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Karl-Rudolf Koch

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Karl-Rudolf Koch (* 30. Juli 1935 in Hilchenbach, Kreis Siegen) ist ein deutscher Geodät und Professor an der Universität Bonn.

In Fachkreisen ist er vor allem durch seine wissenschaftlichen Beiträge zur Ausgleichsrechnung und zur Satellitengeodäsie bekannt. Er ist seit etwa 1980 Inhaber zahlreicher Ehrungen und einiger Ehrendoktorate (u.a. Stuttgart 1999).

Karl-Rudolf Koch studierte Geodäsie an der Uni Bonn und war anschließend als Vermessungsreferendar und Hochschulassistent in Bonn tätig. Nach der Promotion 1965 (Habilitation schon 1967!) erhielt er eine Forschungsstelle in den USA: zunächst an der Ohio State University in Columbus, anschließend am National Geodetic Survey (NGS) in Rockville. An der NGS, wo man an verschiedenen Satellitentechniken arbeitete, war Koch bis 1983 immer wieder tätig.

1970 kehrte er aus den USA als a.o. Professor für Physikalische Geodäsie nach Bonn zurück und wurde acht Jahre später Direktor (Ordinarius) des Instituts für Theoretische Geodäsie. Dazu gehörten - anders als an ähnlichen Instituten z. B. in Österreich oder Süddeutschland üblich - auch Lehraufgaben in der Ausgleichsrechnung und Statistik. Diese Tätigkeit sollte ihn für lange Zeit faszinieren und zum Erfinder einiger innovativer Methoden machen.

Die Deutsche Geodätische Kommission (DGK), angesiedelt an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften) nahm ihn 1979 als ordentliches Mitglied auf, ebenso wie die ESA für die Projektgruppe Radaraltimeter, wo er bis 1987 als Berater tätig war. In dieser Zeit ging er zeitweilig als Gastprofessor nach Amerika und Asien (Curitiba/Brasilien, Calgary, Haifa und Wuhan). Bei der ESA koordinierte er 1989-93 in Anschluss an seine Mitarbeit in der Altimetrie die Auswertung der Altimeterdaten des geodätischen und RS-Satelliten ERS (Satellit).

Eine große Aufgabe übernahm "K.-R.K." 1987 bis 1997 als Direktor des Deutsches Geodätisches Forschungsinstitut (DGFI) mit seinen zwei Abteilungen in München (DGFI I., aus dem u.a. Christoph Reigber und Harald Schuh hervorgingen), und dem früheren Institut für Angewandte Geodäsie (IfAG) in Frankfurt am Main. Besonders in der Satellitengeodäsie konnte Prof. Koch seiner Arbeitsgruppe einen Spitzenplatz in der globalen geodätischen Forschung sichern.

Neben dem Organisator wurde an der Univ.Bonn der Wissenschafter Koch nach und nach zum Pionier auf den Gebieten der Ausgleichungsrechnung und angewandten Statistik: Als um 1975 die Forschung zu den Verfahren der Parameterschätzung stagnierte, konnte er mit seinen Arbeiten den Bezug zur mathematischen Statistik herstellen. Was er zur semantischen Modellierung beitrug, sehen Fachleute als "Quantensprung" in der modernen Geodäsie - und auch in der Geoinformatik, die zunehmend mit den Problemen der Datenqualität zu tun bekommt.

Als Folge von Kochs wissenschaftlichen Erfolgen, die er durch wiederholte Mitarbeit an Seminaren und in internationalen Forschungsprojekten bekannt machte, wurde das weiterhin von ihm geführte Institut für Theoretische Geodäsie zur Bonner "Pilgerstätte" für Forscher aus aller Welt. Es zählt unter Geodäten zu den 3-4 führenden deutschen Instituten der Höheren Geodäsie -- neben den (allerdings auf anderen Gebieten der Erdmessung tätigen) Instituten in [Hannover] und München. Auch auf dem Gebiet digitale Signalverarbeitung hat Koch Grundlegendes geleistet und mit seinem langjährigen Mitarbeiter Dr. M. Schmidt das Lehrbuch "Deterministische und statistische Signale verfasst (Dümmler-Verlag, Bonn 1994). Dieses Kompendium fasst in den Augen der zahlreichen Koch-Schüler alles wesentliche zur Datenprozessierung zusammen.

Nicht zuletzt sei sein Beitrag zur Geoidbestimmung erwähnt, den er in den 1970er Jahren mit dem "Potential der einfachen Schicht" erarbeitete. Als damals die Satellitengeodäsie begann, an der zunehmenden Datenflut aus Messungen der Umlaufbahnen zu leiden und die Computer sozusagen nicht nachkamen, konnte die bis dahin vorherrschende Methodik der Kugelfunktions-Entwicklungen des Schwerepotentials ("harmonische Koeffizienten", siehe auch Massefunktionen) durch eine sehr effektive, robuste, wenngleich an den Modellrändern unstetige Rechenmethode ergänzt werden. In Kürze gesagt: man braucht(e) mit Kochs Methode nicht mehr langwierige Rechentage, um aus 100.000 Daten 50.000 Massefunktionen des Erdkörpers zu rechnen, sondern konnte direkt auf sogenannte Flächenbelegungen an den Stellen der größten Schwereanomalien ansetzen. Diese "Belegung" der Erdoberfläche mit fiktiven, dünnen Massen ist neben ihrer rechenbezogegen Wirtschaftlichkeit auch flexibel, weil sie kein mathematisch strenges Modell des Erdschwerefeldes voraussetzt.

Nicht zuletzt wegen dieser innovativen Methode der Satellitengeodäsie, die gleichermaßen die Geoidbestimmung und die Himmelsmechanik erdnaher Körper "vor ihrer Zeit" lösbar machte, erhielt K.R. Koch einen Ruf an die in der Geoid-Forschung und (geo)physikalischen Geodäsie führenden TU Wien. Die Nachfolge des plötzlich verstorbenen Wiener Ordinarius Karl Ledersteger trat Koch jedoch nach längeren Verhandlungen nicht an, weil ihm Bonn bessere finanzielle Konditionen bieten konnte. Nachfolger Lederstegers wurde nach längerer Vakanz Kurt Bretterbauer.

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