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Johan Huizinga

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Johan Huizinga (* 7. Dezember 1872 in Groningen, Niederlande; † 1. Februar 1945 in De Steeg bei Arnheim) war ein niederländischer Kulturhistoriker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Huizinga entstammt einer mennonitischen Predigerfamilie. Sein Vater Dirk Huizinga war Professor an der Fakultät für Medizin der Universität Groningen. Johan Huizinga studierte allgemeine und vergleichende indogermanische Sprachwissenschaften in seiner Heimatstadt. Dabei lag der Schwerpunkt seiner Studien auf der Indischen Kultur. 1896 promovierte er sich mit der Studie De vogel vidusaka in het indisch toneel. Danach wurde er zunächst Geschichtslehrer an einem Gymnasium in Haarlem. Dies war möglich, da das Fach Geschichte in dieser Zeit zur allgemeinen Ausbildung der Sprachwissenschaften gehörte. Durch seinen Lehrer und Mentor Pieter Jan Blok gelang ihm schließlich doch noch der Eintritt in die wissenschaftliche Laufbahn als Historiker. Zunächst musste er sich jedoch mit dem Buch de Opkomst van Haarlem (1904) als Historiker beweisen. Zwischen 1905 und 1915 war Huizinga Professor für allgemeine und niederländische Geschichte in Groningen. 1915 übernahm er den Lehrstuhl für allgemeine Geschichte an der Universität Leiden und lehrte dort bis zur Schließung der Universität im Jahre 1942. Schon 1933 war Huizinga in Konflikt mit den der NSDAP geraten, als er einen Teilnehmer einer deutschen Delegation wegen antisemitischer Äusserungen aus seinem Büro verwies. Seine kulturkritischen Schriften wurden in Deutschland verboten. Während der deutschen Besatzung der Niederlande (1940-45) im Zweiten Weltkrieg konnte er zunächst noch seine Tätigkeit ausüben. Nach seiner Zwangsemeritierung wurde Huizinga von August bis Oktober 1942 im Geisellager St. Michielsgestel interniert. Anschließend durfte er nicht nach Leiden zurückkehren und siedelte sich mit seiner zweiten Frau und seiner jüngsten Tochter in De Steeg bei Arnheim an.

Leistung

Huizingas Geschichtsverständnis ist von seinem Studium der Sprachwissenschaften und seiner Begeisterung für Kunst - insbesondere Malerei - geprägt. Er begreift Geschichtsschreibung als bildhaft-intuitive Mentalitäts- bzw. Kulturgeschichte. Seine Antrittsvorlesung in Groningen mit dem Titel Het aesthetische bestanddeel van geschiedskundige voorstellingen (1905) kann hierfür als programmatisch angesehen werden. Ausführlicher zu seiner Methodik äußerte er sich in Aufsatzen, die in dem Band Wege der Kulturgeschichte (1930) veröffentlicht wurden.

Sein bekanntestes Werk ist Herbst des Mittelalters (1919), das heute als Klassiker der europäischen Historiographie des 20. Jahrhunderts gilt.

Ein weiteres bedeutendes Buch von Huizinga ist Homo ludens. In diesem Werk begründet er eine kulturanthropologische Spieltheorie.

Daneben veröffentlichte er eine Geschichte der Universität Groningen im 19. Jahrhundert, Mensen en menigde in Amerika (1917) und Amerika levend en denkend (1926) zur Kultur und Geschichte der USA, eine Biographie des Erasmus von Rotterdam, eine Biographie des niederländischen Künstlers Jan Veth, eine Darstellung der niederländischen Kultur des "goldenen" 17. Jahrhunderts sowie die beiden Schriften Im Schatten von morgen (1935) und Geschändete Welt (posthum 1945), die sich kritisch mit gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Gegenwart beschäftigten. Zudem verfasste er kurz vor seinem Tode die kleine Autobiografische Schrift Mein Weg zur Geschichte (posthum 1947).

Neben seiner Professur hatte Huizinga zahlreiche sonstige Funktionen inne. Von 1915 bis 1932 war Huizinga Redakteur der Zeitschrift De Gids, einer der traditionsreichsten Kulturzeitschriften der Niederlande. 1916 wurde er Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Amsterdam und 1929 Vorsitzender der Geisteswissenschaftlichen Klasse. In den zwanziger Jahren war er niederländischer Gutachter des Laura Spelman Rockefeller Memorial der Rockefeller Foundation und bereiste in dieser Eigenschaft 1926 drei Monate lang amerikanische Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen. 1932/33 war er Rektor an der Universität Leiden. 1933 wurde er Mitglied der Commission Internationale de Coopération Intellectuelle des Völkerbunds.

Werke (Auswahl)

  • Léon Hanssen u.a. (Hrsg.): Briefwisseling (Briefwechsel). Edition Veen, Utrecht
  • Herbst des Mittelalters. Studien über Lebens- und Geistesformen des 14. und 15. Jahrhunderts in Frankreich und in den Niederlanden, Stuttgart: A. Kröner 1987, ISBN 3-520-82501-5
  • Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel, Originalausgabe: Amsterdam: Pantheon 1939. Aktuell erhältlich: Reinbek: Rowohlt 2004, ISBN 3-499-55435-6
  • Verzamelde Werken (niederländische Werkausgabe). Tjeenk Willink, Haarlem
    • 1. - Oud-Indië, Nederland. 1948
    • 2. - Nederland. 1948
    • 3. - Cultuurgeschiedenis I. 1949
    • 4. - Cultuurgeschiedenis II. 1949
    • 5. - Cultuurgeschiedenis III. 1950
    • 6. - Biografie. 1950
    • 7. - Geschiedwetenschap, Hedendaagsche Cultuur. 1950
    • 8. - Universiteit, Wetenschap en Kunst. 1951
    • 9. - Bibliografie en Register. 1953
  • Im Bann der Geschichte. Betrachtungen und Gestaltungen. [Amsterdam]: Pantheon 1942.
  • Wege der Kulturgeschichte. Studien. München: Drei Masken Verl. 1930.

Weblinks

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