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Karl Theodor (Pfalz und Bayern)
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Karl Philipp Theodor (eigtl. Carl Theodor), (* 11. Dezember 1724 bei Brüssel auf Schloss Drogenbusch; † 16. Februar 1799 auf Schloss Nymphenburg bei München) war Kurfürst von der Pfalz (als Karl IV. Theodor) und von Bayern (als Karl II. Theodor).
Inhaltsverzeichnis |
Kurfürst von der Pfalz
Seine Eltern waren Herzog Johann Christian von der Pfalz-Sulzbach und Marie Anne Henriëtte Leopoldine de La Tour d'Auvergne. Durch den frühen Tod seines Onkels und seines Vaters wurde Karl Theodor von seinem Vorgänger und Großonkel Karl Philipp bereits im Alter von 10 Jahren von Jesuiten zum Kurfürsten erzogen.
Er vollzog im Geiste der Aufklärung zahlreiche Reformen und betätigte sich als Mäzen. 1742 heiratete er seine Kusine Elisabeth Auguste, älteste Enkelin des Kurfürsten Karl Philipp. Während dieser Ehe erblickte ein Sohn namens Franz Ludwig Joseph das Leben. Der lang ersehnte Stammhalter starb jedoch zur großen Bestürzung der Eltern einen Tag nach seiner Geburt am 29. Juni 1762. Dieses Ereignis entfremdete die Ehegatten zunehmend von einander. Trotz der Kinderlosigkeit seiner Frau, ihrer Liebhaber und der zahlreichen eigenen Mätressen verstieß Karl Theodor seine Frau nicht und ging erst nach ihrem Tod im Jahre 1794 eine weitere Ehe mit Erzherzogin Maria Leopoldine von Österreich-Este ein, die jedoch zum unglücklichsten Abschnitt seines Lebens werden sollte.
Als Folge der Fehlgeburt ließ er 1766 ein Entbindungsheim mit angeschlossender Hebammenschule gründen.
Im Jahre 1763 gründete er die Mannheimer Akademie der Wissenschaften mit den 2 Klassen Geschichte und Physik und in Düsseldorf das Collegium Anatomico-Chirurgicum. Im Jahr 1780 gründete er die Societas Meteorologica Palatina als 3. Klasse der Akademie, die erste, international tätige meteorologische Gesellschaft. Unter seiner Regierung konnte sich die kurpfälzische Residenzstadt Mannheim zu einem kulturellen Zentrum mit europäischer Bedeutung entwickeln. Mannheim und die nahe Sommerresidenz Schwetzingen zogen zahlreiche Künstler, Musiker, Dichter und Philosophen (u. a. Mozart und Voltaire) an. So konnte Karl Theodor Einfluss auf die politische und kulturgeschichtliche Entwicklung in Deutschland nehmen. Er ließ u.a. im Mannheimer Schloss ein Kupferstich- und Zeichnungskabinett anlegen, aus dem später die Staatliche Graphische Sammlung München entstand.
Der Name Carl Theodor steht für die wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit Mannheims im 18. Jahrhundert und für den Aufstieg der Stadt zu einem der Kristallisationspunkte des europäischen Barock. In seiner Regierungszeit wurden der Bau der kurfürstlichen Residenz mit Schloss und Schlosskirche, eine der größten barocken Schlossanlagen in ganz Europa, sowie der Sommersitz in Schwetzingen vollendet, das Leben in Mannheim entfaltete bislang nicht gekannten höfischen Glanz.
Carl Theodor war ein aufgeklärter Landesherr, gerühmt für seine intellektuelle Neugierde und Toleranz, seine Bildung und seinen Kunstgeschmack. Wissenschaft und Kunst förderte er weit über das übliche Maß hinaus. So ließ er Johann Stamitz als "Instrumental-Musicdirektor" die Hofkapelle reformieren und vergrößern. In konsequenter Strenge erzogen, wurde sie zu einem Elite-Ensemble, das herausragende Instrumentalisten aus ganz Europa vereinigte. Hinzu kamen exzellente Sängerinnen und Sänger.
Doch Carl Theodor genügte es nicht, sich im Glanz prachtvoller Opernaufführungen zu sonnen. Er ermöglichte auch die Weiterentwicklung eines bis dahin unbekannten besonderen Instrumentalstils, mit dem seine Hofkapelle zum Wegbereiter der europäischen Klassik wurde: Als "Mannheimer Schule" ging dieser Stil in die Musikgeschichte ein. Außerdem beteiligte sich der Kurfürst engagiert an einer Diskussion über die Erneuerung der Oper seiner Zeit: weg von der italienischen Opera seria hin zur deutschsprachigen Oper.
Diese "Erste Goldene Ära" Mannheims endete abrupt 1777, als die bayerische Linie der Wittelsbacher ausstarb. Carl Theodor erbte Bayern und musste seine Residenz nach München verlegen. Viele wichtige Solisten der Hofkapelle zogen mit ihm nach München, ebenso das höfische Publikum. Das Ende der kulturellen Blütezeit in Mannheim schien besiegelt - und mit ihm das weit vorangetriebene Bemühen um die Gründung eines Nationaltheaters in Mannheim gefährdet. Die Idee einer solchen Institution zur Förderung und Weiterentwicklung des deutschen Dramas, der deutschen Sprache und Literatur war damals in Theaterkreisen allgegenwärtig - spätestens seit einem ersten von Gotthold Ephraim Lessing mitgetragenen, jedoch 1769 gescheiterten Versuch in Hamburg.
Doch Carl Theodor bestimmte, dass das Schauspiel als wichtiger Wirtschaftsfaktor in Mannheim verbleiben sollte, bewilligte die notwendigen Mittel zum Engagement eines festen Ensembles im gerade neu gebauten Schauspielhaus im Quadrat B 3 und ernannte Freiherr Wolfgang Heribert von Dalberg zum ersten Intendanten. Günstiger hätte die Gelegenheit kaum sein können: Gerade erst hatte der Herzog von Gotha sein Hoftheater geschlossen. Dalberg verpflichtete dessen Spitzenkräfte, darunter August Wilhelm Iffland, nach Mannheim. Am 7. Oktober 1779 nahm das neu gegründete Ensemble den Spielbetrieb auf – und entwickelte sich binnen weniger Jahre zu einer der angesehensten Bühnen Deutschlands. Ein erster Meilenstein war die legendäre Uraufführung der Räuber am 13. Januar 1782. Dalberg hatte Mut bewiesen und das ungestüme Drama eines damals unbekannten jungen Autors - Friedrich Schiller - auf seiner Bühne vorgestellt. Mit Erfolg: Das Mannheimer Nationaltheater war plötzlich in aller Munde; bis heute ist ihm der Beiname Schillerbühne geblieben.
Kurfürst von Bayern
Als 1777 der Kurfürst Max III. Joseph von Bayern starb, trat Karl Theodor seine Nachfolge an und verlegte seine Residenz von Mannheim nach München. Ohne Erfolg versuchte er Bayern gegen die Österreichischen Niederlande zu tauschen, was ihn bei der Bevölkerung unbeliebt machte. Im Bayerischen Erbfolgekrieg verlor er 1779 das Innviertel an Österreich. Anders als in der Pfalz war Karl Theodor daher in Bayern sehr unbeliebt. Dennoch war seine Regierung in Bayern bedeutsam. Seit 1785 reformierte Graf Rumford das Staatswesen. Karl Theodor empfing Papst Pius VI. in München und verfolgte die Illuminaten.
Auf seine Initiative hin entstand in München unter anderem auch der Englische Garten. An seinen Namen erinnert heute noch die Gemeinde Karlsfeld, die alte Brücke, das Karlstor und der Karlstorbahnhof in Heidelberg, sowie der offizielle Name des Stachus: Karlsplatz, ein Name, der jedoch von den Münchnern wegen der Unbeliebtheit des Kurfürsten traditionell kaum benutzt wird. Karl Theodor ist dennoch Ehrenbürger der Stadt München.
Im 75. Lebensjahr stehend, starb der Kurfürst am 16. Februar 1799 an den Folgen eines vier Tage zuvor erlittenen Schlaganfalls.
Nachkommen
Eheliche Nachkommen
Kurfürst Karl Theodor heiratete am 17. Januar 1742 in Mannheim die Prinzessin Elisabeth Auguste, Tochter des Erbprinzen Joseph Karl Emanuel von Pfalz-Sulzbach und seiner Gattin Prinzessin Elisabeth Auguste Sophie von der Pfalz, die ihm folgenden Sohn schenkte:
- Franz Ludwig Joseph, Erbprinz von der Pfalz-Sulzbach (* 28./† 29. Juni 1762 auf Schloss Schwetzingen)
In zweiter Ehe heiratete er am 15. Februar 1795 in Innsbruck die Erzherzogin Maria Leopoldine von Österreich-Este (1776-1848), Tochter des Erzherzog Ferdinand von Österreich-Este und seiner Gattin Prinzessin Maria Beatrix von d`Este-Modena. Die Ehe blieb kinderlos.
Uneheliche Nachkommen
3. Verbindung mit Françoise Després-Verneuil:
- Karoline Franziska Dorothea, Gräfin von Parkstein (* 1762; † 7. September 1816 Ickelheim) - verheiratet mit Friedrich Wilhelm, Prinz zu Isenburg-Büdingen-Birstein (* 13. Dezember 1730 Birstein; † 12. Oktober 1804 in Mannheim)
4. Verbindung mit Maria Josefa Seyfert, Gräfin von Heydeck (1748–1771):
- Karoline Josepha von Bretzenheim (* 27. Januar 1768)
- Karl August, Graf von Heydeck und Reichsfürst von Bretzenheim, Großprior des Malteserordens zu Bayern (* 24. Dezember 1769)
- Eleonore Karoline von Bretzenheim (* November 1770)
- Friederike Karoline von Bretzenheim (* 9. Dezember 1771)
Weblinks
| <imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden | Commons: Karl Theodor – Bilder, Videos und/oder Audiodateien |
Literatur
- Lebenslust und Frömmigkeit, Kurfürst Carl Theodor zwischen Barock und Aufklärung, Handbuch ISBN 3-7917-1679-4 und Ausstellungskatalog ISBN 3-7917-1679-4
- Weich, Karl: Mannheim - das neue Jerusalem. Die Jesuiten in Mannheim 1720-1773. Mannheim 1997, ISBN 3920671171
| Vorgänger Marie de La Tour d'Auvergne | Markgraf von Bergen op Zoom 1728–1747 1748–1795 | Nachfolger französische Besatzung |
| Vorgänger | Herzog und Pfalzgraf von der Pfalz-Sulzbach 1733–1799 | Nachfolger |
| Vorgänger | Erzschatzmeister sowie Kurfürst von der Pfalz 1742–1777 | Nachfolger aufgegangen in Pfalz-Bayern |
| Vorgänger | Herzog und Pfalzgraf von der Pfalz-Neuburg 1742–1799 | Nachfolger |
| Vorgänger | Herzog von Berg 1742–1799 | Nachfolger |
| Vorgänger | Herzog von Jülich 1742–1794 | Nachfolger französische Besatzung |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Karl IV. Philipp Theodor |
| KURZBESCHREIBUNG | Kurfürst von der Pfalz und von Bayern |
| GEBURTSDATUM | 11. Dezember 1724 |
| GEBURTSORT | Brüssel |
| STERBEDATUM | 16. Februar 1799 |
| STERBEORT | Schloss Nymphenburg bei München |
