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Joachimsthalsches Gymnasium
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Das Joachimsthalsche Gymnasium (auch: Joachimsthaler Gymnasium - „Stall" war der traditionsreiche, liebevolle Spitzname der Schule bei ihren Schülern -) war eine 1607 in Joachimsthal gegründete Fürstenschule für begabte Knaben, die sich seit 1650 in Berlin und ab 1912 in Templin befand.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
1601–1650: Anfänge in Brandenburg
Kurfürst Joachim Friedrich von Brandenburg fasste 1601 den Plan nach dem Vorbild der Fürstenschulen Sachsens eine Eliteschule für begabte Knaben in Brandenburg zu gründen. Die Schule wurde bewusst mit einer christlich-humanistischer Zielsetzung geplant und geführt. Sie sollte die Knaben auf das Studium hin ausbilden und sie zu fähigen Mitarbeitern im Staats- und Kirchendienst machen. Zusammen mit Christoph Pelagus, dem Dekan der Universität Viadrina, und dem Hofprediger Johannes Flack sowie Simon Gedicke wurde ein Konzept für die Schule entwickelt. Am 23. und 24. August 1607 wurde die Schule unter dem Namen „Gymnasium Electorale Brandenburgium in valle Joachimica“ (Kurfürstliches Gymnasium) in Joachimsthal festlich eröffnet. Anfangs hatte das Joachimsthalsche Gymnasium 120 Schüler.
1650: Umzug nach Berlin
Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde das Schulgebäude zerstört. 1650 wurde die Schule in Berlin in der Heiligegeiststraße neu eröffnet (die Straße existiert nicht mehr; sie befand sich nahe der heutigen Heiligegeistgasse in Berlin-Mitte).
Auf das Gymnasium zum Grauen Kloster anspielend erhielt es daher den Spitznamen „Gymnasium zum Heiligen Geist“.
1707: Königlicher Titel
Zum 100-jährigen Schuljubiläum 1707 verlieh der preußische König Friedrich I. der alten Fürstenschule den Ehrennamen „Gymnasium Regium Joachimicum“ (Königlich Joachimsthalsches Gymnasium).
1880: Umzug in die Kaiserallee
1880 bezog das Joachimsthalsche Gymnasium einen Neubau in der Kaiserallee 1-12 (heute Bundesallee 1-12). Das Gebäude, das noch besteht, wurde zwischen 1876 und 1880 von dem Architekten Ludwig Giersberg nach Plänen von Johann Heinrich Strack mit vorgelagertem Arkadengang und Terrasse errichtet. Formal ist es Bauten der italienischen Hochrenaissance nachempfunden; es steht in der Bautradition Karl Friedrich Schinkels.
Das Gymnasium war aus der Berliner Stadtmitte in diese damalige Vorstadtidylle gezogen. Die Schule nahm das gesamte Gelände mit mehreren Gebäuden, Unterkünften für Lehrer und Schüler, Sporthalle und dergleichen bis zum Fasanenplatz ein. Der zur Eröffnung des Gymnasiums im Jahre 1880 anwesende Kaiser Wilhelm I. zeigte sich überrascht über die luxuriöse Ausstattung.
1912–1953: Templin
Bereits ab 1890 entstand um das Gelände die neue City des Berliner Westens. Deshalb, und weil sie sich finanziell übernommen hatte, zog die Internatsschule schon 1912 wieder aus dem Gebäude aus, das danach noch bis 1919 vom Joachim-Friedrich-Gymnasium genutzt wurde. Ab 1920 residierte hier das Bezirksamt Wilmersdorf. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, danach aber wieder aufgebaut. Heute wird es von der Stadtbücherei Berlin-Wilmersdorf und von der Universität der Künste genutzt.
Das Joachimsthalsche Gymnasium selbst wurde 1912 nach Templin in der Uckermark verlegt, wo es einen eigenen großzügigen Neubau bezog. Es bestand bis Kriegsende 1945 fort (endgültige Auflösung 1953 durch Beschluss der örtlichen Kreisverwaltung). Die Gebäude des Joachimsthalschen Gymnasium sind heute noch in Templin vollständig erhalten, aber (Stand 2006) sehr reparaturbedürftig.
Der Neubau in Templin, von Rektor August Nebe und Regierungsbaumeister Fritz Bräuning gemeinsam geplant, wurde als ein Alumnat (Familienalumnat, [s. o. „Stallaner“]) zu je drei Doppelwohnhäusern in U-Form um einen großen Innenhof („Schmuckhof“) gruppiert. Die Alumnatshäuser wurden zu nicht mehr als jeweils 25 Alumnen bewohnt. Dazu war je ein Villa angebaut die von einem Oberlehrer (Studienrat) mit seiner Familie bewohnt wurde. Er war der Vorsteher (Alumnatsinspektor) einer der sechs Alumnatshäuser. Ein Adjunkt (Referendar) und eine Hausdame kümmerten sich um das Wohl der Alumnen und sorgten auch für einen geregelten Tagesablauf der Knaben.
Im Innenhof befand sich bis 4. März 1950 eine Bronzestatue des Stifters, Kurfürsten Joachim Friedrich von Brandenburg. An diesem Tag wurde sie (aus politischen Gründen) zur Verschrottung abgeholt und ist seither spurlos verschwunden.
Die Schule hatte schon in Joachimsthal, in Berlin-Wilmersdorf und dann auch wieder in Templin sehr schöne und bedeutende Schulgärten. Der Schulgarten in Templin ist wieder kultiviert, er besteht heute als Lehmann-Garten fort.
Die Gebäude heute / Neugründung ?
In Berlin ist die heute zum Geländes des ehemaligen Joachimsthalschen Gymnasiums gehörende Gerhart-Hauptmann-Anlage zwischen Bundesallee, Meierotto- und Schaperstraße – entgegen den Hochhausplanungen 2005 – nicht bebaut worden. Die Grünanlage grenzt heute an das Areal der Berliner Festspiele (ehemals Freie Volksbühne) und an das ehemalige Lehrerhaus, welches heute eine Kindertagesstätte beherbergt. Die Bronzebüste von Gerhart Hauptmann stammt von Fritz Klimsch und wurde am 6. Juni 1966 enthüllt.
Das Joachimsthalsche Gymnasium war ein christlich-humanistisches Stift, mit einer eigenen evangelischen Kirchengemeinde in Templin.
Es gibt auch verschiedene Überlegungen der Nutzung und Neugründung.
Schullied / Leitspruch / Traditionspflege
Es gibt auch ein eigenes Lied für das Joachimsthalsche Gymnasium („Joachimsthaler Lied“: Wir sind Joachimsthaler Jungen ...). Verfasser ist Otto Schroeder (Professor, Adjunkt und Oberlehrer von 1875 bis 1910 am Joachimsthalschen Gymnasium). Gesungen wird es auf die Melodie des Trio aus dem Parademarsch Nr. 1, Armeemarsch III/51 (Möllendorf).
Leitspruch der „Joachimsthaler“: Dic cur hic („Sag, warum Du hier bist.“)
Die ehemaligen Schüler haben sich in der „Vereinigung Alter Joachimsthaler e. V.“ zusammengeschlossen. „Alma Mater Joachimica“ ist ihre Vereinszeitschrift.
Bedeutende Personen
Bedeutende Schüler
- Achim von Arnim (1781–1831), Dichter
- Georg Büchmann (1822–1884), Philologe
- Otto Friedrich Butendach (1730-1798), Theologe
- Otto Paul Herrmann Diels (1876–1954), Chemiker, Nobelpreis für Chemie 1950
- Friedrich Wilhelm von Dossow (1669–1758), preußischer General
- Erich Everth, (1878–1934), Kunsthistoriker, Journalist und Zeitungswissenschaftler
- Alfred Karl Ludwig Eberhard Jobst Graffunder, (1801–1875), Pädagoge und Sprachforscher
- Ernst von Harnack, (1888–1945), Politiker, Widerstandskämpfer
- Paul von Hase, (1885–1944), Generalmajor
- Wolfgang Helbig (1839–1915), Archäologe
- Georg Heym (1887–1912), Schriftsteller des Expressionismus
- Walter Kaskel (1882–1928), Prof. Dr., Arbeitsrechtler in Berlin
- Ernst Laas (1837–1885), Pädagoge und Philosoph
- Leopold zur Lippe-Biesterfeld-Weißenfeld (1815–1889), Preußischer Justizminister
- Friedrich Nicolai (1733–1811), Verleger und Schriftsteller
- Franz Pfemfert (1879–1954), Journalist und Herausgeber der Zeitschrift Die Aktion
- Johann Heinrich Leberecht Pistorius (1777–1858), Kaufmann, Landwirt, Schnapsbrenner
- Erwin Planck, (1893–1945), Politiker, Widerstandskämpfer
- Friedrich Gabriel Resewitz (1729–1806), Pädagoge und Abt
- Paul Gustav Samuel Stäckel (1862–1919), Mathematiker
Bedeutende Lehrer
- Wilhelm Ludwig Abeken
- Johannes Imelmann
- Johann Jacob Engel, von 1776 (vermutlich bis 1787) Professor der Philosophie und der „schönen Wissenschaften“
- Rudolf Köpke, Historiker und Journalist, von 1838 bis 1842 am Gymnasium
- Gustav Lehmann, Botaniker und Pädagoge
- Johann Heinrich Ludwig Meierotto, Geograph und Pädagoge (Rektor)
- Johannes Revius
- Heinrich Christian Wilhelm Schrader
- Rudolf Tobler
- Hermann Carl Usener, Altphilologe und Religionswissenschaftler
- Peter Villaume, von 1787 bis 1793 Professor der Moral und „schönen Wissenschaften“
- Kurt Wachsmuth, Philologe
Rektoren des Joachimsthalschen Gymnasium
(Rector Joachimicus)
Joachimsthaler Zeit (Gründung 1607 bis 1636/50):
- 1607 bis 1610 Karl Bumann (1551–1610)
- 1610 bis 1636 Samuel Dresemius (1578–1638)
Berliner Zeit im Schloß Berlin (Kriegsbedingte Übergangszeit/ 1650 bis 1688):
- ?
- 1653 bis 1658 Ernst Wulstorp (1595–1660)
- 1659 bis ???? Johannes Vorstius (1623–1676)
- ??
Berliner Zeit in der Burgstraße (1688 bis 1872):
- ?
- 1707 bis 1721 Paul Vilckmann (1669–1721)
- 1775 bis 1800 Johann Heinrich Ludwig Meierotto (1742–1800)
- 1802 bis 1826 B. L. Snetheage (1753–1842)
- 1826 bis 1857 Johann Albert Friedrich August Meineke (1790–1870)
- 1857 bis 1872 Friedrich Wilhelm Gustav Kießling (1809–1884)
Berliner Zeit in der Kaiserallee (heute: Bundesallee) (1872 bis 1912):
- 1872 bis 1886 Carl Schaper (1828–1886)
- 1887 bis 1909 Carl Bardt
- 1909 bis (1921) August Nebe (1864–1943)
Templiner Zeit (ab 1912):
- (1909) bis 1921 August Nebe
- 1921 bis 1925 Rudolf Graeber (1866–1940)
- 1925 bis 1930 Carl Kappus
- 1930 bis 1935 Gustav Kuhlmann (1882–1954)
- 1935 bis 1944 Walther Hertzberg (1890–1977)
Literatur
- Siegfried Joost: Das Joachimsthalsche Gymnasium. (Festschrift zum Gedenken an die 375-jährige Wiederkehr der Gründung des Joachimsthalschen Gymnasiums am 24. August 1982). Wittlich, Knoop 1982.
Koordinaten: 52° 29′ 54" n. Br., 13° 19′ 47" ö. L.
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