Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Jonker Afrikaner

Aus Kefk.

Wechseln zu: Navigation, Suche

Jonker Afrikaner (* 1790 Tulbagh, Südafrika; † 18. August 1861 in Okahandja bei Windhuk) war ein Stammesführer im ehemaligen Südwest-Afrika. Er war Häuptling der Afrikaner, eines Unterstammes der Orlam (auch Orlamhottentotten genannt, da die Orlam aus der Vermischung von Nama-Frauen und burischen Farmern hervorgingen).

Biografie

Jonker Afrikaner war der jüngste Sohn des Afrikaner-Häuptlings Jager Afrikaner. Als dieser an seinem Stammessitz in Warmbad (Südwest-Afrika) 1823 gestorben war, kam es im Streit um die Häuptlingsnachfolge zu einer Stammesteilung: der friedlichere Teil der Afrikaner verblieb in Warmbad, während der aufsässige, ganz in die Fußstapfen seines Vaters tretende Jonker Afrikaner mit einer kleinen, aber zu allem entschlossenen Anhängerschaft junger Afrikaner das Stammesgebiet verlassen musste.

In der Folgezeit führten die Afrikaner unter Führung von Jonker eine Vielzahl von Raubzügen gegen wahllos jeden Stamm durch, der in ihre Reichweite kam. Dank ihrer Ausrüstung mit Feuerwaffen verliefen diese Überfälle durchweg erfolgreich und brachten dem Stamm beträchtlichen Zulauf durch allerlei Gesindel. Dies wiederum vermehrten die Macht und den "Ruhm" des Jonker Afrikaner so sehr, dass er von Games, dem weiblichen Häuptling der "Roten Nation" (Nama) in Hoachanas gebeten wurde, sie im Kampf gegen die nach Süden vordringenden, zahlenmäßig weit überlegenen Herero zu unterstützen. Jonker Afrikaner kam dieser Bitte nach und es gelang ihm in mehreren Raubzügen, den Herero empfindliche Niederlagen zuzufügen und sie bis etwa auf die Höhe von Windhuk zurückzudrängen.

1840 ließ sich Jonker Afrikaner endgültig in Windhuk nieder und begründete hier - in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinen Hauptgegnern, den Herero in Okahandja - seinen Stammessitz. Durch geschickte Verhandlungen, aber auch durch Beteiligung der Herero an seinen Rauberfolgen, erreichte Jonker Afrikaner 1842 einen Friedensschluss mit den beiden wichtigsten Hererohäuptlingen Tjamuaha und Kahitjene. Zur Festigung dieses Vertragsschlusses wurde vereinbart, dass die beiden Herero-Häuptlinge ihren Wohnsitz nach Windhuk verlegten und der Sohn von Tjamuaha, Maharero, zusammen mit dem etwa gleichaltrigen Neffen (oder Sohn ?) von Jonker Afrikaner, Jan Jonker Afrikaner, in Windhuk aufwuchs und beide schließlich unter dem Befehl von Jonker Afrikaner zu Unterhäuptlingen ernannt wurden. Diese gemeinsam verbrachte Jugendzeit begründete eine feste, die Fehden der beiden Stämme überdauernde Freundschaft zwischen Maharero und Jan Jonker Afrikaner (obwohl Maharero dann schließlich doch die Ursache für den Untergang der Afrikaner setzen sollte).

Durch den nicht immer freiwilligen Zuzug von Nama- und Damara- Stämmen und den Nachzug der am Oranje verbliebenen Afrikaner wuchs Windhuk zur unumstrittenen Machtzentrale des damaligen Südwest-Afrikas mit beachtlichen ca. 30.000 Einwohnern (1843). Dennoch hörten die Machtkämpfe zwischen Afrikanern und Herero nicht auf, was zum Teil an dem gespannten Verhältnis der beiden Herero-Häuptlinge untereinander, zum Teil aber auch an dem zunehmenden "Händler-Unwesen" in Windhuk lag: die Händler versorgten die Afrikaner reichlich mit Alkohol und Waffen und ließen sich dafür mit Rindern bezahlen. Da eigene Rinder aber bald nicht mehr in genügender Zahl vorhanden waren, wurden die Rinderherden der Herero - vor allem der "Ost-Herero" (Mbanderu) und des reichen Häuptlings Kahitjene - geraubt. Die gegenseitigen Feindseligkeiten gipfelten in einem vernichtenden Überfall der Afrikaner auf die Herero im Jahre 1850 - dem sogenannten "Blutbad von Okahandja". Weitere Raubzüge folgten; die Herero waren jedoch auf Grund der eigenen Zerstrittenheit nicht in der Lage, sich gegen die Überfälle der Afrikaner und der mit ihnen verbündeten Tjamuaha- und Maherero-Herero wirkungsvoll zur Wehr zu setzen.

Die Erfolge des Jonker Afrikaner erregten den Neid und das Misstrauen derjenigen, die ihn einst für den Kampf gegen die Herero engagiert hatten - die "Rote Nation" in Hoachanas. Deren neuer Oberhäuptling Oasib versuchte in mehreren Anläufen, die Vormachtstellung der Afrikaner einzudämmen. Dies misslang ihm allerdings gründlich, so dass sich Oasib schließlich am 9. Januar 1858 zum Friedensschluss von Hoachanas genötigt sah. Dieser Frieden markiert den Höhepunkt der Macht des Jonker Afrikaner und der von ihm geführten Afrikaner: die Herero hatten - soweit sie nicht mit Jonker Afrikaner verbündet waren oder ins Kaokoveld fliehen konnten - aufgehört zu existieren (s. Vedder, Das alte Südwestafrika, S. 369 ). Die Nama und die mit ihnen verbündeten übrigen Orlam-Stämme anerkannten die Gebietsherrschaft des Jonker Afrikaner über das Hereroland, d.h. über den gesamten Norden von Südwest-Afrika, und hatten sich auch bezüglich jedweder Streitigkeiten im Süden des Landes dem Spruch des Jonker Afrikaner unterworfen.

Nach einem weiteren erfolgreichen Raubzug - diesmal gegen die Ovambo im Norden Südwest-Afrikas - kehrte Jonker Afrikaner schwer erkrankt nach Windhuk zurück und ließ sich bei seinem ebenfalls erkrankten Herero-Häuptlingsfreund Tjamuaha in Okahandja nieder. Am 18. August 1861 starb Jonker Afrikaner, nachdem er seinen ältesten Sohn Christian Afrikaner zu seinem Nachfolger ernannt hatte. Kurze Zeit danach verstarb auch Tjamuaha.

Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Andere Sprachen