstruktivismus, wie oben geschildert, dies auch gar nicht beabsichtigt. Allerdings gilt die Prognosefähigkeit als wichtiges Merkmal fast aller herkömmlichen Paradigmen, so dass der Erkenntniszuwachs durch konstruktivistische Ansätze häufig kritisch gesehen wird.

Wichtige Autoren

Literatur

  • Alexander Wendt, Social Theory of International Relations, Cambridge 1999, ISBN 0521469600
  • ders., Anarchy Is What States Make of It: The Social Construction of Power Politics, IO 46 (1992): 391-425 (Der vielleicht wichtigste Artikel fuer die Diskussion des Konstruktivismus)
  • Schieder, Manuela/ Spindler, Siegfried, Theorien der Internationalen Beziehungen, 2. A., Stuttgart 2006, ISBN 3825223159 (Standardlehrbuch, das auch auf konstruktivistische Theorieansätze eingeht)
Persönliche Werkzeuge