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Johann Götschl
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Johann Götschl, (* 14. Juli 1939 in Leoben, Steiermark) ist Universitätsprofessor an der Karl-Franzens-Universität Graz, österreichischer Philosoph und Wissenschaftstheoretiker.
Inhaltsverzeichnis |
Leben
Johann Götschl entstammt einer Arbeiterfamilie aus der Obersteiermark. Nach seiner Schulzeit wurde er 1953–1956 zum Industrieschweißer ausgebildet und arbeitete mehrere Jahre in diesem Bereich. 1964 begann er als Werkstudent ein Studium der Philosophie und Physik, 1971 mit der Promotion zum Dr. phil. abgeschlossen.
Akademische Laufbahn
1971 Assistent am Institut für Philosophie der Karl-Franzens-Universität Graz, sowie 1972 Lektor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Technischen Universität Graz. Seit 1978 ist er Leiter des „Ludwig Boltzmann Instituts für Wissenschaftsforschung“ und Herausgeber der „Zeitschrift für Wissenschaftsforschung“. 1979 habilitierte er sich mit einer Arbeit über „Struktur und Aufbau wissenschaftlicher Theorien“ als Universitätsdozent und wurde 1981 zum Universitätsprofessor für Philosophie und Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften an der Universität Graz berufen. Daneben ist er seit 1995 Lektor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Technischen Universität Wien und seit 1998 Lektor an der Universität Wien für Soziologie und Psychologie der Technik.
Weitere Tätigkeiten
- 1987-1997 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates der Steirischen Forschungsgesellschaft Joanneum Research
- 1995-1997 Vorsitzender des Steirischen Fachhochschulbeirates für den Aufbau von Fachhochschulen in der Steiermark
- seit 1993 Mitglied im Editorial Board von „Theory and Decision Library, Series A: Philosophy and Methodology of the Social Sciences“, Kluwer Academic Publishers, Dordrecht/Boston/London
- seit 1995 Mitglied im Editorial Board der Zeitschrift „Evolution and Cognition“
- seit 1998 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates des Österreichischen Forschungszentrums Arsenal Research, Wien
- seit Mai 2002 Mitglied der Leibniz-Sozietät, Berlin.
- Gastprofessuren (Auswahl): University of Colorado in Boulder (1976 u. 1984); Universität Braunschweig (1987); Universität Düsseldorf (1989); University of Minneapolis, Minnesota (1992); New School University, New York (1996), University of Arkansas at Little Rock (2000).
Auszeichnungen und Mitgliedschaften
(in Auswahl)
- 1974: Theodor-Körner-Preis
- 2002: Mitglied der Leibniz-Sozietät — (Homepage der Leibniz-Sozietät), (Foto anläßlich der Aufnahme)
Philosophie
Basierend auf seinen Forschungsschwerpunkten:
- Philosophie und Methodologie der Naturwissenschaften, insbesondere der Physik
- Struktur, Aufbau und Dynamik empirischer Wissenschaften
- Philosophie und Methodologie der Theorien der Evolution und Selbstorganisation
- Interdisziplinäre Zugänge zur Vermittlung zwischen den Natur- und Sozialwissenschaften
- Aufbau einer allgemeinen Theorie von Realität unter Orientierung am Denkansatz eines hyperkritischen Realismus
bildet für Johann Götschl die Darlegung der existentiellen und kulturellen Bedeutung von (insbesondere wissenschaftlichem) Wissen und das Erkennen des Humangehalts von Wissenschaft den Kernpunkt seiner Forschungen.
Da die Einheit der Wissenschaften nicht realisierbar zu sein scheint, erfolgt die Suche nach dem Humangehalt von wissenschaftlichem Wissen über die heuristische These der „Einheit von Erkenntnis“. In dieser Einheit kann sich das Verständnis für die untrennbare Zusammengehörigkeit von Mensch und Natur entfalten. Wissenschaftliche Kreativität und wissenschaftliches Wissen — im Netzwerk von Theorie und Erfahrung gesehen — scheinen für die Evolution zu einer gerechteren Gesellschaft das größte Potential zu enthalten. Wissenschaftliches Wissen ist nicht separierbar von interdisziplinärem, transdisziplinärem Wissen und von Philosophie, sondern es ist davon auszugehen, dass zwischen Wissenschaft und Philosophie ein Kontinuum existiert, in dem und aus dem heraus sich die unterschiedlichen Weltbilder und Lebensformen bilden und realisieren. Die permanente philosophische Durchdringung von Wissenschaft und Technologie stellt zwar noch nicht den gesuchten Humangehalt selbst dar, ist aber eine unverzichtbare Quelle für Humanitätsgewinn.
Zum Beginn des 21. Jahrhunderts ringt der Mensch mehr denn je um besser begründbare Orientierungen. Informatisierung, Kybernetisierung, Cyberspace und Internet können sowohl Hoffnungen wie auch Befürchtungen verstärken. Vier entscheidende Wissenschaftsrevolutionen den 20. Jahrhundert haben Mensch und Gesellschaft dramatisch verändert: 1. Physik (Relativitätstheorie, Quantenphysik, Astrophysik), 2. Genetik (Gentechnologie), 3. Computerwissenschaft, 4. Neurowissenschaft (Gehirnforschung). Zentral für die unmittelbare Gegenwart ist die Einsicht, dass die „Computergalaxis“ (als Pendent und im Gegensatz zur „Gutenbergsgalaxis“) dabei ist, die menschliche und außermenschliche Welt in ein dynamisches Meganetz zu verwandeln. Ist dadurch die personale Identität in Auflösung begriffen und wird Menschsein auf informatorisch-kalkulierbare Datensysteme reduziert? Sind Entwicklung und Humanität neu zu einander in Beziehung zu setzen? Diese Frage sind entscheidend um für die mittlere Zukunft zu einer eher optimistischen oder pessimistischen Bewertung zu gelangen.
Werke
- Interdisziplinarität und Kooperation. Grundlagen für die Verbesserung der Kooperation zwischen Wissenschafts- und Innovationssystemen, Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Verkehr, 2001
- Revolutionary Changes in Unterstanding Man and Society (Scopes and Limits). Dordrecht - Boston - London, 1995
- Erwin Schrödinger´s World View. The Dynamics of Knowledge and Reality, Dordrecht 1992
- Struktur und Aufbau wissenschaftlicher Theorien, (phil. Habilitationsschrift) Graz 1979
- Beobachtungsprädikate und theoretische Systeme, (phil. Dissertation) Graz 1971
Weblinks
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Götschl, Johann |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Philosoph und Wissenschaftstheoretiker |
| GEBURTSDATUM | 18. Juni 1939 |
| GEBURTSORT | Leoben |
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