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JHWH
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JHWH oder YHWH (hebräisch יהוה , ausgeschrieben meist Jahwe oder Jehovah) ist der Eigenname Gottes im Tanach, der Bibel des Judentums. Dieser Name bezeichnet für gläubige Juden und Christen den einzigen Gott der ganzen Welt, ihren Schöpfer, Retter, Richter und Erlöser. JHWH ist für sie der gnädige Befreier und gerechte Bundespartner des erwählten Volkes Israel, wie ihn das erste der Zehn Gebote vorstellt ([[2. Buch Mose
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):
Ich bin JHWH, dein Gott, der Ich dich aus der Knechtschaft in Ägypten herausgeführt habe. Du sollst keine anderen Götter neben Mir haben.
Für Christen ist JHWH als Gott Israels zugleich der Vater Jesu Christi, der alle Völker durch das Sterben und Auferstehen seines Sohnes in seinen ewigen Bund einbeziehen will ([[Brief des Paulus an die Philipper
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).
Inhaltsverzeichnis |
Das Tetragramm
Der Eigenname Gottes wird im Tanach stets als Tetragramm (Vierfachzeichen) aus den hebräischen Konsonanten Jod (י
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), He (ה
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), Waw (ו
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), He (ה
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) dargestellt. Diese ergeben von rechts nach links gelesen das Wort יהוה
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„JHWH“. Es erscheint dort nach der jüdischen Bibelenzyklopädie 6.823-mal, in der Biblia Hebraica Stuttgartensia 6.828-mal. Es ist der häufigste biblische Eigenname.
Archäologische Dokumente
Im Tanach ist JHWH der exklusive Name für Israels Gott. Er findet sich aber auch in der altorientalischen Umwelt als Gottesname, verkürzte Formen auch als theophorer („gott-tragender“) Bestandteil von Personennamen.
Eine ägyptische Ortsnamensliste im Amontempel von Soleb aus der Zeit von Amenhotep III. (1402-1363 v. Chr.) nennt „das Land der Schasu-JHW“. Auch in der Zeit Ramses III. (1198-1166) taucht dieser Ausdruck auf. Er bezeichnete sowohl ein Gebirge im südlichen Ostjordanland als auch den Gott der dort lebenden Beduinen. Auf Tontafeln (Ostraka) von Ugarit taucht ein Gott JW als „Sohn des El“ auf.
Die Mescha-Stele (um 840 v. Chr.) gilt als ältester außerbiblischer Beleg für das Tetragramm: Und ich nahm die Gefäße des JHWH und trug sie vor Kemos. Auch ein kürzlich gefundenes Tablett mit den phönizischen Zeichen YOD, HE, W, HE gibt einen Gottesnamen wieder.
Die frühesten Belege des Namens aus Palästina stammen aus dem 8. Jahrhundert v. Chr.: Ein Priestersiegel trägt die Inschrift Dem Miqnejaw, dem Knecht JHWHs gehörig. Auf einer Grabinschrift bei Lachisch steht Gesegnet sei Urijahu von JHWH. Beide Personennamen enthalten eine Kurzform des Gottesnamens.
Fragmente aus der frühen israelitischen Königszeit in Kuntillat Ajrud auf der Sinaihalbinsel notieren JHWH neben dem Gott Ba'al in phönizischer Schrift und verweisen eventuell auf einen damals noch üblichen Synkretismus. Auch mit dem – im Tanach streng als Götzendienst bekämpften – Kult der Fruchtbarkeitsgöttin Aschera wurde JHWH kombiniert.
In Grußformeln der Lachischbriefe aus dem 6. Jahrhundert heißt es z.B.: Möge JHWH meinen Herrn bald gute Nachricht hören/in Gesundheit leben lassen. Auch die biblische Schwurformel so wahr JHWH lebt findet sich hier. Die Verwendung als Gruß bestätigen Tontafeln aus Arad, z.B. Möge JHWH deinen Frieden suchen.
Neben der Langform finden sich seit dem Babylonischen Exil (586-520 v. Chr.) vermehrt kürzere Formen wie JHW oder JHH auf Aramäisch. In der jüdischen Militärkolonie von Elephantine in Ägypten existierte bis 410 v. Chr. ein JHWH-Tempel. In dessen Umfeld wurden beide Kurzformen parallel in Briefen, Schwüren und Kulttexten genannt, z.B.: Ich segne dich durch JHH und CHNM. Diese synkretistische Formel kombinierte den jüdischen Gott mit dem ägyptischen Lokalgott.
Schreibweise
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Das rabbinische Judentum setzte diese Tradition fort, indem es erst den Konsonantentext des Tanach (100-135 n. Chr.), dann seine Vokalisierung (bis 1000) verbindlich festlegte. Dabei vokalisierten die Masoreten das Tetragramm mit den Vokalen von Adonaj („mein Herr“), wobei sie auch den A-Laut der Anfangssilbe vermieden und durch den unbetonten E-Laut ersetzten. Dort, wo Adonaj im Konsonantentext neben JHWH stand, vokalisierten sie den Gottesnamen mit den Vokalen von Elohim („Götter“, „Gott“). Samaritanische Handschriften setzten nur das Vokalzeichen für A über die zweite Silbe von JHWH und wiesen so darauf hin, dass hier das Wort Schema (aramäisch „der Name“) zu lesen sei.
Dem Kenner der hebräischen Schrift sagten die Vokalzeichen zum Tetragramm, dass an dieser Stelle etwas anderes zu lesen sei (qere) als geschrieben steht (ketib) und der Leser demnach die Worte Adonai, Elohim oder Schema auszusprechen habe. Dies sollte das Aussprechen des Gottesnamens verhindern und bekräftigte so zugleich seine Einzigartigkeit. Doch diese Absicht der masoretischen Punktuation wurde im Mittelalter – auch im Judentum selber – weithin vergessen.
Die Biblia Hebraica Stuttgartensia folgt dem Masoretentext und vokalisiert den Namen daher verschieden:
| JHWH: | Jehwáh | Jehwíh | Jehowáh | Jehowíh |
Die dritte Lesart kombiniert die Konsonanten JHWH mit den Vokalen, die eigentlich die Aussprache von Adonaj verlangen. Das führte zu dem verbreiteten Missverständnis, Israels Gott heiße „JeHoWaH“, latinisiert „Jehova“. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war diese Lesart allgemein üblich; die Zeugen Jehovas verwenden sie bis heute.
Aussprache
Für das Judentum ist Gottes Name unaussprechlich. Bei Bibellesungen in der Synagoge wird das Tetragramm wohl schon seit dem 1. Jahrhundert immer durch die Anrede Adonaj („Herr“) oder Adonaj Elohim („Herr Gott“) ersetzt. Dabei ist Adonaj eigentlich ein Dual bzw. Plural mit dem Suffix der 1. Person Singular, heißt also wörtlich „meine [beiden] Herren“. Dies wird als Bekundung der Majestät Gottes (vgl. deutsche Anrede „Eure Majestät“) gedeutet.
Da auch das Ersatzwort Adonaj nur im Gebet genannt wird, lesen Juden den Gottesnamen beim alltäglichen Vorlesen eines Bibel- oder Gebetstextes als HaShem (der Name). Die Floskel „Gott sei Dank“ heißt z.B. auf Hebräisch Baruch haschem („gesegnet [sei] der Name").
Mit dem Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels (539 v. Chr.) begann diese jüdische Tabuisierung: Obwohl Gottes Name im Tanach offenbart ist, um angerufen zu werden und dazu z.B. in Privatbriefen weiterhin gebraucht wurde, wurde er kultisch nun als unaussprechlich und darum im öffentlichen Vortrag nicht verwendbar betrachtet und verschieden umschrieben. Diese Heiligung des Gottesnamens (hebr. kiddusch ha Schem) durch seine Vermeidung war zur Zeit Jesu im vom Hellenismus und Pharisäismus geprägten palästinischen Judentum üblich, um das zweite Dekaloggebot (nach anderer Zählung das dritte) nicht unabsichtlich zu verletzen ([[2. Buch Mose
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):
Missbrauche nicht den Namen JHWHs, deines Gottes.
Nur der Hohepriester durfte den Gottesnamen am Jom Kippur (Versöhnungstag) aussprechen, wobei der laute Gesang der Leviten dies akustisch überdeckte. Mit der Tempelzerstörung im Jahr 70 endete auch diese Praxis. Spätestens seit 100 wurde der Gottesname im Judentum nicht mehr genannt. Daher ging das Wissen um seine ursprüngliche Aussprache verloren.
Erst im frühen 19. Jahrhundert versuchte die christlich geprägte historisch-kritische Bibelforschung die Aussprache des Tetragramms zu rekonstruieren und es dazu auf eine gemeinsame Urform zurückzuführen. Die seitdem aufgestellten Thesen sind jedoch ebenso vielfältig wie die überlieferten Schreibweisen des Wortes. Der lutherische Theologe Romanus Teller (1703-1750) stellte schon 1749 fest:
Sanchuniathon schreibet Jevo, Diodorus aus Sicilien, Macrobius, Clemens Alexandrinus, der heilige Hieronymus und Origenes, Jao; die Samaritaner, Epiphanius, Theodoretus, Jahe, oder Jave; Ludwig Cappel lieset Javoh; Drusius, Jahve; Hottinger, Jehva; Mercerus, Jehovah; Castellio, Jovah; und le Clerc, Jawoh, oder Javoh.
Die Lesart JaHo-WaH bzw. JeHu-WaH wurde nach 1900 öfter vertreten und berief sich auf die in Personennamen enthaltenen Kurzformen. Der Alttestamentler Sigmund Mowinckel (1884-1965) etwa meinte (Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft, Jg. 54, 1936, S. 269):
Hinweise [lassen] erkennen, ja sogar beweisen, daß Jahwéh nicht die richtige Aussprache des Tetragrammatons war … der Name selbst lautete wahrscheinlich JAHÔH.
Auch die revidierte französische Bibelübersetzung nach Louis Segond kommentierte:
Die Aussprache Yahvé, die in einigen neueren Übersetzungen verwendet wird, stützt sich auf ein paar alte Zeugen, aber sie sind nicht schlüssig. Zieht man Eigennamen … in Betracht, wie zum Beispiel den hebräischen Namen des Propheten Elia (Eliyahou), dann könnte die Aussprache genausogut Jaho oder Jahou sein.
Andere hielten an der Dreisilbigkeit des Namens fest, wie er im Tanach auftrete. Max Reisel z.B. schrieb 1957 (The Mysterious Name of YHWH, S. 74):
Die Vokalisation des Tetragrammatons [ist] ursprünglich JeHuàH oder JaHuàH gewesen.
Ungeachtet dieser älteren Lehrmeinungen hält die Mehrheit der Hebraisten und Altorientalisten heute „Jahwe“ für die ursprüngliche Lesart. Argumente dafür finden sie
- in der masoretischen Vermeidung des Langvokals auf der ersten Silbe,
- in der Eigenart des Hebräischen, offene Schlusssilben eines Verbs mit langem Vokal zu unterlegen,
- in griechischen Übertragungen des Gottesnamens aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., z.B. iabe oder iaoue. Das griechische Beta oder Omega ersetzte das hebräische Wav, weil es ähnlich ausgesprochen wurde;
- in neu gefundenen vor- und nachexilischen Inschriften aus Israels Umwelt, die den Namen des jüdischen Gottes mit „Jawe“, „Jabe“ und „Jauwe“ überliefern.
Etymologie
Die sprachliche Entstehung des Tetragramms ist bis heute ungeklärt. Es gilt als die eigentliche Form des Gottesnamens, da sie im Tanach nie mit anderen Namen kombiniert ist. Dazu kennt dieser mehrere kürzere Nebenformen. Ihr Verhältnis zur Langform JHWH ist umstritten.
Als selbständige Form tritt JH vor allem in der liturgischen Formel halelu jah („Preiset Jah!“ = Gott) auf. Diese ist oft auch an Personennamen angehängt: z.B. Jesaja, Hiskija. Die weiteren Kurzformen JHW und JW treten im Tanach – anders als in außerbiblischen Belegen – jedoch nie selbständig, sondern stets als theophorer Teil von Personennamen auf.
Von den drei Kurzformen wird JHW als älteste vermutet, da sie in vorexilischer Zeit überwiegt. Sie erscheint als vorangestelltes (z.B. Jeho-natan) und angehängtes (z.B. Eli-jahu) Namenselement. Als Anhängsel wird JHW nach judäischer Schreibung zu JH verkürzt; als Vorsilbe (jeho) entwickelt es sich zu JW (jo), z.B. von Jehoschua zu Josua. Vor allem im Nordreich findet sich aber auch im Auslaut die Schreibung JW, z.B. in Miknejaw. Die Vokalisierung ist umstritten; meist nimmt man jaw an.
Viele Hebraisten und Alttestamentler versuchten, die Langform aus diesen Kurzformen abzuleiten. Der Altorientalist Godfrey Rolles Driver (Zeitschrift für Alttestamentliche Wissenschaft 1928) etwa fand in dem ekstatischen Ausruf „Jah!“ den Ursprung, ausgedrückt in [[2. Buch Mose
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JHWH ist meine Stärke und mein Lobgesang und mein Heil. Das ist mein Gott, JAH, ich will ihn preisen …!
Mowinckel nahm dagegen Jahu als Urform an und übersetzte sie als Kultruf mit „Oh Er!“ In altertümlichen poetischen Sprüchen wie [[5. Buch Mose
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|Dtn]] 32,6 EU
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fand er dafür Anhalt:
Ist ER nicht dein Vater und dein Herr? Ist es nicht ER allein, der dich gemacht und bereitet hat?
Dagegen wies Antonius Gunneweg (Biblische Theologie des Alten Testaments S. 77) auf die frühen außerbiblischen Belege des Tetragramms hin. Dass JHWH offenbar auch anderen Stämmen in Palästinas Umgebung bekannt war und dort verehrt wurde, spreche gegen die Entstehung des Namens im frühisraelitischen Kult und für seine vorisraelitische Herkunft.
Auch die Gesetze der hebräischen Sprache erklären die Kurzformen eher aus der Langform als umgekehrt: In Verben gehen geschlossene Silben oft in offene über, während sie an Namensendungen wegfallen können (Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament Sp. 544).
Die Langform wird meist von der Verbwurzel HWH abgeleitet. Im Altarabischen heißt dieses Verb „fallen“; Exegeten des 19. Jahrhunderts deuteten den Namen daher kausativ mit „der Fällende“ und bezogen ihn auf eine Gewittergottheit ([[2. Buch Mose
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). Bernardus Dirks Eerdmans (1868-1948) deutete die zweisilbige Kurzform Ja-Hu! als lautmalerischen Ausruf, der Blitz und Donner nachahmen solle. Julius Wellhausen (1844-1918) brachte die Kurzform JHW mit dem arabischen Verb HWH für „wehen“ in Verbindung, andere mit Arabisch HWA für „lieben“ oder dem ugaritischen Verb HWH für „sprechen“ oder „befehlen“.
HWH lässt sich aber auch als aramäische Version des hebräischen Verbs HJH für „leben, existieren, dasein, wirksam werden“ auffassen. Dies wird durch die verwandte Sprache des Amoritischen gestützt, die ein Verb HWJ mit derselben Bedeutung und Substantivierung kennt.
Demnach könnte JHWH als Hifil von HWH mit „der ins Leben, ins Dasein ruft“ übersetzt werden (so William Foxwell Albright). Als Imperfekt von HJH würde JHWH bedeuten: „Er ist“ oder „Er erweist sich als wirksam“. Als Kausativ von HWH würde es bedeuten: „Er veranlasst zu werden“. Diese imperfekte Verbform der 3. Person ist mit vielen hebräischen und arabischen Personennamen vergleichbar, die mit „J“ beginnen und eine Aussage über den Namensträger machen: z.B. hebräisch Jôsêph = arabisch Jazîd = „er (der) hinzufügt“; hebräisch Jihjeh = arabisch Jahjâ = „er (der) lebt“.
Für Gunneweg setzt jede Deutung, die den Namen als Aussage über Gottes Dasein und Wesen auffasst, einen hohen Grad an theologischer Reflexion voraus, der für die sprachliche Herkunft noch nicht anzunehmen sei. Er hält eine Schöpfungsaussage („der ins Dasein ruft“, „der veranlasst zu werden“) für unwahrscheinlich, da der Gottesname im Tanach ursprünglich nicht mit der Weltschöpfung, sondern mit dem Geschichtshandeln im Exodus Israels und der Toraoffenbarung am Sinai verbunden ist. Auch Rainer Albertz sieht die einmalige Deutung des Gottesnamens im Tanach als Hinweis darauf, dass in Israel dessen Ursprungsbedeutung nicht mehr bekannt war, und betont (Religionsgeschichte Israels S. 82):
Gottesnamen sind häufig sehr viel älter als die aktuellen Religionen, und die Gottesvorstellungen wandeln sich unter der Hülse des gleichen Namens.
Herkunft
Wo die Israeliten diesen Gottesnamen kennenlernten, ist ungewiss. Einige alte Bibelstellen legen eine Übernahme von nomadischen Nachbarstämmen nahe. Denn nach [[2. Buch Mose
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|Ex]] 3,1 EU
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begegnete Mose JHWH „im Lande Midian“ am „Berg Gottes“, hier „Horeb“ genannt. So hieß in der deuteronomischen Geschichtsschreibung der Berg Sinai, an dem nach Ex 19-24 die große Offenbarung der Tora stattfand (s.u.). Die Lage dieses Berges ist unbekannt. Er wurde erst in christlicher Zeit im Süden der heute nach ihm benannten Sinai-Halbinsel lokalisiert und heißt auf Arabisch Dschebel Mosa (Moseberg). Am benachbarten Dschebel Serbal wurden Inschriften der Nabatäer von etwa 100 v. Chr. gefunden, die ein altes Wallfahrtsheiligtum belegen, zu dem Nomaden von weit her zogen.
Die Midianiter, ein Volk kriegerischer Wüstennomaden, bewohnten dagegen ein Gebiet östlich des Golf von Akaba. Dorthin weisen auch andere archaische Bibelstellen, die den Sinai neben dem „Seir“, einem Gebirgszug östlich des Wadi El-araba zwischen Totem Meer und Golf von Akaba im damaligen Edom nennen ([[5. Buch Mose
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|Dtn]] 33,2 EU
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):
JHWH ist vom Sinai gekommen und ist ihnen aufgeleuchtet vom Seir her.
Das „Aufleuchten“ spielt auf die „Wolken- und Feuersäule“ an, die den Israeliten nach ihrer nächtlichen Flucht aus Ägypten den Weg zum Schilfmeer wies ([[2. Buch Mose
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). Dieses Motiv stammt aus der Sinaierzählung und erinnert an deren Naturphänomene: Donner, Blitz, dichte Wolken wie bei einem Gewitter, zudem Rauch, Feuer „wie von einem Schmelzofen“, Erdbeben wie bei einem Vulkanausbruch ([[2. Buch Mose
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|Ex]] 19,16ff EU
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). Darauf bezieht sich auch der Siegespsalm der Deborah nach siegreicher Schlacht, in dem es heißt ([[Buch der Richter
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|Ri]] 5,4f EU
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JHWH, als Du von Seir her auszogst und von den Gefilden Edoms einher gingst, da erzitterte die Erde, Himmel und Wolken troffen von Wasser. Die Berge, der Sinai wankten vor JHWH, dem Gott Israels.
Dieses Zitat taucht in [[Psalmen
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|Ps]] 68,8f EU
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fast wortgleich wieder auf. Dort heißt Gott geradezu „der vom Sinai“. Obwohl hier literarische Motive eines göttlichen Machterweises im Spiel sind, kann echte Erinnerung dahinter stehen: Dann wäre JHWH ursprünglich der Name einer Berggottheit in vulkanischem Gebiet gewesen. Tätige Vulkane gab es damals nur südöstlich des Golfs von Akaba, nicht auf der Sinaihalbinsel. Auch dort kann schon ein Wallfahrtsort gelegen haben. Denn nach [[2. Buch Mose
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|Ex]] 3,1 EU
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war Mose der Schwiegersohn von Jitro, des „Priesters von Midian“. Dieser brachte nach [[2. Buch Mose
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|Ex]] 18,1-12 EU
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an jenem unbekannten Berg Opfer dar, nachdem er von Israels wunderbarer Rettung gehört hatte; mit