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Johann Adolph Hasse

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Johann Adolph Hasse (italienisiert Giovanni Adolfo; getauft 25. März 1699 in Bergedorf, † 16. Dezember 1783 in Venedig) war ein einflussreicher deutscher Komponist des Rokoko.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bild:Johann Adolf Hasse.jpg
Johann Adolph Hasse

Jugend und Ausbildung

Johann Adolf Hasse war das zweite von fünf Kindern aus der Ehe des Organisten Peter Hasse mit Abel Christine von Klessing, der Tochter des Bürgermeisters von Bergedorf. 1714 begann er ein Gesangsstudium in Hamburg, wo der Dichter Johann Ulrich von König auf ihn aufmerksam wurde und ihn 1718 als Tenorist an das Opernhaus am Gänsemarkt empfahl. Im Jahr darauf wechselte Hasse nach Braunschweig, wo am 11. August 1721 seine erste Oper Antioco mit dem Komponisten in der Titelrolle zur Aufführung kam. Da Norddeutschland ihm ansonsten wenig Perspektiven bot, reiste Hasse nach Italien und studierte von 1722 bis 1725 in Neapel Komposition bei Nicola Porpora und Alessandro Scarlatti.

"Il caro Sassone"

Im September 1725 führte er auf dem Landsitz von Carlo Carmignano, des königlichen Rats am Hof von Neapel, seine Serenade Antonio e Cleopatra auf, in der Vittoria Tesi und Farinelli sangen. Mit Sesostrate gab er am 13. Mai 1726 seinen erfolgreichen Einstand am renommierten Teatro San Bartolomeo in Neapel und reihte sich mit seinen folgenden Opern unter die beliebtesten Opernkomponisten Italiens ein. Spätestens der Erfolg von Artaserse im Karneval 1730 in Venedig machte Hasse, der sich den Beinamen "il caro Sassone" verdient hatte, über Italien hinaus bekannt. Dies war zugleich seine erste Zusammenarbeit mit dem Dichter Pietro Metastasio, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.

Am 20. Juli 1730 heiratete Hasse die als "La nuova Sirena" gefeierte Sängerin Faustina Bordoni. Vom 7. Juli bis 8. Oktober 1731 gaben beide ein Gastspiel in Dresden, wo Hasse am 13. September 1731 seine Oper Cleofide uraufführte. Unter den Zuhörern waren auch Johann Sebastian Bach und dessen ältester Sohn Wilhelm Friedemann, die auch in späteren Jahren des öfteren die Dresdener Hofoper besuchten, um "hübsche Liederchen" zu hören, wie der Thomaskantor Hasses Arien liebevoll nannte. Kurfürst August der Starke verlieh Hasse den Titel eines Königlich Polnischen und Kurfürstlich Sächsischen Kapellmeisters. Sein offizieller Dienstantritt erfolgte jedoch erst am 1. Dezember 1733 unter dem neuen Herrscher Friedrich August II. Bis dahin reisten Hasse und Faustina weiterhin durch Italien und mehrten ihren Ruhm mit gemeinsamen Opernauftritten.

Erfolge und Rivalitäten

In seiner dreißigjährigen Amtszeit als Hofkapellmeister in Dresden formte Hasse das dortige Opernpersonal zu einem der Spitzenensembles der Zeit. Neben den Sängern mit Faustina Bordoni an der Spitze galt das von ihm neu organisierte Orchester als so vorbildlich, dass Jean-Jacques Rousseau den Sitzplan dieses Klangkörpers im Artikel "Orchestre" der berühmten Encyclopédie als Musterbeispiel veröffentlichte. Der kurfürstliche Hof gewährte Hasse und Faustina großzügige Freiheiten, damit sie auch in ihrer eigentlichen künstlerischen Heimat Italien ihre Kontakte pflegen konnten. Für die Dresdener Zeit sind mindestens fünf längere Auslandsreisen des Ehepaars Hasse belegt: Von November 1734 bis Januar 1737, von September 1738 bis Ende 1739, von April 1744 bis Spätsommer 1745, von Juli 1746 bis Anfang Januar 1747 sowie im Laufe des Jahres 1754. Zentrum dieser Reisen war Venedig, wo Hasse seit 1735 ein Haus besaß.

Ob Hasse Ende 1734 in London war, wo die mit Georg Friedrich Händel verfeindete "Opera of the Nobility" unter Leitung von Nicola Porpora eine Bearbeitung seines Artaserse spielte, ist nicht erwiesen. Einigen Quellen zufolge soll Hasse eine Einladung nach London mit der Begründung abgelehnt haben, er sehe sich außerstande, gegen Händel zu konkurrieren. Möglicherweise wollte er auch eine Begegnung mit Porpora vermeiden, der seit einem ungeklärten Vorfall während Hasses Studienzeit in Neapel nicht gut auf ihn zu sprechen gewesen sein soll. Falls Hasse wirklich daran gelegen war, Porpora aus dem Weg zu gehen, war dies jedoch nicht mehr möglich, als Letzterer 1748 nach Dresden kam und sogleich zum Gesangslehrer der Kurprinzessin Maria Antonia Walpurgis und zum Kapellmeister ernannt wurde. In der Folge kam es zwischen den beiden Kapellmeistern zu grotesken Auseinandersetzungen. So soll Porpora behauptet haben, Hasse habe die Arie "Se tutti i mali miei" in der Oper Demofoonte absichtlich so komponiert, dass sie für die Stimme von Porporas Schülerin Regina Mingotti ungünstig lag und ihre gesanglichen Schwächen bloßstelle. Tatsächlich gehört die fragliche Arie zur Rolle, die Faustina Bordoni in dieser Oper verkörperte. Mit seiner Ernennung zum Oberkapellmeister (7. Januar 1749) gewann Hasse wieder die Oberhand, während Regina Mingotti zum Publikumsliebling unter den Dresdener Gesangsstars aufstieg. Anfang 1752 verließ Porpora Dresden; Faustina Bordoni hatte sich Anfang 1751 nach der letzten Aufführung von Hasser Oper Ciro riconosciuto aus unbekannten Gründen als Sängerin zurückgezogen.

Von Mai bis August 1750 weilte Hasse auf Einladung des französischen Hofes in Paris. Die Anhänger der französischen Aufklärung um die Philosophen Voltaire und Rousseau feierten ihn als Botschafter der italienischen Musikkultur, die sie als der eigenen überlegen betrachteten. Für Hasse war die Einladung nach Paris der Höhepunkt seines europäischen Ruhmes.

Der Siebenjährige Krieg

Mit dem Ausbruch des Siebenjährigen Krieges begann die "Ära Hasse" in Dresden sich ihrem Ende zu nähern. Am 9. September 1756 besetzte Friedrich II. von Preußen die Stadt. Friedrich war ein großer Verehrer von Hasses Kunst. Schon 1742 hatte er Graf Francesco Algarotti gebeten, ihm eine Abschrift der Arie "All'onor mio rifletti" aus Lucio Papirio zu senden; nach Erhalt ließ er Hasse durch Algarotti zu dieser Komposition brieflich beglückwünschen. In Dresden nutzte der Preußenkönig, selbst ein passionierter Flötist und Amateurkomponist, trotz des Kriegszustandes jede Gelegenheit, um mit dem Ehepaar Hasse gemeinsam zu musizieren. Doch die königliche Begeisterung für seine Musik schützte Hasse nicht vor den Schrecken des Krieges. Bei der Bombardierung Dresdens am 19. Juli 1760 brannte sein Wohnhaus ab, mitsamt den zum Stich vorbereiteten Abschriften seiner gesammelten Werke. Während der kurfürstliche Hofstaat seine Residenz nach Warschau verlegte, zog Hasse mit seiner Familie (zu der auch zwei Töchter gehörten, Maria Peppina und Cristina) im Januar 1761 nach Wien um und war dort vorübergehend als Musiklehrer der Erzherzoginnen Maria Carolina und Maria Antonia (Marie Antoinette) tätig.

Wien und Venedig

Nach Kriegsende kehrten Hasse und Faustina im Sommer 1763 nach Dresden zurück. Unmittelbar nach dem Tod von Friedrich August III. am 5. Oktober 1763 wurden sie durch dessen Nachfolger Friedrich Christian entlassen. Hasse komponierte noch die Musik für die Trauerfeierlichkeiten seines ehemaligen Herren und reiste am 20. Februar 1764 nach Wien ab. Dort waren die Anhänger einer Reform der italienischen Oper um Christoph Willibald Gluck immer zahlreicher geworden, doch der Geschmack des kaiserlichen Hofes hielt noch an der traditionellen Opera seria fest. Hasse selbst näherte sich mit dem "tragischen Intermezzo" Piramo e Tisbe (November 1768), das er als eines seiner gelungensten Werke bezeichnete, behutsam dem reformierten Operntypus an.

Im Januar 1771 erhielt Hasse von Maria Theresia den Auftrag, anlässlich der Hochzeit von Erzherzog Ferdinand mit Prinzessin Maria Beatrice d'Este die Festoper Ruggiero nach einem neuen Libretto von Metastasio zu schreiben. Sowohl Hasse als auch Metastasio schlossen mit dieser Oper ihr Lebenswerk ab. Sie wurde am 16. Oktober 1771 im Teatro Regio Ducale in Mailand als Hauptpunkt des musikalischen Rahmenprogramms der Hochzeitsfeierlichkeiten aufgeführt, fand aber nur geringe Resonanz. Wie aus brieflichen Äußerungen hervorgeht, erkannten beide Künstler, dass die Zeit der von ihnen kultivierten Opernästhetik, von der sie sich nicht trennen wollten, vorüber war. Wesentlich größere Aufmerksamkeit erregte die tags darauf aufgeführte Serenade Ascanio in Alba des fünfzehnjährigen Wolfgang Amadeus Mozart. Hasse soll daraufhin gesagt haben: "Dieser Knabe wird uns alle vergessen machen."

Im April 1773 übersiedelte das Ehepaar Hasse nach Venedig, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. Am 4. November 1781 starb Faustina Bordoni; ihr Mann überlebte sie um zwei Jahre. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Kirche San Marcuola in Venedig.

Werk

Mit seinen Opern wurde Hasse zum buchstäblich tonangebenden Komponisten der Opera seria, wie sie durch die Dichtungen von Pietro Metastasio ihre literarische Form erhalten hatte. Metastasios Libretti wurden während des ganzen 18. Jahrhunderts (und teilweise darüber hinaus) von fast allen namhaften Komponisten vertont, einzelne mehr als fünfzig Mal; der Dichter selbst hat jedoch die Art und Weise, wie Hasse seine Dramen musikalisch einkleidete, in besonderem Maß als kongenial empfunden und ihn über alle seine anderen Vertoner gestellt.

Die Form der Opera seria, wie sie zu Beginn seiner Laufbahn als Opernkomponist in den Grundzügen bereits fertig ausgebildet war, hat Hasse zur Vollendung geführt, ohne ihr etwas grundsätzlich Neues hinzuzufügen oder sie in Frage zu stellen. Bis zuletzt ist er dem Schema treu geblieben, das aus einer Folge von Arien mit verbindenden Rezitativen bestand. Letztere sind meist als Secco-Rezitativ vertont. Vom orchesterbegleiteten Accompagnato-Rezitativ macht Hasse, einer Empfehlung Metastasios folgend, nur sparsamen Gebrauch; dafür sind diese den Höhepunkten der dramatischen Spannungskurve vorbehaltenen Szenen besonders wirkungsvoll.

In seinen späteren Dresdener Opern, für die ihm ein selbstständiger Chor zur Verfügung stand, hat Hasse den musikalischen Formenschatz auch durch Chorszenen bereichert, wie den Soldatenchor in Solimano (mit zusätzlichem Bühnenorchester) und den feierlichen Priesterchor in L'Olimpiade. Seine für italienische Bühnen geschriebenen Werke begnügen sich mit dem obligatorischen, nur pro forma als "Coro" bezeichneten Schlussgesang, der gemeinsam von den Solisten bestritten wird und die Moral von der Geschichte verkündet.

Hasses Arien (und auch die Duette, in der Regel eines je Oper) folgen, wie zu seiner Zeit allgemein üblich, meist der Da-Capo-Form (Da-Capo-Arie). Der Gesang steht dabei durchaus im Vordergrund, ganz der Aufgabe gewidmet, die sprachliche Eleganz und den Affektgehalt des Textes angemessen zur Geltung zu bringen. Hasses melodischer Einfallsreichtum wird allen Graden der Gefühlsskala gerecht, die in einem metastasianischen Drama vorkommen können, doch es waren vor allem sanft melancholische Liebes- und Abschiedsgesänge wie das heute wieder relativ bekannte "Per questo dolce amplesso" aus Artaserse, denen er seine Popularität verdankte.

Den Orchesterpart wusste Hasse ebenfalls hervorragend zu behandeln. Die Instrumente steuern immer wieder charakteristische Farben zur Ausmalung eines poetischen und musikalischen Bildes bei, ohne sich auf Kosten des Gesanges in den Vordergrund zu spielen.

Hasses Zeitgenossen bewunderten an seiner Musik ihre vornehme Schlichtheit und das Geschick, mit dem er ohne großen Aufwand glänzende, nie aufdringliche Effekte erzielte. Aus heutiger Sicht mag seine Musik weniger originell als etwa diejenige Händels erscheinen. Sie scheint weniger Ausdruck einer individuellen Persönlichkeit zu sein als vielmehr die Erfüllung dessen, was seiner Zeit als musikalisches Schönheitsideal vorschwebte.

Wirkung

Die eher periphere Rolle, die Hasse im heutigen Musikleben spielt, entspricht kaum seiner musikgeschichtlichen Bedeutung. Er war einer der gefeiertsten Komponisten des 18. Jahrhunderts und durfte Persönlichkeiten wie Maria Theresia, Friedrich II. von Preußen und Voltaire (der ihn den "Helden des Jahrhunderts" nannte) zu seinen Bewunderern zählen. Sein Werk war jedoch so sehr der Ästhetik seiner Zeit verpflichtet, dass es mit ihr gemeinsam untergehen musste.

Der Operntypus, der den Schwerpunkt von Hasses Gesamtwerk bildet und als dessen typischster Vertreter er gilt, hat auf der modernen Opernbühne generell keinen leichten Stand. Die ernste italienische Oper des 18. Jahrhunderts ist dort fast ausschließlich durch Werke von Händel und Gluck vertreten (auf dem Tonträgermarkt zusätzlich durch Antonio Vivaldi, sowie verstreute Einzelstücke in Arien-Recitals), die von der Normalform der Opera seria mehr oder weniger stark abweichen.

Werkliste (Auswahl)

Opern

(in Klammern Name des Librettisten, Ort und Jahr der Uraufführung)

Oratorien

  • Il cantico de' tre fanciulli (Stefano Benedetto Pallavicino; Dresden 1734)
  • I pellegrini al Sepolcro (Pallavicino; Dresden 1742)
  • La conversione di Sant' Agostino (Maria Antonia Walpurgis von Sachsen; Dresden 1750)

Kirchenmusik

  • Beatus vir
  • Confitebor tibi, F-Dur
  • Dixit Dominus, C-Dur
  • Missa ultima in g (1783)
  • Messe in d (1751)
  • Miserere in d
  • Miserere in F
  • Miserere in c
  • Regina coeli in D
  • Salve Regina in A
  • Salve Regina in F
  • Te Deum (1751)
  • Venite pastores. Motetto pastorale

Literatur (Auswahl)

  • Rudolf Gerber: Der Operntypus Johann Adolf Hasses und seine textlichen Grundlagen. Leipzig 1925
  • Frederick L. Millner: The Operas of Johann Adolf Hasse. Ann Arbor 1979 ISBN 0-8357-1006-8
  • Walther Müller: Johann Adolf Hasse als Kirchenkomponist. Leipzig 1910
  • J. G. Bernhardt Zeller: Das recitativo accompagnato in den Opern Johann Adolf Hasses. Halle/Saale 1911

Weblinks

Wikipedia
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