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Königreich Westphalen

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Bild:Disambig-dark.svg Dieser Artikel bezieht sich auf das historische Königreich Westphalen; zu weiteren Bedeutungen siehe Westfalen (Begriffsklärung)
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Jérôme Bonaparte als König von Westphalen

Das Königreich Westphalen (die zeitgenössische Schreibweise mit ph wird in der Geschichtswissenschaft zur Unterscheidung von Herzogtum, Provinz und Landschaft Westfalen verwendet) war ein Rheinbundstaat in Deutschland während der napoleonischen Ära.

Inhaltsverzeichnis

Entstehen und Zielsetzung

Das Königreich Westphalen wurde nach dem Frieden von Tilsit (1807) von Napoléon Bonaparte per Dekret vom 18. August für seinen Bruder Jérôme (Hieronymus) aus dem Kurfürstentum Hessen, dem Herzogtum Braunschweig, dem Fürstentum Osnabrück, sowie hannoverschen, preußischen und sächsischen Gebietsteilen geschaffen. Seine Hauptstadt war die alte hessische Hauptstadt Kassel. Der König traf dort am 10. Dezember 1807 ein. Westphalen deckte sich geographisch nicht mit der Region Westfalen, wirklich westfälische Gebiete lagen im Westen, bis zum Ende insbesondere die Gebiete des ehemaligen Hochstifts Paderborn, der Grafschaft Ravensberg sowie Mindens.

Es war gedacht als napoleonischer "Modellstaat", der sich durch eine moderne Verwaltung und Justiz auszeichnen sollte. Tatsächlich wurden die Patrimonialgerichte und die Leibeigenschaft abgeschafft, die Gewerbefreiheit, die Gewaltenteilung, der Code Civil und die Führung von Kirchenbuchduplikaten eingeführt. Auch erhielt das Land, erstmals in einem deutschen Flächenstaat, eine schriftliche Verfassung.Am 25. Dezember 1809 stifftette Jérôme in Paris ein "Orden der Westphälischen Krone".

Dennoch waren die Reformen nur begrenzt erfolgreich, da der ständige Geld- und Menschenbedarf für die napoleonischen Kriege (das Königreich hatte dem Rheinbund ein Kontingent von 25.000 Mann zu stellen) das Land wirtschaftlich ausbluten ließ. Bespitzelung und polizeistaatliche Unterdrückung sollten die Bürger, die die neuen Herrscher zum Teil erbittert ablehnten, zur Raison bringen. In Kurhessen kam es bereits seit 1806/07 wiederholt zu Aufständen der Bevölkerung und Widerstandshandlungen in den verschiedensten Orten. Diese Aufstände richteten sich vordringlich gegen die Konskription, das heißt gegen die (zuvor weitgehend unbekannte) allgemeine Wehrpflicht. Der Aufstand von 1809 unter der Führung von Wilhelm Freiherr von Dörnberg war der umfangreichste dieser Erhebungen.

Das Königreich war nach französischem Vorbild in Départements, Bezirke (Arrondissements) und Kantone eingeteilt. Im Jahre 1807 bestand das Königreich aus 8 Départements (Liste der Departements im Königreich Westphalen), im Jahre 1810 kamen noch die Départements Aller (Hauptstadt Hannover), Nord (Hauptstadt Stade) sowie Niederelbe (Hauptstadt Lüneburg) hinzu.

Im Januar 1810 wurde das Kurfürstentum Hannover (mit Ausnahme von Lauenburg) integraler Teil von Westphalen. Im Januar 1811 wurden dem französischen Kaiserreich die Niederlande und weite Gebiete Nordwestdeutschlands (etwa einer Linie von der Lippemündung bis Lübeck folgend) einverleibt. Am 1. Januar 1811 wurden die Départements Nord und Niederelbe als Folge der Annexion wieder aufgelöst (die südlichen Teile dieser Départements wurden dem Aller-Département beigelegt). Diese Maßnahme sollte die Folgen der von Napoleon verhängten Kontinentalsperre lindern. Dadurch verlor das Königreich Westphalen einen Großteil des Weser-Départements (einschließlich der Hauptstadt Osnabrück) an Frankreich. Der südliche Teil dieses Départements wurde dem Fulda-Département zugeschlagen.

Das Ende des Königreichs

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) löste sich das Königreich Westphalen auf; die ursprünglichen Territorien wurden wiederhergestellt. Am 28. September 1813 standen Kosakentruppen vor Kassel, die am 1. Oktober unter Czernitscheff die Stadt eroberten und das Königreich für aufgelöst erklärten. Nachdem die Stadt nach nur vier Tagen von den Kosaken verlassen worden war, rückten Mitte des Monats erneut französische Truppen vor, und Jérôme kehrte für drei Tage nach Kassel zurück. Nicht nur der kurhessische Kurprinz kehrte bald heim, ein russisches Korps rückte wieder ein. Erst am 21. November zog Kurfürst Wilhelm I. wieder in Kassel ein, und die Restauration wurde eingeleitet. Die zeitgenössischen Quellen verzeichnen vielerorts "Jubel", mit dem die Kosaken von der Bevölkerung begrüßt worden sind. Vereinzelt berichten sie auch von Ausschreitungen, die sich teils gegen ehemalige Maires (Bürgermeister der westphälischen Zeit) richteten, teils auch gegen die unter westphälischer Herrschaft emanzipierten Juden.

Siehe auch

Literatur

  • Helmut Berding, Napoleonische Herrschafts- und Gesellschaftspolitik im Königreich Westfalen 1807 - 1813, Göttingen 1973.
  • Helmut Burmeister (Hg.), König Jérome und der Reformstaat Westphalen, Ein junger Monarch im Spannungsfeld von Begeisterung und Ablehnung, Verein für hessische Geschichte und Landeskunde, Reihe Hessische Forschungen Bd. 47, ISSN 0440-7520, Hofgeismar 2006.
  • Artur Kleinschmidt, Geschichte des Königreichs Westfalen, Gotha 1893.
  • Jochen Lengemann, Parlamente in Hessen 1808 - 1813, Biographisches Handbuch der Reichsstände des Königreichs Westphalen und der Ständeversammlung des Großherzogtums Frankfurt, Die Hessen-Bibliothek im Insel Verlag, ISBN 3-458-16185-6, Frankfurt am Main 1991.
  • Armin Owzar, Frankreich in Westfalen. Konstitutionalisierung und Parlamentarisierung unter Napoleon (1806-1813). In: Westfalen 79 (2001), S. 183-196.
  • Ewald Grothe, Model or Myth? The Constitution of Westphalia of 1807 and Early German Constitutionalism. In: German Studies Review 28 (2005), S. 1-19.

Weblinks



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